Nicht sorgen – singen! 7 Yoga-Mantras für alle Lebenslagen

Ich könnte jetzt diesen Artikel damit beginnen, ganz euphorisch darüber zu schreiben, was ich für ein großer Fan von Mantras bin. Doch zugegeben, ich selbst praktiziere Yoga noch nicht lange mit Mantras. Wahrscheinlich kenne ich auch nur einen Bruchteil der Mantras, die im Yoga und den unterschiedlichen Stilrichtungen vorkommen.

Hare Krishna? Um ehrlich zu sein, ich war doch ganz schön skeptisch.

Meine Freund*innen und alle, die mich kennen, wissen: Ich liebe es, zu singen. Zwar bin ich nicht gerade musikalisch begabt, doch hat mich das nie davon abgehalten, meine Lieblingslieder vor mir her zu trällern. Nicht immer zur Freude meiner Umgebung.

Aber Mantra-Singen vor, während oder nach dem Yoga üben? Ich weiß noch wie ich das erste Mal in einer Yogastunde saß und zum Abschluss “OM” gesungen habe. Alle saßen im Schneidersitz um mich herum, geschlossene Augen, Hände vor der Brust und sangen voller Inbrunst mit.

Ich wollte schon als Kind keine Kirchenlieder mitsingen und nun das!

Ich saß da, völlig irritiert und peinlich berührt. Ich kam mir regelrecht scheinheilig vor. Weder war ich je großartig religiös gewesen, noch hatte ich bis dato viel mit Spiritualität am Hut. Am Anfang meiner Yogapraxis sträubte ich mich regelrecht dagegen und fragte mich dabei immer wieder:

Was ist überhaupt dieses “OM”? Und vor allem, was hat das mit mir zu tun?

Mir etwas aufdrängen lassen, was nicht mit meinen eigenen Ansichten übereinstimmt, geht mir gegen den Strich. Ich bin ein sehr neugieriger und offener Mensch – und möchte die Freiheit haben, alles hinterfragen zu können und mich dabei immer wieder etwas Neues zu lernen.

Je länger ich Yoga übte, umso vertrauter wurde mir das “OM” und es gehörte einfach dazu.

Ich lernte, dass es beim Mantra-Singen nicht darum geht, bestimmte Dogmen zu vertreten.

Was ist ein Mantra und wozu wird es gesungen? 

Die meisten Mantras im Yoga sind in Sanskrit geschrieben. Es sind Sätze, Verse oder Worte, die häufig während der Meditation still für sich wiederholt oder in der Gruppe gesungen werden. Mantras sollen heilsame Wirkung haben. Sie sollen dir dabei helfen, deinen Geist zu fokussieren und negative Gedankenmuster aufzulösen. Klingt ziemlich kopflastig, doch eigentlich funktionieren sie wie ein Lebensmotto oder eine Hymne.

Schon Timon und Pumba besangen ihre Lebensphilosophie mit “Hakuna Matata.”

Du versuchst dich in eine positive Stimmung zu bringen und dich immer wieder von Neuem zu motivieren. Der Unterschied vom Lebensmotto zu Mantras ist, dass es für jede Lebenssituation unterschiedliche Mantras gibt. Je nachdem welche Gefühle dich beschäftigen oder welche Gedanken dich herumtreiben, welche Art von Energie du anzapfen möchtest. Dabei kannst du die unterschiedlichen Mantras für dich nutzen.

Diese sieben Mantras begleiten mich durch mein Leben:

OM

Diese heilige Silbe kennt jede*r Yogi*ni und sie ist wohl das wichtigste Mantra auch außerhalb der reinen Yogaphilosophie. Es ist das Symbol des Göttlichen und sein Klang steht für den Urklang des Universums. Es setzt sich aus drei Buchstaben zusammen: A, U und M: Jeder dieser Buchstaben steht für einen universellen Zustand.

OM erinnert uns an die Dreieinigkeit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Einfach übersetzt bedeutet es “Alles was war, was ist und was sein wird”: Gerade wenn wir unruhig sind, uns Gedanken über die Zukunft machen oder ewig über eine vergangene Situation sinnieren. OM hilft uns, innere Ruhe zu finden und uns zu zentrieren. In Yogastunden bildet das Mantra oft den Rahmen um eine Stunde: Man stimmt sich gemeinsam ein und schließt den Kreis am Ende damit.

Lokah Samastah Sukhino Bhavantu

„Mögen alle Wesen überall glücklich und frei sein, und mögen meine Worte, Taten und Gedanken auf irgendeine Weise zum Glück und zur Freiheit aller beitragen.” Dieses Mantra steht für Frieden, Harmonie und Glück. Es ist ein Segensspruch, der in uns Wohlwollen und Liebe hervorrufen soll.

We’re all connected!

Du hattest einen Streit mit einen*r guten Freund*in und bist ziemlich sauer? Dann kann dir das Mantra helfen, dich zu beruhigen und auf deine positive Energie zu besinnen. Denn wir sind alle miteinander verbunden und sollten uns gegenseitig Liebe und Glück schenken.

So Ham

So Ham ist das Mantra für mehr Selbstliebe und Achtsamkeit! Es bedeutet so viel wie “Ich bin DAS” und soll uns die Verbindung unseres Bewusstseins mit der Welt näher bringen. Besonders gut wirkt das Mantra als meditative Praxis zusammen mit der Atmung. Beim Einatmen summst du SO, beim Ausatmen summst du HAM.

Ich bin ich! Ich bin genug!

In Zeiten von Social Media und Massenkonsum heißt es immer: schneller, besser, weiter vorwärts. Da kannst du leicht die Verbindung zu dir selbst verlieren. Es ist nicht immer leicht, sich von der Umwelt abzugrenzen und ganz bei sich zu bleiben. Wenn mir alles zu viel wird, halte ich einen Moment inne und wiederhole das Mantra still für mich. Denn du bist nicht deine Gedanken oder deine Gefühle. Wir sind viel mehr als unsere Leistung und unsere äußere Hülle. Du bist du und es ist genug!

Om Namah Shivaya Gurave

„Om Namah Shivaya Gurave. Saccidananda Murtaye. Nischprapanchaya Shantaya. Niralambaya Tejase“

Om Namah Shivaya.. wird häufig am Anfang einer Anusara Yoga Stunde verwendet. Den Idealen des Anusara Stils folgend, soll es unser Innerstes ansprechen: “Ich verneige mich vor dem Licht, dem Guten in mir, dem Wahren Lehrer. Diese innere Essenz ist Wahrheit, Bewusstsein und Glück zugleich. Immer da und erfüllt von Frieden. Ist von Natur aus frei und strahlt in einem überirdischen Glanz – unfassbar.”

Hör auf dein Herz

Entscheidungen zu treffen war noch nie meine Stärke. Wenn mir der Mut fehlt, auf meine Intuition und meine Stärken zu vertrauen, singe ich dieses Mantra! Gerade wenn du dich unsicher fühlst, kann dieses Mantra dich daran stärken, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern mutig für dich selbst einzustehen.

Ra Ma Da Sa

Das Heilmantra stammt aus dem Kundalini Yoga nach Yogi Bhajan. Genau in dieser Reihenfolge stehen die vier Silben für die Sonne, den Mond, die Erde und die Unendlichkeit. Du kannst es für deine eigene Heilung nutzen oder auch in Gedanken an einen geliebten Menschen verwenden.

Überwinde negative Gedankenmuster und bleib positiv

Die häufige Wiederholung des Mantras wirkt ausgleichend zu negativen Gedanken und kann eingefahrene Gewohnheiten durchbrechen. Besonders bei Depressionen oder traurigen Erlebnissen können wir mit Ra Ma Da Sa positive Lebensenergie schöpfen.

Hare Krishna

Dieses Mantra wird auch als Maha Mantra, also “Großes Mantra”, bezeichnet und gehört zu den bekanntesten Mantras. Im Hinduismus werden mit damit drei Erscheinungsformen von Vishnu besungen – Hari, Krishna und Rama: Hare Krishna Hare Krishna Krishna Krishna Hare Hare, Hare Rama Hare Rama Rama Rama Hare Hare.

Für mehr Lebendigkeit und Leichtigkeit

Krishna – den Gott der Freude, der Liebe und der Weisheit – zu besingen, macht Hare Krishna zu einem sehr lebensbejahenden Mantra. Es soll Frieden und Liebe zwischen den Menschen stiften. Eben mit dieser Freude und Hingabe kannst du Schwierigkeiten im Leben einfacher loslassen und diese akzeptieren.

Guru Mantra

Das volle Guru Mantra lautet: „Gurur Brahmā Gurur Vishnur Gurur Devo Maheshvarah; Guruh Sākshāt Param Brahma Tasmai Śrī Gurave Namah“

Das Wort Guru bedeutet, “die Dunkelheit beseitigen” und steht somit für die Erleuchtung. Das Mantra soll uns zeigen, dass der Guru Bestandteil unseres Lebens ist: Guru ist die Schöpfung (Brahmā), die Erhaltung (Vishnu), die Zerstörung und der Wandel (Maheshvarah = Shiva). Es gibt einen Guru nahe bei uns (Guru Sakshat) und einen Guru, der unbegrenzt von Raum und Zeit ist (Param Brahma). Ich widme alles (Tasmai) dem wunderbaren (Shri) Beseitiger meiner Dunkelheit und meiner Unwissenheit (Guru); vor dir verneige ich mich und schenke dir mein Leben (Namah). 

Du bist Teil eines Ganzen.

Das ist die Idee hinter dem Mantra: Ein Guru ist nicht nur ein alter indischer Mann oder etwas Überirdisches, das dich durch dein Leben führt, sondern du bist auch Teil davon und solltest auch dein eigener Guru sein! Mit dem Mantra ehrst du nicht nur das Göttliche (Shiva, Vishnu und Brahma) in der Welt, sondern du ehrst du dich selbst als ein Teil davon. Ein Lehrer steckt in allem, was dir auf deinem Weg begegnet. Es kann dir helfen, deine Herausforderungen im Leben anzunehmen und daran zu wachsen.

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Na, hast du Lust auf Mantra-Singen bekommen?

Das Schöne am Mantra-Rezitieren ist, du kannst es ganz für dich alleine üben. Du musst es weder singen, noch brauchst du unbedingt Musik dazu! Du kannst es dir Zuhause gemütlich machen.Setz dich auf eine Decke und beginne damit, die Silben laut auszusprechen. Du kannst die Wörter so oft wiederholen, wie du möchtest, in deinem Tempo und deiner Lautstärke. Dein Rhythmus entsteht von ganz alleine ohne jegliche Vorgaben. 

Falls du dir doch lieber eine musikalische Untermalung fürs Singen wünschst, habe ich dir in meinem Text immer eine Version auf Spotify verlinkt. Es gibt aber unendlich viele Möglichkeiten, diese Mantras zu singen.

Kirtan-Konzerte und Podcast

Solltest du doch einmal Lust bekommen in der Gruppe Mantras zu singen, dann schau doch einmal bei Yoga Vidya vorbei. In den meisten Vidya Zentren wird auch Satsang angeboten. In diesen Stunden werden auch Mantras gesungen. Es gibt auch einen Podcast, in dem du auch Mitschnitte von Kirtan Konzerten aus Bad Meinberg anhören kannst, falls kein Yoga Vidya-Zentrum in deiner Nähe ist.

Unser Gastautor Moritz Ulrich ist ebenfalls ein begnadeter Mantra-Sänger. Sonntags um 18:30 gibt es immer gratis Satsang mit Singen bei Peace Yoga Berlin. Schau vorbei!

Kirtan-Konzerte in Berlin

Bei Kirtan Berlin findest du nicht nur schöne Videos und Interpretationen verschiedener Mantras, sondern du kannst auch nach Konzerte und Events in Berlin Ausschau halten!

Ich hoffe, dass ich dir das Mantra-Singen näher bringen konnte.

Vielleicht findest du ja darunter dein persönliches Lieblingsmantra! 

Du kennst noch andere schöne Mantras? Oder es gibt bald ein tolles Kirtan-Konzert? Ich freue mich über deine Tipps und Kommentare!

Alles Liebe, Valerie

Foto © Araí Moleri

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4 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Valerie,
    ich bin auch sehr interessiert an den Akkorden für Gitarre/Ukulele.
    Es wäre sehr schön, wenn du diese mit uns teilen würdest :)
    Alles Liebe, Maren

  2. Ich war vor zwei Wochen in einem Yoga-Retreat, wo Mantra singen angeboten wurde. Anfangs ging es mir ähnlich wie dir, aber dann habe ich die kraftvolle und friedliche Wirkung bemerkt, die die Mantras auf mich hatten. Danke für die Zusammenstellung!

  3. Danke für den tollen Artikel! Ich liebe es auch zu singen, die Wirkung ist wunderbar. Ist es möglich noch die Akkorde für die Begleitung mit dem Harmonium zu ergänzen (optional auch die Noten für Gitarre / Ukulele). Bin auch eher unmusikalisch veranlagt, aber habe viel Freude mich auch instrumental an diese Mantras heranzutasten. :) Danke herzlich, namasté

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