Bestandsaufnahme: Was das Corona-Jahr mit der Yogaszene gemacht hat

Vor ein paar Wochen habe ich mein Facebook-Konto deaktiviert. Das war heilsam. 

Denn ich habe es einfach nicht mehr ertragen, jedes Mal, wenn ich meine Timeline öffnete, mit den neuesten wirren Gedanken konfrontiert zu werden. Verpackt in Worte, die angeblich am Wohle aller interessiert sind. In Whataboutism und “Man wird ja wohl noch sagen dürfen”.

Für diesen Text habe ich mein Konto reaktiviert. Und, was soll ich sagen!? 

Es hat sich nichts geändert. Leider.

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich hier einen Artikel dazu geschrieben, wie geschockt ich über das Verhalten einiger Yogis bezüglich der aktuellen Corona-Maßnahmen bin.

Plötzlich wurde in der bis dato so harmonischen Yoga-Blase über Mikrochips, Impfzwang und irgendwelche 5G-Zusammenhänge geblubbert. Auch andere Verschwörungstheorien kamen zur Sprache. Aber ganz ehrlich, wenn ich den Diskurs von damals mit heute vergleiche, dann war das irgendwie fast niedlich.

Mittlerweile ist also ein Jahr vergangen. Ein Jahr, das uns alle mürbe gemacht hat. 

Ein Jahr, in dem die meisten Yogastudios, bis auf wenige Monate Unterbrechung, geschlossen hatten. In dem Yogalehrer*innen genauso wie viele andere Menschen um ihre Existenz bangen mussten und müssen. Ein Jahr, in dem Kinderbetreuung, Home-Schooling und Home-Office sich wie zwei Pole gegenüber standen, die nach wie vor nicht kompatibel sind und dennoch an die Eltern delegiert werden. 

Ein Jahr, nach dem man auch einfach mal sagen kann: Es ist ganz schön viel schief gelaufen. 

Und diese Kritik sollte und darf man auch aussprechen.

Im Yoga-Umfeld beobachte ich jedoch nach wie vor vor allem die große Sorge, dass man genau das nicht darf. Dass wir in einem undemokratisch regierten Land leben, in dem es scheinbar darum geht, uns klein und stumm zu halten. 

Das ist jetzt mit Sicherheit überspitzt. Aber ich musste tatsächlich feststellen, dass diejenigen, die auch schon vor einem Jahr skeptisch gegenüber den Corona-Maßnahmen waren, mittlerweile mit fast fanatischem Eifer ihre Ansichten unters Yoga-Volk bringen.

Und dass sich davon offenbar mittlerweile auch Leute angesprochen fühlen, die ich bisher für sehr unpolitisch gehalten habe, die immer eher die Haltung “ich schaue keine Nachrichten” vertraten. Vielleicht machen sie das immer noch nicht. Scheinbar haben sie aber andere Quellen gefunden, auf denen ihre mittlerweile recht deutliche Positionierung basiert.

Wahrscheinlich ist das teilweise eine normale Entwicklung.

Der Frust wird größer, alle sind erschöpft. Es ist ein kollektives Gefühl von Anspannung, Sorge und Skepsis spürbar. In so einer Situation wenden sich auch bisher moderat Denkende eher extremeren Ansichten zu.

Und dazu kommt, dass diejenigen, die diese Argumente verbreiten, ja auch nicht irgendwer sind. Sondern meistens Lehrer*innen, denen wir in der Vor-Corona-Welt vertraut haben. Die damals schon zu vielem etwas zu sagen hatten und kein Blatt vor den Mund genommen haben. Wenn uns das früher bereits gut gefallen und eingenommen hat, dann ist es relativ naheliegend, dass wir auch in der aktuellen Situation eher unkritisch gegenüber deren Argumenten und Inhalten sind. 

Du fragst dich jetzt vielleicht, warum ich mich daran überhaupt störe. 

Schließlich darf ja jede*r ihre und seine Meinung haben. Unbedingt! Folgende Punkte sehe ich dabei aber als problematisch:

1. Es wird mit zweierlei Maß gemessen.

Auf der einen Seite scheint bei den Kritiker*innen der Corona-Maßnahmen eine große Sehnsucht danach zu bestehen, sich Gehör zu verschaffen. Danach, dass die eigenen Argumente wahrgenommen werden. Und dass diese nicht als seltsame Verschwörungstheorien oder von rechts inspiriertes Gedankengut bezeichnet werden.

Auf der anderen Seite erlebe ich aber nur eine sehr geringe Bereitschaft, in echten Diskurs zu gehen. 

So hat zum Beispiel vor ein paar Wochen ein Artikel in der SZ die Frage gestellt, ob die Yogaszene ein braunes Problem hat. Wohlgemerkt platziert innerhalb einer Reportage, in der auch zum Beispiel steht, dass es sich um eine “laute Minderheit [handelt], die immer radikalere Meinungen vertritt.”

Die Aufregung danach war groß. Allerdings habe ich vor allem diejenigen gehört, die dem Autor unlauteren Journalismus vorgeworfen haben und es sich verbitten, der Yogaszene braune Tendenzen zu unterstellen.

Das fand ich interessant. Angesichts dessen, dass ich immer wieder sehe, wie im Zuge der eigenen Argumentation völlig problemlos Quellen zitiert werden, die mehr als fragwürdig sind. Ich weiß gar nicht wie oft ich inzwischen Postings gesehen habe, die auf Videos und Zitaten von “Nachrichtenportalen” basieren, die eindeutig Verschwörungsmythen teilen und ziemlich weit rechts stehen.

Ich weiß, welches Argument hierauf oft folgt: Dass das ja nicht bedeutet, dass man selber all diese Ansichten vertritt. Dass das Gesagte aber viel Interessantes enthält und es wichtig sei, dass sich jede*r eine eigene Meinung bilden darf. Ich finde diese Argumentation fahrlässig. 

Bei gewissen Dingen gibt es einfach kein “teilweise” ok finden. 

Da bedarf es einer klaren Haltung. Und vor allem ist es gefährlich, Dinge zu verbreiten, die aus solchen Quellen stammen, ohne dass die möglichen Leser*innen das wissen. Denn wie gesagt: Viele Yogis hören ihren Lehrer*innen einfach gerne zu und hinterfragen das Gesagte wenig. Das ist zumindest meine Erfahrung.

2. Es fehlt eine offene Kommunikation innerhalb der Szene

Ich kenne auch viele, die den besagten Artikel interessant fanden. Die vieles nachvollziehen konnten, was darin gesagt wurde. Die sich nicht wirklich über die Beobachtungen des Autors gewundert haben. Was allerdings in meiner Blase nicht stattgefunden hat, war eine Diskussion darüber. 

Vielleicht liegt hier auch ein Teil des Problems? Dass wir Yogis oft so viel Wert auf Harmonie legen, dass es kaum echten Diskurs und Auseinandersetzung gibt. Gerade auch deswegen, weil das Gesagte oft von geschätzten Lehrer*innen kommt. Mit denen will man nicht diskutieren. Von denen will man gemocht werden.

Das birgt die Gefahr, dass man sich einfach immer wieder gegenseitig in seiner Weltanschauung bestärkt. 

Und dass gegenläufige Meinungen kaum Gehör finden, weil sie ja auch wiederum kaum geäußert werden. Manchmal ist Schweigen eben nicht Gold, sondern führt nur dazu, dass die anderen umso lauter wahrgenommen werden.

3. Es ist extrem unsolidarisch

Das ist der Punkt, über den ich wahrscheinlich bei der ganzen Sache immer wieder am meisten stolpere: Jede*r, die oder der Yoga übt, wird früher oder später über eine der yogischen Grundannahmen Bescheid wissen. 

Nämlich die, dass alles miteinander verbunden ist. Dass meine Handlungen Konsequenzen haben. Dass kein Leben mehr oder weniger wertvoll ist als das andere und dass ich versuchen möchte, durch mein Handeln so wenig Schaden wie möglich zu kreieren.

Es will mir wirklich nicht in den Kopf, dass Menschen, die sich seit Jahren in einer beständigen Yogapraxis üben, gleichzeitig Meinungen verbreiten, die dieser Annahme komplett widersprechen. 

Als ich den Text vor einem Jahr verfasst habe, war es gerade sehr “populär”, darüber zu urteilen, dass es ja “nur” die Alten trifft. Ich weiß nicht, wie viele “Statistiken” in meiner Timeline aufgetaucht sind, die verdeutlicht haben, dass vor allem diejenigen an dem Virus sterben, die es ja wahrscheinlich sowieso bald dahin gerafft hätte. Wie charmant.

Im Laufe der Zeit ging es dann viel ums Impfen. Dass es so viele Impfgegner*innen unter den Yogis gibt, wusste ich bis dahin auch nicht. Überraschend ist es aber eigentlich nicht. Wenn man bedenkt, dass sich Yogis schon immer mit alternativen Heilmethoden beschäftigt haben. Und vieles was eher Mainstream ist, in Frage stellen. 

Natürlich sollte niemand zum Impfen gezwungen werden. Durch diese Haltung und die geradezu missionarische Verbreitung unwissenschaftlicher Aussagen diesbezüglich kann aber die so wichtige Herdenimmunität eventuell erst sehr viel später erreicht werden. Das ist aus mehreren Gründen ziemlich blöd: 

Das Virus hat mehr Zeit, zu mutieren. Die Impfstoffe sind dann möglicherweise irgendwann nicht mehr bei allen Mutanten wirksam. Das wiederum kann dazu führen, dass die Situation anhaltend eher ungut bleibt und die Politik weiter in ihrem wabernden Kurs verharrt.

Was zur Folge hat, dass die Lebensqualität für ganz viele Menschen eher schlecht als gut ist. Weitere finanzielle Einbußen, weiteres Home-Schooling, weitere Notbetreuung, weitere schlechte medizinische und psychosoziale Versorgung. Und das, wo die Pandemie die soziale Ungleichheit sowieso schon weiter erhöht hat.

Keine Sorge, ich sehe schon auch, dass diese Entwicklung nicht von ein paar Yogis abhängen wird, die die Impfung verweigern. Mich schmerzt aber, dass in dieser Gruppe von Menschen, in der sich viele als extrem empathisch bezeichnen würden, solche Entwicklungen einfach hingenommen werden. 

Und wenn wir schon bei universeller Zusammengehörigkeit sind: In Indien, dem Land, das den meisten Yogis sehr nah ist, herrscht angesichts der Corona-Entwicklung eine humanitäre Katastrophe. Ist das auch alles übertrieben? Wie passt eine solche Situation damit zusammen, dass das Virus ja angeblich nicht so gefährlich ist? 

Und ist die Entwicklung dort nicht Grund genug, sich mal ein bisschen zusammen zu reißen in seiner Selbstbezogenheit? Wie gesagt: Es gibt viel zu kritisieren. Aber das Abwägen von Verkehrstoten und Corona-Opfern oder ähnliches ist für mich keine Kritik, sondern zynisch.

4. Es trägt zur gesellschaftlichen Spaltung bei

Wie ich im vorherigen Punkt schon geschrieben habe, geht es in der Yoga-Praxis viel darum, ein Verständnis für das große Ganze zu gewinnen. 

Darum, zu verstehen, dass wir alle von ähnlichen Sorgen und Bedürfnissen getrieben werden. Und darum, diese bei anderen anzuerkennen und in das eigene Handeln mit einzubeziehen. Man könnte es auch einfach Empathie nennen.

Wenn ich jetzt lese, dass es eine einfache Lösung sein könnte, das eigene Immunsystem zu stärken, vielleicht mal bisschen weniger Fleisch und Bier zu konsumieren und endlich mal den Hintern zum Sport zu bewegen, dann finde ich das ziemlich überheblich und unempathisch.

Zum Einen widerspricht es einfach bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnissen. Nämlich denen, dass zum Beispiel auch Leistungssportler*innen mit schweren Covid-Verläufen zu kämpfen haben und dass das Risiko, an Corona zu erkranken und auch daran zu sterben, für BIPoC deutlich erhöht ist.

Zum anderen geht diese Annahme aber auch davon aus, dass wir alle dieselben Grundvoraussetzungen haben.

Es ist aber nun mal so, dass sowohl unsere Herkunft, als auch unsere Erziehung und Bildung dazu beitragen können, welches Verständnis wir von gesunder Ernährung und der Bedeutung eines gesunden Körpers entwickeln. 

Ich finde es schlichtweg anmaßend, Menschen, die sich nicht in der veganen Bio-Bubble des Großstadtyogis aufhalten, zu unterstellen, dass sie an ihrer Gesundheit nicht interessiert sind und deswegen irgendwie auch sowieso ein bisschen selbst schuld sind.

Auch das haben die letzten Monate deutlich werden lassen: 

Yoga ist eine elitäre Angelegenheit. 

Viele Yoga-Übende würden sich wahrscheinlich selber als privilegiert bezeichnen. Zum Beispiel entsprechen die meisten einem bestimmten Bildungsniveau und verfügen über einen stabilen finanziellen Background. 

Möglicherweise ist deswegen aber auch so viel Angst vorhanden. Angst davor, dass das schöne Leben erstmal vorbei ist. Dass nichts mehr so sein wird, wie es mal war. Dieser Zustand lässt sich für die meisten von uns wahrscheinlich leichter aushalten, wenn man eine*n Schuldige*n findet. Und wenn es nur ganz abstrakt “die Politik” ist.

Ich würde diesen Text gerne versöhnlich beenden. Mit so einem “Alles wird gut”-Satz. 

Denn natürlich wird es ein Leben nach der Pandemie geben. Und natürlich werden wir wieder gemeinsam in einem Raum Yoga üben. Es wird weiter tolle Lehrer*innen geben, die sich zu Wort melden und von denen wir so viel lernen können.

Dennoch ist meine Prognose, dass diese ganze Zeit etwas mit der Yoga-Szene gemacht haben wird. Dass es mehr Spaltung zwischen den Yoga-Übenden geben wird. Anhänger*innen dieses oder jenes Studios. Positionierungen in die eine oder andere Richtung.

Manche werden vielleicht auch den Zugang zum Yoga komplett verloren haben, weil diese ganzen Entwicklungen sie zu sehr deprimiert und in eine Yoga-Krise gestürzt haben.

Ich glaube aber, dass es auf der anderen Seite auch eine Chance sein wird. 

Viele von uns haben es eventuell geschafft, sich im letzten Jahr eine Self-Practice anzueignen, die ganz unabhängig von Studioklassen funktioniert. Und sind vielleicht auch kritischer geworden in der Auswahl ihrer Lehrer*innen. Suchen sich ihre Klassen und Lehrer*innen nicht mehr nur nach Fußläufigkeit, sondern auch nach innerer Haltung aus.

Und vielleicht wird sich ja doch noch so etwas wie eine Debattenkultur innerhalb der Yoga-Szene entwickeln. So dass es nicht nur darum geht, Recht zu haben, sondern wirklich zuzuhören. Und dann vielleicht auch unbequem darauf zu antworten. 

Denn dass die Yoga-Bubble keine Kuschelwelt ist haben die letzten Monate ja sowieso gezeigt. Dann doch lieber daraus lernen, dass Diskussion wichtig ist, dazu aber eben alle gehören und nicht nur die, die am lautesten schreien.

Ein geschärftes Bewusstsein. Das ist das, was wir mit unserer Yoga-Praxis erreichen wollen. Wenn uns diese Krise dabei helfen konnte, dann ist das doch schon einiges, oder?

Wie geht es dir im Moment bezüglich Yoga und Corona? Nimmst du es ähnlich wahr? Oder vielleicht auch ganz anders?

Titelbild © pexels.com via Canva

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15 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Vielen Dank für deinen Artikel, ich habe mich total in deiner Meinung wieder gefunden und du hast es in gute Worte gepackt, was ich die letzten Monate gedacht & gefühlt habe!
    Viele Grüße, Kati

  2. Liebe Sabine, danke für deinen Artikel. Ich finde mich in deiner Sicht sehr stark wieder!
    Ich habe gerade Anfang der Woche ein sehr langes Gespräch mit einem Menschen gehabt, der zwar nicht aus der Yoga-Szene kommt, aber ähnliche Ansichten gegen Corona, Impfungen etc. hatte. Ich konnte sehen, dass seine teilweise sehr radikalen Gedanken von Angst getrieben waren, die er anders nicht formulieren konnte (auf meine Frage, was er denn befürchte, was passieren würde, wenn wir uns nicht alle gegen “die Politik” auflehnen, konnte er nur mit schlechten unpassenden Vergleichen aus der Vergangenheit kontern.. Gleichzeitig sprach er die ganze Zeit davon, dass wir alle offener für Diskussionen und für andere Meinungen sein müssten – unterbrach mich dann aber jedes Mal, wenn ich Stellung nehmen und meine eigene Meinung kundtun wollte…
    Wir leben definitiv in einer hochkomplexen Welt, die nicht schwazr oder weiß ist – deine Sorge um die Spaltung der Gesellschaft und die fehlende Diskussionskultur fühle ich ebenfalls!
    Danke, dass du deine Meinung hier geteilt hast und dich so auch unserem Feedback aussetzt! Das finde ich mutig, stark und so wichtig!!
    Ganz viel Liebe ! <3
    Svenja

  3. Ich kann mich vorherigen Meinungen anschliessen – ich finde den Artikel sehr einseitig. Gerade auch das ‘Solidaritätsargument’ hinkt stark. Solidarität: Warum werden dann die Impfdosen nicht zuerst nach Indien, Afrika geliefert? Warum werden keine Immunstärkende Mittel durch die Gesellschaft und den Staat gefördert?

    Was, wenn die Impfungen tatsächlich Nebenwirkungen haben (z.b. gschwächtes Immunsystem) – ist es dann nicht extrem unsolidarisch Menschen, die um diese Nebenwirkungen der Impfungen als unsolidarisch zu bezeichnen?

    Was ist mit der einseitigen Berichterstattung der Medien? ISt es nicht merkwürdig wie stark aus der Corona-Herausforderung manche Unternehmen, mit einschliessliche Politiker Geld machen?

    Ich freue mich auf einen offenen Austausch mit Dir!

    1. Hallo Sarah! Sabine hat ihre Sichtweise niedergeschrieben. Damit ist der Artikel natürlich eine Position, eine Einschätzung, eine Meinung. Solidarität im Großen (gleiche Verteilung von Impfdosen weltweit) wäre natürlich wunderbar. Aber leider auch ein wenig utopisch. Im kleinen solidarisch kann sein: Eine Maske aufziehen. Nicht nur für sich, sondern um andere ebenfalls zu schützen.
      Freundliche Grüße
      Julia

  4. ch habe selten einen Beitrag gelesen, der dermaßen von oben herab geschrieben wurde wie dieser. Frau Nisslmüller sitzt auf dem buchstäblichen hohen Ross und kanzelt von dort aus die Yoginis und Yogis ab, die nicht die Regierungslinie vertreten. Ihre Narrative und ihr Wording entsprechen genau dem Duktus des Mainstreams: Schwurbler, rechts, rechts, rechts, Verschwörungstheoretiker, Impfgegner, unsolidarisch, hinzu kommt noch die Adjektive privilegiert und verwöhnt. Der Artikel ist außerordentlich langweilig, weil er wie ein Eintopf schmeckt, in dem alle Zutaten, die das Mainstreamallerlei zu bieten hat, zusammengeworfen und kräftig durchgerührt wurden. Zum Abschluss wird Frau Nisslmüller muttihaft freundlich und hofft darauf, dass nur noch regierungstreue Unterrichte besucht werden, die sie klar nennt. Sie kommt gar nicht auf die Idee, dass Yoginis und Yogis ihre Unterrichte nicht als Kanzel nutzen, um politische Überzeugungen zu predigen. Darf ich annehmen, dass Frau Nisslmüller von ihrer Yogakanzel aus den Schülern erzählt, wo der Hammer hängt? Merkwürdigerweise ist sie dann doch an der Meinung Andersdenkender interessiert. Das liest sich allerdings wie eine Floskel.

    1. Hallo Bettina,
      da ich aus deinem langen Kommentar leider nicht viel konstruktive Kritik ableiten kann, auf die ich eingehen könnte, sondern eher ein oberflächliches Aufzählen, bleibt mir wohl nur zu fragen: Was ist die mainstream-Meinung? Und wieso wird sie hier als abwertend genutzt? Es geht nicht darum den Yogaunterricht als “Kanzel” zu nutzen, doch wenn sich innerhalb des Unterrichts die einen für beispielsweise für Abstand und Maske aussprechen und auch so handeln, während anderen das total egal ist, dann gibt es da leider doch eine Kluft.

  5. Super geschrieben, Du sprichst aus meinem Herzen. Danke! Als Yoga Teacher seit 33 Jahren hab ichb schonvor covid mit Unruhe im Gemüt auf den internationalen Yoga Festivals beobachtet das viele Yogalehrende sich mit viel Yogi Oberfläche und Lifestyle zufrieden geben. Die covid Herausforderung hat dies zum Vorschein gebracht und ich wünsche mir aus tiefsten Herzen das dadurch mehr Bedarfe nach demm Wissen um wirklich yogisch zu leben entsteht. Wie Du so schön zitiert hast Wir sind alle miteinander verbunden. Sei umarmt Anya Naima

  6. Hallo Sabine, vielen Dank für diesen Artikel, bei dem ich sagen kann dass ich wirklich jedes einzelne Wort unterschreiben würde!
    Ich gebe zu, als eine meiner Kolleginnen Deinen Beitrag teilte dachte ich, nicht schon wieder ein Kilometer-langer Artikel… aber in der Tat ist dieses Thema nicht mit 3 Absätzen seriös zu behandeln. – In den letzen Jahren habe ich mich immer ein wenig verloren gefühlt, wenn ich in die sogenannte Yoga-Szene geguckt habe (ich bin in einigen Yoga-Lehrer-Gruppen) – Ich habe es darauf geschoben dass ich seit fast 35 J. Tänzerin bin und meine „Szene“ seit gut 30 Jahren die orientalische Tanzszene (auch ne Bubble für sich) ist. Nun stelle ich jedoch fest, dass es genau diese, ich nenne es mal Doppelmoral, ist, die mir nicht das Gefühl gab in diesen Yoga-Kreisen richtig zu sein – unabhängig von einigen sehr lieben Kolleginnen und ein paar Lehrern die mich auf meinem Yogaweg begleiten. Fazit kann also aus Deinem Artikel für mich nur sein: weiter auf mein Bauchgefühl und auf meinen Verstand hören, ebenso auf Menschen denen ich wichtig bin und die mir gut tun, und weiter meine Meinung sagen, auch denen die es nicht hören wollen.😉 Und das gilt m.M.n. für ALLE Lebensbereiche! Und naja, ansonsten gelten weiter die yogischen Grundsätze, vielleicht kurz zusammengefasst als *Loka Samasta Sukhino Bhavantu*❣️😊
    PS: Und auch (oder noch viel mehr) gilt in pandemischen Zeiten: Trenne Dich von Dingen und Menschen die dir nicht gut tun! OM Shanti 🙏🕉 Ofra Moustakis

  7. Liebe Sabine,
    ich musste in dieser Woche eine Freundschaft beenden, weil eine meiner Freundinnen die Ansicht vertrat, dass die Covid bekommen selbst daran schuld sind, weil sie sich so ungesund ernähren. Würde jeder ihre Nahrungsergänzungsmittel nehmen (die sie vertreibt), würde er erst gar nicht krank werden… Bei solchen Ansichten sträuben sich mir die Haare und da kann ich dann auch nicht mehr ruhig bleiben. Wie kann man nur so eine Einstellung entwickeln… Schlimm!

    1. Hallo Katie,

      danke für den Comment. Ja, es ist supertraurig wie daran sogar Freundschaften zerbrechen. Aber es gibt eben Dinge, wo man nicht “agree to disagree” sagen kann… Liebe Grüße!! Ulrike (mit Grüßen von Sabine :)

  8. Liebe Sabine,
    Vielen Dank für deinen ausführlichen Artikel.
    Ich beobachte seit Beginn der Pandemie, dass durch den Virus bestehende Missstände deutlicher werden , siehe Gesundheits- oder Schulsystem aber auch die Yogablase.
    Eigentlich können wir auch hier dankbar fürs Augen öffnen sein.
    Und wenn ich ehrlich bin hat mich das Predigen oder “Welt erklären wollen” mancher “toller” Yogis schon vor der Pandemie irritiert, aber ich war eben mit auf der Welle und hatten einen dicken Schleier vor meinen Augen.
    Mit dem Virus wurde ich ordentlich durchgerüttelt und etwas mehr Klarheit kam ins yogisch-verklärte Hirn.
    Manches vermisse ich, wie das gemeinsame Kirtansingen, aber anderes brauche ich auch nicht mehr und die homepraxis war mir schon immer ein wichtiger Anker in meinem Alltag.
    Ich bin auch sehr gespannt wie es nach der Pandemie weitergehen wird in der gespaltenen Yogawelt.
    Was ich beobachtet habe, dass einige, die anfangs sehr aktiv mit ihren merkwürdigen Theorie in den sozialen Medien unterwegs waren, jetzt seit Monaten nichts mehr dazu schreiben. Entweder sind sie auf anderen Kanälen unterwegs oder
    haben ihre Sichtweise geändert oder halten einfach lieber die Klappe, um später keine Kunden zu verlieren.
    Die Yogablase ist halt kein bisschen besser oder schlechter als andere gesellschaftliche Bereiche, obwohl sie sich immer gerne so präsentiert hat.
    Viele Grüße
    Cornelia

    1. Hallo Cornelia,
      ja, du hast total recht mit dem was du bzgl. Yogablase sagst: Ist halt auch nur ein Teil der restlichen Gesellschaft. Bisschen privilegierter vielleicht als der Durchschnitt, würde ich behaupten, aber sonst eben nur ein Spiegel dessen was sonst auch passiert. Ich hoffe auch, dass die Leute, die sich nicht mehr äußern, ihre Meinung geändert haben!

  9. Liebe Sabine,

    zugegeben habe ich von den Meinungsdifferenzen innerhalb der Yogaszene nicht viel mitbekommen, weil die konträren Ansichten öffentlich größtenteils auf Social-Media-Kanälen geteilt verbreitet werden. Mit Social-Media kann ich nichts anfangen. Ich habe das vor mehreren Jahren zwei Mal versucht und nach jeweils einer Woche wieder abgebrochen, weil ich Sorge hatte sonst irre zu werden wenn so viel auf mich einprasselt. Insofern kann ich sehr gut nachvollziehen, wenn man sich von dort (temporär) verabschiedet.
    Ansonsten kann ich Deinen Aufruf nicht alles, was man erzählt bekommt, unkritisch aufzunehmen sondern auch sein eigenes Gehirn zu gebrauchen um über das Gehörte auch kritisch nachzudenken – egal von wem man etwas gesagt bekommt. Letztes Wochenende habe ich mich mit einem Freund von mir getroffen, der selbst regelmäßig seit Jahren übt. Über sein Verhalten war ich leicht verwundert und werde mir überlegen wie ich damit in Zulunft umgehe.
    Alles Gute Dir,

    Andreas

    1. Hallo Andreas,

      danke für deinen Kommentar! Ja, kritisch bleiben ist sooo wichtig. Ich hoffe du findest einen guten Umgang mit deinem Freund bzw. vielleicht klärt es sich auch, falls du dich entscheidest, das anzusprechen.

      Liebe Grüße!

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