#sisterhood und #feminismus: Wie wir von Rivalinnen zu Schwestern werden

“Nach außen propagieren sie sich als Feministinnen, setzen sich für female empowerment und gegenseitige Unterstützung ein. Aber hinter den Kulissen? Da sieht das leider ganz anders aus… Keine Kommunikation, Lästereien und gegenseitiges Ausstechen.” – So die Sätze einer Freundin, die vor kurzem ihren Job in einem solchen Unternehmen verlor.

Wie kann das sein, dass in feministischen Unternehmen Frauen* für sich kämpfen, indem sie sich gegen andere Frauen* stellen?

Ich erinnere mich an meine erste Erfahrung gleichgeschlechtlicher Rivalität zurück. Meine Schwester ist ein paar Jahre älter als ich und sagte mir turnusmäßig: “Als ich noch so alt war wie du, hatte ich auch noch keine Cellulite. Warte noch ein Jahr.” Doch wieso neigen wir dazu, uns miteinander zu vergleichen? Und was bringt uns der andauernde Vergleich mit anderen Frauen*?

Schneiden wir im Vergleich mit anderen Frauen* gut ab, fühlen wir uns gut.

Aber wenn nicht, dann führt der Vergleich vor allem dazu, dass wir uns nach ihm schlechter fühlen. Wenn wir neidisch auf andere Frauen* sind, sei es auf eine Eigenschaft, die wir selber gerne hätten, auf beruflicher Ebene, oder wir Neid auf Materielles empfinden, das uns fehlt, dann versuchen wir oftmals, diesen Unterschied wettzumachen, indem wir die andere Frau* herunterreden. 

Gedanken wie: Dafür hat sie ja kein stabiles Elternhaus oder Wenn sie ihre Beziehung auf Instagram derart zur Schau stellt, dann kann da was nicht stimmen kommen uns in den Sinn

Bewusst oder unbewusst degradieren wir so die andere Frau* in Gedanken oder in Worten. 

Das ist ein Mechanismus, der bei vielen von uns einsetzt – allen Feminismus- und Empowerment-Bewegungen zum Trotz. Die Psychologie-Professorin Tracy Vaillancourt untersuchte dazu, wie Frauen* sich im Wettbewerb mit anderen Frauen* verhalten, wo wir wieder bei dem feministischen Unternehmen meiner Freundin sind. Das Ergebnis: 

Biologisch betrachtet nutzen wir indirekte Aggressionen, allen voran Eigenwerbung und Degradierung von Rivalinnen.

Die Annahme der Evolutionstheorie dazu ist einfach erklärt: Wir Frauen* müssen uns als schwächeres Geschlecht und um unsere Fruchtbarkeit zu erhalten, besser schützen, als Männer*. Indirekte Aggression eignet sich als sicherer Weg, da wir uns körperlich nicht in Gefahr bringen müssen.

Demgegenüber steht die feministische Psychologie, die sagt: Dieses Verhalten ist die Internalisierung des Patriarchats!

In der Evolutionstheorie erklärt man viel mit Biologie, in der feministischen Psychologie hingegen werden Auslöser für unser Verhalten in der Gesellschaft und damit im Patriarchat verortet. Das Dilemma beschreibt Noam Shpancer in Psychology Today wie folgt: Wenn Frauen* davon ausgehen, dass ihr Wert von Männern* bestimmt wird, wie es in unserer patriarchalisch geprägten Gesellschaft oftmals der Fall ist, dann kämpfen sie gegen andere Frauen*, um ihren Wert nicht zu verlieren.

Lassen wir also unseren Selbstwert von außen, in diesem Fall von Männern* bestimmen, haben wir das Gefühl, andere Frauen* ausstechen zu müssen, um gehört und gesehen zu werden. Doch wie können wir für Gleichberechtigung kämpfen, wenn wir unseren Wert aus dem Außen und der Herabwürdigung anderer ziehen? Gar nicht. 

Feminismus funktioniert nur in Kombination mit sisterhood.

Sisterhood bedeutet, sich mit anderen Frauen* zu verbünden, sich gegenseitig zu stärken, zu helfen und voneinander zu lernen. Denn im Alleingang kommen wir vielleicht ganz nach oben, lassen aber viele tolle Frauen* hinter uns. Die Introvertierte, die weniger Kampfbereite, die Leisere, die Sensiblere. Wäre es nicht schön, mit allen anderen tollen Frauen* erfolgreich und frei zu sein, statt von oben auf sie herunterzublicken?

Das klingt einfacher, als es ist. Als ich mich hier bei Fuck Lucky bewarb und ziemlich schnell checkte, dass das Kernteam ausschließlich aus Frauen bestand, hatte ich ein wenig Schiss. Nur mit Frauen arbeiten? Das kann ja was werden, dachte ich. Heute schäme ich mich für diese Gedanken und wurde eines Besseren belehrt. 

Denn es sind tolle Frauen, mit denen ich zusammenarbeiten und von denen ich lernen darf. Ein Team aus Frauen, die sich gegenseitig unterstützen und ergänzen. Ich habe so gelernt zu erkennen, dass ich Frauen* nicht zu meinen Rivalinnen machen muss, und sie mich nicht zu ihren.

Das ist sisterhood: die gegenseitige Anerkennung und Verbindung von Frauen*, die nicht biologisch verwandt, aber in Solidarität und support connected sind. 

Frauen*, die gemeinsam für etwas kämpfen. Statt Energie und Zeit in destruktive Verhaltensweisen wie Herabwürdigung und Konkurrenzdenken zu stecken, mit denen wir einander schaden, können wir in konstruktiven Wandel investieren.

Drei Gründe, wieso sisterhood unsere Freundschaften und Beziehungen verbessert und dabei die ganze Gesellschaft transformieren kann:

Die Liste ist angelehnt an Angela D. Colemans Buch Girls Guide: How to be a sister*.

1.  Sisterhood kreiert einen safe space

Empowernde Sätze wie Ich vertraue dir oder Ich glaub an dich, du packst das! erschaffen einen Raum, in dem wir Frauen* uns mit allen Wünschen, Ängsten und Sorgen zeigen dürfen – so, wie wir sind. Dieser safe space ermutigt uns dazu, an uns zu arbeiten, mit dem Support unserer Schwestern unseren Weg zu gehen und uns mehr zuzutrauen – und das emanzipiert.

2. Selbstliebe ist Empowerment für alle Frauen*

Schon tausend Mal gehört, ist dieser Spruch so wahr, wie er alt ist: Nur wer sich selbst liebt und zufrieden mit sich ist, kann diese Liebe und Unterstützung weitergeben. Und Selbstliebe ist anziehend: Wenn Frauen* sich selbst bestärken, ziehen sie andere Frauen* an, die dieselbe Vision haben. Im Verbund kann diese Kraft ausgelebt und geteilt werden, sodass diese Energie auf andere überspringt und einen Dominoeffekt auslöst.

3. Sisterhood birgt Superkräfte

Sisterhood kann unsere Superpower sein. Vereinen wir Frauen* jeden Alters, jeglicher Herkunft, Hautfarbe, Körperbau und Sprache, erschaffen wir einen diversen tribe mit unterschiedlichsten Superkräften.

Wir bei Fuck Lucky wissen genau, wer von uns welche Superpower hat – und nutzen sie! Sheila hat die Superpower, Texte mit Bravour runterzurocken, Uli hat das super-analytische brain und immer alles im Blick, Rebecca stößt ein kreatives Projekt nach dem anderen an und ich bin die Ideenmaschine, wenn es um content auf Social Media geht. Im Zusammenspiel wird jede einzelne Superpower da eingesetzt, wo sie am besten wirken kann. So kann Wunderbares entstehen.

Wenn nicht jetzt, wann dann, ist der perfekte Zeitpunkt, uns wieder als Frauen* zusammenzufinden? Mit diesem Schulterschluss können wir nur gewinnen und niemand verlieren. 

Dein Monatsmantra: Ich verbünde mich mit anderen Frauen* und kämpfe gemeinsam mit ihnen, statt gegen sie.

Was bedeuten Feminismus und sisterhood für dich? Was sind deine Erfahrungen? Schreib’s in die Kommentare!

Ciao,

deine Julia

Titelbild © Gemma Chua-Tran

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2 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Huch? Fehlt da was vom Artikel? Der hört plötzlich auf. „Ob bewusst oder unbe…“
    Oder solls das zum Nachdenken über unbewusste Denkmuster nachdneken ;-)

    1. Liebe Lotta! Das ist aber komisch! Der Artikel geht eigentlich weiter mit „degradieren wir so die andere Frau* in Gedanken oder in Worten.“ usw. Magst du mir mal einen Screenshot senden? Wir können den bug leider nicht reproduzieren… Dann kann ich mir das mal genauer ansehen!
      xx
      Julia

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