Warum wahre Selbstliebe dort anfängt, wo es weh tut

Wir wissen es mittlerweile alle. Ohne Selbstliebe geht gar nichts. Ist kein stabiles Fundament an Selbstliebe vorhanden, wirst du dein Leben lang auf der Flucht vor dir selbst sein und einen radikalen Kampf um die Liebe deiner Mitmenschen führen, den du nie gewinnen kannst. Es ist nicht die Aufgabe deiner Mitmenschen, dich zu lieben, es ist deine. Punkt.

Ich gehe davon aus, dass dir die große Bedeutung von Selbstliebe absolut bewusst ist. Großartig! Als absoluter Selbstliebe-Junkie will ich dir die Vorteile von Selbstliebe noch einmal kurz und knackig vor Augen führen:

Beschreitest du den Weg Richtung Selbstliebe, machst du dich Stück für Stück frei von einem Leben, in dem du eingepfercht von Erwartungen deiner Mitmenschen und deines eigenen strengen inneren Kritikers zu funktionieren versuchst. Frei von einem Leben, in dem du deine eigene innere Wahrheit den gesellschaftlichen Normen aufopferst. Frei von einem Leben, in dem du deinen Selbstwert aus Bestätigung und Anerkennung im Außen beziehst. Wie schön das klingt! Und wie einfach die Umsetzung scheint, wenn wir uns jeden Tag beim Blick in den Spiegel mit dem Mantra „Ich liebe mich“ begrüßen und uns dabei auch noch ein freundliches Lächeln abringen.

Nichts gegen diese Methode – je mehr Selbstliebe-Impulse wir in unseren Alltag einbauen, desto schneller machen wir unserem oftmals trägen Bewusstsein begreiflich, dass es uns tatsächlich selbst lieben darf.

Doch aus meiner Wahrnehmung ist der Weg in die Selbstliebe ein bisschen mehr als das „Ich liebe mich“ beim morgendlichen Zähneputzen.

Ein bisschen mehr als die Kugel Eis, die man sich aus dem Motiv der Selbstliebe heraus gönnt. Und sogar ein bisschen mehr als das Eingeständnis an sich selbst, auch mal ein klares Nein zu kommunizieren, obwohl man geliebte Menschen aus dem Umfeld dadurch vielleicht bitterlich verletzt.

Für mich ist der Weg in die Selbstliebe ein Weg, der uns über kurz oder lang dort hinführt, wo zuvor noch nie Liebe und Licht herrschten, sondern pure Traurigkeit, Selbstablehnung, unterdrückte Wut und Trauer den Ton angaben. Dort wo das emotional schwer verwundete innere Kind hysterisch schreit und absolut nicht in der Lage ist, sich die Liebe selbst zu geben, nach der es so sehr im Außen giert. Dort wo der innere Kritiker dich auch dann noch zur Sau macht, wenn du eh schon am Boden liegst und eigentlich nur liebevoll in den Arm genommen werden willst. Ja zu all den Schatten, allen ungeliebten Anteilen deiner Innenwelt, über denen ein dichter, dunkler Schleier herrscht, den du eigentlich lieber nicht lichten willst, aus der Angst heraus, das sehen und fühlen zu müssen, was darunter liegt.

An der Oberfläche ist Selbstliebe einfach. Dann wenn wir uns an einem geliebten Selbstbild orientieren, das uns durch und durch liebenswert erscheint und dem wir problemlos bedingungslose Liebe schenken können.

Doch wahre bedingungslose Selbstliebe beginnt dort, wo die Komfortzone des Egos aufhört.

Wo Schmerz und negative Emotionen gefühlt und dunkle Anteile unserer Seele gelebt und geliebt werden wollen, die wir tief ins Unterbewusstsein vergraben haben.

Kannst du dich auch noch selbst lieben, wenn du vor Neid und Eifersucht zu zerspringen drohst? Wenn der Hass in dir wahre Mordgelüste schürt? Wenn du gefühlt ganz weit von all den spirituellen Weisheiten des inneren Friedens und der bedingungslosen Liebe entfernt bist, mit denen wir Spiri-Autoren so inflationär um uns werfen?

Speziell in jenen eher dunklen Momenten brauchst du deine Liebe ganz besonders.

Und wirst, wenn es dir gelingt, all diese eher düsteren Anteile und Gefühle liebevoll anzunehmen, eine bedingungslose Selbstliebe erfahren, die dir wirklich in jeder Zelle deines Körpers begreiflich macht, was es heißt, sich wirklich selbst zu lieben.

Und diese Art von Selbstliebe ist ein Prozess. Eine Reise. Eine Reise dorthin, wo es wehtut.

Eine Reise dorthin, wo es schwierig wird, alles immer sofort rosarot mit Licht und Liebe zu übermalen. Eine Reise allerdings, die sich lohnt. Weil sie dich wirklich ganz macht, mit all deinem Licht und all deinem Schatten. Weil sie dir zeigt, dass auch in der Dunkelheit ganz viel Liebe liegt.

Gute Reise!

Dein Ludwig

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Photo Credit: Jule Müller

2 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Ludwig,

    Dein Artikel spricht eine klare Sprache, das finde ich toll. Dieser eine Satz hat es in sich und ist so wahr: Doch aus meiner Wahrnehmung ist der Weg in die Selbstliebe ein bisschen mehr als das „Ich liebe mich“ beim morgendlichen Zähneputzen.

    Genauso ist es! Oberflächliche Selbstliebe schadet letztlich nur. Sich selbst und anderen gleich mit.

    Alles Liebe Frank

  2. Lieber Ludwig, liebe alle,

    hab Dank, Ludwig, für deine Zeilen! Wie wichtig es ist, all den ganz miesen Momenten und dunklen Anteile seiner selbst mit Mitgefühl und Freundlichkeit zu begegnen, sie nach Hause zu holen, hast du sehr gut & bildhaft beschrieben. Selbstliebe ist in der Tat neben aktivem Umweltschutz – wir hören auf, unsere Umwelt zu nerven, da wir unseren „Mist“ nicht bei anderen abladen – auch Friedensarbeit. Ich glaube, sich auszusöhnen mit alle dem „Unfertigen“, „Unschönen“, Unliebsamen ist ein lebenslanger Prozess.
    In meinem Blog schreibe ich neben Artikeln zur Selbstfürsorge und bewusster Kommunikation daher liebend gern auch über die „Tiefen und Abgründe des Lebens“.
    Hier ein Artikel über den Umgang mit unseren Schatten – ich würde mich freuen, wenn du und Ihr meine Seite mal besucht:

    http://www.seisofrei-lebenskunst.de/2015/05/09/helles-und-dunkles

    Alles Gute wünscht

    Carolin

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