Vipassana: Was du über die Königin der Meditationen wissen solltest

Die Vipassana Meditation gilt als eine der härtesten, aber auch tiefsten Meditationsformen. Da ich Extreme nicht scheue und an Herausforderungen immer wieder wachse, war ich sofort interessiert und musste den Kurs dann einfach machen.

Bist du auch meditationshungrig?

Dann gibt es hier ein paar Infos, Tipps und kleine Warnungen zum Thema Vipassana. Es schadet nämlich nicht, vorher eine Idee zu haben, was einen im Vipassana erwartet.

All About Vipassana

Vipassana bedeutet, „die Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind“ und wird in Indien seit Jahrtausenden gelehrt und praktiziert. Heute wird Vipassana vor allem von dem kürzlich verstorbenen [themecolor]S.N Goenka[/themecolor] in der Tradition von Sayagyi U Ba Khin vertreten.

Die konfessionslosen und nicht-kommerziellen Vipassana Meditationszentren lehren die Technik in der ganzen Welt und der 10-Tages-Kurs wird überall in gleicher Weise angeboten. Alle Zentren finanzieren sich durch freiwillige Spenden.

10 Tage absolutes Schweigen

Die Vipassana Meditation wird in  „edler Stille“, also absolutem Schweigen durchgeführt. Im Klartext: Die Kursteilnehmenden sprechen nicht miteinander und vermeiden auch jede andere non-verbale Kommunikation, wie zum Beispiel Blickkontakt. Außerdem musst du Schreibmaterialien, Telefon, Bücher und MP3-Player abgeben, so dass das Gehirn wirklich keinen Input erhält. Zero!

Nach zwei, drei Tagen erschleißt sich dann der Sinn dieser strengen Disziplin: Das Gehirn scheint wie ein Computer herunterzufahren und die wirbelnden Gedanken werden ruhiger und gleichmäßiger.

Ein Vipassana Tag

Das Programm hat es in sich: Die erste Meditation beginnt um 4.30 Uhr morgens und die letzte endet um 21.00 Uhr. Dazwischen 10 Stunden Meditation und kurze Pausen für Mahlzeiten und kleine Spaziergänge. Sport oder Yoga sind nicht erlaubt.

Dreimal täglich werden einstündige Aditthana Sitzungen abgehalten. Hier sollen sich die Meditierenden überhaupt nicht bewegen und völlig regungslos bleiben. Was am Anfang unmöglich erscheint, gelingt nach wenigen Tagen schon mit sehr viel mehr Leichtigkeit.

Am Abend gibt es Vorträge von Goenka auf Band. Hier erklärt der große Meister das philosophische Konzept und die Methode der Meditation. Da dies der einzige Input ist, den man in der ganzen Zeit erhält, hallen seine Lehren besonders tief nach.

Goenka selbst sagte über den Kurs, dass er sehr harte Arbeit ist. Es erfordert viel Mühe und Willenskraft den Kurs zu absolvieren. Die Meditation ist deshalb kein Retreat und auch kein Urlaub! Der Kurs versteht sich als chirurgische Operation, in der unsere Gedankenmuster einem tiefgreifenden Wandel unterzogen werden.

Anicca – alles ist vergänglich

Kern der Meditationstechnik ist es, das Gesetz von Anicca zu erfahren. Anicca ist eines der drei Daseinsmerkmale des Buddhismus und steht für die Unbeständigkeit allen Seins: Jedes Ding und jedes Lebewesen entsteht, verändert sich und verschwindet wieder. Auch unsere Anhaftungen und Abneigungen sowie unsere Emotionen stehen unter dem Gesetz von Anicca, weshalb es eigentlich wenig Sinn macht, sich ihnen hinzugeben. Die Schüler*innen entwickeln durch die Meditationstechnik Gleichmut gegenüber äußeren und eben vergänglichen Einflüssen zu: Gleichmut und Gelassenheit – denn alles ist vergänglich.

Vipassana ist keine Therapie

Vipassana lehrt uns Gleichmut. Viele Menschen berichten, dass es außerdem eine wirkungsvolle Technik ist, um sich von möglichen Süchten zu befreien. Vipassana kann aber auch viele tief liegende Emotionen auslösen und stellt viele Praktizierende vor große Herausforderungen, da sie sich auf eine ganz neue Weise mit ihren Gedankenmustern und Gefühlen beschäftigen.

Hier liegt eine große Chance für Veränderung. Doch die Meditationstechnik kann gefährlich sein, wenn die Übenden ernsthafte psychische Probleme haben, psychisch labil sind oder ein Heilmittel für große Leiden suchen. Der 10-Tages-Kurs bietet sich vor allem dann an, wenn man sich gefestigt fühlt, aber auf der Suche nach einer neuen Sichtweise auf das Leben ist.

Was kommt danach?

Die Meditationstechnik soll fortan jeden Morgen und jeden Abend eine Stunde lang praktiziert werden. Das ist wohl die schwierigste Aufgabe und ich muss gestehen, dass ich das bisher nicht durchgezogen habe. Aber ich bin immer wieder bei eintägigen Kursen, um die Technik aufzufrischen.

Noch in diesem Jahr möchte ich gerne als Kurshelferin zurückkehren, so kann man auch nur wenige Tage bleiben. Und wenn ich mehrere 10-Tages-Kurse besucht habe, sind die 20-, 30- oder 45-tägigen Kurse die neue Herausforderung. Denn der wunderschöne Effekt ist jedes Mal wieder da: Anicca! Gleichmut und Gelassenheit, denn alles ist vergänglich…

Weitere Informationen bei [themecolor]Wikipedia[/themecolor] oder über das [themecolor]deutsche Meditationszentrum in Sachsen[/themecolor]

[themecolor]Welche Erfahrungen hast du gemacht? Hast du Fragen oder Kommentare? Melde dich gerne bei mir! [/themecolor]

[highlight]Über die Autorin:

Janna Aljets

Janna Aljets hat Politikwissenschaften und Spanische Philologie in Berlin studiert und arbeitet als Projektleiterin bei einer Umweltschutz-NGO.  Zwischendurch muss sie immer wieder ihren kleinen Rucksack samt Yogamatte schnappen, um in die Welt zu reisen. Am Yoga fasziniert sie das Finden ohne Suchen, der Frieden ohne Kampf und das Gegenwärtige der uralten Schriften. Nicht zuletzt sieht sie Yoga auch als aktive politische Praxis, um das Leben anderer etwas harmonischer zu gestalten.

Sie ist zertifizierte Jivamukti-Lehrerin und unterrichtet bei [themecolor]Peaceyoga Berlin[/themecolor]. Und obwohl sie Yoga liebt und lebt, misstraut sie allen zu strengen Dogmen und sagt manchmal auch Fuck it! zur täglichen Meditation, um den Kater von letzter Nacht auszuschlafen. Om Miau! [/highlight]

Photo Credit: [themecolor]Shirin Winiger[/themecolor] via [themecolor]Compfight cc[/themecolor] Nachträgliche Änderungen: Rand oben und unten abgeschnitten, Schriftzug hinzugefügt

3 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Janna,
    eine sehr gute Zusammenfassung über Vipassana… ja, wirklich die Königin der Meditation. So direkt, hart und klar habe ich Meditation auch noch nie erfahren.

    Wegen dem Dranbleiben ein Tipp – es müssen nicht unbedingt 2h/Tag sein, viel wichtiger ist glaube ich einfach regelmäßig zu sitzen. Ich merke z.B. schon nach 40 Minuten in der Früh wie der Tag einfach besser verläuft und ich gelassener bin…

    Alles Gute, Michael

  2. Hi Karioka Berlin!
    Thank you for sharing your experiences. I am always happy to hear about other people’s stories since it is always your own mind which creates your world, right? I can definitely recommend Vipassana as a method to highlight your perspectives on the world and gain a calmer way to deal with everything. Anicca….;-)

  3. Hi!

    We loved this article! One of our employees at Karioka went to the Vipassana course last year over New years and she kept saying how it changed her perspective about the idea of permanence, lightness and evolution!

    Thank you so much for sharing your thoughts on it as well!!

    Looking forward to the next article!

    Tchüss

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