Klima-Aktivismus im Yogastudio: Wie du Schüler*innen inspirierst, ohne zu predigen

Viele Yoga-Traditionen und -Lehrende verstehen die Yogapraxis als politisch und aktivistisch und sensibilisieren ihre Schüler*innen dahingehend; beispielsweise auch Jivamukti Yoga, die Yoga-Methode, die ich unterrichte. Yoga wird hier als radikale (= an die Wurzel gehende) Praxis vermittelt, in der es darum geht, Mitgefühl für alle Wesen unseres Planeten zu kultivieren. 

Häufig werden Klima- und Umweltschutz also zum Thema der talks in Jivamukti-Yogaklassen, aber auch in den Unterrichtsstunden anderer Schulen.

Möchtest du deine Yoga-Schüler*innen zu einem umweltbewussten Leben inspirieren, weißt aber nicht, wie? 

Ich höre oft von (neuen) Lehrenden, dass sie Schwierigkeiten haben, den politischen Aspekt in ihre Stunden einzubauen. Meist, weil sie nicht zu dogmatisch wirken und niemanden verschrecken wollen; oder, weil sie einfach nicht der Typ Gebt mir ein Megafon, ich verkünde meine Meinung sind. 

Bevor ich konkrete Tipps gebe, ein paar Überlegungen vorneweg.

  • Um Klimaschutz und -gerechtigkeit in deinen Stunden zu thematisieren, musst du kein*e totale*r Expert*in sein. Ehrliches Interesse ist aber natürlich wichtig, damit du authentisch kommunizieren kannst
  • Aktivismus zu thematisieren, ist nicht dasselbe, wie anderen eine feste Meinung aufzudrücken. Verstehe dich eher als Impulsgeber*in zum Nachdenken über ein Thema, als deine eigene Meinung in allen Kleinigkeiten vorzutragen 
  • Du wirst es nie allen recht machen! Selbst, wenn du grundlegende Werte wie Naturschutz oder Mitgefühl ansprichst, kann es sein, dass jemand das nicht hören will. Das ist ok – du wirst andere, interessierte Leute anziehen!
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Für alle, die mehr Aktivismus in ihre Yogastunden bringen wollen, habe ich folgende Tipps.

Das große Potenzial der Yogapraxis ist, dass sie es ermöglicht, Dinge auf unterschiedlichen Ebenen – körperlich, intellektuell, emotional, über Sinneswahrnehmungen – erfahrbar zu machen. Das heißt, es gibt viele Wege zum Ziel und unterschiedliche Möglichkeiten, Klimaschutz aufzugreifen. Mal verbal, mal nonverbal, mal subtil, mal in your face, je nachdem, was passt und was dir als Lehrperson liegt.

Tipp 1: Unterrichte Asana als Verbindung zur Erde

Das Sanskrit-Wort āsana bedeutet so viel wie Sitz. Patanjali schreibt im Yoga Sutra: sthira-sukham-āsanam (Yoga Sutra 2.46) – Der Sitz soll stabil und freudvoll, angenehm sein. 

In Sachen Klimaschutz und Aktivismus kommt eine etwas breitere Interpretation des Wortes Asana ins Spiel: nämlich die des Sitzes als Beziehung zu allen Menschen, Tieren, der Natur und der Umwelt. Die Idee ist, durch eine gleichermaßen freudvolle und stabile Erfahrung in der Asana-Praxis ein Gefühl der Verbindung zu erzeugen, das auch jenseits der Matte weiter besteht. Die Konsequenz: Wir verhalten uns so, dass wir diesen anderen Wesen zumindest weniger schaden. 

Um diese Inhalte zu vermitteln, musst du sie nicht unbedingt erklären. Du kannst deinen Schüler*innen ermöglichen, sie zu erfahren

  • Bitte die Übenden, im Sitzen besonders ihre Sitzknochen auf dem Boden zu fühlen und zu fühlen, wie ihr Gewicht sie mit der Erde verbindet, um dann gleichzeitig eine Leichtigkeit zu spüren, wenn sie einatmen und ihre Wirbelsäule noch etwas mehr aufrichten
  • Dasselbe funktioniert in allen Asanas, auch oder gerade in den anstrengenden wie stehenden Balancen. Übende beginnen, dieses Zusammenspiel von Stabilität und Leichtigkeit im Körper zu spüren und entwickeln so ein besseres Gespür für alle ihre Beziehungen
  • Lege den Schwerpunkt deiner Stunde auf die Anweisung, sich immer besonders stabil mit dem Boden zu verbinden – der Rest der Asana ist sekundär
  • Wenn du Tier- oder Natur-Asanas wie Kobra, Baum oder Adler anleitest: sprich über die Qualitäten, die diesen zugeschrieben werden. Vermittle deinen Schüler*innen, dass sie nicht nur so tun, als ob sie eine Kobra wären, sondern, dass sie in diesem Moment eine Kobra sind. Auch so stärkst du die Fähigkeit, sich in andere Wesen einfühlen zu können

Tipp 2: Der Atem als Verbindung zu allem und allen

Auch hier kommen wir auf das Beziehungsthema zurück. Als atmende Wesen tauschen wir permanent, immer und überall Moleküle mit anderen aus. Wir atmen die Luft ein, die andere vor uns ausgeatmet haben, und umgekehrt. Und wir leben in einer Symbiose mit grünen Pflanzen, die aus dem von uns produzierten CO2 wieder Sauerstoff machen. Wir brauchen sie, genau wie sie uns, und sollten sie deshalb nicht zerstören.

Bring deinen Schüler*innen bei, durchgängig bewusst und tief zu atmen, sogar hörbar, sodass direkt eine Verbindung zu den anderen Übenden im Raum besteht. Ob du ihnen dann sagst, dass sie gerade mit der ganzen Welt in Verbindung gehen oder nicht, ist sekundär. Sie werden die Erfahrung machen, sich verbunden zu fühlen. Und irgendwann werden sie ohne viel nachzudenken ein Aha-Erlebnis haben. 

Weitere Impulse:

  • Als Atmende sind wir alle gleich und sollten überlegen, ob wir individuell wirklich mehr nehmen wollen, als wir zurückgeben. Unterrichte striktes samavritti Pranayama, um diese Idee zu verdeutlichen – man nimmt genauso viel Luft auf, wie man wieder hergibt
  • Wie schön und wohltuend ist es, einen tiefen, sauberen Atemzug an der frischen Luft in der Natur zu nehmen?
  • Der Atem ist die einzige vitale Körperfunktion, die wir kontrollieren können, aber nicht müssen. Genauso schön, wie eine aktive Atemübung zu machen, ist es, den Atem zu entspannen und der Natur wieder die Arbeit zu überlassen

Tipp 3: Beziehe dich auf yogische Schriften

Klar kannst du in deinen Stunden über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Klimaforschung sprechen, wenn dir das liegt. Vielleicht ist es aber einfacher für dich, inhaltlich im Yoga-Universum zu bleiben. Wenn es um Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit geht, lässt sich vieles rund um individuelle Lebensführung aus den fünf Yamas herleiten, aber auch in den Niyamas wird man fündig. 

Sicher gibt es noch andere Stellen und Texte, die man heranziehen kann. Die oben genannten bieten sich besonders an, da sie einfach verständlich sind. Die Inhalte lassen sich konkret auf den modernen Alltag übertragen und du musst bei deinen Schüler*innen keine tiefen Kenntnisse in Yogaphilosophie voraussetzen. 

Ideen für deine Stunde:

  • Chante die entsprechenden Sutras oder lies sie vor, nutze eine gute (Wort- für Wort-) Übersetzung
  • Stelle in deinen eigenen Worten den Bezug zum modernen Leben mit Beispielen her. Wenn dir das schwerfällt, finde ein dazu passendes Zitat einer anderen Lehrperson oder bekannten Persönlichkeit
  • Das kannst du vortragsmäßig vor oder nach der Asana-Praxis machen, oder du baust die Inhalte häppchenweise immer wieder in deiner Klasse ein – das ist Geschmackssache

Tipp 4: Sei ein Sprachrohr. 

Du möchtest über Klimaschutz sprechen, aber hast Angst, zu dogmatisch oder wie ein*e Missionar*in rüberzukommen? Gestalte es knackig und persönlich und vermittle, wie dein eigenes Engagement aussieht.

Ich erzähle in Klassen selten Anekdoten. Aber vielleicht passt es thematisch gerade und du leitest deinen talk mit einem Satz über deine Teilnahme an einer Demo ein, sprichst über aktuelle Nachrichten oder Ereignisse wie den Erdüberlastungstag (im Mai für Deutschland, im Juli global). Greife Alltagssituationen auf und beziehe dich dabei mit ein. Nicht, um Schuldgefühle zu verbreiten, sondern um Impulse zu geben, die zum Nachdenken anregen, wie man eventuell etwas am eigenen Verhalten verändern könnte.

Es darf auch deutlicher sein. Steht beispielsweise eine Großdemo von Fridays for Future oder #zusammengegenrechts an? Kündige diese in deiner Klasse an. Erwähne zum Beispiel am Ende einfach kurz, dass du hingehst. Einen schönen Tag allen noch, und dann sehen wir uns vielleicht am Freitag um 12 am Brandenburger Tor zur Demo! 

Wenn du deinen Yogaunterricht für derartig deutliche Worte nicht nutzen möchtest, überlege, welche entsprechenden Inhalte du auf deinen sozialen Kanälen teilen könntest. Viele Schüler*innen folgen ihren Lieblingslehrenden, um über Aktuelles und Events auf dem Laufenden zu bleiben. Vielleicht hast du dort keine riesige Followerschaft, aber deine Stimme wird trotzdem gehört!

Tipp 5: Walk the talk. Sei ein Vorbild – und sei milde mit dir.

Sei dir bewusst, dass du als Yogalehrer*in eine Vorbildfunktion hast. Menschen werden dir in gewissen Dingen nacheifern – und das ist gut so! Versuche also nicht, alles abzudecken, was irgendwie zum Thema passt, sondern bleib bei den Themen, die dich tatsächlich beschäftigen. Das macht dich authentisch. 

Wenn du Menschen einlädst, demonstrieren zu gehen, solltest du selbst zumindest ab und zu auch auf einer Demo auftauchen. Wenn du über Veganismus sprichst, solltest du kein Fleisch essen. Wenn du über nachhaltigen Konsum sprichst, trag auch das zehn Jahre alte T-Shirt mit Freude. Wenn du ein Yoga-Studio betreibst, gestalte es in so vielen Bereichen wie möglich nachhaltig – beispielsweise, indem du nachhaltige Matten und Hilfsmittel anschaffst oder Ökostrom und Ökoenergie zum Heizen nutzt. Sprich die Dinge an, die du selber übst und lebst.

Damit ist nicht gemeint, dass du alles richtig machen musst – niemand ist makellos. Im Gegenteil: Dieser Anspruch hält uns wahrscheinlich eher zurück und führt zu einer Art Starre: Nur wenn ich selbst perfekt handle, kann ich andere dazu auffordern. Wirf diese Vorbehalte über Bord und teile, was Teil deiner Praxis off the mat ist. Genauso, wie du auch Übungen für den Handstand anleitest, selbst wenn du persönlich nicht frei im Raum auf deinen Händen stehen kannst. Wir üben alle!

Ich hoffe, diese Impulse und Tipps bringen dich weiter. Über Fragen und weitere Anregungen freue ich mich sehr; hinterlasse gerne einen Kommentar!

Und falls du noch keinen Ökostrom bzw. Ökogas beziehst: Es ist eine so einfache Art, der Welt und dem Klima etwas Gutes zu tun. Wechsle jetzt zu Polarstern, das funktioniert ganz easy über die Website – das Team kümmert sich für dich um die Kündigung beim alten Anbieter.

Dieser Beitrag ist eine bezahlte Kooperation mit YogaEasy. Wir sind sehr dankbar, so großartige Partner*innen im Boot zu haben, die FLGH auf diese Weise unterstützen.

Titelbild © Maddalena Zampitelli

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