Find your True North: So stellst du deinen Seelenkompass ein

Ein Kompass zeigt fast immer leicht in die falsche Richtung. Er wird abgelenkt durch die magnetischen Felder, die den Globus umgeben. Und so ist es auch mit deinem inneren Kompass: Wenn du wirklich wissen willst wohin du gehen musst, um deinen persönlichen “Norden” zu erreichen, musst du die angezeigte Himmelsrichtung um diese Abweichung korrigieren.

Norden ist nicht immer dort, wo du glaubst

Unser Leben ist ein Weg. Und dein “wahrer Norden” ist der Ort, wo du dir Selbst begegnest. Zur Navigation dorthin besitzt du einen intuitiven Kompass. Wenn du deinem Kurs treu bleibst, fühlst du dich dir Selbst nahe und verbunden. Weichst du vom Kurs ab, bewegst du dich weg von dir und Trennung entsteht.

Wer dich vom Weg abbringt? Dein Ego.

Das größte Hobby deines Egos ist es, deinen inneren Kompass durch Ablenkungsmanöver in die Irre zu führen. Es dekoriert den Weg zu dir Selbst mit Steinen.

Anhand des „Antahkarana-Modells“ aus der Yogaphilosophie, das als vereinfachtes Schema für die Funktionsweise deines Geistes dient, lässt sich erklären, warum du von Natur aus mit inneren Kämpfen zu rechnen hast und wie du ihnen begegnest.

So tickt der Geist: Das Antahkarana-Modell

Als Pilot*in deines Lebens lernst du durch Yoga (insbesondere bei Tiefflügen) Folgendes:

  1. Die Abweichung deiner Kompassnadel durch das Ego zu identifizieren.
  2. Den unnötigen Ego-Anteil aus deinen Handlungen zu filtern, um dein True North zu finden.

Weil der Geist so ein kompliziertes Ding ist, will dir das Antahkarana-Modell helfen, ihn besser kennenzulernen. Antahkarana bedeutet “inneres Organ”. Dieses Organ hat drei Elemente, die zusammen deinen Geist bilden:

Find your True North: Wie du deinen Seelenkompass richtig einstellst

Diese drei funktionalen Aspekte des Geistes ermöglichen dir, Informationen zu speichern, abzurufen, zu ordnen und zu verknüpfen. Sie definieren die Qualität deiner Entscheidungen und ob diese dich deinem True North näher bringen oder nicht. Durch ihr Zusammenspiel stehst du heute dort, wo du stehst.

1. Manas: Einfaches Denken

Manas verbindet dich mit der Außenwelt und ist für deine Wahrnehmung zuständig. Zu Manas gehört die Verarbeitung der Wahrnehmung über Gefühle, Reflexe, einfaches Denken sowie Zweifel. Auch die entsprechende Umsetzung von Entscheidungen übernimmt Manas.

Manas lenkt beispielsweise im Supermarkt deine Wahl für den grünen oder den roten Apfel. Da das selten innere Kriege verursacht, ist Manas der eher zahme Teil des Geistes.

2. Ahamkara: Ich-Gefühl (Ego)

Wilder wirds beim Ego. Es ist die mentale Instanz, die allen Dingen die wir über Manas wahrnehmen, den Aufkleber „Ich“ anheftet und „meins, meins, meins“ denkt. Das Ego sorgt dafür, dass Wahrnehmung zu deiner Wahrnehmung wird und Gedanken zu deinen Gedanken.

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Das Ego integriert die Wahrnehmung von Manas, indem es diese bewertet.

Durch die Bewertung und Beurteilung deiner Wahrnehmungen erschafft das Ego die Vorstellung von deinem Charakter und deiner getrennten Persönlichkeit. Du glaubst dadurch, du wärst dein Ego.

Im Yoga hat das Ego selten einen guten Ruf, denn es hat die folgenden Schattenseiten:

  • Es will ständig wachsen und sich weiterentwickeln, dabei greift es auf deine geistigen Konditionierungen zu und ist nie zufrieden mit dir.
  • Es will sich gegen andere Egos absichern, sie dominieren und kontrollieren. Es ist schnell beleidigt wenn das nicht gelingt oder es kritisiert wird.
  • Wird das Ego mit seinem natürlichen Feind, dem Bewusstsein konfrontiert, etabliert es Machtstreben.

Dabei wird gern übersehen, dass du ohne das Ego auch nicht so richtig klar kommen würdest. Hier sind die Gründe, warum die Natur uns sinnvollerweise ein Ego geschenkt hat:

  • Der Drang nach Selbstbehauptung beschützt dein Leben.
  • Durch deinen Ego-Drive erschaffst du Träume und bekommst den Antrieb zu Selbstverwirklichung.
  • Das Ego gibt dir ein gesundes Gefühl zur Distanz und Nähe zu anderen Lebewesen.

Hättest du kein Ego, kämst du ganz schnell unter die Räder.

Dennoch ist es Ziel aller spirituellen Kulturen, das Ego in die Schranken zu weisen, um das wahre Selbst zu entdecken.

Der teuflische Aspekt des Egos fruchtet auf deinem unendlichen Strom von Gedanken. Bekommt das Ego durch seine Gedanken zu viel Aufmerksamkeit, wird es zum Tyrann. Nicht umsonst versucht Yoga, deinen Geist ruhiger werden zu lassen.

Dem Ego haben wir es zu verdanken, dass wir vor lauter Rennerei übersehen, dass ein Hamsterrad von innen wie eine Leiter aussieht.

Die härteste Nuss für dein Ego ist die Tatsache, dass das einzige Lebensziel die Freundschaft zu dir selbst ist. Um diese Aufgabenstellung nicht aus den Augen zu verlieren, stell dir daher im Karma-Yoga die folgenden Fragen:

  • Wann verschwendest du deine Lebenszeit auf den Baustellen anderer?
  • Was ist deine Aufgabe jetzt in diesem Moment?
  • Welche Auseinandersetzungen mit dir selbst versuchst du zu vermeiden?

Dein Seelenkompass: Erkenne, wann dein Ego es im Geist spuken lässt

Deine Handlungen und Gedanken des Alltags sind abwechselnd geprägt durch Ego-Motive und von der Sehnsucht nach deinem wahren Selbst. Da die Identifikation mit dem Ego die Verbindung damit verhindert, ist das ein kräftezehrender Prozess.

Das Ego will sich erst gar nicht mit dem friedlichen Gedanken anfreunden, dass es mit allem auf der Welt verbunden ist. Es hat beispielsweise überhaupt keine Lust darauf, sich mit Menschen, die ihm nicht schmeicheln, eins zu fühlen.

Das Ego ist ein manipulierbarer Automat.

Es ist von Meinungen anderer abhängig und versucht ständig, sich durch Lob zu stärken. Das Ego kann alleine nicht existieren. Hier kannst du ansetzen, um es zu schwächen, da wo es dir hilfreich erscheint.

Dazu musst du nicht viel mehr tun, als die folgenden Zustände beziehungsweise Gefühle in dir wahrzunehmen. Sie lassen dich ganz klare Zuordnungen treffen, wann dein Ego die Oberhand hat und wann du auf dem Kurs nach Norden bist.

Ego/Selbstzentrierung      Seele/Selbst/True North
Destruktive AngstLiebe
SelbstzweifelSelbstliebe
KriegFrieden
SchuldzuweisungVerständnis
MachtBescheidenheit
IntoleranzOffenheit
ZerrissenheitKlarheit
NeidMitfreude

3. Buddhi: Intellekt

Dein Helfer dabei ist Buddhi. Buddhi besitzt die Fähigkeit der Erkenntnis und ist geprägt durch deine Weisheit und Intuition. Deine Intuition ist eine gesunde Mischung aus Impulsen des Herzens und Erfahrungen des Geistes.

Buddhi, der dritte und letzte Aspekt deines Geistes, ermöglicht dir, neue Perspektiven einzunehmen. Du spürst das vielleicht manchmal in der Meditation. Erkenntnis entsteht im Jetzt. Das Ego kann nur durch die Augen der Vergangenheit und Zukunft existieren und wird immer geschwächt, wenn du präsent wirst.

Durch Meditation gelingt es dir, tiefer zu tauchen und Momente zu erleben, in denen du einfach nur atmest, dein Bewusstsein erweckst oder die Stimme deines Herzens plötzlich wieder hören kannst.

Dein Ego ist zwar dein Kumpel, aber es braucht klare Regeln.

Wenn du es schaffst, dein Ego unter Buddhi zu ordnen, dann entstehen daraus die Gedanken, die sich gut anfühlen. Wenn es dir gelingt Manas, Ahamkara und Buddhi in problematischen Situationen des Lebens zu beobachten und zu steuern, ist das der Schlüssel zur Verfeinerung deiner ganz persönlichen Zielorientierung im Leben.

Dabei ist es wichtig zu erkennen, dass dein Ego-Automat nie nach Wahrhaftigkeit streben kann, sonst müsste er seine Identität aufgeben, die er sich aus deiner Vergangenheit gebaut hat. Das Ego kann erlernte Glaubenssätze nie aufgeben, sondern es muss ständig neue erschaffen, um seine Überzeugungen zu stärken und Recht zu haben.

Dein wahres Selbst hingegen schenkt dir Freiheit und muss nicht gegen dich oder andere kämpfen.

Seine Anziehungskraft ist größer als die des Egos. Das spürst du durch die inneren Widerstände, die permanent gegen die Ego-Ablenkung deiner Kompassnadel halten. Durch deine Bewusstheit entsteht der Wille dich zurück zu deinem True North zu führen, dem Ort, an dem du schon immer zu Hause warst.

Wie kommst du mit deiner Intuition in Kontakt? Welche Schwierigkeiten hast du dabei? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Alles Liebe,

deine Nancy

Titelbild © Barby Dalbosco via Unsplash

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7 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr toller Artikel, der mir eine sehr massive Abhängigkeit von der Meinung anderer bewusst gemacht hat, die ich so mächtig niemals geahnt hätte. Daran werde ich mit großer Freundschaft zu mir selbst arbeiten. Danke

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