Verschwende deine Liebe!

Wilhelm Busch behauptet das Leben besteht aus den Stunden, in denen wir liebten.

Warum fühlen wir uns dann oft wie paralysierte Deppen, wenn uns ein Liebespfeil erwischt hat? Kann man die Liebe je verstehen? Muss man sie denn überhaupt verstehen? Oder verfliegt ihr Zauber in eben diesem Moment?

Die Liebe ist ein uns alle verbindendes Mysterium das für heitere Freudensprünge aber auch für düstere Talfahrten sorgt. Ist wahre Liebe schwer? Nein. Sie ist einfach. Wenn man nicht darüber nachdenkt.

Die Yogis haben ein Rezept, wie es möglich ist Non-Stopp auf rosa Wolken zu hüpfen ohne dabei zu leiden.

Wir wollen alle geliebt werden. Dafür setzen wir jeden Tag den Großteil unserer Energie ein.

Wir passen unsere Meinungen anderen Menschen an um Harmonie zu bewahren, verschweigen unsere ehrliche Meinung aus Angst vor Konfrontation, gehen nicht unsere eigenen Wege um niemanden zu verunsichern, versuchen für Andere wichtig und besonders zu sein, weil wir selbst noch nicht daran glauben. Geliebt zu werden, fühlt sich eben gut an und sich gut fühlen zu wollen ist menschlich.

Spirituell werden Liebe und Angst als die  beiden Handlungsmotive schlechthin bezeichnet.

Angst ist ein auf Ego Mechanismen gebautes Gedankenresultat. Die Liebe hingegen der natürliche Ausdruck der Seele. Philosophisch betrachtet sind Angst und Liebe Gegensätze. Man kann daher nur aus einem dieser beiden Antriebe heraus agieren.

Hass ist aus yogischer Sicht nicht das Gegenteil von Liebe, wie man oft unterstellt, sondern ein Zeichen für die Abwesenheit von Liebe. Kurz gesagt: Jemand den wir hassen, haben wir nie wahrhaftig geliebt. Hass resultiert immer aus dem Geist, nie aus dem Herz. Hass kann schon deswegen nicht das Gegenteil von Liebe sein, weil sich in ihm eine gewisse Zuneigung, nicht Ablehnung ausdrückt.

Das Herz besitzt nicht die Fähigkeit zu hassen.

Hass basiert auf Verletzung. Verletzen kann man nur ein Ego. KEIN HERZ DIESER WELT WURDE JE VERLETZT.

Liebe kann niemals wehtun. Was weh tut, sind unsere eigenen Gedanken.

Aber: Ist ja nicht so, dass wir nicht alle schon einmal heulend jemandem hinterhergetrauert haben. Dieser Schmerz ist aber nicht im Herzen beheimatet. Herzschmerz ist laut den Yogis eine falsche Zuschreibung. Der Geist mit seinem Ego ist der Ort, an dem der Schmerz stattfindet.

Aus dem Geist kommen Fragen wie:

  • Liebe ich mehr als der/die Andere?
  • Was kann ich verlieren, wenn ich zu viel gebe?
  • Bin ich nicht mehr liebenswert, weil ich verlassen wurde?

Wie funktioniert sie nun diese schmerzfreie wahre Liebe?

Liebe wird im Yoga Sutra zunächst bei den Bhavanas genannt, den Gemütszuständen eines entspannten Geistes. Es gibt vier an der Zahl und neben Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut steht die Liebe nicht umsonst an erster Stelle. Ob du unter der Liebe leidest entscheidest du selbst.

Im Yoga wird Liebe mit und ohne persönliche Absicht unterschieden:

Die Liebe, die aus uns herausfließt, entspringt unserer Natur. Wenn unsere persönlichen Absichten ins Spiel kommen, wird die Liebe konditioniert und damit verfälscht, also unnatürlich und leidvoll.

Hier zum besseren Verständnis eine Unterscheidung:

Liebe als „Kama“Liebe als „Praema“
AbsichtsvollAbsichtslos
KonditioniertNatürlich
Lieben und LeidenLieben und Leichtigkeit
Ort: GeistOrt: Herz
Erwartungen:
Lieben mit Bedingungen
Zufriedenheit:
Lieben was ist

Liebe als „Praema“ (Sanskrit für die absichtslose Liebe) kennt weder Angst, noch Hindernisse.

Sie setzt voraus, dass wir mit uns Selbst im Einklang sind und keinen anderen Menschen benötigen, um Lücken der Selbstliebe zu kompensieren.

„Praema“ ist zu vergleichen mit der Art wie Blumen ihren Duft in die Welt abgeben. Es liegt in der Natur der Blume Duft zu spenden, so wie es in unserer Natur liegt zu lieben. Wenn die Blume ihren Duft abgibt kommen Bienen vorbei und bestäuben die Blume gegebenenfalls. Die Blume fragt sich nicht welcher Biene sie mehr Duft gibt, um Besuch zu bekommen sondern sie verströmt ihren Duft gleichmäßig ohne Unterscheidung. Dabei ist sie voller Vertrauen, dass die richtige Biene ihr einen Besuch abstatten wird.

Würde die Blume beginnen zu unterscheiden, würde es sich um absichtsvolle Liebe handeln, Liebe als „Kama“, die aus Egozentrik resultiert. Diese natürliche Art der Liebe bezieht sich sowohl auf den Umgang mit allen unseren Mitmenschen als auch auf das unvoreingenommene Geben an einen speziellen Menschen, mit dem wir das Leben teilen wollen.

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Unser Leid in der Liebe entsteht meist aus der Unwissenheit, dass wir Liebe nicht verschwenden können.

Man kann sich nicht schlechter fühlen, wenn man mehr Liebe gibt. Unser Geist erfindet Geschichten die besagen, das uns Energie entzogen wird, wenn unsere Liebe nicht in gleicher Art erwidert wird aber wie soll das überhaupt gehen? Ist ein leeres Herz nicht ein Widerspruch in sich?

Für die Unterscheidung ist es wichtig wahrzunehmen, wann uns das Handlungsmotiv Angst die Liebe versaut.

Die Angst nicht genug zu sein, etwas falsch zu machen, enttäuscht zu werden, abgelehnt zu werden und vieles mehr sorgt schnell dafür, dass wir unsere Blütenblätter verschließen und uns wundern, wenn plötzlich keine Biene mehr kommt.

Ganz nach dem Motto All In funktioniert die Liebe auch in bestehenden Beziehungen nur, wenn sie ohne Unterlass fließen kann.

„Und dann kam der Tag, als das Risiko verschlossen zu bleiben in einer Knospe, schmerzvoller war, als zu riskieren, sich zu eröffnen, zur vollen Blüte.“ – Anais Nin

Wenn sich Blockaden einstellen oder die Liebe scheinbar zur Last wird, ist es nicht an der Zeit weniger zu lieben, sondern hinzusehen, woher das kommt, um entgegen jedweder Verlustangst mit vollem Einsatz zu spielen. Jeder Jeton den wir weniger setzen, beeinflusst unseren Gewinn.

Aber wenn wir ehrlich lieben, ist es um den Gewinn nie gegangen. Muss es auch gar nicht, denn er kommt von alleine, wenn wir die Spielregeln der Liebe verinnerlichen und uns aufhören ins Hemd zu machen, weil wir glauben schlecht auszusteigen wenn wir die Liebeslust vorbehaltlos sprudeln lassen. Es gehört einfach viel mehr geschmust, würden die Österreicher sagen.

„Alles oder Nichts“ ist das einzige was wir auf rationaler Ebene von der Liebe verstehen müssen, um sie vollends zu erfahren.

Marie de France fasst nochmal zusammen:

„Diejenigen gehen sorglos mit ihrem Leben um, die aus Liebe weder Vernunft noch Maß kennen; derart aber ist die Maßgabe der Liebe, dass niemand dabei seinen Verstand bewahren kann.“

Wer Liebe darüber hinaus verstehen will, sie abwägt, sich in Sicherheit bringt oder zurückzieht und in Angst vor Verletzung lebt, entzieht sich der Liebe und hat am Ende ein paar Stunden weniger auf seinem Konto der lebenswerten Augenblicke.

Ein Depp ist daher nicht die Blume, die nach Herzenslaune gibt sondern jene, die freiwillig vertrocknet und nie ihre eigene Blüte erlebt hat.

Im diesem Sinne: Verschwendet die Liebe!

Titelbild © Unsplash

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