So meisterst du Phasen des Umbruchs: 4 Tipps

Ich bin ein ungeduldiger Mensch. Ich will Dinge, die ich mir in den Kopf gesetzt habe, schnell umsetzen. Und mit möglichst viel Erfolg. Ich mag es, groß zu denken und möchte mich nicht mit dem Mittelmaß zufrieden geben. Doch in den vergangenen Wochen habe ich wieder einmal gelernt, dass neue Wege mit den ersten kleinen Schritten beginnen. Und einen langem Atem erfordern.

Es gibt sie immer wieder in fast jedem Leben: Phasen des Umbruchs.

Phasen der Neuorientierung, des Neuanfangs. Sei es nach einer Trennung, einem Umzug oder einem Schicksalsschlag. Phasen, in denen es darum geht, Altbewährtes zu hinterfragen, vielleicht sogar loszulassen und einen Neuanfang zu wagen. Doch das ist meist gar nicht so leicht.

Eigentlich ist mir schon lange klar: Ich möchte eine neue Richtung einschlagen. Vor allem beruflich. Weg von dem Leben in der Routine, Nine-to-five-Jobs, einer Arbeit die ich nur aus Sicherheitsdenken mache. Hin zu etwas, das mich wirklich erfüllt. Ich habe das Ziel vor Augen und wäre gerne schon dort. Dabei übersehe ich manchmal die vielen kleinen Schritte auf dem Weg, das Jetzt, mit all dem, was es in diesem Moment zu erfahren und zu lernen gibt.

In seinem Buch Der längere Atem schreibt Aikido-Meister und Philosoph George Leonard: „Ziele und Möglichkeiten sind, wie gesagt, wichtig. Aber sie existieren in der Zukunft und der Vergangenheit. Die Übung, der Weg des Meisters, existiert nur in der Gegenwart – sichtbar, hörbar und fühlbar.“

Ich wollte schon lange einen Frauenkreis ins Leben rufen.

Ein uralter Ritus, der in alten Kulturen mit matriarchalen Strukturen üblich war. Die Zusammenkunft von Frauen war fester Bestandteil gesellschaftlicher Konvention. Der Kreis der Frauen ist ein Ort, an dem alle Spannungen, die auf ihr lasten, abfallen können. Hier können wir uns jenseits unserer Rollen, die wir in Partnerschaft und Familie spielen, austauschen und erleben. Mit Yoga, Meditation, Tanz und Rederunden. Ich habe mir andere Kreise angeschaut wie den „Magic Moon Circle“ in Berlin, aber den Schritt zum Leiten einer Gruppe selbst nicht gewagt.

Wie? Wo? Was? Wann? – Das waren lange offene Fragen, die dann vor ein paar Wochen alle auf einmal beantwortet wurden. Das Workation-Projekt Coconat bot mir einen Raum an. Dann gab es endlich auch einen fixen Termin. Und mein innerer Kritiker wurde lauter denn je. Kann ich überhaupt so eine Gruppe leiten? Was, wenn niemand kommt? Was, wenn die Frauen sich langweilen? Ich wollte diese neue Erfahrung unbedingt machen und gleichzeitig hatte ich richtig viel Angst davor.

Und dann kamen sie wirklich, die ersten Absagen.

Ich dachte immer wieder daran, den Termin zu canceln. Bis wenige Stunden vorher. Doch ich habe mich an einen Hinweis der wunderbaren Gaby Bernstein erinnert:

Honour the phase of transition, even if it means that you start on a small scale.

Und so beschloss ich, den Termin nicht abzusagen und an diesem Abend alles zu geben, für egal wie viele Frauen.

Von der Klippe in den freien Flug

Am Ende waren wir zu fünft. Und hatten einen wunderbaren Abend. Zwei Stunden leitete ich die Frauen durch Meditation, Atmen, Redekreis, Partnerübungen und Massage. Ich wagte den Sprung von der Klippe und machte die Erfahrung, dass ich fliegen kann. All die Seminare und Workshops, die ich in den letzten Jahren besucht habe, all die Coaching-Sessions und Selbsthilfe-Bücher – an diesem Abend traute ich mich endlich, mein Wissen und meine Erfahrung mit anderen Menschen zu teilen. Und danach fühlte ich mich erfüllter denn je.

Eine Erfahrung, die ich nur machen konnte, weil ich mutig genug war, den ersten Schritt gen Neuland auch wirklich zu gehen. Weil ich meinem inneren Kritiker nicht mehr länger zugehört habe. Denn es ist diese negative innere Stimme, die uns oft ausbremst. Und sei es, wenn es nur darum geht, nach einer längeren Pause wieder in die Yogapraxis einzusteigen. „Ich kann doch eh nix mehr“, sagt uns die Stimme in unserem Kopf dann. Wir vergleichen uns mit anderen oder einem Zustand, den wir vorher mal erreicht hatten. Und anstatt wieder anzufangen, lassen wir es ganz.

Meine Tipps für Phasen des Umbruchs und der Neuorientierung:

1. Unsicherheit zulassen

Wer etwas Neues beginnt, der fühlt sich oft unsicher. Wir wissen noch nicht genau, wie es werden wird. Wie lange es dauern, wie es sich anfühlen wird, ob wir vielleicht scheitern. Und oft verurteilen wir uns für unsere Unsicherheit, unsere Ängste. Wir fangen an uns dafür zu verurteilen, dass wir nicht mutig genug sind. Das ist kontraproduktiv!

Denn: Unsicherheit gehört dazu. Wie vielen anderen fiel es mir lange schwer, sie wirklich zuzulassen und zu fühlen. Dabei habe ich gelernt: Es ist wichtig, dass wir auch die Phase des Unsicherheit, des Nicht-Wissens wertschätzen. Mir hat es sehr geholfen, mich mit anderen Menschen über unsere Unsicherheiten auszutauschen und zu merken: Ich bin damit nicht alleine. Es gibt andere Menschen, denen es genauso geht wie mir. Und es gibt Menschen, die trotz ihrer Unsicherheit weiter gegangen sind, von denen ich lernen kann.

2. Sich mit anderen Menschen austauschen

Es hat mir sehr geholfen, mich mit anderen Menschen, vielleicht jemandem, der sich in einer ähnlichen Phase befindet, auszutauschen. Das Aussprechen meiner Gedanken und Ängste hat mir dabei geholfen, sie zu sortieren und teilweise etwas nüchterner zu betrachten. Natürlich tut es auch unheimlich gut, wenn uns andere Menschen zuhören und uns dazu ermutigen, eine neue Richtung einzuschlagen. Manchmal braucht es genau diese eine Person, die uns sagt: „Du bist soweit. Ich denke, du kannst das schaffen!“

3. Den ersten Schritt wagen und auch die kleinen Schritte würdigen

Wer nicht losgeht, wird niemals erfahren, wo er ankommen kann und wohin der eigene Weg ihn führen wird. Der erste Schritt gen Neuland fühlt sich manchmal so unglaublich schwer an. Und meist ist es genau dieser Schritt, der das Eis bricht, der, wenn wir ihn erst einmal gegangen sind, den Weg für alles weitere ebnet. Möge er noch so klein sein.

Der erste Schritt muss direkt ein großer Wurf sein? Nein! Dies ist der Anfang, das worauf du aufbaust. Er muss nicht direkt perfekt sein. Wage einen kleinen ersten Schritt. So klein, dass du mutig genug bist, ihn auch wirklich zu gehen. Und dennoch ein eindeutiger Schritt in die Richtung, die sich für dich stimmig anfühlt.

4. Geduldig sein, vertrauen und einen Fuß vor den anderen setzen

Eine Lektion, die ich unter anderem auf dem Jakobsweg gelernt habe: An manchen Tagen kam ich nicht so schnell voran, wie ich wollte. Manchmal wurde ich aufgehalten, manchmal habe ich mich verlaufen. Meine Füße taten weh oder ich musste die Strecke verkürzen, weil ein Unwetter aufzog. Mein Zeitplan geriet ins Wanken, ich nahm Umwege, doch am Ende erreichte ich dennoch mein Ziel.

Und auf dem Weg inspirierte mich diese Inspiration aus Paulo Coelhos Handbuch des Kriegers des Lichts: „In dem Augenblick, in der er losschreitet, erkennt ein Krieger des Lichts den Weg. Jeder Stein, jede Biegung des Weges heißen ihn willkommen. Er wird eins mit den Bergen und den Bächen, findet etwas von seiner Seele in den Vögeln und in den Pflanzen und Tieren auf dem Felde. Da nimmt er Gottes Hilfe und die Hilfe seiner Zeichen an und lässt sich von seinem Lebentraum zu den Aufgaben führen, die das Leben für in bereithält.“

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Titelfoto von Danka & Peter via Unsplash

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