Holy Shift: Was steckt hinter der Idee vom heiligen Wandel?

„Heilige Schicht? Was ist denn damit gemeint?“, ratlos und ein bisschen amüsiert schaut mich meine Mitbewohnerin an. Ich habe sie gebeten, ein paar Fotos von mir im neuen FLGH-Hoodie zu machen.

Die rote Aufschrift auf meinem neuen coolen Oversize-Pulli bringt sie ins Grübeln.

„Nee“, sag‘ ich, „hier geht es nicht um Schicht, sondern um einen heiligen Wandel.“ Das macht es auch nicht besser. Sie schaut mich weiter ratlos an. Was gut ist. Denn das inspiriert mich dazu, selbst einmal über den Titel nachzudenken und diesen Text – und außerdem ein Lied – darüber zu schreiben.

Shift übersetzt sich ins Deutsche, wie meine Mitbewohnerin treffend feststellte, zu Arbeitsschicht. Aber bedeutet eben auch: Wandel, Veränderung, Wechsel. Und ich denke darum geht’s: Um einen Wandel in uns, der dazu führt, dass wir, ganz im Sinne des Yoga, ein bewussteres Leben leben. Was dringend notwendig ist, nicht nur für uns selbst, sondern auch für unsere Gesellschaft und unseren Planeten. Das ist jetzt natürlich keine neue Erkenntnis.

Doch zeigt sich in den vergangenen Monaten, auch durch die aktuellen Ereignisse in Chemnitz immer deutlicher, dass wir einen Wandel brauchen.

Ein Wandel, der all unsere Lebensbereiche betrifft und letztlich auf einem neuen Bewusstsein basiert. Ein Bewusstsein, das wir dann erreichen können, wenn wir innehalten. Wenn wir für einen Moment aus dem Hamsterrad des kapitalistischen Tuns aussteigen, wenn wir zur Ruhe kommen und uns dem Kern unserer menschlichen Existenz widmen.

Seit es die Menschheit gibt haben sich immer wieder Philosoph*innen, Gelehrte, Heiler*innen und spirituelle Lehrer*innen dieser Notwendigkeit gewidmet. Zahlreiche Schriften weisen darauf hin, wie wichtig die spirituelle Rückbesinnung ist und wie sie dazu führt, dass wir nachhaltiger und erfüllter leben können.

Es geht darum, dass wir für uns und alle Lebewesen eine Präsenz auf der Erde schaffen, die ökologisch, sozial gerecht und spirituell angebunden ist. Und dabei sind wir alle Teil dieses Wandels.

Niemand kann sich aus der Verantwortung ziehen.

Dafür müssen wir nicht unbedingt zu Gegendemos in Chemnitz gehen oder als Freiwillige in einem Projekt in Äthiopien helfen. Vielmehr geht es erst einmal darum, zu schauen, wie sich der Holy Shift in mir und in meinem persönlichen Umfeld vollzieht.

„Revolution is possible only in the individual soul. The only revolution is that of the spirit, it is individual. And if millions of individuals change, then the society will change as a consequence, not vice versa. You cannot change the society first and hope that individuals will change later on.“ Osho

Folgende Aspekte sind dabei für mich wesentlich:

1. Der Mut, mit offenem Herzen zu fühlen

Auf meinem persönlichen Weg der  Heilung meiner Essstörung war es für mich das Wichtigste, wieder ins Fühlen zu kommen. Mich wirklich mit der Trauer, der Wut, der Angst und den Empfindungen des Körpers zu verbinden und sie mit anderen zu teilen, war ein sehr heilsamer Schritt für mich. Denn dadurch habe ich gelernt, meine Gefühle und somit auch mich selbst wirklich anzunehmen und wertzuschätzen und somit auch offener in die Welt zu blicken.

Die amerikanische Wissenschaftlerin Brené Brown spricht in einem TED-Talk von der ‘Macht der Verletzlichkeit’ – wenn wir uns erlauben zu fühlen und uns so zeigen wie wir sind, dann ist das eine der wichtigsten Voraussetzungen für Liebe und Verbundenheit.

Die Bilder und Berichte aus Chemnitz haben mich erschüttert. Ebenso wie eine Trennungssituation. Es gab so viel Ohnmacht und Schmerz zu fühlen. Eine Option im Anbetracht der globalen und persönlichen Herausforderungen wäre es, einfach mein Herz zu verschließen, um all dem Schmerz zu entgehen. Doch ich weiß: Unsere Welt braucht mehr denn je Mitgefühl und Liebe  – und beides fließt nur, wenn unsere Herzen offen sind.

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2. Achtsamkeit und Stille kultivieren

Ständig erreichbar sein, ständig online sein, mehr auf das Smartphone gucken als in die Gesichter meiner Mitmenschen –  Zukunftsforscher Matthias Horx sagt dazu: „Die Menschen haben das Gefühl, sie werden von außen verrückt gemacht und können sich gar nicht mehr selbst spüren, wie sie wirklich sind.“ Wenn wir uns selbst nicht mehr spüren, fühlen wir uns leer.

Und diese Leere übertünchen die meisten von uns mit Konsum oder verschiedensten Süchten. Und letztlich profitiert der gesamte Kapitalismus davon, dass wir die Verbindung zu uns selbst verloren haben. Um uns selbst zu spüren, müssen wir uns bewusst dafür entscheiden, mehr Achtsamkeit in unserem Leben zu kultivieren. Sie kann uns Ruhe schenken und Stille vom Gedankenkarussell. Und in dieser Stille können wir mehr Tiefe und Verbundenheit erfahren, mit uns und allem, was ist.

“I am resilient. I trust the movement. I negate the chaos. Uplift the negative.
I’ll show up at the table. Again and again and again. I’ll close my mouth and learn to listen”
Rising Appalachia

3. Die Verbindung zur Natur neu entdecken

Mensch und Natur sind tiefgreifend miteinander verbunden. Es gibt ein heilendes Band zwischen uns und Mutter Erde﹣auch das ist kein Geheimnis. Die Menschheit lebte jahrtausendelang in enger Symbiose mit der Natur. Wir haben diese Verbindung, die uns sowohl körperlich als auch spirituell heilen kann, verloren.

Doch wir können sie neu entdecken, indem wir den bewussten Kontakt mit der Natur wieder in unseren Alltag integrieren. Und je mehr wir uns wieder mit der Erde verbinden, desto weniger können wir die Ausbeutung ihrer Ressourcen tolerieren.

4. Kreativer, schöpferischer Ausdruck

Wann hast du das letzte Mal gemalt? Ein Lied gesungen? Getanzt? Unsere Körper und unsere Seele möchten sich kreativ ausdrücken. Und in diesem kreativen Ausdruck können wir viel Heilung erfahren, wir können das, was wir tagtäglich erleben verarbeiten, unseren Gefühlen Ausdruck verleihen. Und wir schaffen etwas, was unser Herz und die Herzen anderer Menschen berührt. Und somit diese Welt ein bisschen besser macht. Vielen von uns fällt es schwer, dem inneren Künstler wirklich Raum zu geben. Ich empfehle dir das großartige Buch ‘Der Weg des Künstlers’ von Julia Cameron.

5. Vom Ich zum Wir

Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis sind sehr wichtig. Letztlich sollten sie jedoch nicht in purem Egoismus münden, sondern dazu führen, dass wir über uns hinaus wachsen und unsere Erkenntnisse und Kraft auch für andere einsetzen.

Wenn wir uns innerlich auf den Weg machen, dann bereiten wir den Weg für mehr Verbindung in der Welt. In seinem wunderbaren Buch „The more beautiful world our hearts know is possible“ beschreibt Kulturphilosoph Charles Eisenstein, wie schon kleine mutige Taten und Initiativen für mehr Miteinander einen großen gesamtgesellschaftlichen Effekt haben können. Hier findest du die englische Online-Version (für die deutsche Version geht’s hier lang)

Mich berührt immer wieder sehr dieses Lied von Rising Appalachia.

“What are you going to do about it. When the world comes undone. My voice feels tiny. And I’m sure so does yours. Put us all together we’ll make a mighty roar” Rising Appalachia

Und so ist es: Auch wenn wir uns als Einzelne in Anbetracht all der vielen beängstigenden Entwicklungen auf unserem Planeten manchmal hilflos fühlen – so geht es mir auf jeden Fall – gemeinsam können wir einen Holy Shift, einen Wandel bewegen. Was wir dazu brauchen? Vor allem erstmal eins: Den Willen, Teil dieses Wandels zu sein. Bist du dabei?

Ich freue mich auf deine Kommentare.

Alles Liebe,
Daniela

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