Acro-Yoga: Zwischen Yoga, Akrobatik und Thai-Massage

Du hast sie bestimmt schon einmal im Park auf der Wiese oder an einem Hippie-Strand entdeckt. Die Pärchen, bei denen eine Person über der anderen in Dirty Dancing-Manier schwebt, um anschließend kopfüber zwischen die Arme der stützenden Person zu gleiten und dort eine Runde abzuhängen.

Dahinter steckt keine Zirkusshow, sondern Acro-Yoga. Dass diese Yogaart im ersten Moment vor allem an Akrobatik erinnert, liegt an ihrer Verbindung von Yoga, Akrobatik und Thai-Massage.

Was ist Acro-Yoga?

In diesem Yogastil trifft Akrobatik auf eine tänzerische und spielerische Leichtigkeit, Elemente der Thai-Massage auf Asanas und Atemtechniken. Der Begriff Acro kommt aus dem griechischen und bedeutet soviel wie „hoch, erhöht, erhaben“. Dieser Begriff trifft es ziemlich gut, denn der Flyer schwebt hier über der Base.

Du lernst in dieser Partneryoga-Art, deinem Gegenüber vollends zu vertrauen und dich fallen zu lassen (not literally, please!). Statt also wie gewohnt alleine auf der eigenen Matte zu üben, Kirtan zu singen oder zu meditieren, turnt man hier zu zweit mit einer gehörigen Portion Kommunikation auf Rasen oder Matte.

Mit den weiteren Yogaarten, die wir dir hier im Yoga Arten Finder vorstellen, hat Acro-Yoga auf den ersten Blick nicht viel gemein. 

Woher kommt also diese Yoga-Art?

Im ersten Augenblick scheint es, als sei Acro-Yoga ein neuartiger Trend, der keine große Verbindung zu den traditionellen Yogastilen aufweist. Doch tatsächlich gibt es Aufnahmen, die T. Krishnamacharya, den Vater des modernen Yoga und Lehrer Iyengars, 1938 beim Acro-Yoga zeigen.

Diesen Yogastil, den du heute auch unter “Yoga und Akrobatik” und “Flying Yoga” findest, ist also doch ein wenig älter und entwickelte sich an verschiedenen Flecken der Erde weiter, bis er 2003 in den USA von Jenny Sauer-Klein und Jason Nemer als “Acro-Yoga” klassifiziert wurde. Die beiden brachten das gesamte Wissen in ein Konzept, bildeten Lehrer*innen aus und gaben den Posen die heute gebräuchlichen Namen wie Front Bird, Thron oder Folded Leaf.

Die Dreieinigkeit aus Base, Flyer und Spotter

Grundsätzlich gibt es im Acro-Yoga drei Rollen:

  • Base (engl. Basis): die stützende Person, die meist mit dem Rücken auf dem Bogen liegt und den Flyer in der Luft hält
  • Flyer (engl. Flieger*in): die Person, die oben in der Luft von der Base gestützt wird
  • Spotter (engl. Beobachter*in): Die Person, die dafür sorgt, dass sich niemand verletzt und Hilfestellung geben kann

Diese drei Rollen können easy durch gewechselt werden, sodass jede*r die Chance bekommt die Entspannung und den Mut des Flyers zu spüren, die Kraft der Base und die Verantwortung des Spotters.

Wer unten liegt ist eigentlich egal, solange du dir das Prinzip von bone stacking zu eigen machst. Was auf Deutsch “Knochen stapeln” bedeutet, heißt nichts anderes, als dass Arme und Beine gestreckt werden und sich so Handgelenke über Ellbogen und Schulter und Fußgelenke über Kniegelenk und Hüfte befinden. So baust du ein stabiles Regal für die andere Person. Ist vom Prinzip her wie bei Plank (gestreckt) vs. Chaturanga (gebeugt). So kann auch die kleinere, zierlichere Person von beiden die Base sein.

Was du von einer Acro-Yoga-Klasse erwarten kannst

Eine klassische Acro-Yoga Stunde besteht aus sieben Elementen. Sie beginnt mit einer Circle Ceremony, in der ihr euch im Kreis sitzend begrüßt und auf die Stunde einstimmt. Darauf folgen ein paar klassische Asanas zum warm werden, danach geht’s weiter zum Hauptteil, dem Partneryoga. An diese anstrengende Praxis schließen die Thai Massage und das therapeutische Fliegen an. Hier kann sich der Flyer vollends in die Arme oder Beine der Base fallen lassen, die den Flyer mit Füßen oder Händen beispielsweise den Rücken oder die Schultern massiert. Zum Schluss werden Umkehrhaltungen geübt und es werden Hilfestellungen des*r Yogalehrer*in gegeben.

Auch wenn Acro-Yoga auf den ersten Blick nicht besonders spirituell aussehen mag, kann dabei ein Zustand erreicht werden, in dem du dich schwerelos und mit allem vereint fühlst. Die Tantriker*innen würden diesen Zustand auch als göttlich bezeichnen. Nicht schlecht, oder?

Was ist der Unterschied zwischen therapeutischem und akrobatischem Fliegen?

Die meisten kommen erstmal mit dem akrobatischen Fliegen in Berührung, bevor sie den therapeutischen Aspekt des Acro-Yoga entdecken. Dieser Teil macht vor allem Spaß und bedarf einer großen Portion Konzentration und Kommunikation. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Base auf jeden Fall wissen muss, was abgeht. Solange die Base anleitet, kann auch ein völlig unerfahrener Flyer beim ersten Mal recht schnell fliegen.

Anschließend an diesen aktiven Teil folgt der therapeutische, bei dem der Flyer sich total fallen lassen kann und von der Base getragen und massiert wird. Bei diesem Thai-Massage-Element bewegt sich allein die Base, die den Flyer in Positionen bewegt, in denen er*sie gestreckt, gedehnt und massiert wird. Alles was der Flyer tun muss, ist vertrauen und loslassen. 

Für wen ist Acro-Yoga geeignet?

Acro-Yoga ist grundsätzlich für alle geeignet, die ein gewisses Maß an core-Stabilität mitbringen und:

  • Lust auf eine spielerische Bewegung abseits der klassischen Yoga-Stile haben
  • sich in Partnerübungen probieren möchten
  • keine Angst vor Körperkontakt und Füßen haben
  • sich schwerelos fühlen möchten und/oder einer anderen Person dasselbe Gefühl vermitteln wollen
  • Bock auf Massage haben
  • den ästhetischen Aspekt von Bewegung feiern

Wenn du also nicht nur Balance und Muckis trainieren möchtest, sondern auch noch deine inneren Blockaden überwinden und dich im Loslassen üben willst, dann ist Acro-Yoga einen Versuch wert. Starre Regeln gibt es nicht, ihr könnt flowen, wie ihr wollt, von einer Position in die nächste.

Acro-Yoga Übungen für Anfänger*innen

Front Bird und Free Bird

Als erstes könnt ihr euch beide einfühlen, indem die Base auf dem Rücken liegt, die Beine angewinkelt und der Flyer sich vor die Base stellt, Fußsohlen an Hüfte. Während der Flyer die Körperspannung hält, wippt die Base den Flyer näher zu sich heran und wieder weg – ähnlich der Beinpresse. Das nennt man auch “Einfliegen”.

Wenn sich das sicher anfühlt, greift der Flyer beim nächsten Anwinkeln die Hände der Base, während diese die Beine im 90 Grad Winkel in die Luft streckt und den Flyer so abheben lässt. Der Flyer ist nun mit voller Körperspannung in der Luft, ähnlich der Kobra. Fühlt sich das safe an, kann der Flyer versuchen die Hände zu lösen und nach hinten zu strecken, wie ein*e Skispringer*in. Diese Position nennt sich Free Bird.

Thron

Wie der Name schon sagt sitzt hier der Flyer auf den Füßen der Base wie auf einem Thron. Diese Position lässt sich nach dem Bird einnehmen. Der Flyer verlagert dafür das Gewicht auf eine Seite, sodass Flyer und Base nur noch mit drei Punkten verbunden sind. Dann löst die Base ein Bein und setzt es unter den Oberschenkel des Flyers. Der Flyer hakt sich am Bein der Base ein, indem er den Fuß um das Bein rumschlängelt und hinter der Kniekehle einhakt. Ist ein Bein geschafft, folgt das andere.

In der einfacheren Version des Thrones steht der Flyer mit den Füßen links und rechts neben dem Kopf der Base, der Base abgewandt. Die Base winkelt die Beine an, sodass sich der Flyer wie auf einen Stuhl darauf setzen kann. Jetzt streckt die Base langsam die Beine, die Füße des Flyers werden von den Händen der Base gestützt.

Therapeutische Yoga-Übung: Let’s massage!

In diese Position gelangt ihr easy vom Bird. Der Flyer streckt die Beine sternförmig und im 90 Grad Winkel zum Boden zur Seite weg, während er den Oberkörper völlig entspannt. So gleitet der Oberkörper des Flyers näher zur Base, die jetzt die Schultern und den Rücken des Flyers massieren kann, während sich dieser vollständig fallen lässt.

Kann ich auch alleine Acro-Yoga üben?

Acro-Yoga kannst du nicht alleine üben, du kannst dich aber ziemlich gut mit Übungen auf deine nächste Session vorbereiten. Da vor allem die core- und Armmuskulatur gebraucht werden, kannst du entsprechende Übungen machen. Handstand, Liegestütz und aktive Yogastile helfen, Kraft und Körperspannung zu steigern.

Wo kann ich Acro-Yoga in Deutschland üben?

Acro-Yoga Online:

Diesen Acro-Yoga-Accounts solltest du folgen:

Acro-Yoga in Berlin

Acro-Yoga in München:

Acro-Yoga in Köln:

Acro-Yoga in Hamburg:

Acro-Yoga in Frankfurt:

Acro-Yoga in Freiburg:

Acro-Yoga in Leipzig:

Acro-Yoga in Nürnberg:

Weitere Yoga-Stile im Guide:

Das könnte dich auch interessieren: 

Titelbild © Julia Müllner

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*