OM Chianti: Darf ich als Yogi Alkohol trinken?

„Alkoholfreies Bier, echt jetzt?“ Meinem Kumpel aus München fallen fast die Augen aus dem Kopf, als ich beim Inder um die Ecke alkoholfreies Bier bestelle. Es ist Sonntagabend, ich war den ganzen Tag am See und freue mich schon die ganze Zeit auf mein heißgeliebtes Alkoholfreies. Ein bisschen ärgere ich mich über den Kommentar meines Kumpels. Er diskutiert mit mir gerne alle Klischees, die über Yogis so existieren – vom Veganismus über bunte Leggings bis hin zum Party-Verhalten.

Deshalb halte ich die Klappe, nehme einen kräftigen Schluck von meinem Heineken 0.0 und beschließe die Frage „Passen Yoga und Alkohol zusammen?“ endlich schwarz auf weiß zu beantworten.

Yoga Alkohol_chutnify

Einerseits würde ich sagen: Klar dürfen Yogis Alkohol trinken.  

Die Yoga-Praxis dient schließlich der Wahrheits-Suche und in vino veritas. Ich kann das aus persönlicher Erfahrung bestätigen: Ein paar Gläser mit meiner besten Freundin haben mich schon oft um wichtige Erkenntnisse bereichert und der Wahrheit ein großes Stück näher gebracht. Näher als so mancher herabschauender Hund auf der rutschfesten Yoga-Matte. 

Außerdem wird bei diesen Treffen meistens soviel über Yoga geredet, dass unsere Weinabende definitiv als Satsang durchgehen. Satsang, also das „Zusammensein von Menschen, die durch gemeinsames Hören, Reden, Nachdenken und Versenkung in die Lehre nach der höchsten Einsicht streben“ (Definition via wikipedia), gilt als eine der wichtigsten yogischen Praktiken und soll sehr direkt zur Erleuchtung führen.

Yoga Alkohol_smile

Doch man muss sich nicht unbedingt die Yoga-Philosophie zurechtdrehen, um gelegentliche Weinabende zu rechtfertigen.

Yoga findet mitten im Leben statt. Mit allem, was dazu gehört.  

Was bringt es, wenn wir uns abschotten hinter Ashram-Mauern oder in Yoga-Cliquen zu grünen Smoothies und Linsensuppe hübsch geschmückte Altäre anzubeten? Das Reizvolle an der Yoga-Praxis ist doch, dass man die Essenz der Lehre immer und überall leben kann.

Natürlich ist es wichtig, von Zeit zu Zeit Innenschau zu halten, dem Alltag zu entfliehen und voll in die Yoga-Welt einzutauchen.

Das wahre spirituelle Wachstum erkennt man aber daran, wie gut sich die gewonnenen Einsichten auf das tägliche Leben übertragen lassen. Daran, dass die Beziehungen zu sich selbst und der Welt um sich herum plötzlich liebevoller werden. Daran, dass man unbekannten Ideen mit mehr Offenheit begegnen kann. Daran, dass das eigene Herz weicher wird – und nicht daran, ob man raucht, Alkohol trinkt oder gerne tanzen geht.

Gerade den Luftikus-Yogis, deren Leben sich ausschließlich um die Praxis dreht, was man wann isst oder wo man übt, möchte ich bisweilen gerne einen Schnaps verordnen. Yoga kann so krampfig werden, ja eng machen statt frei und glücklich.

Auf der anderen Seite haben die strengen Yogis auch Recht: Schnaps auf Chaturanga ist keine gute Idee.

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Hast du schon mal vor einer fetten Party eine knackige Asana-Klasse besucht? Falls nicht: Lass es lieber bleiben! Oder halte dich dem Alkohol fern. Denn der wirkt gefühlt dreimal so stark.

Leider haben meine Recherchen, warum das so ist keine zufriedenstellenden wissenschaftlichen Ergebnisse geliefert. Meine persönliche Theorie ist, dass wir durch eine regelmäßige Yoga-Praxis feiner werden und selbst kleine Irritationen im Körper stärker wahrnehmen. Zuviel Alkohol sorgt bei mir dafür, dass ich sehr schlecht schlafe, mich gleich mehrere Tage hundelend fühle – und keinen Bock auf Üben habe.

Was wir nicht vergessen dürfen: Alkohol vernebelt die Wahrnehmung. 

Und das ist genau das, was man als Yogi nicht will. Die Yoga-Praxis soll schließlich den Geist klären und helfen, sich selbst und die Fülle in und um sich zu spüren. Das mit zu vielen Drinks kaputt zu machen ist schlichtweg kontraproduktiv. Wozu dann die ganze Arbeit?

Wie ich das Alkohol und Yoga Thema für mich gelöst habe.

Natürlich gehe ich nach wie vor gerne aus und gönne mir ab und an einen Drink. Es gibt ja auch ein Leben jenseits der Yogamatte, das man nicht vernachlässigen sollte.

Trotzdem: Ohne Alkohol ist die Praxis besser. Punkt. Denn Alkohol beraubt dich der wunderschönen Nebeneffekte deiner Yoga-Praxis. Du fühlst dich auch jenseits der Matte weniger im Flow und tendenziell nicht so energiegeladen. Für mich ist das ein hoher Preis. Deshalb trinke ich viel weniger als früher.

Als Sommerdrink für milde Nächte habe ich alkoholfreies Bier für mich entdeckt.

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Zuckerige Limos oder Säfte waren noch nie mein Ding. Ich bin halt ein bayrisches Madel! So gesehen ist es ein Segen, dass alkoholfreie Biere nicht mehr schmecken wie vor 20 Jahren auf Zimmertemperatur bei Oma und Opa am Esstisch. Im Gegenteil: Spätestens seit letztem Sommer ist Alkoholfreies wieder salonfähig und unheimlich lecker geworden.

Inzwischen bin ich übrigens auch Kennerin, was die alkoholfreien Biere angeht. Seit mir eine Kiste des brandneuen Heineken 0.0 gesponsert wurde, gehört das auf jeden Fall zu meinen Favoriten. Es schmeckt angenehm würzig, frisch und wurde ausschließlich aus natürlichen Zutaten gebraut. Ich hoffe, es zieht bald ins Kühlregal des Spätis meines Vertrauens ein.

Den Kommentar meines Kumpels aus München konnte ich übrigens doch nicht auf mir sitzen lassen. Er ließ sich sogar von mir überzeugen, mal einen Schluck von meinem Heineken zu probieren. Und siehe da: Er musste sein vorschnelles Urteil zurückziehen und mir beipflichten: Alkoholfreies Bier schmeckt. Und nächste Woche, da will er mit mir zum Yoga. Das wird dann wohl so aussehen…

OM Shanti und Prost!

Deine Rebecca

Fotos: Nadezdha Georgiewa
Im Falle dieses Beitrages wurden wir für unsere Arbeit bezahlt. Diesmal von Heineken.

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5 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Da muss ich gerade ans Corfu Beer Festival denken ;) … everything in moderation und ja alkoholfreies Bier hab ich auch in Korfu lieben gelernt…

  2. Liebe Rebecca,

    Ein weiterer Artikel, der den ganzen Yoga Zwang schön unter die Lupe nimmt. Man fragt sich, was wirklich das Ungesunde ist? Hin- und wieder mal ein Bier mit Blick auf den See zu genießen oder andere Menschen für ihren Lebensstil zu verurteilen und sich abzuschotten?

    Ich bin Yogini, ich trinke zwar keinen Alkohol, weil dieser mir nicht schmeckt und mich in meinem sehr aktiven Leben eher einschränkt – dafür liebe ich Süßigkeiten und nasche gern. Und wie oft mich dazu schon gefragt wurde: Du bist doch Yogini? Das passt ja gar nicht! Da lebt man doch viel gesünder?

    Anfangs habe ich mich noch aufgeregt, jetzt lass ich es gut sein. Ich fühle mich nicht schuldig aber ich denke man sollte seine Grenzen kennen. Ist einem die Yogapraxis sehr wichtig, können diese kleinen „Schwächen“ halt auch hinderlich sein. Aber da kommt man selbst dahinter. Wenn ich mir vorher den Bauch mit Kuchen vollgeschlagen habe, lass ich das sein mit der Asana Praxis. Und da muss man dann anfangen abzuwägen.

    Danke für deinen tollen Artikel!

  3. Hi Rebecca,
    toller Artikel. Danke, dass du es endlich mal auf den Punkt bringst. Ich lebe in Franken, inmitten der größten Brauereidichte der Welt, und könnte jeden Tag ein neues Bier probieren. Aber der Sonnengruß am Morgen danach ist dann eben ein jämmerlicher Trauerakt und hat eher den Effekt, dass ich gefrustet nach drei Durchgängen die Matte wieder einrolle – mit hängenden Schultern und dröhnendem Schädel. Auf die Idee, ab und zu mal ein Alkoholfreies zu genießen, bin ich auch schon gekommen, habe mich aber noch nicht so recht herangetraut. Jetzt fühle ich mich aber bestärkt, dieser Alternative eine Chance zu geben. Danke für den Heineken-Tipp! Ich kann auch guten Gewissens dieses Bier hier empfehlen: https://www.lammsbraeu-biobier.de/bio-biere/kategorie/alkoholfreie-bio-biere/
    Wird es wohl aber auch nicht in deinen Späti schaffen, weil regional. ;)
    Und noch ein Tipp: Die Mädels von http://www.alkoholfrei-trinken.de/ testen sich quer durch alle alkoholfreien Getränke und schreiben recht locker über ihre Erfahrungen. Lohnt sich!
    Namaste und lieben Gruß, Jessi :)

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