Das sagt dein Yoga-Tattoo über dich aus

Auch wenn ich nicht in erster Linie ins Yogastudio gehe, um mir andere Leute anzuschauen (Ich bin verheiratet, okay?), gucke ich natürlich auch nicht ausschließlich auf den Boden vor mir. Denn es gibt viel zu sehen beim Yoga, unter anderem die Tattoos meiner Yogaschwestern und -brüder.

Ich bin selbst sehr tätowiert und stolz darauf, die Tattoos lassen mich wirklich gefährlich wirken, nehme ich an. Außerdem bin ich (wie alle Tätowierten) sehr interessiert an Platzierung, Motiv und Qualität der Tinte der anderen „Bemalten“. Und natürlich hat jedes Motiv eine tiefere Bedeutung und verrät auch etwas über die Person, die in der bunten Haut steckt:

OM

Die heilige Sanskrit-Silbe ॐ (Ooooommmm) steht für nichts weniger als den transzendenten Urklang und bezeichnet unter Hindus die höchste Gottesvorstellung. OM ist zugleich das einfachste wie das heiligste aller hinduistischen Mantren und wird zu Beginn und Ende jeder anständigen Yogaklasse gemeinsam gesungen. Das OM-Symbol ist der Klassiker unter den Yoga-Tattoos.

Wer läuft mit so was rum?

Ein OM ist ein eindeutiges Bekenntnis zum Yoga. Auch wenn man unterstellt, dass den meisten die volle Bedeutung des Symbols nicht wirklich bekannt ist, steht OM wie kein anderes Motiv für ein Leben mit Yoga. Ein geringer Prozentsatz der Träger wollte eventuell aber auch nur „irgendwas Asiatisches“ und oft ist das OM auch Teil eines größeren Tattoos, zum Beispiel einer Lotusblüte oder eines Mandalas.

Yogadude_Arm_Tattoo

Mandala

Die Bedeutung von Mandalas ausführlich zu erklären, sprengt definitiv den Rahmen dieses Beitrags. Mandalas dienen im Hinduismus und Buddhismus der Meditation, Verinnerlichung und Konzentration. Sie stellen außerdem die Ganzheit und die göttliche Ordnung des Universums dar und wahrscheinlich heilen sie noch die ein oder andere Krankheit. Man weiß es einfach nicht.

Wer läuft mit so was rum?

Seit einiger Zeit sind geometrische Tattoos bei „den Hipstern“ ziemlich angesagt, davon hat auch das Mandala profitiert. Wenn du dir kürzlich ein Mandala hast stechen lassen, lebst du höchstwahrscheinlich in Berlin-Neukölln bzw. Wedding oder du träumst wenigstens davon.

Lotusblüte

In Asien gilt die Lotusblume als Symbol der Reinheit und Vollkommenheit, sie ist aber auch das Symbol für den Weg des Menschen zum Göttlichen. Der Legende zufolge wurde Buddha auf einer Lotuspflanze geboren und der Lotussitz (Padmasana) ist natürlich eine der bekanntesten (wenn auch nicht unkompliziertesten) Yogaübungen.

Wer läuft mit so was rum?

Die Lotusblüte ist – wie das Mandala – ein Mainstream-Yogi-Tattoo. Ihre spirituelle Bedeutung ist zwar sehr stark, sie ist aber auch ein Hingucker, ohne dass man damit ein echtes Statement machen muss. Da Männer meist wenig Ahnung von Blumen haben, ist das Lotus-Tattoo eher auf Frauenhaut zu sehen.

Yogadude_Hamsa_Tattoo

Hamsa

Auch die Hamsa ist ein spirituelles Tattoo, das jeder Yogalehrer sicher mehrmals täglich aus der Nähe sieht. Ein befreundeter Tätowierer hat mir versichert, dass er neben dem OM auch schon etliche Hamsa-Varianten gestochen hat und ihm das Motiv mittlerweile relativ leicht von der Hand (!) geht. Das Symbol ist besonders interessant, weil es im Islam, dem Christentum und im Judentum als Glücksbringer bzw. Beschützer gilt. Und das in Zeiten wie diesen.

Wer läuft mit so was rum?

Wer für den Rest seines Lebens eine Hamsa mit sich herumträgt, ist entweder zutiefst religiös oder mega-abergläubisch. Man sagt dem Symbol nach, dass es vor dem Bösen Blick schützt und alleine das sagt doch etwas über den Träger aus. Aus rein ästhetischer Sicht ist es okay, eine Hamsa in der Epidermis zu verewigen, man sollte bei der Platzierung nur darauf achten, dass die Mitmenschen von dem dritten Auge nicht zu sehr irritiert sind („Was guckst du?“).

Die sieben Chakren

Als Chakren bezeichnet man im Yoga und in verschiedenen esoterischen Lehrern die Energiezentren, die den feinstofflichen mit dem grobstofflichen, also dem physischen Körper verbinden. Je nach Lehre gibt es verschieden viele Chakren, im Yoga ist allerdings meist von sieben Hauptchakren die Rede, die entlang der Wirbelsäule verlaufen, beginnend mit Muladhara, dem Wurzelchakra bis hoch zum Kronen- oder Scheitelchakra (Sahasrara).

Wer läuft mit so was rum?

Wer sich die sieben Haupt-Chakren auf seiner Haut verewigen lässt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein fortgeschrittener Yogi und kennst die Handynummer seines Heilpraktikers auswendig. Das Konzept ist für Laien eher abstrakt, die Chakren sind nicht so Mainstream wie ein lächelnder Buddha oder ein „asiatisches Schriftzeichen“. Was für dich spricht: Wenn es auf deiner Wirbelsäule noch Platz für die Chakren gibt, hast du dir wenigstens in den 90ern nicht das „Sarah Connor-Rückentattoo“ stechen lassen. Glückwunsch.

Yogadude_Rippen_Tattoo

Götter

Im Hinduismus gibt es wirklich viele Gottheiten: Ganesh, Shiva und Krishna sind nur die bekanntesten davon, sie kann man häufig auch als Tattoo auf der Yogamatte sehen. Auch zahlreiche buddhistische Motive sieht man immer wieder, von Buddha selbst (schlank/dick, sitzend/stehend, glücklich/nachdenklich, nackt/bekleidet) bis zu schriftlichen Zitaten aus seinem langen Leben.

Wer läuft mit so was rum?

Mit einem Tattoo von Buddha himself oder einer der zahlreichen Hindu-Gottheiten grenzt du dich von der Masse der Mainstream-Christen in deiner Umgebung ab. Bevor du dich aber nun zu individuell fühlst, denk bitte daran, dass weltweit ca. 1,5 Milliarden Menschen deinen neuen Glauben teilen.

Okay, ich bin soweit. Aber wer tätowiert mich jetzt?

Der Beitrag inspiriert dich zu einem spirituellen Tattoo, vielleicht sogar deinem ersten? Dann hilft dir wahrscheinlich jeder gute Tätowierer, am besten jemand, der dir persönlich empfohlen wurde. Wenn nicht, guck dir unbedingt die Mappe des Tattoo Artists an, der dich tätowieren wird, nicht nur die Arbeiten des Studios (die können auch von einem Gast-Tätowierer stammen). Ich habe übrigens das Glück, dass der „Stecher“ meiner Wahl auch Yogi ist und deshalb großes Verständnis für meine Motive hat.

Zum Schluss noch was zum Nachdenken

Zu allererst natürlich der obligatorische Warnhinweis: Selbst wenn euch meine niedergeschriebenen Gedanken zum Thema Yoga-Tattoos gefallen oder gar animieren sollten, rennt bitte trotzdem nicht sofort zu Tätowierer, sondern lasst das nochmals sacken. Ich bin selbst mehrfach tätowiert und nicht von jedem Motiv noch so begeistert, wie ich es einmal war. Aber alle sind ein Teil von mir, und das ist wohl der wirklich spirituelle Gedanke dieses Beitrags. Wir sammeln ein Leben lang Eindrücke und Gefühle und tragen sie dann für immer mit uns rum. Manche davon eben auf unserer Haut, aber alle in unseren Herzen.

Und nicht vergessen: Wer regelmäßig Yoga praktiziert, erhöht die Wahrscheinlichkeit, sein eigenes Rücken-Tattoo auch ohne Spiegel betrachten zu können.

Namaste,

dein Thomas

 

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4 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Tattoos können echt schön und aussehen. Ich finde es auch schön jemamden zu finden der nicht gekenntzeichnet ist. Pure Haut … dann kann man die anderen Wege entdecken um den anderen kennenzulernen :) …

  2. Namaste und vIelen Dank für deine Worte über Yoga-Tattoos. Ich überlege mir schon lange, mich tätowieren zu lassen, allerdings habe ich häufiger Hautprobleme und meine Dermatologe weiß auch nicht so recht ob das eine gute Idee ist. Ich probiere es jedoch seit 2 Monaten mit Henna-Malerei, das ist auch sehr schön :)

  3. Hallo,
    ich oute mich mal als Trägerin einer Kombination aus Hamsa und Lotusblüte. Für mich ist die Bedeutung aber weniger religiös, als vielmehr mit einigen Stationen meines Lebens verbunden. Trotzdem erinnert es mich natürlich auch an Yoga und Spiritualität im Allgemeinen.

    Viele Grüße
    Conny

    1. Trisha July 31, 2012 14:13Stay positive, it’ll all work out in the end. Men, not machines, I really don’t know a thing about baseball but I’m capable of spouting reeitgutargd nonsense. 2  2

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