Morgenseiten: Anleitung für deine morgendliche Schreibpraxis

Morgenseiten sind eine Journaling-Technik, bei der du morgens direkt nach dem Aufstehen drei DIN A4 Seiten herunter schreibst, ohne dabei viel nachzudenken. Neben zahlreichen Künstler*innen wie Russell Brand und Elizabeth Gilbert hat die Technik auch unter Produktivitäts-Freaks Anklang gefunden. Tim Ferriss, Autor von Die 4-Stunden-Woche*, ist zum Beispiel ebenfalls großer Fan. 

Und wenn sich ein Konzept sowohl unter Spiris und Künstler*innen, als auch unter Business-Gurus durchsetzt, muss doch was dran sein! Wir erklären dir, wie du Morgenseiten schreibst und es schaffst, auch langfristig am Ball zu bleiben. 

Anleitung zum Morgenseiten schreiben

In der Theorie sind Morgenseiten ganz einfach. Du kannst gar nichts falsch machen. Schnapp dir nach dem Aufwachen einfach einen Stift und einen Collegeblock und schreib drauf los. Am besten schreibst du die Morgenseiten, bevor du deinen Kopf mit input versorgst – also bevor du das erste Mal zum Smartphone greifst. 

Wichtig ist sind nur ein paar Eckpunkte für die Morgenseiten:

  • Handschriftlich 
  • Drei DIN A4 Seiten 
  • Langschrift (also keine Stichpunkte und Abkürzungen)
  • Direkt nach dem Aufwachen
  • Jeden Morgen
  • Danach nicht selbst lesen und erst recht niemand anderem zeigen
30 Minuten ohne Selbstkritik: Wieso Morgenseiten magisch sind 1

Der Inhalt der Morgenseiten muss dabei nicht geistreich sein. Im Gegenteil: Vieles von dem, was uns spontan in den Kopf kommt, ist egozentrisch, ungeordnet und schlecht geschrieben. All das ist völlig in Ordnung und sogar gewollt. 

>>Tipp: Wie du die Zeit am Morgen langfristig zu schätzen lernst, zeigt dir Rebecca in ihrem Online-Kurs I Woke Up Like This – In 21 Tagen zur eigenen Morgenpraxis

So wirken Morgenseiten

Viele Künstler*innen vertreten die Auffassung, dass wir alle ständig von kreativen Kräften umgeben sind. Unsere Aufgabe als Kreativschaffende ist es, ihnen den Weg freizumachen und sie durch uns wirken zu lassen. Der Kreativität versperren maßgeblich zwei Dinge den Weg: 

  1. Ein Dauerrauschen an Gedanken rund um unseren Alltag, To-Do-Listen und große und kleine Sorgen
  2. Die innere Kritikerin: (kreative) Gedanken und Vorhaben werden ständig kommentiert

Und beide tricksen wir mit dem Schreiben von Morgenseiten aus. Das Dauerrauschen bringen wir direkt aus unseren Gedanken zu Papier. Auch noch so banale Gedankenschleifen können uns komplett lahmlegen. Wenn wir sie aber einmal herunterschreiben, können wir sie leichter loslassen oder sie zumindest in Perspektive rücken. 

Morgenseiten und der innere Kritiker

Der innere Kritiker beurteilt so ziemlich alles, was wir den Tag über tun oder denken. Auch meine innere Kritikerin meldet sich gerade: 

  • Du hast nicht genug Ahnung, diesen Artikel zu schreiben.
  • Wow, alberne Einleitung. Meinst du wirklich, da lesen die Leute weiter?
  • Du schaffst das heute eh nicht mehr, guck einfach Netflix, dann gebe ich auch Ruhe. 
  • Bist du schwach! Schon wieder vor Netflix, anstatt zu schreiben. War eh klar.

Wenn man von seinem inneren Kritiker angeschrien wird, sobald man den Stift in die Hand nimmt, zu komponieren beginnt oder einen Businessplan schreibt, hört man lieber sofort wieder auf. Genau hier setzen die Morgenseiten an. Sie bringen uns bei, unzensiert zu arbeiten. Die innere Kritikerin wird Teil des Schreibflusses, sobald sie sich meldet. Statt zu blockieren, wird sie integriert und damit ruhiggestellt. 

Wer hat’s erfunden? Julia Cameron und Der Weg des Künstlers

Ursprünglich stammt das Konzept der Morgenseiten von der Autorin Julia Cameron, die sie in ihrem Buch Der Weg des Künstlers* als eines der Grundwerkzeuge vorstellt. Wer der Anleitung des Buches folgt, räumt innerhalb von 12 Wochen den Weg zur eigenen Kreativität frei. Neben den Morgenseiten kommen dazu Journaling-Fragen und wöchentliche Dates mit sich selbst zum Einsatz.

Es ist schon eine Weile her, dass ich den Weg des Künstlers durchgearbeitet habe, aber mir hat die Herangehensweise sehr gut gefallen und weitergeholfen.

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Ein kleines Morgenseiten-Beispiel – auch wenn das ja eigentlich verboten ist

Die Morgenseiten solltest du nicht einmal selbst lesen, geschweige denn mit anderen teilen. Hier aber ein kleines Beispiel aus meinen Morgenseiten aus dem Mai 2020 zur Veranschaulichung.

“Und Corona, davon werden wir noch richtig lange reden. Heute schmeckt der Kaffee wieder gut. Neumond, vielleicht hat das ja was zu bedeuten. Vielleicht wird ab heute alles besser. Mein Rücken ist total verspannt. Vielleicht mache ich heute ein bisschen Yoga, eine Jivamukti-Klasse, zur Entspannung. Meine Serie kann ich wirklich nicht mehr sehen – ehrlich gesagt. Warum wird alles, was man länger macht, irgendwann schal? Draußen sitzen wieder die Krähen auf den Autos. Dass der Lack da nicht zerkratzt… hmmm” 

Und so fülle ich dann eben drei Seiten. Wie gesagt, die Morgenseiten müssen nicht geistreich sein. Hier und da werden dir sicher auch mal interessante Gedanken begegnen, völlig unverhofft. Darin besteht aber nicht das Ziel. 

Du willst deine Morgenseiten abends schreiben?

Zwar kann es wirklich sinnvoll sein, abends Tagebuch zu führen, den Tag Revue passieren zu lassen und Eindrücke festzuhalten – aber die Intention dabei ist eine andere. Der Effekt der Morgenseiten wird gerade durch diese ganz besondere, verzauberte Zeit zwischen Schlaf und Alltag potenziert, den sich auch so manche spirituelle Praxis zunutze macht. Also probiere es lieber morgens!

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Anfangs kann es schwer sein, jeden Morgen Zeit zum Schreiben zu finden. Ich persönlich brauche etwa 30 Minuten für meine Morgenseiten und bin aufgeschmissen, wenn ich mich dabei beeilen muss. Das bedeutet also leider: Der Wecker klingelt früher! Doch sobald sich die positiven Effekte der Morgenseiten erst einmal in deinem Leben zeigen, wird das Aufstehen leichter.

So bleibst du dran: Morgenseiten-Tipps zum Durchhalten

Mal fallen mir die Morgenseiten leichter, mal sind sie fast unmöglich. Aber es gibt ein paar kleine Tricks, die mir dabei helfen.

  1. Ich trinke meinen Kaffee beim Schreiben. Auf den freue ich mich sowieso jeden Morgen und so kombiniere ich zwei Routinen miteinander.
  2. Mein Morgenseiten-Journal ist ein optisches und haptisches Highlight. Aktuell ist es aus Kork. Wenn das voll ist, werde ich erneut in ein Heft investieren, das ich gerne aufschlage. Dieses Journal* ist speziell dafür gemacht. Vielleicht ist es etwas für dich?
  3. Wenn ich einen Tag verpasse, geht die Welt nicht unter. Die Morgenseiten sind enorm wertvoll, aber ich persönlich möchte sie nicht zu einer weiteren Pflicht werden lassen. Auch wenn ich mal einen Tag auslasse, mache ich am nächsten Morgen ganz normal weiter. 

Wenn es dir schwer fällt, deine Morgenroutinen beizubehalten, weil irgendwie doch immer was anderes ansteht, sieh dir Rebeccas Kurs zum Thema an. Ansonsten freue ich mich auf deine Fragen in den Kommentaren! Kanntest du die Morgenseiten schon? Hast du vielleicht selbst schon Erfahrungen damit gemacht?

Ressourcen: 

Bilder © Helena Kleine

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4 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Ich schreibe schon seit Jahren meine Morgenseiten, gleich nach dem Aufwachen.
    Die Form hat sich verändert: Ich schreibe mir selbst Briefe, mit Fragen, mit Wünschen,…
    Die Brief-Form gibt mir etwas Abstand zu mir selbst, ich coache sozusagen mich selbst.
    Es kommt beim Schreiben vor, dass ich von der Anrede „Du“ zur „Ich“-Form wechsele, auch das ist okay.

  2. Das klingt absolut inspirierend und ich habe total Lust drauf. Und ich weiß auch, wer es wirklich will, bekommt es auch zeitlich unter. Und doch empfinde ich eine Last bei dem Gedanken, meine Morgenpraxis – die schon aus 30 Minuten Meditation und 30-40 Minuten Yoga besteht noch zu verlängern. Das bedeutet, dass ich vor fünf Uhr aufstehen muss – um danach noch einen meistens ziemlich vollen Tag zu meistern. Das bekomme ich schlichtweg nicht hin – und habe schon meinen Kritiker auf der Schulter, der mir zuflüstert: „Dann willst Du es einfach nicht genug…“

    1. Hallo Andrea,

      du, das kann ich total gut verstehen. Ich bin single, habe keine Kinder und arbeite außerdem freiberuflich – und trotzdem ist meine Morgenroutine (ähnlich wie bei mir aus Yoga, Meditation und Morgenseiten) mir manchmal einfach zu lang. Seitdem ich den Artikel geschrieben habe, hatte ich ganze Wochen oder vielleicht sogar Monate, wo ich die Morgenseiten habe schleifen lassen. Ich komme aber immer wieder dahin zurück. Vor allem, wenn es gerade nicht so gut läuft :D

      Ich würde sagen: Mach dir keinen Druck. Du kannst es ja einfach mal für ein paar Wochen ausprobieren, wenn die Zeit es zulässt. Übrigens, manche Leute schaffen die drei Seiten auch in 20 Minuten.

      Ganz liebe Grüße
      Helena

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