Du willst Yogalehrer werden? So findest du die richtige Ausbildung

Yoga ist für dich mehr als Gymnastik auf bunten Matten, es geht dir gut, wenn du mindestens einmal am Tag die Beine über den Kopf bekommst und du saugst alles, was irgendwie mit Yoga zu tun hat auf wie ein trockener Schwamm?

Dann hast du sicher schon einmal darüber nachgedacht, eine Yogalehrer Ausbildung zu machen.

Ich auch. Letzten Montag hat meine Ausbildung zur Jivamukti Yogalehrerin begonnen. Bis dahin war es ein langer Entscheidungsprozess. Denn da man sich bei einer Yogalehrer Ausbildung intensiv mit der eigenen Psyche auseinandersetzt,war es mir sehr wichtig, die passenden Lehrer zu finden.

Um dir deine Suche zu erleichtern, habe ich die zehn wichtigsten Learnings aus meiner Entscheidungsphase zusammengefasst:

1. Der richtige Zeitpunkt

Da ein Teacher Training viel Geld und Energie kostet, solltest du dich vorher fragen,  ob du nicht nur körperlich, sondern auch psychisch fit für die intensive Yoga-Praxis bist. Du solltest bedenken, dass nicht nur du an deine Grenzen geraten wirst, sondern auch die anderen Teilnehmer. Nicht in jeder Lebenssituation hat man die Power, sich mit seinen eigenen Gefühlen und denen der anderen zu auseinanderzusetzen. Wann der richtige Moment gekommen ist, kannst nur du selbst entscheiden.

2. Yoga ist mehr als Asana:

Bei der Wahl der Ausbildung solltest du außerdem abklopfen, welche Inhalte dir wichtig sind und diese mit den Ausbildungsinhalten abgleichen. Liegt der Fokus auf Unterrichtsdidaktik und Asana-Praxis? Ist es dir wichtig, ein solides Grundverständnis über die Ursprünge des Yoga und die Philosophie dahinter zu bekommen? Oder bist du vor allem an den Assists interessiert? Oder möchtest du alles zusammen? Manche Ausbildungen sind sehr breit angelegt, andere haben ganz konkrete Schwerpunkte.

3. Finde deinen Yoga-Stil:

Vinyasa Flow, Kundalini, Ashtanga, Jivamukti, Bikram, Anusara oder Iyengar Yoga – wenn es um Yogastile geht, haben wir die Qual der Wahl.

Mein Tipp: Besuche viele verschiedene Klassen und probier dich aus. Geht es dir gut, wenn du dich wie wild durch die Vinyasas schwingst oder mag dein System lieber durch eine ruhige, meditative Praxis ins Lot gebracht werden? Wenn es in deiner Nähe keine Studios gibt, unternimm Kurztrips zu Wochenend-Workshops oder mach dir ein Online Yoga Abo, zum Bespiel bei yogaglo oder yogaeasy. Danach überlege dir, welchen dieser Stile du selbst gerne unterrichten möchtest und bedenke diese Vorliebe bei der Wahl der Ausbildung.

4. Zu Hause oder in Übersee?

Klingt banal, ist aber ein wichtiger Faktor. Hast du Lust auf einen hippiemäßigen Selbstfindungstrip durch Indien, ist ein Abstecher nach L.A. dein Ding oder turnst du lieber in heimischen Gefilden? Bei der Frage nach dem Ort solltest du erstens an die Unterrichtssprache denken und zweitens, ob ein äußerlicher Trip zusätzlich zu der inneren Reise für dich angebracht ist. Es kann sehr beruhigend sein, zu wissen, dass man jederzeit nach Hause fahren könnte.

5. Berufsbegleitend oder Intensiv?

Yogalehrer werden kann man je nach Ausbildung in vier Wochen oder in vier Jahren. Für den Start halte ich eine Ausbildung mit 200 bis 300 Stundenumfang für sinnvoll. In dieser Zeit können die Basics gut abgedeckt werden, Schüler bleibt man ohnehin sein Leben lang. Ob du diese Zeit am Stück nimmst oder über einige Monate verteilt, ist eine Frage des Geschmacks und auch der Möglichkeiten. Nicht jeder hat Lust seinen Jahresurlaub für ein Teacher Training zu opfern. Bei einer berufsbegleitenden Ausbildung kann sich das Gelernte zwischendurch setzen. Bei einem Intensiv-Training bleiben Einflüsse aus dem Alltag außen vor und man kann noch tiefer in die eigene Praxis einsteigen. Your choice!

6. Denke ans Geld.

Wie unyogisch! Aber hey, so eine Yogalehrer Ausbildung ist ganz schön teuer. Auch in der Yogawelt geht es um Geld. Bei Ausbildungen gilt: Teuer ist nicht gleich gute Qualität. Schau dir genau an, welche Leistungen in dem angebotenen Ausbildungspaket inbegriffen sind und wofür Extrakosten fällig werden. So hast du eine gute Grundlage zu entscheiden, wo du dein Geld investieren möchtest.

7. Finde einen Lehrer.

Das klingt erst einmal groß, oder? Diesen Punkt halte ich aber für enorm wichtig. Die Schüler-Lehrer-Beziehung ist ein sehr besonderes Verhältnis und nicht jeder kann mit jedem. Damit du dich wirklich weiterentwickeln kannst, ist es essentiell einen Lehrer zu finden, den du annehmen kannst, dem du zu 100 Prozent vertraust. Also: Schau dir an, mit wem du es zu tun hast. Besuche Workshops bei potentiellen Ausbildern, nimm Yogaklassen bei ihnen und lerne sie kennen. Du wirst schnell spüren, ob du diese Erfahrung ausbauen möchtest oder lieber nicht.

8. Lass dich nicht beirren.

Wenn du dich erst einmal für eine Ausbildung entschieden hast, bleib dabei. Versuche, dich mit Menschen auszutauschen, die dich unterstützen, denn es wird genug Zweifler in deinem Umfeld geben. Sprüche wie: Echt, bei dem machst du die Ausbildung? Oder: Das ist doch viel zu viel Geld! werden dir immer wieder begegnen. Mach dir keinen Kopf, es geht schließlich rum DEINEN Weg, nicht um die Vorstellungen der anderen.

9. Üben, üben, üben:

Vielleicht hast du schon mal von Pattabhi Jois Leitspruch gehört: „Practice and all is coming!“ Also, nix wie los und ab auf die Matte, dann kommen die Erkenntnisse von ganz allein.

10. Vergiss alle meine Punkte:

Ganz ehrlich: Man kann es mit dem Nachdenken auch übertreiben. Ich kenne Menschen, die sich ganz spontan für eine Ausbildung bei ihrer ersten und einzigen Lehrerin entscheiden und damit super fahren. Warum nicht? Wer mit wachem Geist und offenem Herzen durch die Welt geht, landet am Ende doch ohnehin dort, wo er hingehört.

Ich habe mich für das Jivamukti Teacher Training mit Patrick Broome und Yogeswari entschieden. Die nächsten vier Wochen werde ich mit 57 anderen „Auszubildenden“, sechs Yogalehrern, fleißigen Küchenhelfern und einigen Nonnen am Chiemsee verbringen. Vier Wochen Kloster. Vier Wochen Bootcamp. Vier Wochen Selbsterfahrung. Wie aufregend!

Yogalehrer Ausbildung JivamuktiAch so, über Ergänzungen zu meiner Liste, Mutzusprechungen und sonstige Geistesblitze in den Kommentaren freue ich mich!

Love, peace and hugs,
Rebecca

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Bild: Grit Siwonia

11 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Very nice ‚Tipps‘. And great blog! The only thing that makes me worry – there is a big plague lately of people who want to become Yoga Teachers without having enough patiency to be a Yoga Student. I have been practicing yoga for seven years and I still dont consider myself experience enough to teach others. To me, its is not about how good am I in the asanas (i am good;)) – it is more about how good am i in my life. Please all ‚yogis‘, dont believe you can be a real teacher after graduating one or two months Teacher Training. Even it is a beautiful experience which can change your life – yoga demands much longer experience with your body and yourself. Stay patient and keep on working!

    1. Great article! Ich freu mich auf den Bericht- Jivamukti mag ich gerne aber 4 Wochen Kloster waren undenkbar für Familie und Job – bin gespannt was du berichtest.

      And this comment made me think quiete a bit :-) So who says who is „good in life“? Is it good, if I live like some Guru said in a book it would be good to live? Or is it good, if I listen to my heard? Or is it good if I try each day to be a good person? Like being friendly and patient and in the moment? Or is it good if I just do what I want and feed free to live life like a wild journey? I don´t know. And which journey we choose – will it ever end? No, I don´t think so. So how about teaching? If someone considers himself ready to teach – I believe that person should go out and to teach – and will find students fitting to what is teached and how. If you don´t feel ready I think it is good and thoughtful to not teach yet. If someone feels able to be a teacher I don´t want to judge. 4 weeks, 4 years, a lifetime…of course there are differences in qualitity. But maybe someone can give a lot after a 4 weeks TT? I believe we all will find the right teacher – and we all stay students.
      My Yoga-journey was totally enriched by the teacher training I was in. It was fun, exhausting, great, expensive, I met great people who touched my heart in a special way – and I learned so much. I loved that. I didn´t quitt my job to give classes every day but I do personal yoga classes for my friends and office yoga in my job. I love it. Am I a Guru like those wise people were once? Nop! And that is ok, for me. Everyone may go on his own journey. And I love to see all those people do it differently. How wonderful that is :-)

  2. Danke für eure Kommentare <3

    Über die Ausbildung werdet ihr sicher noch hören. Wenn ihr konkrete Fragen habt, gerne auch hier in den Comments, die Beantwortung kann allerdings etwas dauern, Zeit ist ist Mangelware ;)

  3. Huhu Rebecca, hab beim Lesen zustimmend genickt :)
    Ich befinde mich seit Oktober in einer Ausbildung zur Anusara Yogalehrerin und hatte vorher auch die Qual der Wahl!
    Enjoy it!!!!!
    Grüße aus Düsseldorf
    Vanessa

    1. @ Vanessa:

      Du schriebst in 11/2013, dass Du Dich in einer Anusara-Ausbildung in Düsseldorf befindest.
      Kannst Du mir sagen, wo und bei wem? Ich interessiere mich auch dafür :-)

  4. Hello Rebecca,

    …ich schließ mich Hannah an,wunderbar passend auch für mich gerade.Da ich für mich auch die Jivamutki-Ausbildung in die engere Wahl genommen habe bin ich super gespannt was du berichten wirst.
    Ich glaub es wird eine tolle Zeit-genieß es ganz!

    Bis ganz bald und beste Grüße
    Sandra

  5. Liebe Rebecca,
    ein schöner Artikel, der für mich genau zum richtigen Zeitpunkt kommt, da ich gerade auch nach der (für mich) besten Yogalehrer-Ausbildung Ausschau halte. Ich wünsche dir viel Spaß bei deinem Teacher Training und bin gespannt, was du währenddessen und anschließend noch berichten wirst.
    Liebe Grüße, Hannah

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