Aerial Yoga: I believe I can fly

Hippe Yogis und Yoginis, die an langen edlen Tüchern in der Luft schweben, tauchen immer häufiger in meinem Instagram-Feed auf. Ich will auch, ist mein erster Impuls. Mein zweiter Gedanke ist etwas weniger euphorisch: Kann ich das überhaupt?

Als Kind habe ich exakt zwei Kursstunden an einem Vertikaltuch in der Akrobatik-AG meiner Schule ausgehalten. Dabei ähnelte ich eher einer von der Decke hängenden Pflaume, als einem schwebenden Täubchen. Zeit, dem Ganzen nochmal eine Chance zu geben.

Als ich den Raum für die Aerial Yoga Klasse in der Academia Jangada in Berlin betrete, finde ich mich in einem Stoffdschungel wieder. Knallbunte Tücher hängen von der Decke. Ich entscheide mich für ein Orangenes, die Farbe der Lebensfreude und des Vergnügens. Kann ja nicht schaden.

Liliana Polanco, die Vorreiterin des Aerial Yoga in Berlin, unterrichtet regelmäßig in der Akademie. Sie entdeckte Aerial Yoga in Wien und verliebte sich so sehr in den Yogastil, dass sie ihn nach Berlin brachte. Seitdem bildet sie zusammen mit Björn Heucke das Kern-Team von AerialYoga Berlin. Die Yogastunde, an der ich teilnehmen werde, leitet  Susanne Oesterreicher, die Gründerin der Jangada Akademie.

Was ist Aerial Yoga?

Beim Aerial Yoga wird Yoga an von der Decke hängenden Tüchern praktiziert. Der Yogastil, auch als AntiGravity® Yoga, Flyoga oder Air Yoga bekannt, ist eine Mischung aus Yoga, Pilates, Tanz und Akrobatik. Wie so viele skurrile Trends entspringt auch dieser den USA.

Eigentlich wollte der Choreograph Christopher Harrison ein Programm für seine Performing Arts Gruppe AntiGravity entwickeln, damit sich die Akrobat*innen vor der Aufführung hinter der Bühne mit ihren Vertikaltüchern aufwärmen könnten. Daraus entstand ein Fitness-Programm, das Christophers Yogaerfahrung mit seiner Expertise aus dem tänzerischen und akrobatischen Bereich verband und unter dem Namen AntiGravity® Yoga vermarktet wird. Mittlerweile ist der Trend auch nach Europa geschwappt.

I believe I can fly

Im Aerial Yoga dreht sich alles um das an der Decke des Raumes befestigte elastische Tuch. Es wird zu einer schaukelähnlichen Schlaufe aufgehängt, in der man in den verschiedensten Asanas ca. einen Meter über dem Boden schweben kann. Die Schlaufe wird dabei unter die Hüftknochen, unter die Achseln oder um andere Körperteile gelegt.

Wir beginnen, indem wir das Tuch unter den Hüftknochen platzieren und uns in Uttanasana nach vorne sinken lassen. Anders als in der regulären Asana lastet mein Gewicht nicht auf den Füßen, sondern wird von dem Tuch getragen. Wie ein treuer Freund hält mich das Tuch und ich gebe mich der Schwerkraft hin.

Vollig losgelöst

“Langsam einen Fuß nach dem anderen heben” lautet die Anweisung von Susanne. Für meinen Kopf, der für einen kurzen Moment vergessen hat, das der Körper vom Tuch getragen wird, scheint das ein unmögliches Unterfangen. Als ich jedoch vorsichtig meine Beine hebe und in einer Art schiefer Ebene schwebe, in der nur meine Hände den Boden berühren, muss ich grinsen. Es ist zwar wackelig und extrem anstrengend, aber macht Spaß!

Der Spielplatz der Yogis

Im späteren Verlauf der Stunde schwingen wir, die Tücher unter die Achseln geklemmt, wie ein Pendel von links nach rechts. Wir legen den Kopf in die Schlaufe, machen Rückbeugen und ich habe das Gefühl, ich könnte die ganze Welt umarmen. Kopfüber hängen wir wie Fledermäuse an der Decke, die Beine gerade in die Luft gestreckt und das Tuch trägt uns an den Schultern. Ein bisschen erinnert mich das an die sorgenfreie Zeit auf dem Spielplatz.

Herausfordernde Asanas leicht gemacht

Haltungen, mit denen ich unter normalen Umständen zu kämpfen habe, werden plötzlich ganz einfach. Wir üben Asanas, die halsbrecherisch aussehen, aber einmal eingenommen gar nicht so schwer sind. Während manche Positionen unmöglich erscheinen und mein Kopf sie mir ausreden will, lerne ich langsam, dem Tuch und meinem Körper zu vertrauen. Und siehe da, plötzlich schwebe ich im unterstützen Kopfstand und fühle mich bombig!

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Savasana im Kokon

Zum Ende der Stunde wird das Tuch zu einem Kokon, in dem wir liegen und sanft über dem Boden hin und her wiegen. Ich bin umgeben von Stoff, fühle mich geborgen und sicher. So muss es sich in einem Tragetuch als Baby anfühlen, denke ich mir, bevor ich die Augen schließe und in Savasana dahingleite.

Aerial Yoga, Go oder No-Go?

Mit der Unterstützung des Tuches findet eine Dehnung des ganzen Körpers statt, die unter normalen Umständen schwerer zu erreichen ist. Du kannst dich fallen lassen und alles abgeben. Durch die vielen Umkehrhaltungen wird die Wirbelsäule gestreckt und die Durchblutung gefördert. Gerade für Yogaanfänger*innen ist diese Art des Yoga geeignet, da das Tuch Halt gibt und einem schwierige Asanas erleichtert.

Aber Aerial Yoga bedeutet nicht nur Abhängen.

Um den Körper im schwankenden Tuch zu stabilisieren, braucht es eine Menge Gleichgewichtssinn und Körperspannung. Insbesondere deine Körpermitte sowie Arme und Beine werden in einer Aerial Yoga Klasse gestärkt.

Ein kleiner Wermutstropfen sind die anfänglichen Schmerzen, die das Tuch bereitet, wenn es an der Haut zwickt. Nach der ein paar Klassen gewöhnt sich der Körper allerdings daran. Ich persönlich habe es schon nach den ersten 30 Minuten vergessen. Also lass dich nicht davon abhalten es mal auszuprobieren.

Für wen ist Aerial Yoga geeignet?

Diese trendy Yogaart lässt sich für alle empfehlen, die:

  • mal so richtig loslassen und den Alltagsstress abgeben wollen
  • experimentierfreudig sind
  • sich mal auf andere Art an Umkehrhaltungen herantasten wollen
  • sich gerne akrobatisch betätigen und schwindelfrei sind

Wo kann ich in Deutschland Aerial Yoga üben?

Aerial Yoga in Berlin:

Aerial Yoga in Hamburg:

Aerial Yoga in Köln

Aerial Yoga in München

Titel © Akademia Jangada; als Collage bearbeitet

Danke an Academia Jangada, dass ich zu euch zum Üben kommen durfte.

Was sind deine Erfahrungen mit Aerial Yoga? Und welche verrückten Yogatrends stehen bei dir ganz oben auf der Liste zum Ausprobieren?

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