It’s all about the energy: Der große Chakra-Guide

Vieles, womit wir Yogis uns so beschäftigen, klingt für Menschen, die noch nie auf einer Yogamatte standen, erstmal seltsam. Ganz selbstverständlich unterhalten wir uns über unterschiedliche Bewusstseinsebenen und blockierte Energien. Und dabei fallen so Begriffe wie Muladhara Chakra, Bija Mantren und Sushumna Nadi.

Gut möglich, dass du jetzt bereits müde gähnst. Entweder, weil dir glasklar ist, worüber ich hier schreibe oder aber auch, weil du das zwar alles schon mal gehört hast, es dir aber eigentlich noch nie jemand so richtig erklärt hat.

Keine Sorge. Ich habe diesen Text geschrieben, um ein bisschen Licht in den Chakra-Dschungel zu bringen.

Und um hoffentlich auch die mit neuem Wissen zu versorgen, die sich da bisher ganz gut alleine durchgeschlagen haben. Wir werden uns zuerst die folgenden einzelnen Komponenten des yogischen Energiemodells ansehen:

  • Chakren im Allgemeinen
  • Die fünf energetischen Hüllen, genannt Koshas
  • Die Hauptenergiekanäle, genannt Nadis
  • Die energetischen Knoten namens Granthis
  • Die wichtigsten Energiesiegel, genannt Bandhas

Anschließend sprechen wir darüber, was das alles mit den Chakren zu tun hat.

Wir sehen uns die Themen und Eigenschaften der sieben Hauptchakren an und du erfährst, was man mit diesem Wissen über die Chakren eigentlich anfangen kann.

Beginnen wir also mit den Basics. Was sind denn überhaupt Chakren?

Eine Annahme der Yogatheorie ist es, dass es neben dem groben physischen Körper aus Fleisch und Blut auch noch andere, feinstofflichere Körper und Hüllen gibt, die unser Wesen ausmachen, die Art, wie wir uns in der Welt bewegen, wie wir Beziehungen eingehen und wie wir Herausforderungen meistern. Die Praxis hilft uns dabei, diese feinstofflichen Aspekte unseres Seins “anzusteuern” und sensibler dafür zu werden.

Das, was diese Körper und Hüllen miteinander verbindet, ist Energie. Die Chakren sind wiederum die Orte, an denen diese Energie sich bündelt und innerhalb des ganzen Körpers verteilt – Energiezentren.

Die Chakra-Lehre ist uralt. Sie taucht bereits in den ältesten yogischen Schriften auf, den Upanischaden, etwa 1000 v. Chr. Fast alle Schriften, die danach kommen, greifen die Lehre auf, ergänzen sie und verleihen ihr praktischen Nutzen.

Es gibt verschiedene Ansätze zur Erklärung des Chakrensystems. In der “westlichen” Welt verbreitete sich in der New Age Bewegung des 20. Jahrhunderts das Modell, auf das sich die meisten Yogastile heute berufen und auf das auch dieser Text genauer eingehen wird.

Die Chakras oder Chakren lassen sich als Zentren der Energie beschreiben.

Davon gibt es unzählig viele, aber wenn wir von “den Chakrassprechen, sind meistens die sieben Hauptchakras gemeint. Chakra heißt übrigens aus dem Sanskrit übersetzt Rad oder Kreis. Dementsprechend kann man sich diese Energieorte als wirbelnde Räder vorstellen. Oft sind sie mit verschiedenen Farben und Symbolen dargestellt.

Diese sieben “Räder” sind entlang der Wirbelsäule aufgereiht, vom Beckenboden bis zum Scheitelpunkt.

Damit die Chakren die Energie in uns auch wirklich dort hinschicken können, wo sie benötigt wird, müssen sie frei sein, damit die Energie ungehindert fließen kann. Sind sie blockiert, so können sie ihre Arbeit nicht erfüllen und die Energie steckt quasi fest. Konsequenzen einer Blockade können sich nach der yogischen Lehre auf körperlicher Ebene, aber auch in allen anderen Lebensbereichen manifestieren.

Die yogische Lehre geht davon aus, dass wir alle in ein großes Energiemodell eingebettet sind.

Nicht nur wir persönlich, sondern die ganze Welt. Bezogen auf uns und unser Wesen bedeutet das, dass wir eben nicht nur aus dem bestehen, was sichtbar ist, sondern dass uns noch sehr viel mehr ausmacht, was auf anderen Bewusstseinsebenen erfahrbar wird. 

Eine Annahme dieses Modells ist, dass wir aus mehreren Körpern bestehen, die wiederum mehrere Hüllen beinhalten. Auf Sanskrit werden diese Körper als Shariras bezeichnet. Dabei bewegen wir uns energetisch gesehen vom grobstofflichen physischen Körper in immer feinstofflichere innere Bereiche.

Wie bereits erwähnt, befinden sich in diesen Körpern wiederum mehrere Hüllen oder Schichten.

Diese fünf Hüllen werden Koshas genannt.

It’s all about the energy: Der große Chakra-Guide 1

Hier ein kurzer Überblick über die Koshas. Falls dich das Thema näher interessiert, empfehle ich dir Nancys Artikel dazu oder die Buchreihe von Arthur E. Powell* über die verschiedenen Körper.

  1. Annamaya Kosha

Diese Hülle bezeichnet den physischen Körper. Das, was von außen sichtbar ist. Übersetzt heißt annamaya so viel wie Nahrung. Annamaya Kosha ist also gemacht aus dem, was wir uns zuführen. Je gesünder und unbelasteter diese Nahrung ist, umso reiner und funktioneller ist die Hülle. 

Im Jivamukti Yoga spielt zum Beispiel eine vegane Nahrung eine zentrale Rolle, weil sie neben den gesundheitlichen Aspekten auch die Nahrungsform ist, die am wenigsten Leid verursacht. Das kann wiederum einen positiven Einfluss auf die weiteren Schichten unseres Seins haben.

  1. Pranamaya Kosha

Hier sind wir bereits in den nicht mehr ganz so greifbaren Bereich der einzelnen Hüllen, Schichten und Körper hervor gedrungen. Dieses Kosha gehört zum Astralkörper. Es wird nun also feinstofflicher, weniger sichtbar. 

Pranamaya bedeutet Vitalität. Das, was uns im Inneren vital hält, ist Prana, unsere Lebensenergie. Erstmal recht abstrakt, oder? 

Du kennst mit Sicherheit das Gefühl, dass du dich nach einer Runde Sport oder Yoga am Morgen vitaler fühlst. Oder vielleicht hast du auch schon mal in einer Yogaklasse eine Runde Kapalabhati geübt, wodurch deine müden Lebensgeister wieder ein bisschen wacher wurden.

Deswegen ist es auch kein Wunder, dass dieses Kosha unter anderem durch Pranayama, also Atemübungen gereinigt und genährt wird.

  1. Manomaya Kosha

Jetzt wagen wir uns noch weiter in den Bereich vor:  “Ist da, aber leider nicht sichtbar”. Manomaya, die Emotionen. Wir sind jetzt im Bereich des Kausalkörpers, der Grundlage unserer Essenz. Manas bedeutet Geist, es ist also der Übergang in diese sehr individuelle, innere Bewusstseinsebene, wo wir uns hier befinden.

Wer sind wir auf dieser Ebene? Welche Gefühle bestimmen uns und unser Sein? Diese Fragen entstehen im Hinblick auf dieses Kosha.

  1. Vijnanamaya Kosha

Hier geht es um unseren Intellekt. All das, was uns umtreibt. Unsere Gedanken, Vorstellungen, Meinungen. Für viele von uns ist dieser Bereich in uns Fluch und Segen zugleich. 

Es ist wichtig, Dinge begreifen und einordnen zu können, oft unterwerfen wir uns unserem Geist aber zu sehr. Nehmen alles für bare Münze, was er uns zuflüstert.Um sich immer wieder zu justieren und die eigenen Ansichten zu hinterfragen, hilft gute Gesellschaft, also beispielsweise das Zusammensein und der Austausch mit anderen Yogis, die auch an derlei Themen interessiert sind. Auch Meditation und das Lesen der Schriften oder anderer erhellender Quellen ist hilfreich.

  1. Anandamaya Kosha

Die Glückshülle. Das klingt gut. Es gibt scheinbar einen Ort in uns, an dem alles ziemlich gut ist und vollkommene Zufriedenheit herrscht. Das ist die subtilste Hülle, feinstofflicher und weniger greifbar geht nicht mehr. Das denkst du dir jetzt vielleicht auch.

Die gute Nachricht: du hast die Möglichkeit, dich jede Nacht im Tiefschlaf ganz ohne Anstrengung damit zu verbinden. Die schlechte Nachricht: sich hier für immer aufhalten zu wollen, würde bedeuten, sich vollkommen aus der materiellen Welt zu lösen. Will man ja auch nicht. Dennoch ist es doch tröstlich zu wissen, dass es diesen Ort gibt. Und das wir uns ihm immer wieder nähern können, tiefe Meditation kann uns dabei zum Beispiel helfen.

All diese Hüllen und Körper sind natürlich nicht autark, sondern miteinander verwoben und bedingen sich gegenseitig.

Wie aber kann die Energie sich denn nun in den einzelnen Hüllen miteinander verbinden?  

Dafür sind die Nadis zuständig, die Energieleitbahnen. Vielleicht hilft die Vorstellung, dass Prana, unsere Lebensenergie, so etwas wie der Motor unseres Seins ist. Ich schreibe explizit nicht “unseres Körpers”, weil es ja eben mehr gibt, als nur unsere äußere physische Hülle. 

Die Nadis sind so etwas wie die Leitungen, die unseren Motor mit Energie versorgen.

It’s all about the energy: Der große Chakra-Guide 2

Angeblich gibt es 72.000 Nadis, zumindest steht das in den Schriften. Ob das ganz exakt so ist, weiß wahrscheinlich keiner, auf jeden Fall sind es ganz schön viele. Von diesen 72.000 sind drei Nadis besonders wichtig, auf die wir uns hier auch konzentrieren: Sie heißen Ida, Pingala und Sushumna. Alle drei beginnen an der Basis der Wirbelsäule.

Wenn du Yoga übst, wird dir die Bedeutung und Wichtigkeit der Wirbelsäule schon lange geläufig sein. Wenn wir in unserer Praxis immer wieder die Wirbelsäule schön lang ziehen wollen, liegt das nicht nur an den positiven körperlichen Auswirkungen. Sondern auch daran, dass wir wollen, dass die Kundalini-Energie dort frei fließen kann. 

Kundalini kann als verborgenes Bewusstsein verstanden werden. 

Sie schlummert an der Wurzel der Wirbelsäule und soll durch yogische Praktiken erweckt werden und durch die Nadis nach oben steigen. Oft wird sie in Schaubildern in Form einer Schlange dargestellt.

  1. Sushumna Nadi

Bewegt sich von der Basis der Wirbelsäule senkrecht nach oben. Entlang dieses Kanals befinden sich die sieben Hauptchakren, und zwar genau dort, wo er sich mit den beiden anderen, spiralförmig um Sushumna herum angeordneten Haupt-Nadis kreuzt. Die Kundalini steigt bei freiem Energiefluss durch Sushumna nach oben bis zum Kronenchakra.

  1. Ida Nadi 

Bewegt sich von der Basis der Wirbelsäule links herum. Die Energie steigt von hier in einer Spirale um Sushumna herum nach oben und endet im linken Nasenloch. Ida Nadi steht für die weibliche, empfangende Energie, das Yin.

  1. Pingala Nadi 

Bewegt sich rechts herum und endet im rechten Nasenloch. Pingala ist verbunden mit aktivierender, männlicher Energie, dem Yang.

Wenn die Energie durch die Chakren und in diesen drei Haupt-Nadis frei fließen kann, ist alles in Balance. Körperlich, emotional, geistig fühlen wir uns ausgeglichen und zufrieden, weil wir energetisch gut versorgt sind.

Bei den wenigsten wird das aber immer der Fall sein. Es ist gut möglich, dass die Energie in den Chakren blockiert ist und Kundalini deswegen nicht frei nach oben steigen kann.

In der yogischen Anatomie werden diese Energieblockaden Granthis genannt.

Granthi heißt übersetzt so viel wie Knoten oder Verhärtung. Wenn wir von Granthis sprechen, reden wir von drei Haupt-Blockaden, die auf Sushumna Nadi sitzen.

  1. Brahma Granthi

Dieser Knoten sitzt an der Wurzel der Wirbelsäule, ungefähr bei Muladhara Chakra. Dieses Chakra ist so etwas wie das Fundament von allem anderen, aber auch die stärkste Verbindung zur materiellen, grobstofflichen Welt. Brahma Granthi verhindert also, dass wir uns von diesem Bereich überhaupt weiterentwickeln können, hin zu einer feinstofflicheren Wahrnehmung und Bewusstseinsentwicklung. 

  1. Vishnu Granthi

Befindet sich zwischen Manipura Chakra, also dem Sitz unseres Egos und Anahata Chakra, dem Sitz von Liebe und Mitgefühl. Sind wir an Ego, Erfolg und persönlicher Macht gebunden, dann hindert uns dies daran, uns mit Themen wie Selbstlosigkeit und Empathie zu beschäftigen.

  1. Rudra Granthi

Lokalisiert zwischen Anahata Chakra und dem Dritten Auge. Ein Merkmal dieses Granthis kann sein, dass wir uns dem Dienen anderer total hingeben. Das klingt ja erstmal nach etwas Gutem, aber wenn wir diesen Service eigentlich leisten, um dafür etwas zu bekommen, dann verkehren wir den Sinn des Ganzen. Stell Dir zum Beispiel vor, Du hast Dich für vier Wochen in einen indischen Tempel eingebucht, um dort deine spirituelle Praxis zu vertiefen. Ein großer Teil der Arbeit dort ist Karma Yoga und die Speisung der armen Bevölkerung, die dort täglich zum essen vorbeikommt. Wenn du diese Arbeit jetzt nur deswegen in Kauf nimmst, weil du dir davon gutes Karma und vielleicht eine herzerweichende Geschichte für zuhause erwartest, dann wird das Karma-technisch und auch energetisch eher nach hinten los gehen.

Es ist auch anzunehmen, dass so manche vermeintlichen Gurus stark mit Rudra Granthi zu kämpfen haben. Denn erst, wenn es aufgelöst ist, verschwindet die Bindung an die Früchte des eigenen Tuns und es findet eine wirkliche Begegnung mit dem Universellen und alles Verbindenden statt. 

Wie du hier sehen kannst, haben die Granthis viel mit persönlichen Anhaftungen, Vorlieben und Abneigungen zu tun. Es ist also unser menschlicher Geist, das was uns als Menschen prägt, was diese Blockaden entstehen lässt. Man könnte sagen, dass die Kleshas, die fünf Ursachen von Leid, hier besonders wirksam sind.

Wie können wir die Granthis auflösen und damit unserer Lebensenergie freien Fluss in höhere Bewusstseinsebenen ermöglichen?

Das Zauberwort hierfür heißt Bandhas.

Du hast bestimmt schon im Yogaunterricht von den Bandhas gehört. Meistens jedoch eher auf körperlicher Ebene.

Wie wir ja aber inzwischen wissen, ist der physische Körper ganz eng mit den anderen Körpern verbunden und natürlich haben die Bandhas vor allem auch auf energetischer Ebene eine große Wirkung.

Durch das gezielte setzen von Bandhas, oder auch Energiesiegeln oder -verschlüssen, können wir die Energie in uns lenken. Dorthin, wo sie für das Auflösen der Granthis und die Entwicklung unseres Bewusstseins gebraucht wird.

Es gibt fünf Bandhas, den meisten von uns dürften drei davon schon mal untergekommen sein.

  1. Mula Bandha

Der Wurzelverschluss. Mula Bandha ist das wichtigste Bandha und dir bestimmt schon wahnsinnig oft im Yogaunterricht untergekommen. Mula Bandha ist auf körperlicher Ebene das Aktivieren des Beckenbodens. Das ist meist ziemlich abstrakt und es wird erst im Laufe der Praxis klarer, was damit gemeint ist. Aber alleine den Fokus auf den Bereich zwischen Schambein und Kreuzbein und zwischen den Sitzbeinhöckern zu schicken hilft schon dabei, hier mehr Aktivität entstehen zu lassen.

Mula Bandha kanalisiert die Energie aus dem untersten Chakra und kehrt den Energiefluss um. Normalerweise hat die Energie die Tendenz nach unten zu fließen. In der Yogapraxis wollen wir ja aber, dass Energie nach oben aufsteigt, dafür setzen wir Mula Bandha. Es hat mehrere körperliche und energetische Wirkungen. Unter anderem kann es Brahma Granthi durchbrechen, den ersten energetischen Knoten.

  1. Uddiyana Bandha

Uddiyana bedeutet so viel wie “nach oben fliegen”. Du ziehst deinen Bauchnabel in der Atemleere intensiv nach innen und oben, wodurch ein Vakuum erzeugt wird. Dadurch bewegt sich das Zwerchfell auf physischer Ebene Richtung Herz und Vishnu Granthi kann auf energetischer Ebene durchbrochen werden.

  1. Jalandhara Bandha

In der Pause nach Ein- oder Ausatmung wird das Brustbein Richtung Kinn gehoben, der Kopf wird leicht zurückgezogen, sodass eine Art Doppelkinn und Enge in der Kehle entsteht. Der Kopf senkt sich Richtung Herz, was eine Verbindung aus Herz und Geist entstehen lässt. Auf feinstofflicher Ebene kann so Rudra Granthi durchbrochen werden.

  1. Maha Bandha

Das gleichzeitige Anwenden der drei Bandhas.

  1. Brahma Bandha

Wenn die Intention beim setzen der Bandhas auf das Universelle, Göttliche ausgerichtet wird, kann jedes Bandha zu Brahma Bandha werden.

Nachdem wir uns jetzt das Energiemodell ein bisschen genauer angeschaut haben, kommen wir nochmal zu unserer Ausgangsfrage zurück: 

Was genau sind nun die Chakren? Welchen Einfluss haben sie auf uns und wie können wir sie wiederum auch für unsere Entwicklung nutzen?

Wie beschrieben, kann man sich die Chakren als Energieräder vorstellen, die aufgereiht auf der Wirbelsäule sitzen. Wir konzentrieren uns auf die sieben Hauptchakren.

  1. Muladhara Chakra

Auch Wurzelchakra genannt. Es sitzt am Beckenboden, also an der Basis unserer Wirbelsäule. Diese Verortung ist nicht zufällig, das Wurzelchakra hat Einfluss auf alles, was wir als Fundament unseres Lebens bezeichnen: Urvertrauen, materielle und körperliche Sicherheit, innere Stärke und Verwurzelung sowie die Beziehung zu unserer Ursprungsfamilie, unseren Eltern, sind Themen, auf die wir hier treffen. Ist dieses Chakra nicht in Balance, gibt es wahrscheinlich offene Fragen und Konflikte in diesen Themenbereichen. 

  1. Swadisthana Chakra

Oder auch Sakralchakra. Sein Sitz unterhalb des Nabels. Alles was mit Kreativität zu tun hat, spielt hier eine Rolle: Sexualität, Sinnlichkeit, romantische Beziehungen, aber auch kreative, schöpferische Beziehungen im Job. Alles Bereiche, die von diesem Chakra energetisiert werden. Ist der Energiefluss hier gestört, so kann es aber eben gut sein, dass du hier auf Widerstände und auch Emotionen wie Scham oder Schuld triffst.

  1. Manipura Chakra

Das Solarplexuschakra. Es sitzt im Bereich des Nabels, verkörpert also unseren core, den Bereich in uns, der uns physisch Kraft verleiht. Manipura Chakra wird verbunden mit unserem Willen, unserer Persönlichkeit, unserem Ego. Erstmal ja etwas sehr Gutes, sich treu zu sein und die eigenen Stärken zu kennen. Ist dieses Chakra außer Balance, nimmt das Ego überhand und wir tendieren schnell dazu, arrogant und verletzend zu sein. Dementsprechend triffst du bei der Beschäftigung mit diesem Chakra auf die Beziehungen, in denen du verletzend gehandelt hast.

  1. Anahata Chakra

Das Herzchakra, in der Mitte der Brust gelegen. Dieses Chakra bildet als mittleres  der sieben Hauptchakren eine Art Brücke zwischen den unteren Chakren, die sich eher mit weltlichen Themen beschäftigen, und den oberen drei, die eher Spirituelles abdecken. Natürlich dreht es sich beim Herzchakra um Themen wie Liebe, Mitgefühl und Hingabe. Bei Energieblockaden hier erlebst du aber vielleicht auch negative Emotionen aus diesem Bereich: mangelnde Selbstliebe, Eifersucht, Angst vor Verletzungen. Die Beziehung zu Menschen, die dich verletzt haben, spielt hier eine Rolle.

  1. Vishuddha Chakra

Das Halschakra sitzt auf Höhe des Kehlkopfes. Hier geht es um Ausdruck im weitesten Sinne: Wie kommunizieren wir mit uns und anderen? Was wollen wir wirklich mitteilen? Wie authentisch sind wir? Sind wir hier nicht ganz in Balance, so gelingt es uns schwer, wirklich wahrhaftig zu sein. Schnell neigen wir zum Imitieren, aus Angst wir selbst zu sein und zurückgewiesen zu werden. Die Beziehungsebene, die mit diesem Chakra in Verbindung steht, ist diejenige zu uns selbst.

  1. Ajna Chakra

Das Stirnchakra mit Sitz zwischen den Augenbrauen wird oft auch als Drittes Auge bezeichnet. Es ist der Sitz unserer Intuition, unserer inneren Führung. Sind wir stark mit diesem Chakra verbunden, so können wir in Bewusstseinsebenen vordringen, die nicht mit dem bloßen Auge erkennbar sind. Meditation ist ein wichtiges Tool in diesem Zusammenhang. Die Beziehung zu deinem inneren Guru, aber auch zu deinen Lehrer*innen im Außen, hängt mit diesem Chakra zusammen.

  1. Sahasrara Chakra

Das Kronenchakra befindet sich direkt am bzw. über dem Scheitelpunkt. Hier entsteht eine Verbindung mit dem Unendlichen, dem Göttlichen, dem, was größer ist als wir selbst. Die Erkenntnis, dass alles miteinander in Verbindung steht wird hier genährt. Bei Energieblockaden kann es uns zum Beispiel sehr schwer fallen, etwas Universelles, Göttliches überhaupt in Betracht zu ziehen.

Nicht nur der Energiefluss zwischen den Chakras kann blockiert oder gehindert sein,  wie das bei den Granthis der Fall ist. 

Auch das Chakra selbst kann blockiert sein.

So könnten zum Beispiel immerwährende Konflikte mit unseren Eltern auf eine Blockade in Muladhara Chakra hinweisen; ungelöste Konflikte mit Lebewesen, die wir verletzt haben stehen für ein unausgeglichenes Manipura Chakra und wenn es dir schwer fällt, zu deiner Meinung zu stehen und authentisch zu sein, lohnt vielleicht Chakra-Arbeit im Bereich von Vishuddha Chakra.

Das ist jetzt natürlich sehr vereinfacht gesprochen, aber kann als Modell für unsere eigenen Lebensthemen und Beziehungen dabei helfen, entsprechend “blockierte” Bereiche zu erkennen, also Bereiche, in denen wir uns etwas anschauen müssen, wo ein Schatten über unserer eigenen Weiterentwicklung liegt. Als Yogis können wir diese Themen erkennen und über unsere Praxis die Energie wieder in Balance bringen.

Wie genau kann unsere Yoga-Praxis dazu beitragen, die Energie in und aus den Chakren frei fließen zu lassen?

  1. Asana 

Asana, also Yogahaltungen, helfen uns dabei, Energie im Körper freizusetzen und zielgerichtet fließen zu lassen. Verstärkt wird das durch die Bandhas, über die wir vorhin schon gesprochen haben.

Es gibt für jedes Chakra spezielle Asanas, die dabei helfen können, das Chakra zu öffnen und Energie auszugleichen. So sind beispielsweise Standhaltungen nährend für das Wurzelchakra und Rückbeugen können uns dabei helfen, das Herzchakra zu öffnen. Im Jivamukti Yoga gibt es zum Beispiel auch eine spezielle Chakra Tuning Class, in welcherr Haltungen geübt werden, die jedes Chakra von unten nach oben ansprechen. Während des Haltens der Asana werden dazu Bija Mantren rezitiert. 

  1. Bija Mantren

Das singen von Bija Mantren kann ebenfalls dabei helfen, die Chakras auszubalancieren. Jedem Chakra wird in der Yogalehre ein solches einsilbiges Bija Mantra zugeordnet. Bija bedeutet Samen. Diese Bezeichnung will sagen, dass eigentlich die komplette Bedeutung und Tiefe eines Chakras bereits in einer Silbe enthalten ist.  Vielleicht hilft die Vorstellung, dass durch das Singen des Mantras ein Samen gepflanzt wird, dessen Schwingung dafür sorgt, das entsprechende Chakra zu öffnen.

Das kann in der Asana passieren, aber auch unabhängig davon können die Bija Mantren gechantet werden. Die Bija Mantras für die sieben Hauptchakras lauten (von unten nach oben): LAM, VAM, RAM, YAM, HAM, OM und nochmal OM.

  1. Meditation

Durch unsere Yogapraxis versuchen wir über aufsteigende Energie in neue Bewusstseinsebenen hervor zu dringen, die uns dem Zustand von universeller Einheit näherbringen. Kein Wunder, dass Meditation hier ein wichtiges Werkzeug ist, das uns auch dabei unterstützen kann, die Chakren zu öffnen.

Es gibt unterschiedliche Mediationsformen, die dafür hilfreich sein können. Eine Möglichkeit wäre, den Fokus während der Meditation auf den Sitz des entsprechenden Chakras und die ihm zugeordnete Farbe zu lenken. Wie du in der Grafik hier im Artikel sehen kannst, wird jedes einzelne Chakra mit einer schönen bunten Farbe assoziiert. Du könntest während der Meditation die Farbe mit jeder Einatmung beim Sitz des jeweiligen Chakra visualisieren und dir mit jeder Ausatmung vorstellen, wie sich ein Leuchten in der jeweiligen Farbe in allen Zellen und Bereichen des Körpers ausbreitet.

  1. Pranayama

Atemübungen sind Energielenker. Pranayama heißt übersetzt “die Lebensenergie kontrollieren”, aber auch “die Energie frei fließen lassen”. Das passiert beim Pranayama über den Atem, den Träger von Prana. Letztlich ist also jede Atemübung Energiearbeit und hat Einfluss auf die Chakren. Es gibt aber Formen, mit denen wir noch zielgerichteter Chakra-Arbeit betreiben können. Dazu gehört Nadi Shodana, die yogische Wechselatmung. Durch sie lassen sich Ida und Pingala Nadi ins Gleichgewicht bringen, wodurch die Energie sich leichter in Sushumna Nadi sammeln und nach oben steigen kann.

>> Du möchtest dich noch eingehender mit deinen Chakras befassen? Schau dir Chakra Journey: Unser interaktives eBook an!

Wie du siehst, sind die Chakren und all die Bereiche, die damit verbunden sind, ein weites und wahnsinnig spannendes Feld.

Ich freu mich sehr, wenn du bis hierher gelesen hast und sich ein paar Fragen geklärt haben. Falls du dich jetzt gerne noch ausführlicher mit den Chakren, ihrer Wirkung und wie wir sie nutzen können, befassen möchtest, dann empfehle ich dir sehr Chakra Journey: Das interaktive eBook von Uli und Rebecca.

Hast du schon Erfahrung mit der Chakren-Lehre?

Und falls nicht, was möchtest du noch gerne wissen? Schreib mit gerne dazu in den Kommentaren.

Alles Liebe,

Sabine

Literaturliste:

Titelbild © Natalie Grainger via Unsplash, Foto Grafik © Lena Fingerle, Grafik © Kris Braun

Bei den mit * gekennzeichneten Links handelt es sich um Affiliate-Links. So erhalten wir eine kleine Provision, wenn du ein Produkt kaufst.

Das könnte dich auch interessieren:

2 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Super Beitrag! Ich wusste bisher recht wenig über Chakras und freue mich daher über den neuen Input :)
    Auf mich wirkt das Ganze zugegebenermaßen aber auch leicht überfordernd. Ich selbst bin der Meinung, ich spüre nicht, wenn irgendwo etwas blockiert ist oder nicht so funktioniert, wie es soll. Auf körperlicher Ebene – zum Beispiel bei Rückenschmerzen – wäre mir viel eher klar, was zu tun ist, als wenn ein Chakra blockiert ist (was ich möglicherweise nicht mal mitbekomme). Habt ihr Tipps dazu – zum Beispiel, wie man sich mit sich selbst auseinandersetzen und solche Blockaden möglicherweise erkennen und gezielt auflösen kann? Meine Meditationen fühlen sich für mich noch nicht tief genug an und ich weiß nicht, wie man chantet (gibt es dafür bestimmte Melodien?). Das Einzige, was bei mir regelmäßig stattfindet, ist meine Yogapraxis – alles andere ist für mich nur schwer greifbar, aber ich würde es so so gern mehr spüren.

    Vielen lieben Dank und beste Grüße!
    Lena

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*