Sind wir alle Egoisten?

Selbsterfüllung. Selbstverwirklichung. Selbstliebe. Alles scheint sich auf dem spirituellen Weg nur um uns zu drehen. Um unsere Bedürfnisse, um unsere Ziele, um unseren Weg. Darum, uns in allen Facetten unseres Seins zu leben, uns auszudrücken, ja unsere Individualität zum Leuchten zu bringen wie eine hochglanzpolierte Klangschale.

Wo bleibt da das Kollektiv?

Wie wollen wir diese brennende Welt retten, wenn wir uns nur auf uns selbst konzentrieren und der täglichen Morgenmeditation mehr Bedeutung zumessen als gesellschaftlichem Engagement? Und kommen da nicht auch die Bedürfnisse unserer Partner, Freunde, Kollegen zu kurz?

Immer wieder begegnet mir diese Kritik und berührt mich an einem wunden Punkt. Was wiederum indiziert, dass mein innerer Kritiker selbst ein Thema damit zu haben scheint. Ich als Selbstliebe-Junkie schlechthin, der permanent für mehr Selbstliebe und Selbstfürsorge appelliert. Ich, der sich so sehr darum bemüht, einen Alltag zu schaffen, in dem für alle meine Bedürfnisse Platz ist, in dem ich nahezu grenzenlos Ich sein kann.

Doch hatte mein Selbstliebe-Konzept vielleicht schon schon längst narzisstische Züge angenommen?

Mein innerer Kritiker war sich nicht so sicher. So versuchte ich in einer Meditation die Herzenswahrheit hinter dem Mindfuck zu entlarven.

Wow! Die Antwort, die in meinem Herz aufploppte, war eindeutig.

Ich könne meinen größten individuellen Beitrag für diese Welt doch nur leisten, wenn ich lerne, mich selbst zu lieben.

Wenn ich lerne, mein ganzes Seelenpotenzial zu aktivieren, meine ganze Kraft zu leben und den Mut aufzubringen, diese in die Welt hinauszutragen. Nur unter diesen Voraussetzungen finde ich jenen Platz in der Gesellschaft, den meine Seele für mich vorgesehen hat. Jenen Platz, an dem ich ein Licht für meine Mitmenschen sein kann. Und für meinen Liebsten ohne Selbstaufopferungstendenz da sein kann, weil ich mir meine Grenzen liebevoll zugestehe. Da sein kann und helfen auf meine ganz individuelle Art und Weise. Und diese ist so unterschiedlich, wie wir Menschen eben mal sind.

So sind es Selbsterfüllung, Selbstverwirklichung und Selbstliebe, die für mich das Fundament schaffen, dieser Welt trotz aller Schatten mit Liebe zu begegnen und sie dadurch ein bisschen besser zu machen. 

Denn wenn du lernst, dich selbst zu lieben und dadurch Schritt für Schritt den Weg der Liebe statt der Angst, der Freiheit statt der Begrenzung, der Eigenermächtigung statt der Fremdbestimmung beschreitest, bist du ein Licht für diese Welt. Egal ob im Rahmen eines ganz gewöhnlichen Bürojobs, als Lifecoach, Yogalehrer, im kulturellen oder politischen Bereich.

„Rette dich selbst und du rettest die Welt.“

Das mag idealistisch, vielleicht auch ein bisschen nach spiritueller Verblendung klingen. Doch ein gesundes Maß an Verantwortung kannst du nur für dich selbst übernehmen. Für dich und dein Seelenheil. Nicht für deinen Partner. Nicht für deine Familie. Und erst recht nicht für das globale Kollektiv. Es fühlt sich so viel gesünder und friedlicher an, bescheiden bei sich selbst anzufangen statt mit Urteilen um sich zu werfen, und alles und jeden verändern zu wollen.

Doch wo liegt dann der Unterschied zwischen Selbstliebe und Egoismus? 

Meiner Ansicht nach gibt es dieses gesunde Maß an Egoismus tatsächlich, das wiederum einem gesunden Maß an Selbstliebe entspringt. In jenen Momenten, in denen wir fest in unserer Selbstliebe verankert und dadurch in der Lage sind, konsequent und liebevoll für unsere Bedürfnisse einzustehen, nehmen wir unserem Ego den Wind aus dem Segel und reduzieren seine Angst, zu kurz zu kommen.

Lediglich im Zustand dieser Angst drängt es uns dazu, impulsartige Abgrenzungsaktionen zu starten, die unser Umfeld vor den Kopf stoßen. Lediglich im Zustand dieser Angst sind wir dazu geneigt, narzisstische Ego-Shows abzuziehen, um mangelnden Selbstwert und die mangelnde Fähigkeit, konsequent aber liebevoll für uns einzustehen, zu kompensieren.

Im Zustand der Selbstliebe hingegen befinden wir uns in einer gesunden Balance aus Geben und Nehmen, ja fühlen ganz genau, wann es an der Zeit ist, uns durchzusetzen oder doch besser kompromissbereit unsere Position zu überdenken. Sind frei von der Angst, zu kurz zu kommen, weil wir gelernt haben, für uns einzustehen und authentisch zu äußern, was uns fehlt und was wir brauchen.

Dieser Zustand der Selbstliebe darf oberste Prio in deinem Leben genießen!

Spürst du den tiefen inneren Frieden, der sich nach der Meditation, nach einer Yoga-Stunde, ja nach all den kleinen Ritualen des Alltags einstellt, die du ausschließlich für dich selber machst? Spürst du, wie viel kraftvoller, wie viel zentrierter du bist, wenn du deinem emotionalem Wohlbefinden oberste Priorität einräumst? Und spürst du, dass es auch genau jener Zustand ist, der dich dazu befähigt, aus dem Motiv der Liebe heraus etwas richtig Wunderbares zu bewegen und der Welt damit dein ganz persönliches Geschenk zu machen?

Live and love your naked self!

Dein Ludwig

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4 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Just checked in on the blog after a few we3s8&#k2e0;.whoa! How exciting for you. Will be ordering soon…both yarn and pattern(s). Congratulations on this new adventure. Can’t wait to read more posts. Clearly I need to check in more frequently!

  2. Danke, Ludwig, für diese Anregungen!
    Der „Egoismus-Vorwurf“ kommt schnell im Kontext Selbstliebe – entweder von uns selbst oder vom Außen.
    Mir haben folgende Anmerkungen, die ich meines Wissen mal bei Veit Lindau gehört habe, sehr geholfen:
    Gesunde Selbstliebe schafft immer Raum für andere Menschen. Ich entspanne mich und sehe Menschen um mich herum. Mehr Mitgefühl und Verbindung entsteht. Veit Lindau sagte mal den Satz „Wenn du wirklich im Herzen bist, dann siehst du nur Unschuld.“ An diesem Satz kaue ich noch immer – wir alle mögen ja gerne hin & wieder das Gegenüber für irgend etwas schuldig machen oder mit dem Finger auf andere zeigen,
    Doch mit der Zeit lerne ich: Wenn ich echt im Herzen bin, entspannt sich auch meine Umgebung. Und : Wenn ich – beispielweise dank Yoga & Meditation – eine starke Aura, Ausstrahlung aufbaue, strahlen meine Bedürfnisse nach außen und werden – im besten Fall – auch erfüllt:-).

    In diesem Sinne, herzlich,

    Carolin

  3. Schwieriges Thema und etwas, das mich aktuell auch beschäftigt, sagte meine Yogalehrerin erst neulich, “ unser aller Zeit ist kostbar. Ich möchte meine nur mit schönen Dingen füllen.“ In dem Zusammenhang, dass ich mit ihr einige Ärgernisse zu besprechen hatte und sie mir das Gespräch bis heute nicht einräumte….hm…lässt mich…sagen wir…stutzig werden. Irgendwie fühle ich mich nicht „happy shining“ genug, um ihr selbstverliebtes Ego zu bezirzen…und auch bei mir selbst bemerke ich über all das Yoga, Retreats, Meditationen, Selbstverwirklichung, wie ich mich eher separiere von den anderen. Gerade sehe ich meinen Weg wieder verstärkt weg von der Matte hin zu Freunden, Mitmenschen, auch mal jemandem mit Themen, die vielleicht nicht gerade meine oder gar eher „unglücklich“ sind, ein Ohr zu schenken. Vielleicht greift ja genau an der Stelle meine Selbstreflexion spirituell geschulter Art. Hier ist wohl generell jeder gefordert zu schauen, mit welchem Wert man seinen Weg zur Selbstliebe unterfüttert.

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