#yogisforindia: Warum jetzt besonders die Yogawelt gefragt ist

Eigentlich krass, dass noch kaum jemand aus der Yogaszene irgendwas zu Indien gesagt hat, lese ich am Freitag kurz nach dem Aufwachen in unserem FLGH-Gruppenchat auf WhatsApp. Dazu schickt Uli einen Screenshot vom Twitter-Account der Autorin Mira Jacob: Today’s suggested yoga pose: Place your hands on your keyboard and go to giveindia.org and fucking help. 

Der Tweet sagt alles, was es wirklich zu sagen gibt. Wir wollen es dir allerdings noch einfacher machen und erklären, warum ausgerechnet die Yogawelt hier gefragt ist.

Update Montag: Inzwischen haben schon einige Yogastudios und Yogalehrende Spendenaufrufe gestartet und Spendenklassen geplant.

Wenn du wenig Zeit hast und einfach nur spenden möchtest, kannst du jetzt nach unten scrollen.

Dort haben wir eine Liste mit Organisationen und Quellen, die uns vertrauenswürdig erscheinen, das heißt, Organisationen, die dafür sorgen, dass die Hilfe bei den Betroffenen ankommt.

Als das SARS-Cov-2-Virus im März letzten Jahres begann sich auszubreiten, reagierte Indien sehr schnell mit einem krassen Lockdown, verhängte Ausgangssperren und schloss die Grenzen. Ich erinnere mich gut an die Bilder von Wanderarbeiter*innen, die tagelang ohne Verpflegung und Trinkwasser nach Hause laufen mussten, weil sämtliche öffentliche Verkehrsmittel nicht mehr fuhren und sie gleichzeitig nicht mehr an ihren Arbeitsorten toleriert wurden. Durch die drastischen Maßnahmen wurde die Ausbreitung des Virus zwar verlangsamt – sofern das aufgrund der schlechten Datenlage überhaupt zu beurteilen ist – es entstand jedoch ein großer wirtschaftlicher Kollateralschaden. Für noch mehr Menschen in Indien geht es seither ums nackte Überleben.

Das ist sicher ein Grund, warum kein weiterer Lockdown beschlossen wird. Ein weiterer sind vermutlich die anstehenden Wahlen: der amtierende Premierminister Modi zieht mit seinen Wahlkampfveranstaltungen durch die Straßen als gäbe es keine Pandemie. Auch Hochzeiten und andere Großveranstaltungen finden weiterhin statt, obwohl noch nicht einmal 10 Prozent der Bevölkerung geimpft sind. Wer schon einmal in Indien war und sich auch abseits der touristischen Pfade bewegt hat, weiß, dass Hygiene-Regeln wie sie hierzulande zum Schutz der Bevölkerung empfohlen werden, schlichtweg nicht umsetzbar sind. Die Folge: Das Virus breitet sich in rasendem Tempo aus. Als ich mit unserer in Indien lebenden Autorin Franziska Krusche telefoniere, bezeichnet sie die fehlenden politischen Maßnahmen in Indien als „Verbrechen an der Gesellschaft“.

Was sie damit meint, verdeutlichen die Nachrichten der letzten Tage. Eine neue Corona-Welle rollt über das Land und löst eine Katastrophe aus: Die Krankenhäuser sind überfüllt, es fehlt an Sauerstoff und Intensivbetten, Schutzausrüstung für das medizinische Personal ist nicht oder in zu kleinen Mengen vorhanden. Fahrten ins Krankenhaus kosten viel Geld. Geld, das die wenigsten haben. Wenn überhaupt, gibt es nur noch Betten in teuren Privatkrankenhäusern für die Hochprivilegierten. Was das bedeutet ist klar: Menschen sterben. Angehörige bangen um ihre Liebsten. Mehr Menschen werden krank. Leichen werden auf Parkplätzen vor den Krematorien verbrannt. Es muss so schnell gehen, dass oft keine Zeit für die religiösen Rituale für die Totenruhe bleibt.

Warum wir als Yoga-Praktizierende jetzt gefragt sind

Die Yogapraxis, wenn auch Online, hat viele von uns in den vergangenen Monaten vorm dem Durchdrehen bewahrt. Einige von uns verdienen ihren Lebensunterhalt seit Langem durch Yoga. Mit dem Unterrichten yogischer Praktiken, dem Betreiben von Studios oder anderen Angeboten, wie Onlineshops oder Plattformen. Auch wenn manche gerade wegen der Corona-Krise ums wirtschaftliche Überleben kämpfen, haben die meisten von Yoga profitiert.

Das bringt uns direkt zum Diskurs um kulturelle Aneignung versus kultureller Wertschätzung. Wir haben die Unterscheidung an anderer Stelle ausführlich thematisiert, ein wichtiger Punkt in der Debatte ist, wer mit Yoga Geld verdient. Und das sind im Westen einige: Laut dem von Yoga Vidya betriebenen Yoga Wiki wird der Umsatz mit Yogakursen, -kleidung und Multimedia-Artikeln auf eine halbe bis eine Milliarde Euro geschätzt. In den USA geht man davon aus, dass Yoga ein Wirtschaftsfaktor von 6-10 Milliarden Dollar ist und zu den 10 am stärksten wachsenden Wirtschaftszweigen zählt.

Deshalb ist jetzt ein verdammt guter Zeitpunkt, etwas zurückzugeben. Denn die Wurzeln des Yoga zu ehren, bedeutet auch, sich solidarisch mit den Inder*innen zu zeigen und statt Licht und Liebe zu senden, ein paar Euro draufzulegen, damit die Menschen Unterstützung bekommen, die sie vom Staat – im Gegensatz zu uns – niemals bekommen werden. Giving back ist immer eine gute Idee, besonders aber, wenn jemand gerade in Not ist.

Wie du jetzt aktiv werden kannst:

  1. Spende Geld! Unten findest du eine Liste mit Organisationen, die wir empfehlen
  2. Unterrichte Soli-Yogaklassen und spende 100 Prozent der Einnahmen! Wenn du uns auf Instagram mit @fvckluckygohappy taggst, teilen wir deine Ankündigung
  3. Teile diesen Artikel oder rufe selbst zu Spenden auf!

An welche Organisationen du jetzt spenden kannst:

Wir hoffen, dass wir viele Menschen mobilisieren können. Unterstütze uns dabei und werde irgendwie aktiv. Die Menschen in Indien in Gebete einzuschließen, ist abgesehen von der tatkräftigen und finanziellen Unterstützung natürlich auch eine gute Idee.

Titelbild © Sujeeth Potla

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