EFT – Klopf dich frei!

Ich nehme gerade an meiner ersten Online Cacao Zeremonie teil, da fangen wir an, unsere Handkante mit unseren Fingern zu klopfen. Wir sollen uns dabei auf ein negatives Gefühl konzentrieren. Etwas, das uns gerade umtreibt. Mir ist sofort klar, was bei mir heute auf dem Zettel steht: Unsicherheit.

Wir beginnen mit dem Tapping, das zusammen mit dem Cacao unser Herz noch weiter öffnen soll.

Oha. Noch weiter? Wir klopfen und Runde um Runde kommen immer mehr Emotionen hoch, die ich in der hintersten Ecke verstaut hatte. Eins wird mir dabei sofort bewusst: Auch wenn ich keine Ahnung von EFT habe, ist es mehr als eine Abfolge von drei Buchstaben. Am Ende der Sitzung sah ich die Wurzel meiner Ängste, als hätte endlich jemand die Nebelmaschine ausgemacht und mir damit meinen Durchblick geschenkt.

This is just too good to keep to ourselves. Everyone should know about it and have a chance to be able to help themselves in a moment of crisis or of desperation.” – Gary Craig

Gary Craig ist der Begründer dieser Technik, der sie von Anfang an kostenfrei zugänglich machte und verbreitete. Um genauer zu erfahren, was hinter EFT steckt, mache ich den Heilpraktiker und EFT-Spezialisten Ulrich Eckhardt ausfindig. In einer Online-Sitzung löchere ich ihn mit meinen Fragen und klopfe, von ihm angeleitet, meine Unsicherheit weg. Aber was ist EFT jetzt eigentlich genau?

EFT, ausgeschrieben Emotional Freedom Technique, ist eine Klopf-Technik, die Energieblockaden im Körper durch Klopfen lösen soll.

Geklopft werden dabei bestimmte Akupressurpunkte. Diese Punkte sind die Stellen im Körper, an denen sich die Energie festgesetzt hat – dort ist sie sozusagen stuck. Das passiert, wenn negative Emotionen wie Sorgen, Angstzustände und Zweifel im Körper gespeichert werden.

Laut der chinesischen Medizin besteht unser Körper aus Meridianen, das sind Energiebahnen, durch die unsere Lebensenergie, das sogenannte Chi fließt. EFT ist Teil der energetischen Psychologie und orientiert sich, ebenso wie die Akupunktur, an diesem Meridiansystem. Klopfen wir auf ihnen herum, sollen Energieblockaden gelöst werden und damit auch das Problem, das eine Folge der Blockade war.

Durch Klopfen auf die Meridiane und Fokussierung auf unser Problem können wir das Energiesystem beeinflussen und es wieder zum fließen bringen.

“Die Ursache für alle negativen Emotionen liegt in einer Störung des Energiesystems unseres Körpers.” – Ramona B. Wagner

Empfinden wir negative Emotionen, ist unser Energiesystem gestört. Heißt: Das Erinnern an ein negatives Erlebnis verursacht die Störung im Energiesystem. Hebelt man nun den Teil der Störung des Energiesystems aus, können keine negativen Emotionen im Hier und Jetzt entstehen. Damit muss nicht das Ursprungserlebnis noch einmal durchlebt werden, womit sich die energetische Psychologie von den meisten anderen psychologischen Ansätzen unterscheidet. Und es erklärt auch, wieso Menschen auf dasselbe Erlebnis unterschiedlich reagieren.

Was passiert eigentlich in unserem Inneren, wenn unsere Energie blockiert wird? Die Amygdala ist schuld!

Grob gesagt. Die Amygdala gehört zum limbischen Teil unseres Gehirns und ist unser Angstzentrum. Sie versetzt uns, wenn wir Angst verspüren, in den sogenannten fight or flight-Modus, sprich: Kämpfe oder fliehe!

Vor allem unsere Vorfahren können der Amygdala danken, hat sie ihnen bestimmt einige Male das Leben gerettet. Da wir heutzutage aber seltener vor dem Säbelzahntiger fliehen oder mit Pfeil und Bogen unser Revier verteidigen müssen, wird dieser Teil unsere Hirns weniger gebraucht. Nur der Amygdala ist das egal. 

Sie ist vor allem dann aktiv, wenn wir beispielsweise mit hochrotem Kopf und schweißgebadet im Vorstellungsgespräch sitzen, wenn unser Herz heftig pocht, wenn wir vor neuen Kollegen einen Vortrag halten oder ins Flugzeug steigen und die Flugangst hochkommt.

Wir klopfen, um die Amygdala zu beruhigen und ihr beizubringen: Fahr dich runter, es herrscht keine große Gefahr.

Indem man sich auf das Problem konzentriert und gleichzeitig meditativ klopft, begibt man sich in einen tranceartigen Zustand, so Ulrich Eckart. In diesem Zustand können wir das negative Gefühl dissoziiert wahrnehmen, heißt wir können uns von unserem Problem distanzieren und identifizieren uns nicht mehr mit ihm.

Was wir machen ist sozusagen workout für unser Gehirn. Nehmen wir als Beispiel die Spinnenphobie. Die Person sieht eine Spinne (Reiz) und negative Gefühle kommen auf. Vielleicht schreit (Reaktion) sie und springt auf einen Stuhl (Reaktion). Diese Abfolge nennt man Reiz-Reaktionskopplung. Trainiert die Person nun ihre Angst mit der Klopftechnik und konzentriert sich auf die Spinnenphobie, kann die Abfolge aufgeweicht werden und aus einem Schreien wird das nächste mal vielleicht nur noch ein Zucken und damit ein schnelleres Loslösen von der Angst.

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Prinzipiell gilt also: Alle Ängste und Sorgen können geklopft werden!

Besonders gewinnbringend soll die Technik sein, wenn wir sie in Situationen anwenden, in denen wir Angst verspüren, die nüchtern betrachtet nicht extrem ist. Siehe Spinnenphobie. Weitere Anwendungsfelder sind Ängste wie z.B. die Flugangst, aber auch Migräne, Traurigkeit, Schlafstörungen und zwanghaftes Verhalten.

Geht es um komplexere Ängste oder Panikattacken kann die Technik ebenso helfen, jedoch empfiehlt es sich bei tiefergehenden Ängsten nach deren Wurzel zu forschen.

Was mich an EFT so begeistert sind die Einfachheit, Effizienz und sofortige Anwendbarkeit der Methode.

Eine kostenlose Selbstheilungstechnik sozusagen! Denn du kannst die Klopftechnik anwenden, wo und wann auch immer du möchtest. Du bist in der Bahn, dich stressen schreiende Kinder um dich herum? Dir steht ein wichtiges Telefonat bevor, aber du verhaspelst dich, wenn du aufgeregt bist? Die Klopftechnik steht dir immer zur Verfügung, denn alles was du brauchst, sind eine deiner Hände und deinen Körper.

Hier gibt’s die Klopfanleitung Schritt für Schritt zum Mitmachen.

Setze dich, wenn möglich, aufrecht und bequem hin. Insgesamt gibt es mehrere Klopfpunkte, die für EFT relevant sind. Wir werden neun Punkte klopfen, mit diesen kann man die Hauptmeridiane „aktivieren“ und damit die gestockten Energien freisetzen. Wenn du die restlichen auch klopfen möchtest – sie befinden sich an der Hand – kann ich dir dieses Klopf-Tutorial empfehlen.

Solltest du dir ein Video zu EFT ansehen, wundere dich nicht, dass teilweise ein Punkt hinzugenommen und ein anderer weggelassen wird. Bei meiner Cacao Zeremonie klopften wir beispielsweise die Finger nicht mit, bei meiner Online-Sitzung schon. So gibt es Variationen der Klopfpunkte, die uns nicht beirren sollen, da es auch um den tranceartigen Zustand geht, in den man kommt, und nicht darum einen Zentimeter weiter links oder rechts zu klopfen.

Stimme dich auf dein Problem ein und benenne es.

Formuliere deinen Satz, beispielsweise Ich bin unsicher… oder Ich habe Angst vor… Alles ist erlaubt. Wie fühlst du dich, wenn du diese Angst hast? Gehe in dieses Gefühl hinein! 

Formuliere anschließend einen kurzen Erinnerungssatz, der mit diese/r beginnt. Diese Unsicherheit.

Bewerte die Emotionen.

Bewerte die Emotionen auf einer Skala von null bis zehn. Null bedeutet du bist total relaxed, zehn kurz vorm Ausrasten, extrem hoher Stress.

Klopfe die Punkte durch.

Lege dafür deine Hände locker in deinen Schoß. Du wirst nun mit einer Hand klopfen, für welche du dich entscheidest, ist ganz gleich. Bei der Art des Klopfens kannst du nichts falsch machen. Es spielt keine Rolle, wie intensiv du klopfst und mit wie vielen Fingern.

Wir gehen die Punkte Schritt für Schritt durch. Formuliere laut deinen Einstimmungssatz, z.B.: Auch wenn ich unsicher bin, liebe und akzeptiere mich so wie ich bin und klopfe dabei dreimal den Karatepunkt, also die Außenfläche deiner Hand.

Man spricht zuerst das Problem und dann die Selbstakzeptanz aus, damit die positiven Worte besser im Gedächtnis bleiben. Alle Punkte, die jetzt folgen, klopfst du sechs bis zwanzigmal durch und sprichst dabei deinen Erinnerungssatz laut aus. Diese Unsicherheit.

Wir beginnen mit dem Kopf und arbeiten uns zum Oberkörper vor.

Beginne auf dem Kronenpunkt des Kopfes und sprich an diesem und an allen weiteren Punkten deinen Erinnerungssatz laut aus. Diese Unsicherheit

Weiter zum Augenbrauenpunkt, also der Punkt zwischen deinen Augenbrauen.

Neben der Augenbraue, circa 1 cm hinter der Augenbraue, auf der Schläfe.

Unter dem Auge auf dem Jochbein.

Unter der Nase, zwischen Nase und Oberlippe.

Unter der Unterlippe. 

Das wars mit dem Gesicht, weiter gehts zum Oberkörper.

Auf dem Schlüsselbein, das ist der Knochen oberhalb der Brust.

Seitlich unter dem Arm, seitlich circa 10 cm unter der Achselhöhle.

Unter der Brust, am Rippenpunkt, seitlich ein paar Zentimeter unter der Achselhöhle.

Stufe den Stress, den du jetzt empfindest, neu ein. Ist es immer noch eine Acht oder eher eine Sechs?

Nachdem du mehrere Runden geklopft hast, schließe deine Augen. Atme einmal tief durch und lasse alles Negative mit der Ausatmung los. Stufe jetzt deinen Stress auf einer Skala von null bis zehn ein. Wie hoch war dein Stress zuvor? Wie hoch ist er jetzt? Ist er ein bisschen abgeflaut?

Basis-Klopfroutine zusammengefasst:

1. Suche dir ein Problem, das du bearbeiten möchtest. Meine Unsicherheit.

2. Stufe den Stress, den dieses Problem in dir hervorruft, auf einer Skala von null bis zehn ein. Sieben.

3. Formuliere deinen Einstimmungssatz: Auch wenn ich unsicher bin, liebe und akzeptiere ich mich so wie ich bin und klopfe dabei dreimal den Karatepunkt.

4. Gehe die Klopfpunkte durch und sprich an jedem Punkt laut deinen Erinnerungssatz aus: Diese Unsicherheit.

5. Schließe die Augen, atme durch, bewerte deinen Stress auf einer Skala von null bis zehn. Fünf.

EFT ist eine vergleichsweise junge Methode, die (hoffentlich) immer mehr Verbreitung und Anerkennung finden wird. Da sie ganz ohne Medikamente, Nadeln oder anderweitigen körperlichen Strapazen angewendet werden kann, wird davon ausgegangen, dass keine Nebenwirkungen auftreten. Dennoch musst du wissen, dass du bei der Anwendung die volle Verantwortung übernimmst. Wenn du das Gefühl hast, dass du mit deinem Problem überfordert bist, empfehle ich dir, Unterstützung bei einer*m erfahrenen Therapeuten*in zu suchen.

“We are on the ground of a Healing High-Rise and EFT is lighting the way.” – Gary Craig

Ich hoffe, dass dir die Methode bei deinen Problemen helfen kann. Lass mich doch gerne in den Kommentaren wissen, ob du die Methode angewandt hast. Hat sie dir geholfen? Bei welchem Problem hast du sie angewandt?

Fröhliches Klopfen!

Deine Julia

Fotos © Sheila Ilzhöfer

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