Wie du unklare Lebensituationen besser meisterst

Zwischenland. Ich erinnere mich noch genau als ich dieses Wort, das so viel für mich ausdrückt, zum ersten Mal hörte. Es war vor etwa zehn Jahren während meiner Uni-Abschlussprüfungen an einem Sonntagnachmittag. Meine Mutter und ich waren am Waldesrand spazieren und ich klagte ihr mein Leid über meine miserable Lage als arme lerngeplagte Studentin, die überhaupt nicht wüsste, was sie eigentlich nach der Uni mit sich und dem Leben anfangen sollte. Im Gegensatz zu mir fand meine Mutter meine Situation wenig besorgniserregend, sondern ganz normal.

Du bist gerade im Zwischenland. Das Alte ist nicht mehr stimmig und das Neue ist noch nicht da.

Zwischenland also, dachte ich und blickte über das Feld, das mit leichten Nebelschaden überzogen war. Was für ein schönes Wort für eine so unangenehme Situation. Jetzt konnte ich meine Situation zwar benennen, den Ausweg kannte ich aber noch lange nicht.

Kennst du diese Lebensphasen?

Zwischen Studium und Arbeitsleben hatte ich extrem Zwischenland. Völlige Orientierungslosigkeit und keine Ahnung, welchen Weg ich nun einschlagen sollte. Mein Gehirn so wie der Nebel damals auf dem Feld hinter dem Haus meiner Mutter. Oder letztes Jahr, als ich einfach nicht mehr wusste, wo ich mit Fuck Lucky Go Happy und meinem Dasein als Yogalehrerin hinwollte. Ehrlich gesagt passiert Zwischenland ständig, manchmal gefühlt dramatisch und manchmal schnell vorübergehend, je nach Schwere der Situation.

Besonders oft höre ich Geschichten wie diese von Yoga-Schülerinnen. Der Job passt nicht mehr, obwohl die Kollegen super und der Job an sich auch völlig okay ist. Viel Yoga, die Coaching-Ausbildung oder die Reise nach Patagonien hingegen sind erfüllender denn je. Blöderweise passt es auch mit den „alten“ Freunden nicht mehr so richtig und in der Beziehung kracht es auch immer wieder und Unzufriedenheit macht sich breit.

Zwischenland passiert, wenn sich Lebenssituationen verändern. Oder verändert werden wollen.

Die gute Nachricht ist: Du bist nicht allein. Es geht uns allen so. Die schlechte Nachricht ist: Es gibt meistens keine schnelle Lösung. Leider. Denn das Gefühl, nicht zu wissen, wo man eigentlich hinsoll, ist aus meiner Sicht eines der grässlichsten Gefühle der Welt. Irgendwie auf der Suche zu sein ohne zu wissen, was man eigentlich sucht.

Mir ging es die letzten Jahre meistens so. Auch wenn das von Außen bisweilen anders aussieht. In Wahrheit hatte ich während Blog aufbauen, Yoga-Ausbildungen machen, die breite Palette an Selbsterfahrungs-Tools ausprobieren und den üblichen Alltags-Herausforderungen meistens keinen blassen Schimmer, wo das alles hinführen sollte. Natürlich gab es zwischendrin helle Momente, aber die große Klarheit, die ich mir immer wünschte tauchte nicht auf.

Die Leserin und Songwriterin Levke hat inspiriert von diesem Text einen sehr schönen Song über das Zwischenland geschrieben. Danke Levke, ich freue mich sehr.

Aktuell habe ich übrigens gerade eine sehr klare Phase und kann im Rückblick sagen, dass ja alles ganz gut gegangen ist. Trotz Nebel im Hirn. Oder vielleicht sogar deswegen? Gewissermaßen bin ich inzwischen Zwischenland-Profi und verrate dir, was ich in den letzten Jahren über die Phasen zwischen den Phasen gelernt habe.

Wie du mit Zwischenland besser klarkommst:

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Akzeptiere, dass du gerade keine Antwort hast: Es gibt offensichtlich etwas, das dich zurückhält den nächsten Schritt zu gehen. Das ist normal, gesund und wichtig. Solange du nicht weißt, wo du hingehen sollst, bleib doch noch ein bisschen, wo du gerade bist und ruh dich aus.

Vertraue, dass die Antwort kommt: Wenn die Zeit reif ist, kommen Antworten. Meistens dann, wenn man auch bereit ist, die Konsequenzen der Gedanken umzusetzen. Eine nicht auftauchende Antwort schützt uns auch vor Überforderung.

Gestehe dir die Zeit zu, die du brauchst: Du weißt schon, dass der Job oder der Mann weg müssen, kannst dich aber noch nicht zu einer Entscheidung durchringen? Dann ist da noch etwas, dass stärker ist, als der Wunsch nach dem Neuen. Sicherheit? Geborgenheit? Irgendwann wird der Moment kommen, in dem der Freiheits-Drang stärker als die Angst wird.

Wage den Sprung ins kalte Wasser: Okay, ewig warten ist auch nichts. Veränderung braucht einen Sprung ins kalte Wasser. Also nimm deinen Mut zusammen und hüpf.

Sei klar mit dir selbst: Auch wenn du dich entscheidest (noch) nicht zu springen, sei klar. Gib dir einen definierten Zeitraum, den du z.B. noch im alten Job oder der alten Wohnung bleibst. Nichts ist zermürbender und kraftraubender als jeden Tag „Soll ich oder soll ich nicht?“ zu spielen. Wenn der Zeitraum vorbei ist, kannst du die Situation nochmals neu überdenken.

Mein größtes Learning in Sachen Zwischenland ist: Die Antworten kommen irgendwann. In der Zwischenzeit ist es gut, Freunde, Coaches oder Therapeuten zu haben, die einen immer wieder daran erinnern, dass es okay ist, wie es gerade ist. Und einen ein Stückchen auf dem Weg begleiten.

Dein Mantra für diesen Monat: Alle Antworten kommen im richtigen Moment.

Unterschrift XOXO Rebecca_pink

 

 

 

 

 

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23 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Rebecca,
    wundervoller Artikel als Reflexion für 2016. Für mich war genau das ein Zwischenjahr und deine Übungen und Worte haben mich nochmal angeregt zu überlegen, was selbst in dieser Zeit vor allem auch geholfen hat.
    Danke von Herzen und einen guten Rutsch,
    Anne

  2. Das ist eine wunderbare Bezeichnung für diesen Zustand, egal wie sehr man mit sich im reinen ist und mit sich selbst beschäftigt, es kommen immer wieder Lebensphasen auf einen zu, wo was neues beginnt. Aber dieser Übergang vom alten zum neuen bringt auch immer etwas Unsicherheit mit sich. Ein schöner inspirierender Artikel, werde mir die Anleitung mir mal zu Herzen nehmen.lieben Dank.

  3. Liebe Rebecca,

    Wunderschöner Artikel und mal wieder Mitten ins Herz. Ich mag das Wort „Zwischenland“ sehr. Ich befinde mich in einer wirren Situation. In dem privaten Teil meines Lebens blühe ich voll kommen auf, da geht es mir gut, da geht es voran, da fühle ich mich wohl. Was den beruflichen Teil angeht, da befinde ich mich im Zwischenland. Ich fühle mich schwer, schiebe vieles auf, komme nicht voran. Es ist seltsam immer wieder aus dem Zwischenland raus und wieder hinein zu springen. Ich werde mir deine Tipps zu Herzen nehmen und hoffentlich 2017 wieder durchstarten können.

    Vielen Dank für den schönen Artikel und die ermutigenden Worte.

    Liebe Grüße,
    Marisa

  4. Meine Freundin hat mir den Link zu Deinem Artikel geschickt, da sie genau weiß, in welcher Situation ich mich derzeit befinde. Super Artikel! Wunderbarer Name „Zwischenland“. Ich kenne dieses „Zwischenland“ bereits, aber dem Ganzen einen Namen zu geben, auf die Idee bin ich nie gekommen. Mein Leben verlangt nach Veränderung… beim letzten Mal betraf es meine Beziehung und dieses Mal betrifft es meinen Job. Ich habe mich in Deinen Artikel widergefunden. Für mich steht fest: treffe ich eine ehrliche Entscheidung, für mich und die Situation, dann wird alles seinen Weg gehen. Ich vertraue darauf. Und da, wo ich mich gerade aufhalte, das hat jetzt auch einen (schönen) Namen: Zwischenland.

    Danke!

    Herzliche Grüße aus Hamburg
    Gaby

  5. Liebe Rebecca,
    Das passt ja wieder wie für mich geschrieben, verrückt! Herzlichen Dank für diesen schönen und mutmachenden Artikel! Mal sehen was mir dieses Zwischenland-Jahr 2016 noch bringt.
    Herzliche Grüße,
    Anne

  6. Liebe Rebecca,
    ja das klingt gut, was für ein schöner Name. Auch ich war dieses Jahr eine Weile da, aber jetzt ist alles gut.

    Was auch gut hilft, 10 Tage 3 x am Tag „Inspiration“ singen, man bekommt viele tolle neue Idee`n und kommt schneller raus aus dem Zwischenland.
    In diesem Sinne Namastè, alles wird gut.
    Ich wünsche allen eine schöne Weihnachtszeit und ein glückliches zufriedenes neues Jahr und vielen lieben Dank an Rebecca, du machst das ganz toll.
    Liebe Grüsse Kerstin

  7. Liebe Rebecca,
    als ich deinen Artikel auf Facebook gesehen habe, musste ich sofort draufklicken und lesen.

    Jeder von uns kennt diese Situation. Dieses Gefühl, dass nichts vorangeht. Dieses Gefühl, das deinen Körper so richtig schwer werden lässt und du dich irgendwie gelähmt fühlst. Und gerade wenn die Tage kürzer und kälter werden tritt dieses Phänomen besonders auf – auf jeden Fall bei mir.

    Zwischenland ist wirklich so ein wunderschönes Wort dafür. Ein Wort, das dieser Phase im Leben, diesen starken negativen Klang nimmt. Und dazu motiviert, Frieden mit der Situation zu schließen. Sie so anzunehmen wie sie gerade ist. Und sie nicht bekämpfen zu wollen. Ich finde es einfach nur super!

  8. Liebe Rebecca,

    danke für Deine tollen Zeilen… Zwischenland – ein Wort für meine derzeitige Welt. Ein schönes Gefühl, mein momentanes Sein benennen zu können.

    Ich wünsche Dir eine wunderbare Adventszeit.
    Jessica

  9. Liebe Rebecca,

    was für ein toller Artikel, den ganz eindeutig so unterschreiben kann!
    Endlich ein Wort für diese Phasen und einfach schön zu lesen, dass man nicht allein ist. Ich kann Markus nur beipflichten, es ist auch mein Wort des Jahres.
    Lg Kathrin

  10. Guten Morgen Rebecca,
    endlich, …. endlich …. endlich eine Vokabel, einen friedlichen Namen, für eine diffuse Gefühlswolke, „Zwischenland“ klingt bunt. Hat Grenzen. Hat eine Daseinsberechtigung.
    Für mich das Wort des Jahres 2016 :-).
    1000 Dank,
    lG,
    Marcus

  11. liebste rebecca,
    dieser satz, dass „das alte nicht mehr passt und das neue noch nicht richtig da ist“ – bumm in mein herz geschossen ! genau diese worte brauchte ich, um zu realisieren, dass ich gerade wieder im zwischenland rumdümpel. und ich kann dir sagen, das zwischenland klopft zwar oft an meine tür, jedoch mag ich seine besuche gar nicht leiden. aber hilft ja allet nix – also übe ich mich jetzt im akzeptieren und vertrauen, dass die antworten bald angepurzelt kommen.

    <3 danke dir sehr für diesen text!
    helen

  12. Zwischenland klingt wunderbar und diese Zeit kann auch ganz wunderbar sein: neugierig abwartend, aktiv ausprobieren, liebevolles erkennen.
    Also auf zu neuen Ufern!
    Danke für diese herrliche Beschreibung

  13. Vielen lieben Dank, Rebecca, für diesen schönen, ermutigenden Artikel!
    „Zwischenland“ ist ja ein wunderbarer Begriff – er haucht dem als unbefriedigend erlebt Zustand des Nicht-Wissens & Wartens einen gewissen Zauber ein.
    Ich finde, auch das „Zwischenland-Betreten“ und dort ne Weile verharren kann man tatsächlich lernen. Ich versuche mehr und mehr in den Zustand des Empfangens zu kommen und mich zu fragen: „Was will das Leben jetzt von mir?“
    Schöne Adventstage dir & deinen Lesern wünscht
    Carolin

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