Warum wir auf der Suche nach dem Sinn des Lebens neue Fragen stellen müssen

Was ist der Sinn des Lebens?

[Werbung] Die Frage ist so alt wie die Menschheit selbst. Menschen suchen seither nach einer Antwort, sei es in alten philosophischen Abhandlungen, auf club dancefloors mit Hilfe berauschender Mittelchen, in Therapiesitzungen oder in der Yogastunde.

Ich wage zu behaupten, dass die meisten Yogis sich auf Sinnsuche befinden, auch wenn sie vielleicht erstmal nur durch die Aussicht auf einen yoga butt oder Linderung ihrer Rückenschmerzen in die Klasse kommen – bleiben tun sie aus anderen Gründen. Etwa, weil wir durch die Yogapraxis den Zusammenhalt einer Gemeinschaft erfahren oder eine tiefere Verbindung zu uns selbst entdecken.

In Studien der Psychologin Tatjana Schnell gaben 2018 mehr als drei Viertel der Befragten an, über einen Sinn im Leben nachzudenken. Und in ihrer Umfrage aus dem Jahr 2015 haben 30 Prozent an, keinen Sinn im Leben zu haben und diesen auch nicht zu vermissen. Die Zahlen zeigen, welchen Stellenwert die Sinnsuche inzwischen im Leben vieler heute hat.

Die Sinnsuche ist heute allgegenwärtig. 

Einen Lebenssinn zu haben, wirkt sich sogar positiv auf die Gesundheit aus: Menschen, die in ihrem Leben einen Sinn sehen, begehen seltener Selbstmord, konsumieren weniger Drogen, haben ein geringeres Risiko für Herzinfarkte und bauen im Alter geistig langsamer ab. Außerdem ist Sinn ein Puffer für Stress. 

So wälzen wir Ratgeberliteratur, buchen Workshops und Retreats und absolvieren Coaching– und Yoga-Ausbildungen in der Hoffnung, dass diese uns zu einem sinnerfüllten und zufriedenen Leben verhelfen. Wir jagen unserem dharma, unserer individuellen Lebensaufgabe, hinterher und möchten herausfinden, warum wir auf dieser Welt sind.

Gleichzeitig geben in der Studie von Frau Schnell aus 2018 zum Sinn 14 Prozent aller Deutschen an, in einer Sinnkrise zu stecken. Bei jungen Erwachsenen waren es sogar 27 Prozent! Die Frage nach einem sinnvollen Leben macht das Leben also nicht unbedingt einfacher, sondern kann uns auch verzweifeln lassen. 

Wer sich die Frage nach dem Sinn stellt, bringt einen gigantischen, inneren Prozess zum Laufen. 

Wir fangen damit an, unseren Alltag, unsere Handlungen, ja, sogar unsere Beziehungen zu hinterfragen. Hat mein Job überhaupt einen Sinn? Hat das tägliche Rennen zum Yogastudio einen Sinn? Soll man noch Kinder in diese Welt setzen? Bringt es überhaupt etwas, sich vegan zu ernähren?

Die Arbeit an diesem Artikel haben unsere friends des Ökostromanbieters Polarstern Energie finanziert. Sie möchten nicht weniger, als mit Energie die Welt zu verändern. Polarstern ist ein Unternehmen, das als Social Business sinnstiftend arbeitet – für Mitarbeitende, für Menschen im Globalen Süden und unsere Zukunft. Wenn du noch keinen Ökostrom beziehst, dann wechsle jetzt zu Polarstern!

Außerdem suchen wir einen tieferen Sinn in allem, was uns im Leben widerfährt. Es kann hilfreich sein, auch in schwierigen Erlebnissen einen individuellen Sinn zu finden, eine Art Erklärung. Aber, es kann auch Druck erzeugen, bei schlimmen Krankheiten oder schmerzhaften Verlusten einen Sinn finden zu müssen und sich von anderen everything happens for a reason anzuhören. Zum Leben gehören nunmal auch Enttäuschungen, Rückschläge und Verluste. Ein Leben mit Sinn zu führen bedeutet nicht, immerwährende Glückseligkeit zu erfahren.

© Polarstern

Vielleicht ist die bisherige Sinnsuche auch deshalb nur bedingt erfolgreich und oft nicht zufriedenstellend, weil wir an der falschen Ecke danach suchen.

Der Mensch existiert nicht alleine und abgetrennt, sondern immer in Verbindung mit anderen. Wir treten bei allem, was wir tun, in Beziehung mit anderen, ob wir wollen oder nicht: Mit Familienmitgliedern, Freund*innen, Kolleg*innen und der gesamten community, in der wir leben. Dazu gehören die Nachbarschaft, der Stadtteil, die Stadt, das Land, der Kontinent und schließlich der gesamte Planet. 

Im Sinne der Yogaphilosophie gibt es das große Selbst, eine Art kosmisches Selbst, ein übergreifendes Bewusstsein, das in allen von uns steckt, das wir mit allem Leben auf der Welt teilen. Die meisten von uns identifizieren sich jedoch mit dem kleinen Selbst, dem Körper, unseren Rollen, vielleicht dem Status, den der Job mit sich bringt oder dem eigenen Dasein als Aktivist*in. Die Yogis fassen all diese Aspekte unter dem Begriff Ego zusammen. 

Mithilfe yogischer Praktiken versuchen wir, die Identifikation mit dem Ego zu verkleinern und uns daran zu erinnern, dass wir einen gemeinsamen Wesenskern teilen. Zu Beginn der Asanapraxis setzen wir oft eine Intention, die auf etwas anderes als uns selbst gerichtet sein soll, um die übertriebene Identifikation mit dem kleinen Ich zu überwinden und unsere Energie auf andere, statt nur auf uns selbst zu richten.  

Hinter yogischen Praktiken steckt die Idee, die Verbundenheit zur Welt und zueinander zu stärken, statt nur um sich selbst zu kreisen.

Was ich aber oft beobachte ist, dass mit dem intensiven Yoga üben eher ein Kreisen um sich selbst beginnt – und zwar nicht im Sinne des großen Selbst, sondern eher des Egos. Und hier sind wir wieder bei der Sinnsuche.

Ist es wirklich so sinnstiftend, alle persönlichen Entscheidungen auf ihre Sinnhaftigkeit zu überprüfen? Oder geraten wir dabei nur in eine Spirale, die das Leben nicht besser, sondern einfach nur komplizierter macht? Ich stoße hierbei immer wieder auf die Frage, ob ein gutes Leben in einem System, das so viele benachteiligt, überhaupt möglich ist. Ist es nicht so, wie Adorno einst sagte, dass kein richtiges Leben im Falschen möglich ist? 

Es ist schwierig, glücklich zu sein, wenn so viele Menschen leiden und der Planet in Flammen steht.

Statt Selbstverwirklichung als höchstes Gut anzusehen und das Lebensglück rein im Individuellen zu suchen, wie wäre es mit einer Ausweitung der Sinnsuche auf kollektiver Ebene? Weg von neoliberaler Selbstoptimierung, hin zu mehr Mitgefühl und Miteinander?

Bei der Sinnsuche kommen wir nämlich alle zu dem Punkt, dass wir unser Lebensglück nicht ohne das Glück der anderen denken können und dass wir Verantwortung nicht nur für unser Leben, sondern auch das Leben unserer Mitmenschen und für den Planeten haben. 

Diese Fragen helfen, wenn wir das Kollektiv einbeziehen wollen: 

  • Was verstehen wir als Gemeinschaft unter Sinn des Lebens?
  • Wonach streben wir? 
  • Was sind unsere übergeordneten Werte als Gesellschaft? 
  • Was bedeutet für uns ein gutes Leben? 
  • Wie wollen wir leben?
  • Was können wir als Einzelpersonen dazu beitragen? 

Als Anhaltspunkt können die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung dienen. 

Bei den so genannten Sustainable Development Goals (SDGs), welche die Vereinten Nationen (UN) erstellt haben, handelt es sich um politische Zielsetzungen. Sie gelten weltweit für alle Staaten und sollen dazu dienen, ein neues Verständnis von Wohlstand zu schaffen, das über die Betrachtung von Pro-Kopf-Einkommen hinausreicht. Statt um reines Wirtschaften des Profits willen, soll eine nachhaltige Entwicklung angestoßen werden und Klimapolitik, nachhaltige Entwicklung und Armutsbekämpfung verknüpft werden. 

unsplash © Davi Mendes

Die Ziele genauer unter die Lupe zu nehmen und als Handlungsanleitungen zu nutzen, hilft uns dabei herauszufinden, wie wir so leben und wirtschaften können, dass wir Schwächere und Verwundbare unterstützen (“leave no one behind”) und den nachfolgenden Generationen einen einigermaßen intakten Planeten hinterlassen. Die Umsetzung der Ziele erfolgt nach dem Prinzip von globaler Partnerschaft, zu der jeder etwas beiträgt. Die Ziele richten sich nicht nur an Staaten, sondern auch an die Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und uns als Individuen. Die Ziele lauten: 

  1. Armut in allen Ländern und all ihren Formen beenden
  2. Hunger beenden und nachhaltige Landwirtschaft fördern 
  3. Gesundes Leben und Wohlergehen für Menschen jedes Alters gewährleisten
  4. Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung
  5. Geschlechtergleichstellung erreichen
  6. Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen für alle gewährleisten
  7. Zugang zu verlässlicher und nachhaltiger Energie für alle
  8. Menschenwürdige Arbeit und nachhaltiges Wirtschaftswachstum
  9. Inklusive Industrialisierung
  10. Widerstandsfähige Infrastruktur und Innovationen fördern
  11. Ungleichheiten zwischen den Ländern verringern
  12. Nachhaltige und sichere Städte und Gemeinden gestalten
  13. Nachhaltiger Konsum und Produktion
  14. Maßnahmen zum Klimaschutz
  15. Meeresressourcen erhalten
  16. Landökosysteme erhalten und wiederaufbauen
  17. Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen sowie globale Partnerschaft

Beim Lesen der Ziele schreibt meine innere Aktivistin Hurra. Wäre es nicht schön, wenn sich viele Menschen, Unternehmen und die Politik wirklich an diesen Zielen orientieren würden? 

Wenn du zu den Menschen gehörst, die zum Beispiel in Unternehmen strategische Entscheidungen treffen, check doch mal, inwieweit die Unternehmensziele zu den SDGs passen. Oder sogar in deinem Privatleben: Was heißt es, dein eigenes Verhalten an Zielen auszurichten, die das Kollektiv im Blick haben? 

Vielleicht kommen dir bei einer Auseinandersetzung mit den Sustainable Development Goals eigene Ideen, wie du sinngestaltend für alle tätig werden kannst. Ich möchte dir trotzdem ein paar Handlungsbeispiele geben, die sich gut auf das Leben übertragen lassen.

Im Kleinen anfangen: So kannst du gemäß der SDGs aktiv werden.

  • Politisiere dich! Setz dich für das ein, was dir wichtig ist, indem du demonstrieren gehst, dich politisch weiterbildest, sei es durch Zeitungen oder Podcasts, und aktiv die Diskussion mit deinen Mitmenschen suchst. Vielleicht trittst du sogar in eine Partei ein, die deine Interessen vertritt.
  • Spende. Wenn du die finanziellen Mittel hast, unterstütze Organisationen, die deine Werte teilen, monetär.
  • Engagiere dich: Wenn du kein Geld hast, verfügst du vielleicht über etwas Zeit und kannst Freiwilligenarbeit machen, zum Beispiel in einem Verein oder ehrenamtlich. Du könntest auch Yogaunterricht für Leute anbieten, die sonst keinen Zugang dazu haben. 
  • Find your communities: Welches Thema liegt dir ganz besonders am Herzen? Ist es die Verkehrswende, Feminismus oder Fair Fashion? Schließe dich mit Menschen zusammen, die ähnliche Werte wie du haben, um gemeinsam dafür zu kämpfen.
  • Armut: Spende Kleidung, Haushaltsgegenstände und Lebensmittel an soziale Einrichtungen, statt sie wegzuwerfen.
  • Nachhaltige Energie: Wir können als Einzelperson easy peasy zu einem Ökostromanbieter wechseln. 

Der Ökostromanbieter Polarstern Energie setzt zu 100% auf erneuerbare Energien aus bayerischer Laufwasserkraft und Ökogas aus Abfall- und Reststoffen sowie Energiepflanzen. Polarstern bringt die Energiewende nicht nur zu uns nach Hause, sondern fördert sie auch im Globalen Süden. Gegründet als Social Business stehen Werte wie Ökologie und Gemeinwohl über dem Ziel finanzieller Rendite. Wenn du das genauso super findest wie wir, kannst du hier ganz einfach zu Polarstern wechseln.

  • Menschenwürdige Arbeit & nachhaltiges Wirtschaftswachstum: Stecke dein Geld in Unternehmen, die im Einklang mit deinen Werten stehen. Unterstütze also gezielt kleine brands, Social Businesses und allgemein Firmen, die Gemeinwohl statt Gewinnmaximierung im Blick haben. Überdenke dein Konsumverhalten ganz allgemein.
    Reflektiere auch darüber, für wen du arbeitest, wenn du über das Privileg verfügst. Teilt dein Arbeitgeber deine Werte? Oder könntest du für ein Unternehmen arbeiten, das das tut? Du verbringst den Großteil deiner Zeit bei der Arbeit und gibst deine Energie dort hinein. Nutze das sinnvoll – für dich und für andere. 
  • Nachhaltige Städte und Gemeinden: Engagiere dich in deiner Gemeinde oder deinem Kiez. Vielleicht gibt es regelmäßig Nachbarschaftstreffen, an denen du teilnehmen kannst, um deine Nachbarschaft aktiv mitzugestalten. Unterschreibe Petitionen oder setze welche auf, um die Nachbarschaft lebenswert für alle zu gestalten. Schreibe deinen Abgeordneten, sich für den Fahrradweg oder die Spielstraße einzusetzen.

Sinnsuche darf nicht bei der Entwicklung des persönlichen Potenzials stehen bleiben.

Das wäre zu kurz gegriffen und auch egoistisch. Statt uns in unseren Spiri bubbles zu verschanzen und Mantren für eine bessere Welt zu singen, lasst uns ins Handeln kommen. Lasst uns mit Mitgefühl in Beziehung treten und das Wohlergehen von anderen in unsere Entscheidungen mit einbeziehen. Lasst uns Sinn darin finden, unsere Werte zu leben, und zwar nicht nur für uns, sondern für alle. 

Bei all dem braucht es natürlich einen tiefgreifenden Systemwandel und eine Wirtschaft, die mitzieht und nicht nur Gewinnmaximierung im Blick hat. Doch unser Verhalten hat Einfluss. Wir können Druck auf die Politik ausüben, unser Umfeld zum Umdenken anregen und so vielleicht sinnstiftend einwirken. 

Je mehr Menschen sich nicht länger mit dem Status Quo abfinden und ihn lautstark in Frage stellen, umso eher erreichen wir ein glücklicheres und freieres Leben für alle Lebewesen, im Hier und Jetzt und in der Zukunft. So bleibt etwas von uns, auch wenn wir längst Geschichte sind. Und das verleiht dem Leben Sinn.

Was bedeutet Sinn für dich? Nach welchen Werten sollten wir als Gesellschaft streben? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

Titelbild © Sheila Ilzhöfer

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Polarstern entstanden. Wir sind dankbar, so großartige Partner mit im Boot zu haben, die unsere Arbeit unterstützen.

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4 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Vielen vielen Dank für diesen Artikel. Ich habe den Sinn des Lebens bisher immer nur als eine individuelle Sache betrachtet und tatsächlich noch nie auf die Gesellschaft an sich und gemeinsame Ziele geschaut, das hat mir einen entscheidenden Denkanstoß gegeben. Das ist unheimlich faszinierend. Dafür bin ich wirklich sehr dankbar.

  2. Liebe Sheila,

    Toller Artikel! Tatsächlich sehe ich auch gerade in der Yoga Community den Trend zu sehr um sich selbst zu kreisen auf der Suche nach dem höheren Sinn. Ins Tun kommen und gemeinsam Handeln ist so wichtig und gibt einem soviel zurück.

    Vielen Dank für die wertvollen Anregungen!
    LG, Melanie

  3. Toller Artikel! Vielen Dank für die Inputs und Erinnerungen! Oft sind es die kleinen Schritte, die wir als Einzelne in Gemeinschaft gehen!

  4. Liebe Sheila,

    Vielen herzlichen Dank für diesen Artikel. I like!! Ich habe super Inspiration erhalten für meinen Essay, den ich im Studium über Globalisierung schreiben darf. Ich setze mich viel mit alternativen Formen des Zusammenlebens und Wirtschaftens auseinander. Ich denke auch dass in der „yogischen Ethik“ viel Potenzial liegt, gemeinsam den Weg zu einer „besseren“ Gesellschaft zu schreiten, wenn wir von dem übertriebenen Egozentrismus wegkommen würden und über den spiri Tellerrand schauen. Anyway, DANKE und happy Sunday!

    Liebe Grüsse
    Anne

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