Warum du unbedingt mehr Fehler machen solltest

“Noch neun, noch drei  … “, lautet die Anweisung aus der Live-Regie. Das rote Licht unter der Kamera blinkt. Ich werde innerlich unruhig. Gleich werde ich über Panama Papers und andere Wirtschaftsnachrichten berichten.

Ich stehe in einem der größten Nachrichtenstudios Deutschlands und habe Angst, keinen geraden Satz mehr herauszubringen.

Ich weiß nicht mehr, was mich damals genau geritten hat, aber ich war plötzlich der Meinung, ich sollte doch an einem Moderationscasting für die Tagesschau24 teilnehmen.

Tagelang bereite ich mich also vor, übe mit Sprachtrainer, wähle ein schickes Kleid aus und stand plötzlich im grellen Studiolicht. Unsicher beginne ich mit den Wirtschaftsnachrichten und verhaspele mich. Fühle mich unwohl und hoffe insgeheim, dass der Feueralarm losgeht und ich flach über den Boden in Richtung Notausgang robben muss.

Als ich die Aufnahmen danach nochmal in Ruhe anschaue, werde ich innerlich rot, das ist das eine. Mir ist mein Auftritt peinlich. Mein zweiter Gedanke: Was mache ich da bloß?

Den Job habe ich nicht bekommen. Dafür aber eine kristallklare Erkenntnis: „Du bist völlig falsch hier!“

Fehler zu machen ist auf den ersten Blick: nicht besonders sexy. Sie sind verpönt, weil sie als Zeichen von Schwäche gelten.

Dabei sind Fehler dein Turboboost für Erfolg und ja – sogar für deine Bestimmung.

Aber anstatt einfach mal loszulaufen und zu gucken was beim Gehen passiert, häckseln wir Gedanken im Kopf klein wie Sägespäne. So lang, bis sich aller Mut sich aus dem Staub gemacht hat.

Aus Angst vorm Scheitern und vor Fehlern werden deshalb täglich tausende von Träumen und Impulsen begraben. Deshalb:

Stop it & embrace your failures!

Die Angst vor Fehlern hat einen Grund. Sie ist tief in uns angelegt. Denn: Wenn du einen Fehler machst, zeigst du dich verletzlich. Du kannst dich blamieren und wirst damit angreifbar.

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© Grit Siwonia

Dies triggert eine tiefe Urangst in dir, nämlich die Angst, aus der „Horde“ ausgestoßen zu werden.

Vor tausenden von Jahren war dies dein Todesurteil. Im Gehirn aktiviert es konkret Bereiche im limbischen System. Der Ort, wo die Emotionen sitzen. Wenn du Angst hast Fehler zu machen, feuert die Amygdala, als gäbe es kein Morgen.

Dieser kleine Mandelkern im Gehirn gibt alles, um dich zu beschützen. Gut gemeint, aber viel zu oft mit schlechtem Ausgang. Das Blöde ist dabei ist nämlich, dass dein Verstand quasi ausgeschaltet wird. Das heißt dein rationales Denken wird überschwemmt von Angst-mydala Transmittern. Blöd eigentlich, denn:

Fehler zu machen ist deine Superkraft.

“It is impossible to live without failing at something, unless you live so cautiously that you might as well not have lived at all – in which case, you fail by default.” J.K. Rowling

Wenn du eine Idee hast oder einen Traum und ihm dann nicht nachgehst aus Angst, dass es nicht klappt, oder dass du etwas falsch machst, passieren zwei Dinge. Zum einen schrumpft dein Selbstbewusstsein, weil du quasi aufgibst, bevor du es überhaupt versuchst. Das hinterlässt Spuren. Zum anderen findest du nie heraus, wohin dich dein Impuls bringen wollte.

Oft wollen wir eine amtlich bestätigte Garantie erhalten, dass der Weg der Richtige ist und wir nicht auf die Nase fallen können.

Aber hey, wer weiß das schon? Im Nachhinein betrachtet findest du in deinem Leben bestimmt viele Abzweigungen und Wege, die während dessen überhaupt keinen Sinn ergeben haben. Im Nachhinein aber sehr wichtig für deine Entwicklung waren.

Mich hat die Probemoderation zum Beispiel richtig wachgerüttelt und ich wusste, dass das nicht mein Weg war.

Genau das ist die Kraft von Fehlern. Sie können dir helfen mehr Klarheit zu gewinnen. Denn bist du trotz der Fehler begeistert von der Sache? Dann keep on going. Unbedingt! Der Glühlampenerfinder Thomas Edison hat 9500 Versuche gebraucht, bis sie endlich funktioniert hat.

Wenn deine Begeisterung nicht anhält, dann steckt darin sehr viel Wissen und das ist Gold wert. Warum fühlst du dich unwohl zum Beispiel und wann hingegen wohl. Wonach sehnst du dich stattdessen und wo würdest du zum Beispiel viel lieber stehen?

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Das Wichtigste aber hat Brené Brown schon in einem ihrer Buchtitel formuliert:

„Laufen lernt man nur durch Hinfallen.“*

Also: lass dich bitte nicht abhalten. Denn normalerweise nimmt die Bereitschaft Fehler in Kauf zu nehmen im Alter ab. Schau dir Kinder an. Wie unermüdlich sie sich abrackern, um laufen zu lernen. Hundertmal fallen sie hin und stehen wieder auf. Sagen sich nicht: „Boah, das hat nicht geklappt, also lasse ich es lieber“.

Erwachsene geben sich meist nur noch ein bis zwei Versuche. Das ist doch Schade! Denn so viele tolle Dinge verkümmern dadurch in der Schublade.

J.K. Rowlings zum Beispiel kassierte mit Harry Potter zwölf Absagen bevor ein Verlag „Yes!“ gesagt hat. Umberto Eco musste 28 Mal ran, um sein Meisterwerk „Der Name der Rose“ an die Öffentlichkeit zu bringen. Und Erich Maria Remarque überstand 120 Absagen, bis  „Im Westen nichts Neues“ eins der erfolgreichsten Bücher des 20. Jahrhunderts werden durfte.

Wenn du die Angst vor Fehlern abbaust, kannst du groß denken und deinen Träumen Leben einhauchen.

Verurteilt zu werden tut zwar weh, aber es bedroht dich nicht (mehr) existenziell. Besonders Frauen neigen dazu, Fehler und Scheitern persönlich zu nehmen. Sie stricken ganz flink diesen niederschmetternden Gedanken daraus: „Ich bin nicht gut genug.“

Dieses Gefühl gilt es schleunigst umzudeuten und wertfrei zu betrachten.

Zum Beispiel: „Es hat diesmal nicht geklappt – Punkt. Ohne Story. Nehmen wir zum Beispiel J.K. Rowling nochmal. Zwölf Mal hat sie negatives Feedback bekommen, u.a. sei ihr Buch „für einen kommerziellen Erfolg nicht geeignet.“

Hätte Sie diese Aussage des renommierten Verlages für bare Münze genommen, wäre Schluss mit lustig für Harry Potter und J.K. Rowling säße deprimiert und ohne Geld da, so wie davor. Emma Watson wäre nie berühmt geworden und Millionen von Menschen nicht von der Geschichte Harry Potters verzaubert.

Nicht sie oder das Buch waren nicht gut genug. ie Menschen in den Verlagen, die es abgelehnt haben, konnten ihr Potenzial nur nicht erkennen.

Deshalb traue dich, deinen Impulsen zu folgen und viele, viele Fehler auf dem Weg zu machen. Sie helfen dir, klarer zu werden und das, was du mit auf die Welt gebracht hast zum Vorschein zu bringen.

With love & passion

Heike

Titelbild © Unsplash

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2 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Vielen lieben Dank für diesen Artikel! <3 Die Erinnerung daran, wie wichtig es ist, Fehler zu machen und wie wenig hilfreich der Satz "Ich bin nicht gut genug" ist, hab ich grade dringend gebraucht.

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