Die Why-Frage. Oder: Wie du zu deiner Vision (zurück)findest

Was will ich eigentlich und warum mache ich, was ich mache?

Ich bin sicher, diese Frage hast du dir auch schon öfter gestellt. Spätestens dann, wenn du von deinem Arbeitgeber aufgefordert wurdest, eine kurze Beschreibung über dich zu schreiben, deine eigene Webseite gebaut hast oder dir mal wieder den Kopf über den weiteren Verlauf deines Lebens zerbrochen hast. Dann weißt du bestimmt auch: Die Antwort auf diese Frage kann dauern.

Per se ist das nicht einmal so schlimm, das Problem ist nur: Jeder, der schon einmal einen Blick in einen halbwegs soliden Business-Ratgeber geworfen hat, weiß: Wenn du erfolgreich sein willst – und das wollen wir ja alle irgendwie – dann musst du wissen, warum. Das große „Why?“. Mission und Vision. Am besten in knackigen Wörtern, schwarz auf weiß.

Da saß ich nun in regelmäßigen Abständen und überlegte about-Texte, so genannte taglines und call to actions, die mein Tun und Lassen in einem Satz auf den Punkt bringen. Und fand alles doof. Wahlweise langweilig, übertrieben oder holprig. In meinem Kopf ein einziger wabernder Salat. Zwar hatte ich immer das Gefühl, mit dem Bloggen und dem Yoga richtig zu liegen und auch halbwegs erfolgreich zu sein, aber die besagte Vision ließ sich nicht blicken. Oder zumindest nicht in Worte fassen.

Die Antwort auf die vermeintlich alles entscheidende Frage kam ganz unverhofft.

Wie viel Stress habe ich mir umsonst gemacht! Wie viele krampfige Stunden vor dem weißen Blatt hätte ich mir sparen können! Denn am Ende war es kein Brainstorming-Meeting mit meinen Girlboss-Freundinnen, keine schamanische Visionssuche und auch keine effiziente Technik aus irgendeinem Must-Read-Business-Blog, sondern ein Kommentar einer guten Freundin beim Vietnamesen um die Ecke. Zwischen Sommerrolle und Reissalat sagte sie völlig selbstverständlich zu mir:

Naja, du meinst es halt todernst mit dem ganzen Yoga, bist aber trotzdem lustig. Das ist halt dein Ding.

Und schwupps, da war sie wieder: Meine Ursprungs-Version für Fuck Lucky Go Happy. Das, was ich beim Unterrichten vermitteln möchte. Deep shit mit viel Leichtigkeit.

Ich glaube nicht, dass wir um spirituell zu sein, in einer Höhle sitzen und den ganze Tag meditieren müssen. Das Wort spirituell kommt vom lateinischen Wort „spiritus“ und das heißt schlicht „Atem“. Das heißt jeder, der atmet, ist automatisch spirituell. Spiritualität und Yoga auf die paar Minuten Praxis zu reduzieren, wäre furchtbar schade. Auch wenn ich dir eine regelmäßige Praxis stark ans Herz lege, so sehr empfehle ich dir auch, das Leben in seiner vollen Intensität zu genießen. Kein Entweder-Oder, sondern ein Sowohl-als-auch.

Du kannst dich in die yogischen Schriften stürzen und trotzdem mit Freunden Bier trinken gehen. Du darfst die Nacht durchtanzen und dich am nächsten Tag für ein 10-tägiges Vipassana-Retreat anmelden. Du kannst tagsüber arbeiten wie verrückt und abends im Bett liegen und dir Gedanken über die Perfektion des ganzen Universums machen. Wenn es um Yoga, also Einheit geht, gibt es keine Widersprüche.

Das war von Anfang an meine Vision für Fuck Lucky Go Happy.

Alles, was auf dem Blog online geht, soll dir in irgendeiner Art und Weise auf deinem persönlichen Yoga-Weg dienen. Ganz egal, ob es Asana-How-Tos, Rezepte, Studio-Tipps, Erfahrungsberichte oder yogaphilosophische Ausschweifungen sind – mein Anspruch ist es immer, dir handfeste Artikel mit reichlicher Information, Inspiration und Sinn zu liefern ohne dabei meinen Humor zu verlieren.

Apropos Humor. Wenn ich jetzt unseren allerersten Claim lese, könnte ich mich totlachen: „Wir lieben Yoga und Neon, Green Food und Gin Tonic, Berlin und die Natur. Mit Fuck Lucky Go Happy wollen wir dir Inspirationen und Tipps geben, wie du Alltag und OM praktisch miteinander in Einklang bringst.“

Mit der Zeit sind die Gin Tonics seltener und das Yoga mehr geworden. Ich bin nicht mehr ganz so fancy unterwegs und um ein paar Erfahrungen reicher. Doch die Grundidee, an der ich zwischendurch immer wieder gezweifelt habe, ist immer noch die Gleiche.

Und das bringt mich wieder zurück zu der Geschichte mit der Vision. Obwohl ich so fürchterlich an allem gezweifelt habe, habe ich nach drei Jahren gemerkt, dass alles, was ich so gerne klar schwarz auf weiß stehen haben wollte, die ganze Zeit schon da war.

Nur weil man die Küste im Nebel nicht sehen kann, heißt es nicht, dass sie nicht da ist.

Das ist im Übrigen ein ziemlich yogischer Gedanke. Im Yoga Sutra spricht Patanjali von den citta vritti, den Wirrungen unseres Geistes, die uns die Sicht auf das Wesentliche vernebeln und Yoga, also den Zustand der absoluten Zufriedenheit, verhindern. Glücklicherweise gibt er uns auch jede Menge Tipps, die uns helfen, den flatternden Geist zu beruhigen, so dass sich der Nebel verziehen kann. Zum Beispiel, sich auf den Moment zu konzentrieren.

Übertragen auf das Problem mit der Vision heißt das: Man muss annehmen, was gerade da ist, um wieder klar zu sehen.

Beschäftige dich mit dem, was jetzt vor dir liegt. Schritt für Schritt. Es macht keinen Sinn, ständig darüber zu sinnieren, was irgendwann sein könnte. Es kommt ohnehin anders als man denkt. Manchmal muss man nur ein Stückchen zur Seite treten, um zu merken, dass es nur ein Baum war, der einem Sicht auf die Küste verdeckt. Oder die Sonnenbrille abnehmen, die in der Dämmerung vielleicht viel zu dunkel war. In jedem Fall kannst du dir sicher sein, dass alles, was deinen Weg kreuzt, einen Sinn hat.

In den letzten Jahren bin ich einige Umwege gegangen und kann trotzdem sagen: Jede einzelne Erfahrung war es wert und hat mich der Antwort auf die Frage „Was will ich eigentlich und warum mache ich, was ich mache?“, meiner Mission und meiner Vision, näher gebracht. Am Ende ist halt doch der Weg das Ziel. Und genau diesen Gedanken will ich dir heute mit auf den Weg geben.

Dein Monatsmantra: Ich bin genau da richtig, wo ich im Moment bin.

Wie ich in einem Jahr darüber denke: Keine Ahnung. Macht aber auch nichts. Bis dahin genieße ich das Gefühl von Klarheit und werde Schritt für Schritt mich den Aufgaben widmen, die mich jetzt als Head of Blog erwarten.

Guten Start in den September!

Unterschrift XOXO Rebecca_pink

 

 

 

 

 

 

 

Bild: Grit Siwonia

Das könnte dich auch interessieren:

18 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Jep!! Ja genial, es ist so einfach, ich fühle es auch immer wieder stark, es geht einfach darum zu leben, wie es uns entspricht – unsere Message zu verbreiten in dem wir wir selber sind that´s it. Ganz undogmatisch und fei, ganz unkonventionell – das einzige was zählt ist es authentisch zu sein, dann leben wir unsere Vision…

    Alles Liebe

    Karin

  2. Hallo Rebecca,

    ich glaube, die meisten Menschen wollen grundsätzlich glücklich sein. Das Problem dabei ist, dass es sehr unterschiedliche Vorstellungen gibt, wie man zu diesem Ziel kommt.

    Neben der Frage was will ich eigentlich, finde ich die Frage was für jemanden Erfolg ist, auch sehr spannend. Wir alle wollen mindestens halbwegs erfolgreich sein, aber nur sehr wenige können genau benennen, was Erfolg für sie eigentlich genau bedeutet.

    Liebe Grüße
    Jan

  3. Liebe Rebecca,

    das gefällt mir, was du schreibst – & wie smart und großzügig du auf dein Leben, auf das Hier & Heute blickst! Toll, dass deine Freundin so punktgenau „Deins“ getroffen hat und du zu deiner „tiefen Leichtigkeit“ zurückgefunden hast! Ich glaube auch, dass es Sinn macht, Schritt für Schritt das, was einem Freude macht, auf die Straße zu bringen – seiner Intuition folgend, ohne wissen zu müssen, wie Schritt Nr. 88 konkret aussieht.
    Ich mag die Erfolgs-Definition von Veit Lindau (aus „Werde verrückt“) sehr gern:
    „Erfolg ist eine Tugend. Es ist deine Fähigkeit, immer wieder frisch herauszufinden, was du wirklich-wirklich willst, und dann dein gesamtes Potential sanft, bewusst und effektiv dafür einzusetzen, dass du es auch bekommst.“

    In diesem Sinne,
    herzlich Carolin

  4. Liebe Rebecca,
    Danke für dein Monatsmantra (1x im Monat finde ich übrigens viel besser als jeden Montag!), das mich heute genau am richtigen Punkt abgeholt hat… Das wird ein guter September!
    Un abbraccio dalla Sardegna,
    Christine

  5. Danke Rebecca!
    Mir geht es die ganze Zeit wie dir. Ich kann auch von Erfolg sprechen, aber die knallige Vision ist war oftmals schnell wieder über den Haufen geschmissen und schwupp grübelte ich wieder. Sinnierte über meinem Block und schrieb auf was mir einfiel, strich raus was mir nicht gefiel, nur um dann festzustellen, dass es nach ein paar Monaten wieder anders lief als geplant.
    Es tut sehr gut von dir zu lesen, dass es dir auch so geht. Mit meinen Yogis und Lesern kaue ich auch den „deep shit“ in kleinen teilweise witzigen, teilweise leichten Häppchen, um sie dann leicht verdaulich zu schlucken . Und was soll ich sagen es funktioniert. Nur habe ich mich die ganze Zeit „schlecht“ deswegen gefühlt, denn wirklich Visionär waren meine Schritte nicht. Meistens aus dem Bauch heraus bzw. aus dem Dunst der sich mal wieder legte und ich mal wieder Land sah.
    DANKE dir so sehr, es tut gut zu hören, dass es dir genauso geht und du trotzdem deinen Erfolg genießt :D

  6. Rebecca, Du bist die Allergeilste! „Deep Shit mit viel Leichtigkeit“ ist die perfekte Umschreibung! Und Deine Freundin hat es voll auf den Punkt getroffen: „Du meinst es todernst mit dem Yoga und bist aber trotzdem lustig…“ Das ist genau der Grund, warum ich Deinen Blog und Deine Arbeit liebe! Bleib bitte so, wie Du bist! :)
    Ich freue mich schon auf Deine nächsten Workshops in München! *zwinker*
    Jetzt steht erstmal Dein Retreat in Italien an, oder? Da wäre ich auch gern dabei… Hoffentlich nächstes Jahr!

    Fühl Dich ganz fest gedrückt!
    Asli

  7. Vielen Dank für diesen Blogartikel, ich war den Tränen nahe. Denn genau das halte ich mir stetig vor Augen … in bewegten wie unbewegten Zeiten :)
    Weiter so, das Mantra klebt bereits an meinem Bildschirm, damit ich das ja nicht vergesse. Alles Liebe und einen wunderschönen September

  8. Gestern hatte ich zum ersten Mal den Gedanken „hey, du bist auf dem richtigen Weg“. Das hat mir Gänsehaut verschafft. Und heute dieses Monatsmantra…. das kann kein Zufall sein.

    Ich freue mich darauf, zu sehen, wo die Reise für dich und für alle von uns hingeht. Weil wir alle genau da richtig sind, wo wir im Moment stehen, Das macht mich glücklich. Danke für diesen Beitrag, liebe Rebecca!

  9. Vielen lieben Dank, für diesen wunderbaren Beitrag. Er wird mich diesen Monat begleiten und mir persönlich bestimmt ein Stück Leichtigkeit und Klarheit bringen, da mich diese Frage auch seit längerem beschäftigt.
    Sich anzunehmen und damit im hier und jetzt zufrieden zu sein erfordert viel Geduld und einen ruhigen Geist…das wiederum ist schon tägliche Arbeit ;) mit und an uns selbst.
    <3-liche Grüße

  10. Vielen Dank für die Erinnerung liebe Rebecca. Du hast es mal wieder auf den Punkt gebracht und mir genau das gegeben, was ich gerade brauche. Ich freue mich schon, dass mich dieses Mantra durch den kommenden Monat begleitet :)

    Liebe Grüße,
    Marisa

  11. Genau das muß ich mir jeden Tag sagen um im gegenwärtigen Stress zu überlegen. Meine beste Nische ist das Yoga und die Handarbeiten. in der Yogastunde kann ich die gesamte Energie spüren und ich bin froh, dass nach dem Sommer Yogastunden es wieder gibt. Außerdem hane ich einen kranken Mann zu Hause und einen Vater (fast 90Jahre) da brauch ich jeden Energieschub. Trotzdem bin ich froh, dass ich mit Mantragsingen und bestimmte Atemübungen mir helfen kann in schwierigen Zeiten. Die Frage was will ich, bringt mich wieder ein Stück zu mir selbst zurück. Allen einen schönen September. Liebe Grüße Ilona.

  12. Ja, prima, genau, wieder mehr Yoga!
    Was will ich eigentlich? Gerade auch mal wieder meine Frage, vielen Dank für den inspirierenden Post!

    Herzlichst, Anne

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*