Samhain am 31.10.2021: So feierst du das keltische Neujahrsfest

Am 31.10.2021 ist Samhain.

Heute ist uns dieser Tag besser als Halloween oder Allerheiligen bekannt. Halloween, so wie es heute gefeiert wird, gleicht eher einer kapitalistischen Konsumschlacht und ist für die meisten einfach ein weiterer Grund, um zu Party zu machen. Dabei birgt die Nacht des 31.Oktober auf den 01. November eigentlich ein ganz besonderes und starkes Potenzial, das wir für uns nutzen können.

Was ist Samhain?

Im Herbst zieht sich die Natur Stück für Stück zurück, das Ende der Ernte ist gekommen und der Winter naht. Erst durch den Akt des Loslassens kann etwas Neues entstehen: Das gilt für die Natur ebenso wie für uns. Diese Qualität verkörpert Samhain; der 31. Oktober steht symbolisch für den Höhepunkt des Prozesses von Loslassen und Neubeginn.

Heute scheint es so, als haben wir die Verbindung zur Natur und ihren ureigenen Rhythmen verloren. In unserer westlichen Welt müssen die meisten von uns sich keine Sorgen mehr über einen Ernteausfall im Herbst machen oder Angst vor der Dunkelheit im Winter haben – wir können einfach das Licht anknipsen, uns mit Tageslichtlampen behelfen oder in den Urlaub jetten. Gleichzeitig und erwarten wir von uns selbst, dass wir immer funktionieren müssen, obwohl wir je nach Zeitqualität, Gemütszustand und vielen anderen, äußeren Umständen über unterschiedlich viel Energie verfügen.

Die Kelt*innen hingegen verbanden sich durch ihre Feste mit eben diesen Rhythmen der Natur, erinnerten an die verschiedenen Jahreszeiten und die damit einhergehenden Veränderungen, die auch an uns nicht spurlos vorbeigehen.

>> Lesetipp: Hannah hat einen Guide für die Rauhnächte, die Zeit zwischen den Jahren, erstellt.

Mit Samhain beginnt das keltische Jahr.

Samhain ist das Neujahrsfest der früheren Kelt*innen und somit das erste Fest des keltischen Kalenders. Die vier Hauptfeste Imbolc (1. Februar), Beltane (1. Mai), Lughnasadh (1. August) und eben Samhain standen jeweils für den Wechsel der Jahreszeiten.

Samhain war aber auch ein ganz praktisches Fest: Stämme kamen zusammen, um Steuern und Abgaben zu bezahlen. Nebenbei wurde gemeinsam geschlemmt und getrunken.

Am 31. Oktober stand der Kontakt zu den Ahn*innen im Mittelpunkt.

Die Kelt*innen gingen davon aus, dass die Grenze zwischen dem Reich der Lebenden und der Toten in der Nacht vom 31. Oktober. auf den 01. November besonders einfach zu übertreten ist. So eignet sie sich besonders gut, um mit Verstorbenen in Kontakt zu treten.

In der damaligen Vorstellung starb ein Mensch nicht einfach und war verschwunden, vielmehr war der Tod ein Teil des natürlichen Zyklus. Er stellte nicht das Ende dar, der Verstorbene änderte lediglich seine Form. Samhain war die Nacht, in der man sich mit den eigenen Ahn*innen verband, um Ungeklärtes aus der Welt zu schaffen, sich auszusöhnen und um Unterstützung zu bitten.

Laut Kelten-Experte Andreas Hofeneder, Professor an der Universität Greifswald, hatten die Kelt*innen aber auch Angst vor verirrten Seelen und sogenannten Wiedergängern. Sie versuchten diese mit Opfergaben zu besänftigen.

Im vierten Jahrhundert wurde das Samhain-Fest christianisiert und dadurch verändert. Die Kirche führte Allerheiligen am 1. November ein, was ursprünglich um Ostern herum gefeiert wurde. Zu Allerheiligen wurden, wie der Name schon sagt, vor allem heilig gesprochene Personen geehrt. An Allerseelen, dem darauffolgenden Tag, werden in zahlreichen Kulturen verstorbene Angehörige geehrt und ihre Gräber aufwendig und liebevoll geschmückt.

Im 19. Jahrhundert brachten irische Migrant*innen den Brauch von Samhain, beziehungsweise Allerheiligen, stark abgeändert nach Amerika. Aus All Hollows Eve, dem Abend vor Allerheiligen, wurde Halloween, das Fest, an dem Kinder in gruseligen Kostümen um die Häuser ziehen, um Süßigkeiten zu sammeln oder Streiche zu spielen.

Am 31. Oktober können wir in die ursprüngliche Bedeutung des Tages eintauchen und uns mit den archetypischen Qualitäten verbinden.

Ich denke, es immer hilfreich, sich mit dem eigenen zyklischen Dasein zu verbinden. Wir existieren nie losgelöst von unserer Umwelt und den natürlichen Rhythmen, auch wenn wir das manchmal vergessen. Wahrscheinlich brauchen die meisten von uns in der dunklen Jahreszeit mehr Schlaf, Ruhe und Zeit für uns, während wir im Sommer mehr nach außen gerichtete Energie haben, gerne unter Leuten sind und spontaner in den Tag hinein leben. Und das ist okay so!

Zur besseren Akzeptanz kann es helfen, sich mit dem jahreszeitlichen Wechsel auseinanderzusetzen und diese Zeitpunkte für die eigene, innere Arbeit zu nutzen, so wie einige von uns es vielleicht schon zu Neu- und Vollmond tun.

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Wir denken bei Neubeginn oft eher den Frühling als an den Herbst. Dann, wenn die ersten Blüten sprießen und die grünen Blätter hervorkommen. Was wir nicht sehen, ist der Samen, der erst einmal gesät werden muss – der eigentliche Anfang, der schon viel früher beginnt, wenn das Auge noch keine Veränderung wahrnehmen kann.

Um Platz zu schaffen, muss erst einmal Altes gehen und losgelassen werden. Die Herbstzeit ist zwar der Beginn der dunklen Jahreszeit, wir sehen von außen keine neuen Blüten und Blätter, dafür ist sie eine Zeit der Einkehr, um eigene Wurzeln zu entwickeln. Wir dürfen uns jetzt mehr auf uns selbst konzentrieren und neue Ideen, Ziele und Wünsche “ausbrüten”, bevor sie dann das Licht der Welt erblicken.

Mit diesen Ritualen kannst du Samhain feiern:

Verbinde dich mit deinen Wurzeln und nimm Kontakt zu den Ahn*innen auf!

Nutze die Zeitqualität von Samhain, um mit deinen Ahnen und Ahninnen Kontakt aufzubauen. Du könntest etwas über deinen Stammbaum recherchieren oder dich mit deinen Eltern oder Großeltern über die Generationen vor euch unterhalten.

Vielleicht magst du auch den Geschichten deiner Eltern und Großeltern lauschen, ein Familienrezept nachkochen oder einer Aktivität nachgehen, die dich an sie erinnert. Du kannst auch Fotos oder Gegenstände von Verstorbenen, die dir nahe standen, bei dir Zuhause aufstellen. Entweder einfach so, oder auf deinen Altar mit einer Kerze, wenn du einen hast.

Gibt es auch Ahnen oder Ahninnen, die aus der Familie ausgeschlossen wurden, weil sie anders waren? Finde eine Art, auch sie zu würdigen und einzuladen. Wenn es mit einem Familienteil oder einigen Familienmitgliedern schwierig ist, wäre jetzt eine gute Zeit, dich auf deine Art mit ihnen auszusöhnen.

Würdige in deiner Auseinandersetzung mit denen, die vor dir kamen, was sie dazu beigetragen haben, dass du jetzt da bist, wo du bist. Auch wenn vielleicht nicht alle Beziehungen ganz einfach waren.

Reflektiere über die eigene Sterblichkeit

Samhain ist ein idealer Zeitpunkt, um dich mit der eigenen Sterblichkeit auseinanderzusetzen. Denn auch, wenn wir es sehr gerne und erfolgreich verdrängen: Wir alle müssen eines Tages gehen.

Vielleicht willst du dich jetzt fragen: “Wenn ich heute sterben würde, wäre das okay? Was würde gerne ich vorher noch tun?”

Vielleicht kannst du dein Leben im Hier und Jetzt, so wie es ist, mehr zu schätzen wissen. Oder du findest im Zuge dieser Reflexion heraus, was du mit deinem Leben wirklich anstellen möchtest und was dir wirklich wichtig ist.

Säe den Samen für Neues und lasse Altes los

Das keltische Neujahr mit den Qualitäten des Loslassen und Neubeginns bieten sich dazu an, den Samen für etwas Neues zu säen. Was möchtest du ins Leben bringen? Und wozu? Schreibe diese Fragen auf und schreibe erst einmal alles auf, was kommt, ohne direkt mit dem Verstand in die Bewertung zu gehen.

Ein Beispiel: Was möchtest du ins Leben bringen? Ich möchte auswandern. Wozu? Weil ich mich frei fühlen will. Wie kann ich anders Freiheit spüren? Ich kann eine Rucksackreise machen, Fallschirm springen, öfter Nein sagen oder pünktlich Feierabend machen. Ergänze so deine Liste. Du kannst dazu eine Kerze anzünden und deine Ahn*innen bitten, dich bei deinen Vorhaben zu unterstützen.

Schreib gerne auch auf Zettel, was du gehen lassen kannst. Was dient dir nicht mehr? Danach kannst du die Zettel nacheinander verbrennen. Vielleicht möchtest du dich danach austanzen, ausschütteln, Zurückgehaltenes rausschreien – alles ist erlaubt, was dir dabei hilft, es wirklich gehen zu lassen!

Greife zu Räucherwerk!

Thymian und Beifuß wird eine reinigende Wirkung nachgesagt, Weihrauch ist ein Klassiker und gilt seit jeher als Vermittler zwischen den Welten. Achtung: Verzichte auf das Räuchern mit Beifuß, wenn du schwanger bist.

Das Räuchern kann dich bei deinen Ritualen unterstützen: Du kannst zum Beispiel dein Zuhause und deinen Altar räuchern und dabei deine Vorsätze und Hoffnungen für das keltische neue Jahr aufsagen. Du kannst Altes damit gehen lassen oder in einem kleinen Ritual deine Ahnen und Ahninnen um Unterstützung bei deinen weiteren Vorhaben bitten.

Ich wünsche dir, dass du dich mit den natürlichen Rhythmen verbinden kannst und damit die Veränderungen anstößt, die du dir wünscht.

Happy celtic new year, happy Samhain!

Titelbild via Unsplash

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