Im Wald gibt es keine Spiegel: Ein Selbstliebe-Ritual

Trotz all der praktizierten Selbstliebe, positiven Affirmationen und der kraftvollen Entwicklung der Body Positivity Bewegung fällt es mir immer noch schwer, meinen Körper voll und ganz anzunehmen.

Mittlerweile darf ich zwar behaupten, dass das strenge Bewerten vor dem Spiegel nachgelassen hat. Doch diese Angewohnheit habe ich im Laufe meines Lebens einfach zu stark verinnerlicht, als dass ich sie vollständig ablegen könnte. In unserer perfektionistischen Gesellschaft muss ich mich immer noch anstrengen, dem ständigen Wunsch nach makelloser Schönheit zu widerstehen. 

Um zu mehr Selbstakzeptanz zu finden, habe ich weder Mücken noch Zecken gescheut und bin mit mir alleine in den Wald gezogen.

Der Wald hat so viele Facetten und Farben. All die Bäume, die schon unsere Vorfahren von ihren Gipfeln aus beobachten konnten. Die Riesen des Waldes, die so viel älter und weiser sind als wir. Jeder Baum, der ganz selbstbewusst seinen eigenen Weg in die Höhe findet und mit der Bewegung des Windes tanzt. 

Niemals würde ich einen Baum für seine zu krummen oder zu kurzen Äste verurteilen. Meine Beine aber schon!

Viele wissenschaftliche Studien belegen den positiven Einfluss des Waldes auf uns Menschen. Alleine schon ein 20-minütiger Waldspaziergang soll ausreichen, um unser Immunsystem zu stärken. Ich gehe noch einen Schritt weiter: Statt es bei einem Spaziergang zu belassen, suche ich den Weg zu mehr Selbstliebe durch ein Ritual im Wald. Ein Ritual, in dem ich mich mit der Ursprünglichkeit der Natur verbinde, in dem ich den Wald nackt betrete und mich wild und roh zeige.

Im Wald gibt es keine Spiegel: Ein Selbstliebe Ritual 2
© Inga Laumann

Nackt sein bedeutet für mich, mich verletzlich zu zeigen, auch vor mir selbst.

Meine ersten heilsamen Erfahrungen sammelte ich in der Sauna oder beim Schlafen ohne Kleidung. So entdeckte ich für mich, dass wir alle natürliche Wesen sind und so richtig, wie wir eben sind: alle gleich und doch für sich individuell. Immer mehr kam in mir der Wunsch auf, nackt in der Natur zu sein. Was für die Freikörperkultur im Osten Deutschlands ganz normal ist, war für mich, als ursprünglich spießige Münsterländerin, ein mutiger Schritt.

Nachdem ich mir im Wald ein gemütliches Nest gebaut habe und mich mit der Umgebung vertraut gemacht habe, begebe ich mich nackt ganz vorsichtig auf allen Vieren über den Waldboden. Blätterrascheln, Äste pieksen meine entblößte Haut. Angstgedanken von Spinnen und anderen „ekligen“ Krabbeltieren breiten sich in mir aus. Bevor Panik in mir aufkommt, halte ich inne, atme, werde ganz achtsam und es wird still in mir.

Mein natürlicher Instinkt wird wach.

Auf einmal fühle ich mich wie ein wildes Tier, welches aufmerksam in das Flüstern des Waldes hinein spürt. Die Neugierde übertrifft meine Angst. Ganz sanft berühre ich mich und werde durchflutet von Dankbarkeit. Eine unglaubliche Liebe für meinen Körper und die kraftvolle Natur um mich herum durchströmt jede Zelle meines Körpers. Diese Natur, die wächst und ihren Weg ganz von selbst findet. Kein Hinterfragen, kein Vergleich. Jedes Blatt ist auch “nur” ein Blatt von vielen und doch einzigartig so wie wir Menschen.

Zwischen all den starken Bäumen und dem Waldboden spüre ich, wie zart meine Haut doch ist.

Es ist der Kontrast vom rauen Waldboden zu meiner Haut, der mich meine Liebe zu meinem Körper spüren lässt. Ich habe schon öfter im Wald gesessen und gestaunt, doch durch meine Nacktheit, integriert in ein Ritual, fühle ich mich mit meiner wahren Natur viel stärker verbunden. Es ist ein Weg zu mehr Liebe für das große Ganze, zur Hingabe an alle Facetten meines wilden Lebens! 

Innerlich werde ich vollkommen weich. Mit gespitzten Ohren, geschärfter Wahrnehmung und dem Waldboden unter meinem nackten Körper werde ich mit meiner kompletten Verletzbarkeit konfrontiert. Hier bin ich ganz roh, meine nackte Seele sowie mein bloßer Körper im Wald. 

Mein schutzloser Körper lässt etwas Mütterliches in mir aufkommen. Ich sitze da, als ob ich gerade frisch auf die Welt gekommen wäre. Alles ist neu für mich! Auf einmal fühle ich so viel Verständnis für meinen eigenen Weg, mein ganz individuelles Sein, dafür, dass sich mein Alltag manchmal wie ein Überlebenskampf anfühlt.

Außer Spinnen, Käfern und vielen zwitschernden Vögeln ist weit und breit niemand.

Schnell gewöhne ich mich an die Krabbeltiere und vertraue darauf, dass sie nicht in diverse Körperteile wie meine Muschi krabbeln wollen. Dann kreuzt sogar ein kleines Rehkitz mein Selbstliebe-Ritual. Ich fühle mich als Teil des Waldes und durch meine innere Ruhe und Allverbundenheit kommt das Rehkitz sogar bis auf wenige Meter zu mir heran – einfach magisch! 

Der Nachmittag im Wald hat mich geerdet und auch, wenn es zu Anfang etwas Mut gekostet hat, komplett nackt durch den Wald zu ziehen, hatte dieses Erlebnis eine transformierende Wirkung auf mein eigenes Körperbild.

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Jetzt hast du vielleicht auch Lust auf ein Wald- und Selbstliebe-Ritual.

So kannst du dich und deinen Körper feiern und dich mit der Natur verbinden.

  • Sprich deine Intention laut aus: Was ist der Grund für dein Ritual? Was wünscht du dir vom Wald, was möchtest du mitnehmen? 
  • Verbinde dich mit den Kräften des Waldes. Bitte um Einlass und deine geistlichen Supporter*innen um Schutz und Führung 
  • Vielleicht magst du dem Wald ein kleines Geschenk mitbringen: Einen Stein oder etwas anderes Bedeutsames und biologisch Abbaubares 
  • Lasse dich von dem Wunsch leiten, dich voll und ganz der Natur hinzugeben. Klar, Spaziergänger*innen und andere Störfaktoren gibt es überall. Doch deine Intuition führt dich bestimmt einen abgelegenen, wunderschönen Ort!
  • Ja, ich habe auch Angst vor Zecken und auf Mücken keinen Bock, auch nicht auf Spinnen. Doch all das sind die Bewohner des Waldes. Sie sind Teile der Natur, so wie du und ich. Um dich zu schützen und dich entspannt dem Ritual hinzugeben, packe Anti Mückenspray ein
  • Baue dir ein sicheres Nest im Wald, wo du deine Kleidung lassen kannst und nimm dir eine gemütliche Decke mit, um nach deiner nackten Selbsterfahrung in Ruhe deine Erlebnisse zu integrieren 
  • Feiere das Ende eines Rituals genauso wie den Beginn: Danke dem Wald und der Natur für all ihre Wunder und danke dir hier auch selbst für deinen Mut und all die Selbstliebe, die du für dich aufbringst 

Ich merke immer wieder, wie gut es meinem Geist tut, andere Perspektiven einzunehmen. 

Irgendwie logisch, dass es  auch meinem Körper guttut, wenn dieser neue Sinneserfahrungen erleben darf.

Meine Erlebnisse im Wald sind immer magisch und doch gleichzeitig das normalste der Welt. Denn wir sind ein Teil der Natur. Wir sind einzigartig und genau so, wie wir sein sollen. 

Du willst auch eine gratis Portion Selbstliebe? Ab in den Wald!

Na los, trau dich! 

Deine Inga

Titelbild © Inga Laumann

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