Raus aus dem Kopf und rein in den Körper: Das Embodied Flow Teacher Training

Als die Mail von Britta Kimpel mit der Anfrage, ob wir Lust hätten ihre Yoga-Ausbildung Embodied Flow auf Fuck Lucky Go Happy vorzustellen, in unser Postfach flatterte, war ich erst einmal skeptisch. Eigentlich empfehle ich grundsätzlich nur Lehrer*innen oder Ausbildungen, die ich persönlich kenne oder selbst gemacht habe.

Doch als ich begann, mehr über die Frau zu lesen, die den von Tara Judelle und Scott Lyons entwickelten Yogastil nach Deutschland gebracht hat, änderte ich sehr schnell meine Meinung. Beim Lesen ihrer Seite musste ich sehr oft nicken und stellte fest, dass wir viele Grundüberzeugungen teilen.

Britta hat ein ähnliches Verständnis von Yoga wie ich, empfindet die Verbindung von Spiritualität, Körperarbeit und Psychologie als unheimlich wertvoll und hat eine gleichzeitig humorvolle und tiefsinnige Herangehensweise an das Thema Selbsterfahrung. Darüber wollte ich mehr erfahren und habe mir Britta zum Interview geschnappt.

Ein Gespräch über die Stimme des Herzens, was gute Yogalehrer*innen ausmacht und für wen Embodied Flow nicht geeignet ist

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Britta, im Herbst startet die zweite Runde deiner Embodied Flow Yoga Teacher Trainings in Deutschland. Was heißt „Embodied Flow“?

Embodied Flow ist ein fließender Yogastil, der von Tara Judelle & Scott Lyons gegründet wurde. Es geht darum, uns als Praktizierende raus aus dem Kopf und wieder mehr rein in den Körper zu bringen. Über verschiedene somatische Bewegungstechniken versuchen wir einen tieferen Zugang zu unseren Emotionen und mentalen Mustern zu erhalten. Philosophisch gesehen liegt dem Embodied Flow die tantrische Philosophie des Kaschmirischen Shivaismus zugrunde – eine Philosophie, die frei ist von Dogmen und uns das Akzeptieren und Annehmen von allem, was ist, lehrt.

Hand aufs Herz. Yogalehrer*innen-Ausbildungen gibt es wie Sand am Meer. Was ist das Besondere am Embodied Flow?

Das stimmt allerdings. Für mich ist das Besondere am Embodied Flow wirklich diese Verbindung aus Körper und Geist. Diese spielt natürlich auch in anderen Yogastilen eine große Rolle, aber durch die verschiedenen somatischen Techniken habe ich selbst ein vollkommen neues Körperbewusstsein und darüber hinaus ein neues Bewusstsein über mich selbst erlangt. Durch diese Erkenntnis konnte ich festgefahrene und blockierende Muster lösen und insgesamt mehr im Einklang mit meiner inneren Realität leben. Einen Weg zurück zu uns selbst, zu unseren innersten Werten und unserem innersten Kern zu finden, darum geht es in der Embodied Flow Ausbildung. Nicht nur um das, was wir auf der Yogamatte machen, sondern vor allem darum, wie wir die Erkenntnisse auch abseits der Yogamatte in den Alltag transportieren können.

Was bedeutet Yoga für dich?

Yoga ist für mich ein Mittel oder ein Weg, um mehr zu der Person zu werden, die ich eigentlich bin. Aus meiner Sicht eignen wir uns im Laufe unseres Lebens unendlich viele Masken und Verhaltensweisen an, die zwar nicht uns selbst entsprechen, von denen wir aber glauben, sie zeigen zu müssen, um Anerkennung zu bekommen. Für mich geht es im Yoga darum, all diese Masken, Schichten und Schleier nach und nach wieder abzulegen, um eben zum eigentlichen Wesenskern zu kommen.

Eines meiner Lieblingsmetaphern hierzu ist eine kleine Geschichte über Michelangelo. Er wurde scheinbar einmal gefragt, wie er es schaffe, so wundervolle Statuen aus dem Marmor zu erschaffen. Er war wohl über diese Frage sehr verwundert und meinte nur, dass die Statue ja bereits in dem Marmorblock vorhanden sei und dass er nur einfach alles entfernen müsse, was nicht zur Statue gehöre.

Und so sehe ich Yoga: wir entfernen alles von uns, was nicht wirklich zu uns gehört um am Ende genauso zu erstrahlen, wie Michelangelos Statuen.

Britta Kimpel Embodied Flow © Heather Bonker-76

Was macht gute Yogalehrer*innen deiner Meinung nach aus?  

Für mich ist die Persönlichkeit des Menschen viel wichtiger, als ob sie oder er selbst tolle „Advanced Asanas“ vorführen kann. Natürlich müssen technische und fachliche Kompetenzen der Didaktik, der korrekten Ausführung von Asanas, sowie ein Verständnis der Biomechanik des Körpers und der Yogaphilosophie und -tradition vorhanden sein. Das ist die Basis und die vermittle ich auch in meinen Ausbildungen.

Ich selbst will aber beim Yoga im Herz berührt werden, ich will dazu inspiriert werden, über mich nachzudenken und über mich selbst hinauszuwachsen. Und das erreicht ein*e Lehrer*in nicht über Perfektion in den Asanas oder durch eine scheinbar makellose, schwächefreie Persönlichkeit, sondern über Authentizität, Präsenz, Empathie und ganz wichtig, auch durch die Stärke, Schwächen offen zeigen zu können.

Was sollte ich mitbringen, wenn ich die Ausbildung bei dir machen möchte?

Vor allem einen offenen Geist und Neugier. Ich bin kein großer Fan von strikten Dogmen oder sturen Regeln. Davon gibt es auch sonst schon genug. Mir geht es darum, die eigene innere Wahrheit zu finden, und die finden wir aus meiner Sicht nicht, indem wir uns den Konventionen anderer blind unterordnen, sondern indem wir offen sind, für alles was kommt und alles so annehmen, wie es kommt.

Neben dieser undogmatischen Offenheit & Neugier ist es mir ganz wichtig, dass die Teilnehmenden in Yoga mehr sehen als eine rein körperliche Bewegungspraxis. Ein Interesse an Spiritualität, Yogaphilosophie und die Bereitschaft, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen – in den Asanas, in den Meditationen oder beim Pranayama, aber auch in der Selbstreflexion – setze ich voraus.

Und für wen ist Embodied Flow nicht geeignet?

Natürlich glaube ich, dass Embodied Flow für jeden geeignet ist (lacht). Aber… wir werden in der Ausbildung auch mal tanzen oder freie Bewegungsformen üben. Die Teilnehmenden werden ihren Körper auf einer vollkommen neuen und tiefen Ebene kennen und spüren lernen. Wer hier ein sehr enges Konzept mitbringt, darüber, was Yoga ist und was Yoga nicht ist, wird dadurch vermutlich vor große Herausforderungen gestellt. Wer diese mit Offenheit und Neugier annimmt, der wird viel über sich selbst, über seine Beziehungen und Interaktionen im Alltag und über das Leben erfahren können.

Was möchtest du deinen zukünftigen Schüler*innen gerne mit auf den Weg geben?

Mein Wunsch ist es, dass wir alle wieder mehr anfangen, auf uns selbst zu hören und unserer eigenen Intuition zu folgen. Dazu gehört auch, dass wir uns zugestehen, glücklich zu sein und unserem Herz folgen zu dürfen. Und dazu bedarf es eben, dass wir uns nach und nach von unseren Masken lösen und uns erlauben, unser wahres Ich zu zeigen und zu leben. Die Aufforderung wäre daher: Trau dich, dir selbst zu vertrauen.

Vielen Dank Britta und alles Beste für dich und deine zukünftigen Teacher Trainees.

Britta Kimpel Embodied Flow © Heather Bonker-8

Fakten zur Embodied Flow Yogalehrer-Ausbildung auf einen Blick: 

200 Stunden Ausbildung in Mannheim: Oktober 2017 bis April 2018 – Infos hier
200 Stunden Ausbildung in Nürnberg: März 2018 bis November 2018 – Infos hier

Weitere Infos zu Brittas Teacher Trainings und Intensives findest du hier. Wie es den Teacher Trainees letztes Jahr gefallen hat, kannst du hier nachlesen.

Bist du auf der Suche nach einer Yoga-Ausbildung?

Dann empfehle ich dir, dich mal durch Brittas Seite zu klicken, über ihren Yogaweg zu lesen und sie vielleicht mal bei einem Workshop oder einem Retreat kennenzulernen. Britta und ich treffen uns bald endlich mal „in echt“ – nach allem, was ich bisher von und über sie am Telefon erfahren habe, bin ich sicher, dass du bei ihr in sehr guten Händen bist.

Das Interview führte Rebecca Randak
Bilder: PR Britta Kimpel. Titel: Ulrike Reinhold Photography
Im Falle dieses Beitrages wurden wir für unsere Arbeit bezahlt.

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6 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für diesen Artikel. Ich hatte schon länger vor mich mal über Embodied Flow zu informieren.
    Ich fand den Gedanken seine Masken abzulegen sehr erhellend. Danke auch für die Metapher über Michelangelo.
    Herzliche Grüße von Piasana

  2. Liebe Rebecca,

    ich habe nun sehr lange überlegt, ob ich meine erste Gedanken hier niederschreiben soll oder nicht – tue es aber einfach mal :)
    Mein erster Impuls beim lesen war, dass ich das „besondere“ nicht wirklich sehe. Zumal es im Yoga ja nicht immer um was besonderes, neues gehen sollte – im Gegenteil. Sonst richten wir unsere Energie ja weiterhin nur auf das außen, auf die Aktivitäten des Manas der immer Abwechslung sucht. Um wirkliche Stille zu kultivieren, ist die Technik dafür nur ein Hilfsmittel, mehr nicht.
    Die Punkte die angesprochen werden, was den Stil besonders macht, findet man in allen Traditionen wieder, sonst wäre es ja kein Yoga. Es ist sehr schön geschrieben und wichtig sich daran immer und immer wieder zu erinnern.

    Verstehe mich bitte nicht falsch, ich möchte hier sicher keine Debatte anstoßen, was Yoga ist, sein sollte oder was es nicht ist. Aber grundsätzliche Prinzipien und Ziele wie sie auch in den Grundlagen-schriften; den Shastras beschrieben sind, zu nehmen, neu zu verpacken und für sehr viel Geld als neu zu verkaufen, halte ich einfach für fragwürdig. Denn meiner Meinung ist das sehr sehr viel Geld was hier verlangt wird für die paar Stunden.

    In der Hoffnung, meine Worte werden liebevoll aufgenommen, grüßt Herzlichst,
    Stefan

    1. Hallo Stefan,

      ich kann Deinen Kommentar nachempfinden. Viel hört sich an wie ‚alter Wein in neuen Schläuchen‘. Ich bin auch super-skeptisch, was heutzutage im Yoga als neu und trendy verkauft wird. Und letztendlich ist es natürlich „nur“ eine neue Interpretation einer bestehenden Vorlage.
      Nichtsdestotrotz muss ich sagen: sie funktioniert. Embodied Flow hat mein Verständnis von Yoga und meine Praxis nachhaltig verändert. Ich habe auch bei Tara Judelle gelernt, war zunächst skeptisch, aber letztendlich sehr beeindruckt. Natürlich muss jeder selber seinen Weg finden. Also kann ich nur empfehlen, es mal auszuprobieren und in eine Klasse zu gehen. Zum Beispiel bei Sandra Zebrowski in Mannheim, bei Britta oder gerne auch bei mir in Hamburg.
      Melde Dich gerne, wenn Du Fragen hast.

      Schöne Grüße!
      Clemens

      1. Danke Clemens, immer schön, mehrere Meinungen zu haben. Gerade weil ich selbst Embodied Flow noch nicht kenne. Setze mir das mal für den nächsten HH-Abstecher mal mit auf die Liste.

        Und zum Glück ist es eine Interpretation des Alten. Alles andere wäre ja in Sachen Yoga auch irgendwie komisch. Ich bin da ein bisschen traditionell ;)

        Alles Liebe Rebecca

    2. Hi Stef,

      danke für deine Worte! Klar, Yoga ist Yoga, da bin ich mit dir 100 Prozent einer Meinung. Ich denke allerdings, welcher Weg bzw. welches Training das Richtige ist, muss jeder selbst rausfinden. Genauso wieviel man dafür investieren möchte. Meine erste 300 Stunden Ausbildung war doppelt so teuer und ich bin bis heute sehr zufrieden, sie gemacht zu haben. Ich persönlich denke, Brittas Ausbildung ist ein super Ausgangspunkt für eine spannende Yoga Reise. So ein Training ist ja immer nur ein Anfang…

      Alles Liebe
      Rebecca

      1. Hallo Liebe Rebecca,

        das stimmt voll und ganz, jeder Anfang ist sehr wertvoll :)
        Ich wollte auch wirklich nichts schlecht machen oder gar mich in Entscheidungen anderer einmischen – es waren einfach meine ersten Gedanken.

        Da bin ich mir auch sicher, ich habe bei vielem zustimmend genickt beim Lesen :)

        Liebe Grüße
        Stef

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