Sexcoaching: Selbstermächtigung durch Yoni Mapping & Co.

Die Suche nach uns Selbst ist eine Bewegung des Mainstreams geworden, die offenbar auch nicht mehr an der Bettkante halt macht. Zuerst sind alle Yogalehrer*innen geworden. Dann Life Coaches. Und jetzt scheint es eine unhaltbare Flut an Sexualtherapeut*innen, Sexarbeiter*innen und Tantramasseur*innen zu geben.

Sex ist schon längst nicht mehr nur ein Ventil körperlicher Anspannung, Bestätigungsmechanismus an schlechten Tagen oder rein genitaler Lustbereiter.

Sondern viel mehr ein weiterer – und zugegebenermaßen äußerst reizvoller – Weg zur Selbstverwirklichung.

Innerhalb dieses Artikels gehe ich mit dem Trend Sexcoaching ein wenig auf Tuchfühlung, wobei ich mich selbst in die Hände dreier Profis begab und zum Schluss noch mal selbst Hand anlegte. Als ich einem Freund von meinem Vorhaben erzählte, meinte der:

“Geil, Sexcoaching. Lernst du da wie man’s richtig macht und noch ein paar Tricks und Kniffe um super gut im Bett zu sein?”

Ich lachte. Denn klar, so könnte man das auch verstehen. Wer allerdings glaubt, beim Sexcoaching ginge es darum, ein*e großartige*r Liebhaber*in zu werden, liegt weit daneben.

Sexualcoaching ist im Gegenzug zu klassischer Sexualtherapie stark körperorientiert und  bezieht mehr oder eben eher minder das Verbale mit ein. Anstelle der Narrative sogenannter sexueller Störfaktoren wird ein praktischer Erfahrungsraum (auch) sexueller Themen eröffnet, indem Verurteilung und Schubladen nicht existieren.

Der Körper wird zum Forschungspartner der eigenen Erkenntnisreise.

Er weiß bereits alles und wir treten innerhalb dieses Lernraumes in den Dialog mit ihm. Mittels diesen authentischen Dialogs erschaffen wir eine Möglichkeit zum eigenen und auch einzigartigen Ausdruck unserer Sexualität hin zu mehr Lust und Lebenskraft. Los geht’s.

Station #1: Sexological Bodywork mit Nino Mar Seliz

Ich hatte Nino bei einem Workshop kennengelernt, den er zum Thema Ganzkörpermasturbation leitete. Seine bedingungslose und unbeirrbare Präsenz imponierte mir und so beschloss ich, mein sexuelles Abenteuer mit ihm zu beginnen.

Nino erklärt mir im Vorgespräch, Sexological Bodywork sei eine Art Schnittstelle zwischen themenbezogener Gesprächstherapie und freier somatischer Erkundungstour der Möglichkeiten. Er sagt, wir alle seien häufig so festgefahren und beeinflusst in der Wahrnehmung und Erfüllung sexuell normierter Rollen, wodurch uns unendlich viel individuelles Entfaltungspotential entginge.

Darüber hinaus unterlägen viele noch immer dem Glaubenssatz, jemand anders sei verantwortlich für unsere Lust oder, vice versa, wir wüssten, was den anderen um den Verstand brächte à la “Hey Baby, ich weiß genau was du brauchst!”. Natürlich sei dem aber nicht so.

Nino geht es darum, einen Transformationsraum zu bieten, in dem wir uns vom Müssen wegbewegen hin zu Neugierde und Öffnung.

Und uns unserer eigenen Sexualität samt Vorlieben, Grenzen und auch Motivationen bewusst werden und unsere vielen verschiedenen Anteile willkommen heißen.

“Wir müssen lernen innehalten zu können, um unsere eigenen Bedürfnisse zu erkennen.” – Nino Mar Seliz

Dann bin ich an der Reihe, zu erzählen. Worum es bei mir denn gerade so ginge. Nun, ich komme an diesem Tag just aus einem Streit mit Volker zu Nino und nicht aus dem Plappern und Monieren heraus. Er hört mir aufmerksam zu, während ich bestimmt 30 Minuten rede. Ich beende mein Plädoyer damit, dass ich nun aber auch nicht wisse, ob das überhaupt hier hin gehöre, schließlich sei das co-abhängig zu einer anderen Person. Nino beschwichtigt mich:

“Sexualität, Beziehung und Identität gehören allesamt zusammen!”

Wir atmen erst mal gemeinsam. Aufmerksamkeitsarbeit sei essentieller Bestandteil des Sexological Bodyworks. Wahr- und Annehmen. Um all die angestauten Energien wieder ins Fließen zu bringen, schütteln wir uns eine Runde. Dann lege ich mich auf die Liege.

Nino leitet mich durch eine Visualisierung. Wir gehen tief in meinen Körper und ich folge den entstehenden Bildern wachsam. Immer wieder werde ich dazu ermutigt, meine Körperempfindungen zu beschreiben und zu lokalisieren. Dann fragt er mich, ob ich berührt werden möchte und wenn ja, wo und wie. Ich erfahre, dass beim Sexological Bodywork alles meiner Ansage folgt und ich sagen muss und darf, was ich brauche und mir wünsche. Ein schöner Ansatz, denke ich mir und ein Learning, das wir uns alle gut mit nach Hause nehmen können.

Ich bleibe an diesem Tag angezogen. Nacktheit oder intime Berührung ist nicht obligatorisch beim Sexological Bodywork und geschieht häufig erst in einer weiteren Session, lerne ich von Nino. Ich war auch noch etwas schüchtern, denke ich.

Es folgt ein abschließendes Gespräch, in dem ich meine Erkenntnisse und Gedanken teile und auch noch mal guten Spiegel und inspirative Perspektiven von Nino erhalte. Ich gehe an diesem Abend klüger nach Hause.

Station #2 – Tantra Massage mit Iva Samina

Ich war schon vor längerem auf Ivas und Brittas Sexualarbeit und deren breites Angebot aufmerksam geworden und sehr glücklich, als sie noch einen Termin für mich in ihrem Kalender fanden. Bei Iva und und in ihrem sehr schönen Studio angekommen unterhalten wir uns zunächst angeregt und ausgelassen. Sie arbeitet schon seit vielen Jahren in diesem Segment und ich frage sie, was sie dazu bewogen hat:

“Ich liebe es Menschen zu berühren und die Masken herunter zu nehmen” – Iva Samina

Sie sei schon immer neugierig und abenteuerlustig gewesen und in der Sexualität könne man niemals auslernen. Das gefällt ihr. Sie sagt, Sex sei etwas, das uns alle betrifft — und wo der größte Blödsinn passiert. Warum frage ich sie. Sie meint, dass Angst, Mangelgefühl, Kontrolle und nicht zuletzt das Patriarchat und die Weltreligionen unsere Sexualität, die Weiblichkeit und das Thema Geburt jahrhundertelang unterdrückt haben.

Unsere Genitalien seien funktionalisiert worden und unser Sex orgasmusfixiert. Die Aufklärung würde heute von Pornos übernommen. Ein Schaden entsteht.

Iva hingegen sieht in der Sexualität einen Erleuchtungsweg. Dafür müssten wir ganz klar die Geschwindigkeit herausnehmen und in die momentane Wahrnehmung gehen. Sie wünscht uns allen eine erfüllte Sexualität, in der wir uns vollständig entfalten, ergebnisoffen dem Liebestanz hingeben, unsere Herzen lachen und wir ein Gefühl von Fülle verspüren.

“Wenn alle sexuell erfüllt wären, hätten wir morgen eine andere Welt!” – Iva Samina

Dabei geht es auch um die Bewusstseinserweiterung. Denn in einer erfüllten Sexualität kommen gleichweise alle Schatten und Traumata hoch, wodurch wir lernen können und müssen, in die Eigenverantwortung zu gehen und zu wachsen.

Iva macht auf mich einen wirklich engagierten Eindruck. Ihre Vision ist klar und ihre Worte warm. Wir reden über mich und meine momentanen Bedürfnisse. Ich sage ihr, dass ich mich gerne mal komplett fallen lassen möchte; jegliche Kontrolle abgeben.

Sie schlägt mir eine intuitive Tantramassage vor und erklärt mir, dabei ginge es komplett um das Dienen, da sie während der Session ganz in die Verehrung meines Körpers und meines Seins ginge.

Der Zauber der Tantramassage läge in der Absichtslosigkeit der Berührung, in der ich einfach nur empfangen darf.

Gleichwohl die Langsamkeit mache einen völlig neuen Raum auf.Also dusche ich mich noch einmal ab und werfe mir einen Lungi um. Iva geleitet mich zurück in den Raum, wo ich mich auf eine durch eine darunterliegende Wärmedecke sehr mollige Matratze lege. Auch sie trägt jetzt einen Lungi und fragt mich noch einmal explizit um die Erlaubnis, mich überall berühren zu dürfen. Ich bejahe und schließe die Augen.

Iva beginnt, mit viel schön warmen Öl meine Arme zu massieren, entknotet dann mein letztes Stückchen Stoff und massiert sinnlich und zärtlich meine Brüste. Ich stehe sonst persönlich nicht so sehr auf Busenberührung und bin überrascht, wie sehr ich Gefallen daran finde. Über meinen Bauch arbeitet sich sie langsam in Richtung meiner unteren Körperhälfte.

Ob sie sich nun zwischen meine Beine setzen dürfe, fragt sie. Ich bejahe wieder und positioniere meine Beine um ihre Hüfte. Da liege ich nun völlig offen und gespreizt. Es ist der erste Moment, da mir auffällt, dass mich gleich zum ersten Mal eine Frau und auch eine Fremde intim berühren wird.

Iva legt zunächst ihre Hand behutsam auf meine Vulva und verweilt dort.

Ich entspanne mich. Dann fängt sie an mit wiederum viel Öl meine äußeren Labien zu massieren. Eine ungewohnte Berührung, die aber auch wieder Wohlgefallen bei mir auslöst. Allmählich und zart wandern ihre Finger immer zentrierter entlang meiner äußeren Vulva. Irgendwann bleibt sie länger an meiner Klitoris und umstreift diese in einer monotonen langsamen Bewegung. Eine sanfte Lust entsteht in meinem Körper.

Der praktische Teil einer Tantramassage dauert eigentlich gute zwei Stunden und schließt wenn gewünscht auch eine innerliche Berührung mit ein. Doch wir haben so lange geredet und ich erwische mich, wie traurig ich bin, als die Massage ein für mich zu zeitiges Ende findet. So sehr habe ich es genossen. Iva verlässt den Raum und lässt mich in dieser Schwingung schweben. Mein Körper kribbelt.

“So bin ich noch nie berührt worden.” – geistert es mir durch den Kopf.

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Station #3 – Yoni Mapping mit Mareen Scholl

Auch Mareen hatte ich schon länger auf meinem Radar; mit großem Respekt für ihre emanzipatorische und mutige Aufklärungsarbeit. Als ich sie dann zu unserer Session traf, war sie ganz so, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Eine betörende Mischung aus kühler Eloquenz und Intelligenz sowie warmherziger Aufmerksamkeit und vollkommener Unvoreingenommenheit.

Zu Beginn reden wir ganz allgemein über sexualtherapeutsche Anstätze. Mareen sagt, es müsse in allererster Linie ein Bedürfnis, eine Neugierde, ein Interesse seitens des*r Klient*in bestehen, weiter in die Tiefe zu gehen. Das somatische Lernen habe immer ein konkretes Thema als auch Lernziel, die beide vom/von der Klient*in selbst entschieden werden. Es ginge darum, den Menschen in Kontakt mit sich zu bringen, um eigene Impulse zu finden und auch kommunizieren zu können. Sie mache dabei lediglich Angebote. Die Sessions entstehen in Ko-Kreation und aktiver Absprache.

“Ich kann zwar meine Wahrnehmung einbringen, ich darf aber nie lediglich von meinem eigenen Fühlen und meinen eigenen Annahmen ausgehen.” – Mareen Scholl

Die Empfindung oder die Bedeutung für den*die Klient*in, nicht zuletzt von intimer Berührung, könne immer eine andere sein. Außerdem gehe es darum, in einen Kontakt oder eine Berührung zu kommen, die nicht einfach nur OK, sondern wirklich gewollt ist. Das nenne man im Fachjargon “enthusiastischen Konsent” und bilde ein fundamentales Gerüst ihrer Arbeit.

Mareens Ziel ist die Etablierung sexueller Gesundheit und Bildung.

Dabei bedeute ersteres auch eine selbstbestimmte Sexualität zu leben mit dem Recht auf freien sexuellen Ausdruck und freie sexuelle Orientierung. Auf der individuellen Ebene meint sie, dass jede Sexualität völlig gesund und in Ordnung sei, solange sie konsensual ist und einen selbst befriedigt und positioniert sich damit klar gegen die Pathologisierung sexueller “Abnormitäten” in der klassischen Sexualtherapie sowie den gegenwärtigen Selbstoptimierungstendenzen in der Gesellschaft. Ob man sich seiner eigenen Sexualität tiefergehend widmen wolle oder nicht, sei eine Frage, ob man darin Erfüllung finde.

Als ich sie abschließend frage, was Sexualität für sie bedeutet, antwortet Mareen: “Sexualität ist Lebendigkeit im eigenen Körper in jedem Moment.”

Wir kommen auf mich und mein Anliegen zu sprechen und entscheiden gemeinsam, ein sogenanntes Yoni Mapping zu machen. Übersetzt bedeutet das sowas wie eine Landkarte der eigenen Vulva zu erstellen. Dabei werden viele verschiedene genitale Punkte ertastet mit dem Ziel eine bewusste Körperwahrnehmung in vielleicht unbewussten Bereichen zu schaffen und das Gewebe zu entspannen.

Ein Yoni Mapping zielt vordergründig nicht auf Lust oder sexuelle Stimulation, auch wenn beides durchaus vorkommen kann. Durch das Gefühl der Erregung können jedoch Details der einzelnen Punkte mitunter nicht mehr konkret gespürt werden.  

Während des Mappings liege ich also wieder mit geöffnetem Schoß über Mareens Beinen und schließe wiederum meine Augen. Leichte Instrumentalmusik spielt im Hintergrund.

Mareen beginnt systematisch mit der Akupressur meiner äußeren Vulva.

Dabei sind wir die gesamte Zeit in Kommunikation und Austausch; ich solle ihr sagen, welche Punkte mich interessieren.

Da ich meine inneren Labien als nie besonders lustvoll empfunden und mich viele Jahre für deren Länge geschämt habe, bitte ich sie, diese zu massieren um eventuellen Gefühlen mal ganz bewusst auf den Grund zu gehen. Ich stelle fest, dass ich genau genommen da fast gar nichts fühle.

Mareen inspiriert mich, vielleicht mal Klammern dran zu hängen. Mir schauert es bei dem Gedanken. Aber sie erklärt mir verständlich, dass durch den damit herbeigeführten verstärkten Blutfluss auch mehr Gefühl in meine inneren Labien kommen könnte. Auf einmal klingt die Idee nicht mehr so abwegig.

Wir machen weiter und ich entscheide, dass sie rein gehen soll. Also führt Mareen behutsam ihre Finger in mich ein und beginnt in meiner Vagina verschiedene Punkte zu drücken. Ich erfahre, dass der G-Punkt gar kein Punkt, sondern eher eine Fläche ist.

Dann spielen wir eine Art Spiel. Ich solle mir vorstellen bei meiner Klitoris sei 12 Uhr; bei meinem Vaginaleingang 6 Uhr. Also hält Mareen Punkte an den Seitenwänden meines Vaginalinnenraumes und ich muss sagen wie spät es ist. Sie sagt, viele Frauen haben Schwierigkeiten, das akkurat zu spüren. Ich mache mich ganz gut.

Wir gehen weiter auf Entdeckungstour. Ich dachte eigentlich, dass ich durch meine Yoni Ei Praxis und die Benutzung der Menstruationstasse schon ein ganz gutes Bild von den verschiedenen Räumen in meiner Vagina hatte. Aber:

Mareen zeigt mir, dass ich ein 5-Zimmer Apartment in mir berge.

Gemeinsam erschließen wir so viele weiße Flecken und Schlupflöcher auf meiner Mumukarte; es ist großartig.

Manchmal verspüre ich ein flatteriges Gefühl tief in mir und frage Mareen, ob sie mich gerade innerlich kitzelt oder sowas. Aber nein; es ist mein Gewebe, das auf ihre Berührung reagiert und sich wogenartig höchst vital bewegt. Ein urkomisches und hochinteressantes Gefühl, finde ich.

Die Situation ist leicht irrwitzig, denke ich mir irgendwann. Ich habe Bilder von praktischem Aufklärungsunterricht in der Schule Klassenstufe 10 im Kopf und muss grinsen. Wäre das nicht eine wichtige Lektion, wenn es darum geht, unseren Körper besser kennen zu lernen? Schön, dass es heute die Möglichkeit gibt, diese Bildung nachzuholen.

Station #4 – Self Cervix mit mir selbst

All meine Stationen waren unglaubliche einprägsame Erfahrungen und großartige Inspirationen. Und dann kam die Zeit, in die Selbstberührung zu gehen.

Nachdem vor so zehn Jahren der G-Punkt – oder besser gesagt die G-Fläche – noch Anlass vieler kontroverser Unterhaltungen und Spekulationen über ihre Existenz bot, ist heute eines der brisantesten Themen die Zervix der Frau, oder auch der Gebärmutterhals.

Es heißt, der Gebärmutterhals solle uns lebensverändernde Orgamsmen bereiten.

Solche, in denen wir das Antlitz Gottes erblicken, in himmlische Sphären gebeamt werden und Wogen der Ekstase noch Tage danach durch uns wabern. Klingt großartig, nicht wahr?

Die Zervix galt sehr lange als kein Lustorgan und sogar als normalerweise taub. Viele Frauen verspüren höchstens Schmerz bei Berührung. Die Forschung rund um den Gebärmutterhals steckt noch in den Kinderschuhen, aber man geht davon aus, dass wir aufgrund von traumatischen Erlebnissen, falscher Atmung oder zu harter Penetration eine verkrampfte Zervix haben und so nie in den Genuss ihrer Geheimnisse kommen konnten. Das soll sich jetzt ändern.

Aber warum ist die Zervix so ein wunderprächtiges Lustorgan?

Im Gegenzug zu anderen lustvollen Bereichen wie Klitoris, Vagina oder G-Fläche enden in der Zervix drei Hauptnerven; unter anderem der Vagusnerv der nicht über das Rückenmark mit dem Gehirn verbunden ist und dadurch sogar querschnittgelähmten Frauen Orgasmen schenken kann. Außerdem ist die Zervix selbst mit einem Nervengeflecht überzogen. Warum also sollte sie angeblich taub sein?

Außerdem kann durch die Stimulation der Zervix das berühmt berüchtigte DMT ausgeschüttet werden, wovon viele vielleicht schon im Zusammenhang mit der Pflanzendroge Ayahuasca gehört haben und natürlicher Weise bei Geburt und Tod ausgestoßen wird. Dimethyltryptamin ist stark bewusstseinserweiternd und möge das wohl stärkste Aphrodisiakum der Zervix sein.

Bei einem sogenannten De-armouring oder auch Entpanzerung der Zervix wird diese ähnlich wie bei dem Yoni Mapping durch Druck gelockert und entspannt.

Ziel ist es, so einen entspannten Orgasmus zu erfahren, da wir gewöhnlicherweise während des Sex – mit anderen oder uns selbst – den Beckenboden anspannen, um zum Höhepunkt zu kommen.

Dadurch allerdings werden eher Dopamin und anschließend Prolaktin ausgestoßen. Eine Hormonmischung, die uns einen kurzen Kick gibt, bevor wir daraufhin müde werden. Nehmen wir uns hingegen länger Zeit und gehen in diesen entspannten Zustand, werden Serotonin und Oxytocin im Körper ausgeschüttet. Diese beiden Hormone schenken uns längerfristige Glückseligkeit und ein Gefühl von Verbundenheit.

Ich mache mich also an mich selbst heran und gehe in den Selbstversuch.

Für meine Self Cervix Session versuche ich es mir genauso schön zu machen, wie wenn ich dafür bezahlen würde. Ich warte auf die Dunkelheit und schicke den Mann außer Haus. Im Schlafzimmer zünde ich mir Kerzen an und lasse beruhigende Musik erklingen. Voll ins Klischee und in die Entspannung hinein.

Ich lege mich auf mein Bett und beginne zunächst meine Lippen und meine Brüste zu massieren. Diese stehen in direkter Verbindung mit unserem Beckenboden und ich bereite mir ein gutes Vorspiel. Ich wiege meine Hüfte um mich etwas zu lockern und atme tief und gleichmäßig. Schließlich beginne ich meine Vulva zu berühren bis ich das Gefühl habe, dass ich bereit bin, mich in mir selbst zu versenken.

Als Hilfsmittel nutze ich Gleitmittel und gehe zunächst mit meinem Mittelfinger auf die Suche nach meiner Zervix. Aber ich komme nicht weit genug; der Winkel ist schwierig und jede Vagina auch unterschiedlich tief. Ich nehme also meinen Kristalldildo zur Assistenz, der durch seine Härte ein Spitzengefährte für das De-armouring ist, und beginne mit diesem tief in mir verschiedene Punkte zu halten.

Zuerst verspüre ich äußerst unangenehme Gefühle.

Druck, Überreizung und auch Schmerz machen sich in meinem Körper breit. Ich werde etwas zarter mit mir selbst und bleibe dennoch dran. Und dann, irgendwann, verändern sich die Empfindungen. Ich spüre, dass mein Gewebe weicher wird und wohlige Wellen mich zu durchfluten beginnen. Im Gegenzug zu den 1:1 Sessions davor lasse ich mich jetzt in meiner Solosituation deutlich mehr gehen. Mein Atem wird schneller.

Ich habe einen Impuls, mich klitoral zu berühren und mich selbst zu befriedigen, widerstehe aber der Versuchung. Ich will diese Erfahrung in ihrer Reinheit machen und bin neugierig wie weit das geht. Allmählich fange ich an, intuitiv den Kristalldildo in kleinen Kreisen entlang meiner Zervix zu bewegen. Die Lust wird größer.

Im Überschwang komme ich allerdings dann wohl zu sehr in Fahrt und erreiche wiederum einen Punkt, der mir weh tut. Ich pausiere und komme sehr in meinen Kopf und in meine Gedanken. Also lasse ich es für heute gut sein und bleibe bestimmt 20 Minuten in meinem Bett liegen und spüre meinen Körper. Ich bin im wahrsten Sinne tief innerlich berührt.

Ein Resumée

Manch einer möge sagen, dass all dieses Angebot an sexueller (und persönlicher) Weiterentwicklung lediglich noch ein Syndrom der immer mehr steigenden Ich-Zentriertheit unserer New Age Spiritualität und Hippiezeit ist.

Nachdem ich das Privileg hatte, diese Bandbreite an verschiedenen Lernräumen kennenzulernen, bin ich von deren Wichtigkeit und Schönheit überzeugt. Wir haben die Möglichkeit unsere Sexulität auch mal zu entsexualisieren, um wiederum in einen authentischen und definitiv bereicherten Ausdruck unserer individuellen Sexualität zu kommen.

Wir lernen die Zeit raus zu nehmen und anstelle der Leistungs- und Ergebnisorientierung den Prozess bewusster wahrzunehmen und einfach zu entschleunigen. Das tut gut.

Am Ende geht alles um Selbstermächtigung oder noch schöner: Selbstwirksamkeit.

Werkzeuge und Wege an die Hand zu bekommen, all die Scham und Schuld aus diesem Bereich zu eliminieren und uns so eigenverantwortlich ein gutes Leben schaffen. Innerhalb und außerhalb des Bettes. Denn sexuelle Wesen sind wir überall.

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Titelbild © Katha Keli

Katharina wurde für ihre Berichterstattung zu den Sessions eingeladen. Insofern handelt es sich hierbei um Werbung.

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