Tarot Basics #6: Die Liebenden

Liebe ist die treibende Kraft im Universum.

Und wir alle sehnen uns danach, etwas über sie zu erfahren. Auch wenn nicht unbedingt in Form der standardisierten Paarbeziehung.

Das Tarot kennt viele Wege, über die Liebe zu sprechen und die Liebenden, so gerade heraus ihre Message auch zu sein scheint, sind nicht unbedingt der, auf dem die sanfteste Brise weht. Aber er ist steil. Und hat weniger mit dem oder der Geliebten zu tun, als es den Anschein macht.

Das Bild von Pixie Coleman-Smith trägt biblisch klassisch und angemessen dick auf: Wir sehen den Garten Eden, die Schlange, den Apfel, ein magisches Engelwesen, Brüste, einen Höhepunkt, den Baum der Weisheit und den Baum des Lebens, Feuer der Leidenschaft und zwei ahnungslose Nackte. Geht ab.

Tarot Basics #6: Die Liebenden 2

Hier geht es um Begegnung, Entscheidungen und um tiefe Wahrheiten der menschlichen Natur.

Oder wie schon Queen in ihrem Album ‘Some Kind of Magic’ sangen: Pain is so close to pleasure.

Genau wie im Garten Eden oder in unserer persönlichen kognitiven, emotionalen oder geistigen Entwicklung gilt: Das Erwachen zu uns selbst ist eine Form der Desillusionierung. Der Desillusionierung dessen, was die Gesellschaft uns gelehrt hat, oft getriggert durch Verlust, Trauma, oder, tadaaaaaa:

Liebe! Die wohl verbreitetste Form der mentalen Verwirrung.

In der tantrischen Yoga-Tradition wird die Liebe als ein möglicher Auslöser zum Erkennen von Maya, der Illusion, betrachtet und als ein möglicher Anstoß die Kundalini Energie in uns wieder in Fluss zu bringen. Was eben auch oft aussehen kann wie Wahnsinn.

Auf der Suche nach Liebe zu sein ist auch ein Symbol für unseren Wunsch uns aus den Begrenzungen der gesellschaftlichen Erwartungen zu befreien.

Nachdem wir im Hierophanten untersucht haben, was wir denn nun wirklich glauben, erwachen nun unsere tatsächlichen Begehren und rufen zur Rebellion.

Damit beginnt unsere Suche nach Individualität, also Ganzheit und Eigenartigkeit.

Einzigartig ist niemand, aber eigenartig sind wir alle und auf der Suche nach uns selbst bewerten wir die Regeln der Gesellschaft neu.

Eine der irrsten Liebesgeschichten der Literatur, Penthesilea von Heinrich von Kleist*, erzählt wie zwei Naturgewalten, Achill und Penthesilea, aufeinandertreffen, und die grausamen Gesetze ihrer jeweiligen Homies das Umwerben aufs Schlaftfeld verlegt. Die beiden sind stolz und der Kampf ist brutal, die Obsessionen schäumen über und am Ende zerfetzt die Amazonenkönigin ihren Liebsten und stirbt dann selber an gebrochenem Herzen. Der Biss und der Kuss, das kann man schnell verwechseln, sagt sie. So ist das mit den Obsessionen.

Am Ende gehen beide drauf, weil sie schon längst eins waren. Aber im anderen haben sie sich zum ersten Mal gesehen, ganz neu.

Was du im Gegenüber entdeckst, bist du selbst. Das Gefühl der Liebe ist in dir.

Wenn die Lovers in deiner Legung auftreten, bist du eingeladen, im Spiegel dessen, was dich reizt in die Selbsterkenntnis zu kommen. Etwas reflektiert die Schöne und das Biest in uns. Das Tarot verspricht nicht, dass irgendwas klappt oder nach Plan läuft. Siehe Penthe & Archieboy. Doch es lädt ein, uns im anderen zu sehen, unsere Zärtlichkeit, unser Besonderssein, unsere Leidenschaft und unseren Wahnsinn.

Bei den Liebenden geht es nicht zwangsläufig um romantische Beziehungen und schon gar nicht um die binäre Geschlechteridee. Bei den Liebenden geht es aber immer um eine kreative Aufforderung und eine überwältigende Anziehung, der wir uns nicht entsagen können.

Tarot Basics #6: Die Liebenden

Das ist wild, heiß, unkontrollierbar und nicht zu verstehen.

Nun sind unsere intensivsten Gefühle und Zwänge nicht immer die verlässlichsten und auch wenn jemand alle unsere Knöpfe auf einmal drückt, heisst es nicht, dass wir füreinander bestimmt sind. Aber ganz offensichtlich gibt es hier etwas zu lernen.

Wenn wir erkannt haben, welches Muster uns der Spiegel vor die Nase hält, kehrt mehr Ruhe ein und wir dürfen eine Entscheidung treffen: Was diese Beziehung oder diese Aufgabe sein möchte und sein kann. Bis wir zu dieser Freiwiligkeit kommen fahren wir meist ein paar Runden Achterbahn.

‘I want to know what love is and I want you to show me’,

singen Foreigner und er, sie, es, wir wollen das auch!

Die spirituelle Lehrerin Marianne Williamson sagt:

There is no coming to God except through the person in front of you. To believe in God doesn’t mean anything, it is the experience of God and the experience of God is our love through each other.”

Aufregend!

Und das Einzige, was dich darauf vorbereitet, andere zu lieben, ist echte Intimität mit dir selbst.

Das ist die liebevollste Arbeit, die du machen kannst. Sie wird dich befähigen die Hand auszustrecken. Und die ausgestreckte Hand zu fassen. Das Aufzulösen was uns trennt. Unsere Urteile, unsere Vorbehalte, unsere Ängste. Unsere Selbstgerechtigkeit und die Weigerung Verantwortung zu übernehmen. So pflügst du deinen Boden, damit Du die Liebe spüren kannst. So werden unsere Beziehungen unsere wichtigste, größte, heiligste Aufgabe, angefangen mit der Beziehung zwischen dir und dir.

Intimität mit anderen entsteht schließlich durch Selbstkenntnis und den Mut, sich zu zeigen. Ohne die anderen in Objekte zu verwandeln, die unseren Bedürfnissen zu folgen haben.

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Der Spiegel zeigt uns, dass wir eins sind und ohne diese Reflektion, können wir uns nicht erkennen.

Wenn wir verstehen, dass jemand anderen zu verletzen, bedeutet uns selbst zu verletzen, entwickeln wir den Wunsch uns selbst zu fördern und zu unterstützen so gut wir können.

Dann müssen wir an nichts mehr glauben, außer in uns gegenseitig. Und können jemanden die Aufmerksamkeit schenken, die wir uns wünschen. Die Erfahrung machen, dass sich um uns gekümmert wird. Das wir nicht alleine sind. Dass Menschen schön sind. Dass wir gemeinsam wachsen. Dass du bekommst, wonach du dich sehnst, wenn du dich dafür entscheidest aktiv gut zu anderen zu sein.

Insofern ist Liebe am Ende kein Gefühl und ganz bestimmt kein Statement. Unsere Handlungen sprechen lauter als unsere Worte. Immer und überall.

Die Lovers sind die Einladung zu uns zu kommen, nach Hause zu kommen und unseren Instinkten zu folgen, unsere Kinks auszuleben und die Schönheit des anderen in uns selbst zu sehen. Verstehen wir, dass unser Angebot ein Package-Deal ist, dann verstehen wir, dass auch was uns gegeben wird, nur als Gesamtpaket empfangen werden kann. So werden wir wieder ganz.

Liebe ist die Antwort, Freunde. Immer.

Über diese Serie:

In “Tarot Basics” stellt Nike dir nach und nach die einzelnen Karten des Großen Arkana vor. Ihre Symbolik, ihre Message, ihre Licht- und Schattenseiten, welche Energien sie verkörpern und wie du mit ihnen arbeiten kannst. Hier geht’s zur vorigen Karte und hier zur nächsten.

Titelbild © Lydia Hersberger

Für die Fotos haben wir Karten aus dem Fountain Tarot* (Titel) und dem Waite/Smith*(Close-Up) verwendet. Bei den mit * gekennzeichneten Links handelt es sich um Affiliate-Links. So erhalten wir eine kleine Provision, wenn du ein Produkt kaufst, und FLGH kann für dich kostenlos bleiben.

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