Von der Freiheit, sich nicht mehr verlieben zu müssen

Boom. Da war ich es wieder: Single. Nachdem ich vier Jahre zuvor meine Ehe in den Sack gehauen hatte, beendete ich Anfang diesen Jahres eine schöne, stabile Beziehung. „WTF, warum?“, mögt ihr euch jetzt vielleicht fragen. 

Nun: An dem Mann war nichts falsch.

Tatsächlich ist er ein ganz wunderbarer Mann, der mich in den letzten dreieinhalb Jahren begleitet hat. Die Beziehung war auch okay. Aber genau das war das Problem. Je älter ich werde, desto weniger reicht mir okay. 

Ich habe dieses Jahr mein Leben – mal wieder – radikal auf den Kopf gestellt.

Ich habe mich gefragt, wie ich leben und lieben will. Welche Werte ich habe und welche Bedürfnisse. Wie ich einmal auf mein Leben zurückblicken möchte, wenn ich sterbe. Dabei stellte ich unter anderem fest, dass die Art, wie ich Liebe leben möchte, in dieser Partnerschaft nicht möglich sein wird. 

Nicht, weil der andere doof oder irgendetwas mit ihm falsch wäre, sondern einfach, weil wir zu unterschiedlich in der Art sind, wie wir Emotionen und Liebe fühlen und ausdrücken. Daraus habe ich für mich die Konsequenz gezogen: Ich bin lieber allein in der Unsicherheit, anstatt nur okay im sicheren Hafen einer Beziehung zu sein.

Single mit 40?

Nun ist Singlesein in den Vierzigern nicht mehr ganz so unbeschwert wie in den Dreißigern. Männer in meinem Alter oder älter haben häufiger Ex-Frauen, Familien, Verpflichtungen. Es gibt, nicht immer, aber öfter, Erektionsprobleme, erste Wehwehchen, fliehende Haaransätze. Und Leichtigkeit ist meist etwas, was früher einmal war. 

Ich könnte natürlich auch noch unter 40-Jährige daten, aber wieviel Zukunft hat es, wenn für mich die Kinder-Geschichte abgeschlossen ist? Und was wäre in zehn Jahren? Halte ich es aus, wenn ich die Ältere bin? Das ist in unserer Gesellschaft immer noch nicht wirklich akzeptiert. Was ist also die Lösung? Unbeschwert nehmen, was kommt, sich in die Liebe hineinfallen lassen, als gäbe es kein Morgen?

Noch Anfang des Jahres hätte ich gesagt: Yes to that! Und wäre damit absolut bei Uli gewesen (falls du ihren Artikel rund ums Verlieben in die Falschen noch nicht gelesen hast: Hier ist er). Lieber einmal mehr in den Falschen verlieben, als nicht zu fühlen. Aber für mich hat sich in diesem Jahr etwas ganz Neues entwickelt. 

Ich erlebe gerade zum ersten Mal die Freiheit, mich nicht mehr zwangsweise verlieben zu müssen.

Ohne, dass ich die Chance dazu negieren will. Was bedeutet das konkret? Es bedeutet, dass ich wunderbare Begegnungen mit Männern haben kann, ohne mich emotional zu verlieren. Ich kann in erster Linie den Menschen kennenlernen, ohne dass ich Erwartungen habe und möchte auch nicht mit solchen konfrontiert werden. Wie diese Begegnungen dann genau aussehen, ist ganz unterschiedlich und nein, ich rede nicht von profanen Sexdates.

Für jemanden wie mich, deren „Droge“ romantische Liebesbeziehungen waren, die sich in jedes Drama hinein geschmissen hat, ist das ein absolut radikaler Schritt. Ich muss außerdem gestehen: Das Gefühl ist knallfrisch und ich sage nicht, dass es für ewig so bleiben wird. Dennoch: dorthin zu kommen, an diesen Ort der Freiheit, war ein verdammt harter Lernprozess, gepflastert mit Herausforderungen. 

Dazu gehörte auch das komplette Hineinfallen in alte Muster sowie mich noch einmal so richtig unglücklich zu verlieben. Ich habe dieses Jahr wochenlang gelitten und geweint, versuchte Liebe zu sichern, indem ich mich „perfekter“ gestalten wollte, zum Beispiel mich geradezu zwanghaft mit Extensions „verschönern“ musste. Warum? Weil sie mir das innerliche Gefühl von Unsicherheit nahmen. 

Ich brauchte eine perfekte, glatte Oberfläche, die ich kontrollieren konnte, um mich überhaupt dieser sehr ungesunden Beziehung zu stellen.

Ich kannte dieses Gefühl schon und dachte eigentlich, ich wäre längst drüber hinweg. Aber dieses Jahr zog es mich tiefer runter als je zuvor. Am Ende jedoch wurde der Gang durch den Sumpf meiner Zwänge und Traumata mit einem ganz neuen Gefühl belohnt: Autonomie. 

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Ich war nie klarer, freier und bewusster als jetzt. Gleichzeitig ist ein großes Glück in mir. Ich bin mir absolut sicher, dass ich genau jetzt in diesem Moment exakt richtig in meinem Leben bin. 

Mit dieser Autonomie und Klarheit verknalle ich mich eben nicht mehr blindlings, sondern habe ein offenes Auge für das, was da ist. Ich habe keine Lust und keine Zeit mehr für Bullshit-Bingo. Ich weiß sehr genau, was ich will, was ich geben möchte, was ich brauche – und ja, das ist okay, denn wir alle haben Bedürfnisse. 

Das heißt – um in Ulis Bild zu bleiben – ich sehe die Feige, aber lasse sie guten Gewissens in der Auslage liegen.

Denn ich habe in meinem Leben genug Feigen gegessen, um die kostbare Zeit mit etwas zu verbringen, was mir einfach nicht zu 100 Prozent schmeckt.

Wie genau diese 100 Prozent gestaltet sind: Ob Beziehung, Affäre, One Night Stand – das liegt komplett an mir. 

Hört sich das jetzt abgeklärt an? Vielleicht. Heißt es, dass ich mich nie wieder verlieben werde? Auf gar keinen Fall. Ich freue mich darauf, mein Herz zu verschenken, Schmetterlinge im Bauch zu spüren, Intimität im Sinne von sich wirklich nah sein zu erleben. Ich weiß aber eben auch sehr genau, was meine Bedürfnisse sind, welche Love Language ich spreche und was ich benötige, um wirklich glücklich zu sein, und auch, was ich geben möchte. 

Bis dahin genieße ich das, was das Leben mir bietet und das seit kurzer Zeit ohne emotionale Falltiefen, aber mit sehr viel Genuss und Hingabe – an die Juicyness, an die Freude, an das Lebendige in jedem Moment des Jetzt. 

XOXO, Sandra

Meine Tipps für mehr Freiheit:

  • Ganz klar hat mir die Tantra-Praxis geholfen. Hier gebe ich oft Online-Kurse und Workshops, infos dazu findest du auf meiner Website.
  • Als ich ganz tief unten war, konnte mir Suze Retera mit TRE-Sessions sehr helfen.
  • Ich schwöre auf das Empowerment Coaching meiner Freundin (und Coach) Sara Wragge. Sie arbeitet unter anderem mit EMDR, was für mich eine großartige und entscheidende Hilfe war.

Titelbild © Sandra von Zabiensky

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