Ich bin 27 und habe meinen eigenen Tod geplant

[Werbung] Ich habe keine todbringende Krankheit und bin auch nicht suizidgefährdet. Ich weiß nicht, woran ich sterben werde, ich weiß nicht wann, ich weiß nicht wie, aber eins weiß ich: Dass wir – und damit auch ich – alle irgendwann über den Jordan gehen.

Sterben, sterben, sterben! Der Tod ist in unserer Gesellschaft leider immer noch ein Tabuthema und löst bei vielen Menschen Unbehagen aus. Es ist aber extrem wichtig, mehr darüber zu sprechen und ihn nicht derart aus dem Diskurs zu verbannen.

Der Tod ist die black box schlechthin, die wir erst öffnen können, wenn es soweit ist. 

Wir wissen nicht genau, was danach passiert. Es gibt sie, die Menschen, die einen Blick auf die andere Seite geworfen haben, um dann wieder zurückzukommen. Doch jemanden zu finden, der*die alle Antworten hat und genau weiß, was nach dem Leben passiert, wird schwierig. Daher ist es ganz normal und irgendwie auch menschlich, vor dem Unbekannten Angst zu haben.

Jemand, der mir die Angst vor dem Tod ein wenig nehmen konnte, ist der griechische Philosoph Epikur. Seine Sichtweise auf den Tod hat etwas Beruhigendes. Wir müssen keine Angst vor dem Tod haben, denn: “Wenn wir sind, ist der Tod nicht da; wenn der Tod da ist, sind wir nicht.

Theoretisch wissen wir also: Wird schon schief gehen, mach dir keine Sorgen. Wenn das so ist, wieso müssen wir uns dann überhaupt Gedanken über den Tod machen?

Ja, denn wir kommen auch zu Lebzeiten mit ihm in Kontakt. Ob wir wollen oder nicht. 

Wenn entfernte Menschen sterben, tangiert uns die Sache logischerweise weniger. Wir sind vielleicht geschockt von den Umständen, unter denen sie verunglückten oder finden, es wäre viel zu früh. Vielleicht stehen uns die Angehörigen nahe und wir fühlen uns hilflos, weil wir den Schmerz nicht lindern können. 

Richtig interessant wird es aber erst, wenn wir direkt betroffen sind, also wenn Menschen sterben, die uns so nahe standen, dass wir selbst schwer trauern, die Beerdigung mitgestalten sollen und uns vielleicht auch um den Nachlass kümmern. Denn dann kochen sie oft hoch, die komplizierten Familiengeschichten, Streit und Dynamiken, die zu Lebzeiten der verstorbenen Person mit einem verkniffenen Lächeln unter den Kaffee- und Kuchentisch gekehrt werden konnten.

Auf einmal stand ich da und plante die Beerdigung meines Vaters.

Vor einem Jahr starb mein Papa an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Im Sommer bekamen wir die Nachricht, ein paar Monate später war es soweit, der Krebs hatte gesiegt. Es waren Monate des Hoffens, des Kämpfens, Momente des Ablehnens und letztendlich unzählige Versuche des Akzeptierens.

Von einem Augenblick zum anderen fand ich mich wieder zwischen Trauer, Fassungslosigkeit und Autopilot. Es war ein tranceartiger Zustand, der für mich selbst, aber auch für andere schwer zu greifen war. Und in dieser Verfassung sollte ich dann eine Beerdigung planen? Super.

Lieber Schubert oder Bach? Und was soll Papa tragen, wenn er verbrannt wird? 

Es gibt unendliche Optionen bei der Bestattung und der Beerdigung. Vom Sarg über das Blumengesteck hin zur*m Redner*in und der Traueranzeige. Etliche Entscheidungen müssen getroffen werden. Ich wollte, dass sich mein Vater bei der Beerdigung gedacht hätte: Schön, genau so hab ich mir das vorgestellt.

Gleichzeitig ist diese Veranstaltung aber auch Raum für die Trauer der Hinterbliebenen. 

Rückwirkend muss ich sagen, dass ich Glück im Unglück hatte. Mein Papa starb nicht von heute auf morgen, sondern innerhalb von ein paar Monaten. So konnte ich ihm noch viele Fragen stellen, aber eben auch nicht alle. Weil man immer denkt: So schnell wird das schon nicht gehen, das schafft er schon. Nur positiv bleiben!

Es ist unglaublich schwierig, die Balance zu finden zwischen: Ich stütze dich, bin für dich da und Ich möchte wissen, wie du gerne sterben willst. Viele Personen denken, man hat sie dann schon aufgegeben und kontern mit einem: Hey, hallo, ich lebe doch noch! 

Wir sind fünf Geschwister und ein Geschwisterchen wollte sehr lange nicht sehen, dass mein Papa nicht mehr lange leben wird. Ich versuchte, ihm die Augen zu öffnen, zu zeigen, dass es sich jetzt verabschieden muss. Dass es nicht mehr lange Zeit hat, um über die Dinge zu sprechen, die ihm auf dem Herzen liegen – und dass wir auch über die Bestattung reden müssten. Dass es sich einen Ruck geben muss, da es ansonsten bald zu spät für Gespräche sein wird. Und dann die Angst von Reue ersetzt wird. Denn das ist das Gefühl, das bleibt: Reue aufgrund von Trauer über nicht getane Dinge.

Im Nachhinein war mein Geschwisterchen froh über den Stupser, auch wenn wir uns in dem Moment zwischen Wutausbrüchen und Tränen wiederfanden.

Leider ist es allzu oft so, dass man in besonders schweren Momenten ganz praktische, unromantische Fragen klären muss.

Welche Versicherungen gibt es? Wie ist das mit dem Erbe? Wo sind überhaupt die ganzen Unterlagen? Gibt es etwas, worum wir uns noch kümmern müssen? 

Und ja, es ist verdammt schlimm. Aber genau deswegen sollte man sich zu Lebzeiten Gedanken über den eigenen Tod machen, nicht erst kurz zuvor. Das macht es einem selbst und allen anderen einfacher, wenn es soweit ist.

Auf der anderen Seite: Geht es mich was an, was nach meinem Tod passiert?

Ist meine Beerdigung für mich gedacht oder vielmehr ein wichtiger Teil des Trauerprozesses meiner Liebsten? Müssen, ja, sollen wir sogar nach unserem Tod alles kontrollieren, nur weil wir es theoretisch könnten? Kann es nicht vielleicht sogar schön sein, sich dem Tod vollends hinzugeben und darauf zu vertrauen, dass schon alles gut wird?

Ja, es wird schon alles gut, aber das ist nicht gleichzusetzen mit nach mir die Sintflut. 

Das hat nichts mit Kontrolle zu tun, sondern mit Verantwortungsübernahme. Damit, dass meine Liebsten den nötigen Raum haben sollen zum Trauern, statt von A nach B zu rennen, um meine Beerdigung zu organisieren. Denn ich weiß, wie sich das anfühlt, diese Verantwortung übernehmen zu müssen und Entlastung tut hier allen gut.

Angetrieben von dieser Erfahrung plane ich jetzt meinen eigenen Tod.

Wenn ich davon spreche, dass ich meinen Tod plane, dann meine ich damit erstmal den Abschluss einer Sterbegeldversicherung. Ich habe diese bei der niederländischen Versicherungskooperative Dela abgeschlossen, die seit einiger Zeit neben Risikolebensversicherungen auch Sterbegeldversicherungen in Deutschland anbieten.

Hier geht es in erster Linie darum, dass man sich zu Lebzeiten darum kümmert, dass die eigenen Bestattungskosten gedeckt sind. Das Gute ist, dass ich, da ich noch ziemlich jung bin, geringere Beiträge zahlen muss, als jemand, der die Versicherung mit 35 abschließt. Wieso also noch warten? 

Man könnte auch einfach selbst was zur Seite legen, statt eine Sterbeversicherung abzuschließen.

Geht natürlich auch, allerdings habe ich dann noch nicht genug gespart, sollte ich, klopf auf Holz, morgen von einem Laster überrollt werden. Die Versicherung würde trotzdem den vollen Betrag ausbezahlen. 

Was mich schließlich außerdem überzeugt hat, ist, dass mein Geld “Hartz IV sicher” ist, wie es umgangssprachlich genannt wird. Das heißt, dass der Betrag als Schonvermögen gewertet wird und damit nicht zu meinem Vermögen gezählt wird, sollte ich in die Situation kommen, Arbeitslosengeld II beziehen zu müssen. 

Ich muss nur mein Geburtsdatum eingeben und schon kann ich mir mein Sorgenfrei Leben Paket schnüren. 

Sorgenfrei Leben – das hört sich doch eigentlich ganz schön an, oder? Irgendwie fühlt sich der ganze Prozess gar nicht so heavy an, sondern eher so, als würde ich einen Handyvertrag aussuchen. “Willst du den Basis-, Standard- oder Premium-Tarif?” Je nach Tarif wird meinen Hinterbliebenen nach meinem Ableben ein bestimmter Betrag ausgezahlt, der dann für meine Bestattung ausgegeben werden kann.

6.000 Euro kostet die Durchschnittsbeerdigung in Deutschland. Ich gönne mir das 7.500 Euro Standard-Paket.

Ich wähle die monatliche Zahlweise und errechne den Beitrag, der sich an meinem Alter orientiert und an der Dauer, wie lange ich zahlen möchte. Mit 27 Jahren zahle ich für das Standard-Paket monatlich nicht mal zehn Euro. Hätte ich mich für die Einmalzahlung entschieden, wären es knapp 3.500 Euro auf einmal die ich reinstecke, wenn am Ende 7.500 Euro wieder rauskommen sollen.

Blumendeko, Trauerbegleitung für meine Liebsten und Inflationsschutz.

Nicht nur ums Geld geht es hier, sondern auch um die Gestaltung meines Abschieds. Mir wird ein*e Bestatter*in zur Seite gestellt, die mir bei der Planung hilft. Ich möchte in Bayern begraben werden, da komme ich her, dort ist das Familiengrab, meine ganze Familie lebt dort. Alles kein Problem, da die DELA mit der deutschen Bestattungsfürsorge zusammenarbeitet und außerdem die Versicherung – anders als früher oft üblich – nicht an ein konkretes Bestattungsunternehmen gebunden ist. 

Ich treffe Entscheidungen bei ganz offensichtlichen Dingen wie Feuer- oder Erdbestattung. 

Es wird eine*n Redner*in geben, einfache Blumendeko auf dem Sarg und ich kann schon mal meine Playlist zusammenstellen, wenn ich möchte. Was man dann wohl hört, wenn ich mal in hohem Alter bin? Bei der DELA werden meine Daten in einem “Stille Wünsche”-Dokument hinterlegt, das für meine Hinterbliebenen bereitgestellt wird, wenn es soweit ist. 

Das Gute ist: Die Entscheidungen, die ich heute treffe, sind nicht in Stein gemeißelt und ich kann jederzeit einfach anrufen und etwas ändern. Ich hab mich hier erstmal für das entschieden, was sich für mich richtig angefühlt hat. Inwiefern ich dabei bleiben werde, wird sich zeigen.

“Es ist nicht leicht, jeden Augenblick in vollem Bewusstsein des Todes zu leben, denn das ist so, als versuche man, dauerhaft der Sonne ins Gesicht zu blicken.” – Irvin Yalom

So die These des Psychoanalytikers Irvin Yalom. Ich verstehe den Satz jetzt, da ich meinen Tod geplant habe, noch besser als zuvor. Es hat sich teilweise komisch und ungewohnt angefühlt, mich mit meiner eigenen Endlichkeit zu befassen. Hätte mir jemand vor einem Jahr gesagt, dass ich eine Sterbegeldversicherung abschließen würde, hätte ich wahrscheinlich lachend mit dem Kopf geschüttelt. Der ganze Prozess hat mir aber umso mehr gezeigt, wie wichtig es ist sich zu Lebzeiten damit zu beschäftigen. Wenn man gesund ist.

Dass schon alles gut gehen wird, daran glaube ich ganz fest und vertraue dabei einfach darauf, was die Bestatterin Lea Gscheidel zu Rebecca in der Podcastfolge zum Thema Tod gesagt hat: 

“Ich habe unendlich großes Vertrauen in die Seelen, die werden das schon machen.”

Amen. Und wenn wir ein wenig Vorarbeit leisten, egal ob es für unseren eigenen oder den Tod unserer Eltern, dann machen wir den Weg frei für unsere Seelen. Wird schon schief gehen!

Bleibt lebendig!

Eure Julia

Titelbild © Ben White via Unsplash

Wir möchten mehr mit euch über den Tod sprechen und sammeln daher Input und Fragen für einen weiteren Artikel.

Haben deine Eltern mit dir als Kind über den Tod gesprochen? Hast du schon Nahestehende Mensch verloren? Weißt du nicht, wie du mit trauernden Menschen umgehen sollst? Welche Fragen in Bezug auf den Tod treiben dich um? Fragst du dich, was mit den Körpern passiert? Was gehört für dich zu einem guten Leben? Glaubst du an eine Art von Leben nach dem Tod? Worüber möchtest du mehr wissen?

Wir werden im nächsten Beitrag unserer Serie die häufigsten Fragen in Zusammenarbeit mit der DELA und deren Netzwerk an Fachleuten wie Psycholog*innen, Bestatter*innnen und auch aus eigener Erfahrung beantworten.

Fragen bitte an mail@fuckluckygohappy.de oder noch besser hier in den Kommentaren.

Und noch zwei Buchtipps:

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6 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für diesen Artikel. Er ruft ein Vorhaben wach, was ich nach dem Tod meiner Mutter vor mittlerweile 15 Jahren erledigen wollte. Ich wollte und will immer noch eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung erstellen, das Erbe testamentarisch festlegen und die Planung der eigenen Beerdigung wäre ein weiteres logisches Ergebnis. Bisher habe ich mich erfolgreich darum gedrückt, weil mir die Auseinandersetzung mit meinem eigenen Tod schon schwer fällt. Das Thema Tod, ob durch Krankheit oder unerwartet, begleitet mich schon mein ganzes 40jähriges Leben. Meine Eltern haben mich relativ spät bekommen und meine Verwandtschaft ist/war wesentlich älter wie ich. Auf meiner ersten Beerdigung war ich mit 2 Jahren. Meine Oma väterlicherseits starb. Meine Opas habe ich gar nicht erst kennengelernt. Der Tod und (todbringende) Krankheiten waren nie ein Tabuthema bei uns. Das war manchmal zuviel, nicht altersgemäß und sorgte dafür, dass ich recht früh Verantwortung für Dinge übernahm, die mensch als Kind nicht haben sollte. Das ging soweit, dass ich das Thema Trauer in meiner Diplomarbeit behandeln wollte. Dann starb meine Mutter unerwartet und das Thema Trauer war zumind
    für die Diplomarbeit nicht mehr das Richtige. Auch ansonsten beschäftige ich mich lieber mit dem Leben, auch wenn ich weiß, dass es endlich ist.
    Ich habe das bei meinen Kinder anders gemacht, als meine Mama bei mir. Bilderbücher waren im Kindesalter immer eine gute Unterstützung und das sich einlassen auf das Tempo des Kindes und seine Fragen. Heute – die Kids sind mittlerweile im Teeniealter – reden wir darüber, wenn das Thema in irgendeiner Form aktuell ist. Es steht ihnen frei zu einer Beerdigung mitzukommen. Wir hatten und haben einige Haustiere. Der Tod eines geliebten Tieres tut weh und macht traurig. Gemeinsam trauern und eine Beerdigung arragieren gehört dazu. Sich erinnern und über Erlebnisse mit dem verstorbenen Tier sprechen auch. Der Tod gehört zum Leben und das Thema Tod und Trauer tauchen immer mal wieder auf. Dann ist Zeit dafür da um darüber zu reden oder was auch immer zu machen und dann ist es auch wieder gut.

    Meine Frage lautet wir folgt: Wenn ich von Geburt an einen leichten Herzfehler habe, kann ich dann trotzdem eine Sterbeversicherung abschließen und wenn ja, zu welchen Konditionen? (Muss ich mehr zahlen als andere, weil ich eine Erkrankung habe.)

    1. Lieber Leo,

      vielen Dank für deine offenen Worte. Der Tod gehört zum Leben, das ist so wahr. Oft denken wir darüber nicht nach, oft erst, wenn wir in Situationen geraten, wie auch du. Danke dir für deine Frage, wir werden sie an die DELA weitergeben und beantworten!

      Lieber Gruß
      deine Julia

  2. Super Artikel! Ich habe während Corona im März meinen Vater verloren – natürlich an Krebs. Um mich auf sein Ableben vorzubereiten, habe ich mich vor 2 Jahren zur ehrenamtlichen Sterbebegleiterin ausbilden lassen. Sechs Monate einmal die Woche drei Stunden über Krankheit und Vergänglichkeit sprechen, um für Sterbende da sein zu können. Ich habe zwar nur zwei Menschen begleitet, weil ich es primär für mich gemacht habe und mir das Ehrenamt neben meinem Job und kranken Vater dann doch zu viel wurde, aber es hat trotzdem einen riesen Unterschied gemacht! Nur wer sich dem Tod bewusst ist, kann das Leben auch wirklich genießen und wertschätzen und letztlich auch loslassen. Die Menschen sterben wie sie gelebt haben. Wer den Tod allzeit verdrängt, wird es auf dem Sterbebett vermutlich eher schwer haben. Ich selbst möchte mal auf einem Waldfriedhof beigesetzt werden.

    Als Frage würde ich euch folgende gern zur Diskussion stellen; Wer kümmert sich eigentl bei Singles ohne nähere Angehörige um Beerdigung, Wohnungsauflösung etc. Was, wenn man nicht weiß, wen man als Begünstigten für die Sterbegeldversicherung eintragen soll? Weil man das keinem Freund zumuten möchte? Kann man auch direkt das Bestattungsunternehmen eintragen?

    Viele Grüße

    1. Liebe Evelyn,

      danke dir für dein Feedback. Und das tut mir leid, mit deinem Vater. Ich finde es jedoch echt beeindruckend, wie du dich mit dem Thema Tod auseinandergesetzt hast und auch aktiv bist. So wahr, dass man stirbt, wie man gelebt hat.

      Ich wünsche dir alles Gute und danke dir für die Frage, wie wir sehr gerne an die DELA weitergeben werden!

      Lieber Gruß
      deine Julia

  3. Hallo Julia, vielen Dank für diesen interessanten Beitrag.
    Ich stecke gerade inmitten der Situation die du letztes Jahr durch machen musstest.
    Meine Mama ist vor 2 Wochen verstorben, hatte Anfang des Jahres die Diagnose Krebs erhalten (der nach 16 Jahren zurückgekehrt ist) und jetzt bereiten wir seit 2 Wochen die Trauerfeier, die morgen stattfinden wird, vor.
    Ich bin wie du es beschrieben hast im Autopilot, habe das Gefühl nicht oder nicht ausreichend zu trauern, da ich aktuell leer bin und habe schreckliche Angst vor morgen und der Zeit danach.
    Mama hat eine Woche bevor sie gegangen ist noch einen Termin mit einer Bestatterin gehabt, weil sie immer meinte sie möchte jetzt die Schublade Tod schließen um sich dann auf das Leben zu konzentrieren, aber sie wusste auch dass der Krebs nicht heilbar ist und wollte es für uns leichter machen. Vieles ist vorbereitet gewesen, aber einiges auch nicht. Wie du sagtest, da kommen so viele Entscheidungen auf einen zu, die man vorher nicht auf dem Schirm hatte. Ich werde mich mit meinen 32 Jahren nun auch mit meinem Tod beschäftigen und überlegen wie ich es meinen Lieben später leichter machen kann.
    Ganz liebe Grüße

    1. Liebe Jasmin,

      erstmal, da heute der Tag der Trauerfeier ist: ganz viel Kraft zu dir. Du wirst das hinbekommen, auch wenn du manchmal denken solltest: aber wie? Jede*r erlebt die Trauer anders. Und was ich mega wichtig finde, ist, dass man seine Trauer so annehmen sollte, wie sie eben da ist. Und wenn das bei dir gerade Leere ist, dann ist es leere. Wenn die Trauer mal total zuschlägt ist das genauso okay, wie wenn sie mal fast ins Vergessenheit gerät. Es gibt keine richtige und keine falsche Trauer. Und auch ist Trauer nicht linear. Ich dachte, dass mit mehr Zeit weniger Trauer da sein müsste. Jetzt merke ich, dass es gute Tage gibt, aber auch richtig schlechte.

      Ich denke du kannst, so wie ich, aus der Erfahrung mit den Eltern mitnehmen, dass wir Dinge klären wollen. Wenn wir gesund sind. Bei vollem Verstand. Damit keine Fragen offen bleiben. Step by step.

      Ich sende dir alle Kraft der Welt und kann dir nur eins sagen, auch wenn es gerade so absurd klingen mag: es wird besser. Nicht schnell, nicht linear, aber es wird besser.

      Lieber Gruß
      deine Julia

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