Warum wir mehr über den Tod sprechen müssen

Fix und fertig lag das Konzept für unsere kleine Artikel-Serie über den Tod auf meinem Schreibtisch, die wir gemeinsam mit der niederländischen Versicherungs-Kooperative DELA geplant hatten.

Das Thema Tod treibt mich aufgrund meiner persönlichen Geschichte seit vielen Jahren um und da es die DELA und ihre Sterbegeld- und Risikolebensversicherungen seit einiger Zeit auch in Deutschland gibt, freuten wir uns alle über das match made in heaven.

Doch dann kam Corona. Und die ersten Meldungen aus Norditalien, wo Massenbeerdigungen stattfanden und Ärzte aus Mangel an Infrastruktur effizient entscheiden mussten, wen sie weiter behandeln und wen nicht. Auch hierzulande machte sich Verunsicherung und bisweilen sogar Panik breit vor dem Virus, das so schwer einzuschätzen war.

Jetzt mit einem Artikel über den Tod um die Ecke zu kommen, schien uns zunächst makaber. Und doch halte ich das Thema für wichtiger denn je.

Denn wem das Leben bisher noch keine persönlichen Erfahrungen mit dem Tod beschert hat, dem führt die aktuelle gesellschaftliche Situation die Tatsache, dass das Leben begrenzt ist, deutlich vor Augen.

Kaum eine Tageszeitung, die nicht über aktuelle Todesfälle berichtet, kaum ein Mensch, der sich nicht Gedanken darüber macht, wie tödlich Covid-19 jetzt wirklich ist. Diejenigen, die nicht um die eigene Gesundheit bangen, sorgen sich vielleicht um Großeltern, Eltern oder Menschen, die aus anderen Gründen zur Risikogruppe zählen.

Man könnte nun sagen: Menschen sterben ständig und überall auf der Welt. Das stimmt, aber der Unterschied jetzt ist, dass der Tod näher rückt, sich nicht mehr an den Rand des Bewusstseins drängen lässt, sondern da hin kommt, wo wir ihn eigentlich nicht haben wollen: In den eigenen, kleinen Kosmos.

Corona hin oder her: Wir müssen mehr über den Tod sprechen.

Meine erste, relevante Erfahrung mit dem Tod hatte ich vor etwa 15 Jahren als mein Opa gestorben ist. Bei ihm saß ich am Totenbett und fragte mich zum ersten Mal in meinem Leben, was da eigentlich weggeht, wenn jemand stirbt und warum der Körper, der vor mir lag, zwar aussah wie Opa, aber so wenig Opa drin war.

2015 starb dann mein Stiefvater sehr plötzlich, zwei Jahre später meine Oma im hohen Alter und letztes Jahr dann mein kleiner Sohn Luka direkt nach seiner Geburt. All diese Erlebnisse haben mich sehr geprägt, mir den Wert den Lebens vor Augen geführt und meine eigenen Unsicherheiten mit dem Thema Tod aus dem Weg geräumt. Gleichzeitig habe ich auch gemerkt, wie groß die Berührungsangst vieler Menschen mit dem Thema an sich ist oder mit Menschen, die einen schweren Verlust erlitten haben.

Warum ist der Tod eigentlich so ein großes Tabu?

Eine abschließende Antwort habe ich nicht auf diese Frage. Nur Ideen. Eine sehr plausible hat mir die Bestatterin Lea Gscheidel im Interview für Heiliger Bimbam verraten. Sie meinte, dass eine Generation, die mit dem ersten und zweiten Weltkrieg zu viele Tote zu betrauern hatte, vielleicht keine andere Möglichkeit hatte, als das Thema auszublenden. Zu schmerzhaft.

Meine persönliche Theorie ist, dass die Beschäftigung mit dem Tod immer auch ein Nachdenken über den Sinn des eigenen Lebens bedeutet – und einem sehr deutlich vor Augen führt, welche Aspekte man nicht lebt, welche Träume noch unerfüllt sind. Nicht jede*r kann das als Chance sehen, etwas zu verändern.

Der Tod zeigt uns sehr eindeutig, dass wir uns dem Lauf des Lebens hingeben müssen, statt es zu kontrollieren.

Und das macht verdammt Angst: Angst, geliebte Menschen vermeintlich zu früh zu verlieren. Angst vor dem kompletten Kontrollverlust. Angst davor, dem Schicksal ausgeliefert zu sein und nichts mehr selbst in der Hand zu haben.

Doch nur weil wir den Tod raus aus dem Alltag und rein in die Intensivstationen drängen, geht er nicht einfach weg. Wie sehr er uns wirklich beschäftigt, zeigen die Beliebtheit von Krimiserien und -romanen, sowie die Faszination, die von den oft grausamen Darstellungen in Filmen ausgeht oder die reißerische Aufmachung der Todeszahlen in so mancher Tageszeitung.

Warum eine Sterbegeldversicherung?

Bei einer Sterbegeldversicherung geht es in erster Linie darum, sich zu Lebzeiten darum zu kümmern, dass die Kosten für die eigene Bestattung gedeckt sind. Der Clou: je jünger man bei Versicherungsbeginn ist, desto geringer die Beiträge.

Ein Beispiel: Wenn ich möchte, dass meine Hinterbliebenen 8000 Euro für meine Bestattung haben, dann müsste ich jetzt mit 36 Jahren einmalig 4250 Euro einzahlen. Theoretisch könnte ich auch monatlich 13,80 Euro zahlen bis ich 85 bin. Die 8000 Euro würden auch ausgezahlt, wenn ich mich schon in zwei Jahren aus dem Leben verabschiede, was ich aber auf keinen Fall vorhabe.

Welche verschiedenen Versicherungsoptionen es gibt, kannst du schnell über den Beitragsrechner auf dela.de oder mit einer einfachen Mail an die DELA in Erfahrung bringen. Außerdem unterstützt das Team mit Infos und downloadbaren Dokumenten wie Vorsorge-Vollmachten, Patientenverfügung und Wunschbestattung.

7 Gründe, warum wir Offenheit im Umgang mit dem Tod brauchen:

  • Der Tod betrifft uns alle. Wirklich alle. Und nicht nur, weil wir alle sterben werden. Spätestens um die 30 machen die meisten Menschen die Erfahrung, dass geliebte Menschen sich aus dem Leben verabschieden, oft sind es die Großeltern, in nicht wenigen Fällen ereignen sich die schmerzlichen Verluste schon viel früher. Insofern ist der Tod eines der wenigen Themen, die wir alle gemeinsam haben.
  • Der Tod wird weniger schrecklich, wenn man ihn zur Tür rein bittet. Wenn es selbstverständlicher wäre, im Vorfeld über den Tod zu sprechen, dann müssten wir vielleicht nicht so viel Angst davor haben. Viele Unsicherheiten im Umgang mit dem Thema Sterben oder Erbe in der eigenen Familie anzusprechen, könnten vermieden werden, wenn man sich traut zu fragen: Wie würdest du dir deine Beerdigung wünschen? Auch ist es sinnvoll zu wissen, wo man wichtige Dokumente findet oder ob zum Beispiel eine Sterbegeldversicherung vorhanden ist.
  • Die akute Situation bleibt schmerzhaft, wird aber weniger überfordernd. Ich höre oft Geschichten, dass Familien beim Planen einer Beerdigung sich bis aufs Messer zerstreiten oder völlig hilflos sind, wenn jemand Nahestehendes stirbt oder schwer erkrankt. Aus diesem Grund legt die DELA im Rahmen ihrer Sterbegeldversicherung auch besonders Wert auf Beratung hinsichtlich von Vorsorge-Dokumenten, einer eventuellen Wunschbestattung und psychologische Erstberatung für Hinterbliebene.
  • Vorurteile und Fragezeichen können sich auflösen. Was passiert eigentlich mit den Toten, nachdem sie aus dem Krankenhausbett in die Kühlung gebracht werden oder zuhause vom Bestatter abgeholt wurden? Oft treiben Hinterbliebene Vorstellungen um, die im Kopf wesentlich bedrohlicher sind als in Wirklichkeit. Dazu gehören zum Beispiel auch die Berührungsängste, die viele Menschen in Bezug auf den toten Körper haben. Ein hartnäckiges Vorurteil ist zum Beispiel, dass es so etwas wie Leichengift gibt oder man Tote nicht berühren darf.
  • Neue Möglichkeiten im Umgang mit dem Tod tun sich auf. Um den Tod zu verstehen, hat es mir immer sehr geholfen, mich von dem verstorbenen Menschen zu verabschieden. Irgendwann merkt man dann: Jetzt ist gut, jetzt muss der Körper gehen. Ich konnte nie verstehen, warum manche Menschen ihn*sie lieber so in Erinnerung behalten, wie er*sie war. Die Möglichkeit einer solchen Abschiednahme hat mein Bild der Personen nicht verändert, höchstens um eine wertvolle Facette bereichert. Was gut tut, um den Tod eines geliebten Menschen besser zu verkraften, ist höchst individuell, aber es lohnt sich zu fragen, denn meistens geht mehr als man denkt.
  • Offenheit hilft trauernden Menschen. Trauernde haben oft nicht nur mit dem Schmerz des Verlustes zu kämpfen, sondern auch mit den Reaktionen der Umwelt. Schlimm ist es zum Beispiel, wenn Bekannte oder Freunde den Verlust einfach ignorieren. Auf der anderen Seite stehen völlig übertriebene Reaktionen, zum Beispiel in Tränen auszubrechen, so dass man selbst plötzlich trösten muss. Was wirklich hilft, ist ehrliche Anteilnahme, die der Beziehung angemessen ist. Manchmal reicht ein schlichtes Tut mir so leid, was passiert ist, eine kurze Anerkennung der Situation. Wenn die Beziehung enger ist und man selbst unsicher ist, kann man einfach fragen: Ich bin unsicher, wie ich mit dir umgehen soll. Kannst du mir helfen und sagen, wie ich dich aktuell am besten unterstützen kann?
  • Gespräche über den Tod schaffen Verbundenheit. Wenn das Thema Tod einmal auf dem Tisch ist, dann hat plötzlich fast jede*r eine Geschichte beizusteuern: Der Vater, der viel zu früh gestorben ist, die Fehlgeburten, die den eigenen Weg zeichnen oder lebensbedrohliche Krankheiten, Unfälle oder Behinderungen von nahestehenden Menschen, die uns große Sorge bereiten. Wer über den Tod spricht, wird viele solcher Geschichten hören. Die Gespräche lassen manchmal Tränen fließen, enden aber immer mit dem Gefühl einer tiefen Verbundenheit und Wahrhaftigkeit, die für alle heilsam ist.

Du siehst, das Thema liegt mir wirklich am Herzen und ich könnte ganze Romane dazu schreiben. Doch jetzt interessieren mich erst einmal deine Erfahrungen und/oder Fragen.

In welcher Form ist dir der Tod begegnet, wie war der Umgang damit? Oder ist es dir suspekt,  das Thema öffentlich zu behandeln? Warum? Und vor allem: Wie sieht es mit deiner Angst vor dem Tod aus?

Ich freue mich über regen Austausch in den Kommentaren. Julia wird demnächst einen Beitrag zu unserer Serie beisteuern, in dem sie sich mit der Frage auseinandersetzt, ob man den eigenen Tod planen soll und wie man am besten vorsorgt für Zeiten, in denen Gesundheit vielleicht nicht mehr selbstverständlich ist.

Bis dahin empfehle ich dir, dich mal auf den Seiten der DELA umzusehen.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich eine Sterbegeldversicherung jemals für sinnvoll erachten könnte, doch bei genauerem Hinsehen kann ich den Abschluss echt empfehlen, denn so makaber es klingt: Der Versicherungsfall wird auf jeden Fall eintreten. Warum also nicht gut vorbereitet sein und kostenfreie Unterstützung bei der organisatorischen Vorsorge in Anspruch nehmen?

Foto © Rebecca Randak

Disclaimer: Dieser Artikel ist in Kooperation mit der DELA Versicherungskooperative entstanden. Wir sind sehr dankbar, mit so tollen Partner*innen zusammenzuarbeiten. Außerdem sorgen Artikel wie dieser dafür, dass alle Inhalte auf FLGH für dich kostenlos bleiben können.

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13 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo ihr beiden,
    Danke für eure Bemerkungen unter meinem Kommentar.
    Der Tag vor dem ich mich am meisten gefürchtet habe, der Tag an dem meine Mama stirbt, war letzten Samstag. Es ging für uns alle viel zu schnell und wir hatten die Hoffnung noch mehr Zeit gemeinsam zu haben. Aktuell bin ich völlig in der Verdrängungs- und Vorbereitungsphase und das Ausmaß überkommt mich heute seltener als die Tage zuvor.
    Ich habe jedoch Angst vor der Zeit nach der Trauerfeier, da ich befürchte dass dann der große Knall kommt und für mich die Realität und der Alltag, den es ohne sie zu meistern gilt.
    Habt ihr einen Tipp für mich aus eurer Erfahrung wie ich dem vorbeugen kann? Ich hab schon überlegt ob ich eine Therapie aufsuchen soll.
    Viele Grüße Jasmin

  2. Liebe Rebecca,
    ich finde es super, dass Du das Thema aufgreifst, gerade auch in der jetzigen Situation!
    Deine persönlichen Erfahrungen haben mich sehr berührt. Danke, dass Du sie mit uns teilst.

    Letzten Sommer ist mein Papa plötzlich gestorben. Er war zwar schon 80, aber es kam doch überraschend
    am Tag vor der goldenen Hochzeit meiner Eltern. Statt der geplanten Party haben wir dann eine sehr persönliche,
    teilweise sicher unkonventionelle Beerdigung organisiert. Es war ein schöner Abschied.

    Bis zu diesem Zeitpunkt war die Vorstellung vom Tod meiner Eltern für mich immer der Horror schlechthin.

    Als ich zwei Monate nach der Beerdigung an Papas Grab stand, war mir klar, dass ich mich noch intensiver mit
    dem Thema Tod auseinandersetzten muss, um alles besser zu verarbeiten.
    Gerade weil es gesellschaftlich so ein Tabu ist.

    Ich habe das Experiment gestartet, mich ein Jahr lang auf lebensbejahende Weise mit dem Thema Tod zu beschäftigen.
    Zu schauen, was ich in Musik (ich bin Sängerin), Kunst und Literatur dazu finde.
    Trauerkultur und Riten in anderen Ländern zu recherchieren, zu beobachten, wie sich mein
    Elternhaus innerhlb dieses Trauerjahrs verändert.

    Ich bin auf Interessantes und Anregendes gestoßen (auf Dich und Charons Tochter, die Bestatter und Autoren Eric Wrede und Caitlin Doughty, letztere hat einen wunderbar skurrilen Youtubekanal “Ask a mortician”),
    kenne mittlerweile die “Hitlisten” von Beerdigungssongs und habe für meinen Papa am “Dia de los muertos” nach mexikanischem Vorbild einen Hausaltar gebaut.

    Mein Projekt hilft mir bei der Trauerarbeit und ermöglicht mir, weiterhin in Kontakt zu meinem Papa zu stehen.

    Bisherige Kurzdokumentationen gibt`s unter #meinjahrmitpapa.

    Meine coronabedingte Businesspause nutze ich dazu, alles etwas ausführlicher aufzuschreiben.
    Mal sehen, was daraus wird…

    Herzliche Grüße, Ruth

    1. Das klingt traurig, aber auch total gut. Es ist ja meistens so, dass man beginnt sich nach dem Tod eines geliebten Menschen mehr mit dem Thema zu beschäftigen. Auch sehr interessant, was man bei sich selbst so alles entdeckt, ganz unabhängig von der Trauer, finde ich.

      Danke für deinen Kommentar und alles Liebe,
      Rebecca

  3. wie war das nochmal ? – Jeden Tag 5 min. über den eigenen Tod nachdenken hilft uns, besser damit klar zu kommen dass niemand von uns NICHT sterben wird.
    Gefühlt habe ich schon ganze Wochen nur mit diesem Thema verbracht – und ich habe mich vor allem künstlerisch dem Thema genähert: ich habe z.B. am Theater ein Stück konzipiert mit Songs und Texten übers Sterben – allein die Recherche dafür und natürlich das Live Spielen der Abende hat mir so viel Kraft gegeben und mir geholfen mit diversen Verlusten klarzukommen: mit dem Selbstmord einer Freundin im Wochenbett mit ihrer damals 3 Monate alten Tochter, mit dem Tod einer Freundin, deren Freund sie unwissend mit HIV angesteckt hatte, damit, dass in den vergangen 10 Jahren 2 Kinder in den Klassen meiner eigenen Kinder an Krebs gestorben sind.
    Der Tod einer geliebten alten Person, die viel erlebt hat, und nun einfach gehen darf, ist schon schmerzhaft genug, aber sobald die Dinge umgedreht werden und Kinder vor Eltern gehen müssen – oder Menschen es freiwillig tun (auch wenn sie von einer Krankheit diazugetrieben werden) – bringt uns das noch mehr an die persönlichen Grenzen.
    Ich brauche es einfach, mich immer wieder mit dem Tod zu beschäftigen – als Kind schon – und heute noch viel mehr.
    Zuletzt ist ein Song von mir dabei rausgekommen, gemeinsam mit meinem Freund Dave Stringer, dem Kirtan Musiker, in dem wir unsere Visionen davon schildern, wie es vielleicht sein könnte wenn wir sterben: “I´ll exhale” heisst er – denn das werde ich dann wohl – da bin ich mir sicher.
    Wie ich es mir wünsche, was ich mir dafür erträume – ohne wirklich zu wissen wie es ist. Aber wie bei allem im Leben bin ich davon überzeugt, dass es eine Vision von etwas uns helfen kann.
    Und ich ermutige Menschen, sich dem Thema zu stellen -ich frage sie und eröffne das Gespräch. Immer sehr gerne.

    1. Das klingt total schön, was du schreibst. Obwohl die Schicksale so heftig sind. Und das meine ich: So viele Menschen haben ähnliche Geschichten beizusteuern, es ist heilsam, wenn sie gehört werden.

      Wo finde ich euren Song?

  4. Hi, s e h r interessantes Thema. Sterben und Tod war mein ganz persönliches Horrorthema. V.a. Der meiner Mutter. Dann habe ich innerhalb v 10 Jahren in Abständen meine Eltern und Schwiegereltern verloren. Jeden auf eine eigne Art und Weise. Meine Mutter, 74 J lang gesund bekam eine krebsdiangnose mit der Ansage noch Max 6 Monate Lebenszeit. SCHOCK. Ich habe damals meine große Angst überwunden und habe mich dem Sterben gestellt und sie begleitet. Wir haben gesprochen,, geschwiegen, manchmal zusammen geweint, ihre Beerdigung geplant und viel miteinander gelacht. Irgendwann kam dann der Tag wo es gut war, dass sie gehen durfte. Das waren die intensivsten ehrlichsten Tage in unserer Beziehung und ich möchte keinen missen. Ich vermisse sie immer noch , aber bin unendlich dankbar, dass ich diese Lebenslektion erfahren durfte.
    Inzwischen habe ich eine Ausbildung als Kriseninterventionshelfer und gehe gezielt mit dem Rettungsdienst und der Polizei zu Betroffenen, die sich mit einem plötzlichen Todesfall konfrontiert sehen, um Sie in den ersten Stunden und Entscheidungen zu begleiten. So ein Ehrenamt wäre für mich vor 10 Jahren ABSOLUT undenkbar gewesen.
    Ich bin sehr froh, das Leben mit all seine Facetten immer wieder neu kennenzulernen ….hinter dem Tabu und der Scheu Darüber zu sprechen liegt die große Befreiung .

    1. Und so schmerzhaft der Verlust ist, so sehr kann man das Schöne entdecken. Ich bin sicher, dass du viele wunderbare Momente mit deiner Mutter hattest. Es klingt, als hätte diese Erfahrung dich reicher gemacht. Trotz der Trauer. Alles Liebe für dich,
      Rebecca

  5. Liebe Rebekka
    Großartig, dass ihr das Thema beginnt! Auch mir ging beim Lesen eines Interviews mit dem Philosophen Haslerstrasse zum Thema Generationen & Hippe Rentner durch den Kopf: man hat die letzte Lebensphase zu Dauerferienreisen erkoren. Früher bereitete man sich aufs Sterben vor. Soviel Jahre blieben ja nach einem harten Leben nicht. Schon gar nicht gesundheitlich.
    Der Tod traf mich als 32-Jährige mit aller Wucht. Plötzlich war ich Witwe. Auch ich könnte darüber Romane schreiben, Seminare geben, Artikel verfassen – so al Gastrojournalistin.
    Doch schreiben konnte ich lange nicht mehr. Da war nichts mehr, kein Sinn weiterzuleben.
    In den vergangenen Jahren fand ich wieder Freude am Leben, am Entdecken und Mitteilen.
    Doch gleich bin ich nicht mehr, das Vermissen – auch ein Teil von seinem Leben mit dem Verstorbenen – bleibt. Zu sagen in ein zwei Jahren sei man frisch verliebt & alles Wieder gut …i ich habe neben vielen Freunden und Familie auch immer wieder ganz schreckliche Aussagen erfahren. Das muss nicht sein.
    Was mich stets begleitete war eine wichtige Erfahrung. Eine Urne zu finden – Himmel was gibt es da für scheußliches Zeug! Wie will man ein Leben feiern? Ein junges Leben? Ich bin bis heute so dankbar für Urne.ch
    Den verständnisvollen Raum, die Zeit und Begleitung die ich da erfuhr, ist unvergesslich.
    Letzten Dezember hab ich da nochmals angerufen. „Es sei jetzt bestimmt ziemlich komisch“, sagte ich am Telefon. Ich wolle mir eben noch zu Lebzeiten meine Urne kaufen. Ich sei weder krank noch hätte ich vor zu sterben. Doch der Gedanke bereits heute mein Zuhause im Zuhause zu haben, scheint mir beruhigend!
    Anscheinend sei das gar nicht verwerflich, sondern ein Grund weshalb der Urnenkünstler mit Urne.ch ursprünglich begann ….
    Ich gebe zu, es war schon seltsam mit meiner Urne durch Zürich im Tram zu fahren. Es stand sogar das Logo auf dem Karton in meiner Hand.
    Es war mir auch etwas schaurig mit der Urne im gleichen Haus zu schlafen. Auch wenn sie ein bezauberndes getrocknetes Blumenkränzchen trägt.
    Doch am Morgen danach, so mit Cappuccino im Pyjama, lümmelnd auf meinem Sofa, betrachtete ich das wunderschöne Birnenholzgefäss auf meinem Lowboard. Drinnen mit einigen meiner Geliebten Steinen & getrockneten Kastanien aus der ganzen Welt & mit kleinen handgeschriebenen Nachrichten.
    Und seit Dezember wohnen wir ganz glücklich zusammen.
    Übrigens war meine Familie an Weihnachten zu Besuch und hatte sie nicht bemerkt. Ich habe es erst später erzählt, auch Freunden. Nach unterschiedlichen Reaktionen, finden es heute alle zumindest sinnvoll.
    Jedenfalls weiß nun jeder: Einäscherung, Urne, Verstreuen im Lärchenwald auf 1500 Metern.
    Eine schöne Vorstellung! Sie beruhigt mich enorm.
    Dennoch, das Sterben ist kein Zuckerschlecken. Genau das zeigt uns Corona auch.

    1. Oh ja, das mit dem Gefühl, dass alles sinnlos oder platt ist nach so einer relevanten Erfahrung kann ich gut nachvollziehen. Zum Glück hat sich das auch wieder gelegt.

      Ob das Sterben Zuckerschlecken ist oder nicht, weiß ich nicht. Ich denke, es ist total unterschiedlich und von Fall zu Fall verschieden. Wie Geburten und das Leben selbst eben auch. Sehr vielschichtig.

      Und super mit der Urne!

      Alles Liebe für dich,
      Rebecca

  6. Liebe Rebekka
    Großartig, dass ihr das Thema beginnt! Auch mir ging beim Lesen eines Interviews mit dem Philosophen Haslerstrasse zum Thema Generationen & Hippe Rentner durch den Kopf: man hat die letzte Lebensphase zu Dauerferienreisen erkoren. Früher bereitete man sich aufs Sterben vor. Soviel Jahre blieben ja nach einem harten Leben nicht. Schon gar nicht gesundheitlich.
    Der Tod traf mich als 32-Jährige mit aller Wucht. Plötzlich war ich Witwe. Auch ich könnte darüber Romane schreiben, Seminare geben, Artikel verfassen – so al Gastrojournalistin.
    Doch schreiben konnte ich lange nicht mehr. Da war nichts mehr, kein Sinn weiterzuleben.
    In den vergangenen Jahren fand ich wieder Freude am Leben, am Entdecken und Mitteilen.
    Doch gleich bin ich nicht mehr, das Vermissen – auch ein Teil von seinem Leben mit dem Verstorbenen – bleibt. Zu sagen in ein zwei Jahren sei man frisch verliebt & alles Wieder gut …i ich habe neben vielen Freunden und Familie auch immer wieder ganz schreckliche Aussagen erfahren. Das muss nicht sein.
    Was mich stets begleitete war eine wichtige Erfahrung. Eine Urne zu finden – Himmel was gibt es da für scheußliches Zeug! Wie will man ein Leben feiern? Ein junges Leben? Ich bin bis heute so dankbar für Urne.ch
    Den verständnisvollen Raum, die Zeit und Begleitung die ich da erfuhr, ist unvergesslich.
    Letzten Dezember hab ich da nochmals angerufen. „Es sei jetzt bestimmt ziemlich komisch“, sagte ich am Telefon. Ich wolle mir eben noch zu Lebzeiten meine Urne kaufen. Ich sei weder krank noch hätte ich vor zu sterben. Doch der Gedanke bereits heute mein Zuhause im Zuhause zu haben, scheint mir beruhigend!
    Anscheinend sei das gar nicht verwerflich, sondern ein Grund weshalb der Urnenkünstler mit Urne.ch ursprünglich begann ….
    Ich gebe zu, es war schon seltsam mit meiner Urne durch Zürich im Tram zu fahren. Es stand sogar das Logo auf dem Karton in meiner Hand.
    Es war mir auch etwas schaurig mit der Urne im gleichen Haus zu schlafen. Auch wenn sie ein bezauberndes getrocknetes Blumenkränzchen trägt.
    Doch am Morgen danach, so mit Cappuccino im Pyjama, lümmelnd auf meinem Sofa, betrachtete ich das wunderschöne Birnenholzgefäss auf meinem Lowboard. Drinnen mit einigen meiner Geliebten Steinen & getrockneten Kastanien aus der ganzen Welt & mit kleinen handgeschriebenen Nachrichten.
    Und seit Dezember wohnen wir ganz glücklich zusammen.
    Übrigens war meine Familie an Weihnachten zu Besuch und hatte sie nicht bemerkt. Ich habe es erst später erzählt, auch Freunden. Nach unterschiedlichen Reaktionen, finden es heute alle zumindest sinnvoll.
    Jedenfalls weiß nun jeder: Einäscherung, Urne, Verstreuen im Lärchenwald auf 1500 Metern.
    Eine schöne Vorstellung! Sie beruhigt mich enorm.
    Dennoch, das Sterben selbst ist kein Zuckerschlecken! Und genau vor den Schmerzen & dem Ausgeliefert sein haben wir Angst! Das zeigt Corona mir..

  7. Liebe Rebecca, danke für diesen Beitrag.
    Der Beitrag gibt mir wirklich zu denken, denn ich bin selbst jemand der den Tod verdrängt so gut es geht und bis auf Verluste wie die Oma keinen schlimmen Verlust hatte, den ich nicht verarbeiten kann.
    Aktuell sehe ich mich jedoch gezwungen mit dem Tod zu beschäftigen, da meine Mama eine Krebsdiagnose bekommen hat, die nicht heilbar ist (vor 16 Jahren hatte sie den Krebs schon einmal vermeintlich besiegt und nun ist er mit all seiner zerstörerischen Kraft zurück).
    Nun muss ich mich wohl oder übel mit dem Thema beschäftigen, aber ich kann einfach keinen tröstlichen Gedanken finden oder mir vorstellen jemals darüber hinwegzukommen, obwohl der Fall noch nicht mal eingetreten ist.
    Für mich ist der Tod die größte Angst in meinem Leben. Sowohl der Tod nahestehender Personen (besonders bei meiner Mama, da ich mir ein Leben ohne sie nicht vorstellen kann), als auch mein eigener Tod wegen der Angst vor dem Ungewissen.
    Ich danke dir wirklich sehr für den Beitrag und wünsche weiterhin alles Gute und vor allem Gesundheit!
    Liebe Grüße Jasmin

    1. Liebe Jasmin,

      das tut mir leid. Es ist einfach so schrecklich, wenn Menschen, die einem nah sind, unheilbar krank werden. Und es ist schwer, die richtigen Worte zu finden in solchen Situationen. Ich wünsche dir und deiner Familie, dass ihr getragen seid und in allem Schmerz viele Möglichkeiten findet, euch gut zu begegnen.

      Ganz viel Liebe,
      Rebecca

    2. Trau Dich, es ist absolut nachvollziehbar dass du Angst hast, aber SIE hat doch noch viel mehr. Deswegen durchlebt dies zusammen und versucht euch gegenseitig zu helfen. Du wirst es nicht bereuen. Nur Mut, zusammen ist man stärker. Alles Gute !

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