#bodypositive: Vom Hashtag ins Leben

Scrollt man durch die Newsfeeds der gängigen sozialen Netzwerke, stellt man schnell fest: 90-60-90 war gestern. An die Stelle “makelloser” Körper, die lange Zeit dem kommerziellen Schönheitsideal entsprachen, rücken zunehmend mehr realistische Abbildungen von Menschen, die ihre sogenannten Makel selbstbewusst betonen.

Bedingungslose Selbstannahme statt zerstörerischer Selbsthass

Abgelichtet wird alles, was lange Zeit als unansehnlich galt: Asymmetrische Gesichter, Körper in Übergrößen sowie Cellulite und Narben, Wachstumsstreifen & Co. werden regelrecht zelebriert, um für mehr Realität auf den sozialen Kanälen zu sorgen. Dem Hashtag #bodypositive sei Dank.

#bodypositive zählt mit über 5.3 Millionen Einträgen zu einem der meist genutzten Lifestyle-Hashtags auf Instagram. Bewusst distanzieren sich die Anhänger*innen dieser Bewegung von Photoshop, hipper Inszenierung und dem Magerwahn der Modeindustrie. Stattdessen setzen sie sich für ein Ideal ein, das dem wahren Erscheinungsbild der breiten Masse entspricht.

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Die Message: Schönheit kennt keine Maßstäbe

Damit sprechen sich viele Influencer*innen gezielt gegen utopische Ideale aus, die vor allem für junge Frauen oftmals gravierende Folgen nach sich ziehen: Essstörungen aber auch andere psychische Erkrankungen wie Depressionen oder gar sozialer Rückzug aus Scham vor dem eigenen Körper sind keine Seltenheit.

„Beauty is nothing you can see. It’s kindness, humility, compassion and all of those things.“ – Taryn Brumfitt

Zu den bekanntesten Body-Positivity-Verfechter*innen gehört die Australierin Taryn Brumfitt, die mit ihrer Dokumentation „Embrace“ im Kampf gegen Body Shaming großes Aufsehen erregte. Die ehemalige Bodybuilderin dokumentiert hierbei den bewussten Entschluss, ihren stählernen Körper gegen ein weiblicheres Erscheinungsbild einzutauschen. Der Grund: Egal wie toll Taryn auf Wettkämpfen auch aussah, innerlich fühlte sie sich leer.

Genau wie Taryn erleben viele andere auch, dass das Erreichen körperlicher Ziele keine Garantie für ein glückliches Leben ist. Oftmals ist sogar eher das Gegenteil der Fall, weshalb sich zunehmend mehr Menschen für einen Ausstieg aus den Fängen des Körperwahns entscheiden.

Toller Hashtag, aber wie umsetzen?

#bodypositivity: Vom Hashtag ins Leben 1

Es mag zunächst einfach klingen, sich den eigenen “Schwachstellen” in Form von Social Media Posts anzunehmen. Bei meinem eigenen Versuch, dem Hype beizutreten, habe ich jedoch schnell gemerkt: ständige Online-Selbstdarstellung ist nicht jedermanns Sache.

Zudem reicht die Präsentation des eigenen Körpers in der Öffentlichkeit oftmals einfach nicht aus, um wahre Selbstannahme zu erlernen. Vielmehr geht es darum, die Kernaussagen der #bodypositive-Bewegung auch jenseits des Internets zu praktizieren.

5 Tipps für mehr Selbstannahme im Alltag

1. How to: Selbstliebe

Um die Beziehung zu deinem Körper positiv zu stärken, ist es hilfreich, sich zunächst mit dem Konzept der Selbstliebe auseinanderzusetzen, denn sie bildet die Grundlagen allen liebevollen Umgangs. Doch wie genau geht das mit dem “sich-selbst-lieben”?

Ein allgemeingültiges Rezept zur Selbstliebe gibt es nicht. Vielmehr verbirgt sich dahinter ein innerer Prozess, der sich individuell auf unterschiedlichste Art und Weise gestalten lässt. Um jedoch deiner ganz eigenen Definition von Selbstliebe näher zu kommen, frag dich:

Welches Gefühl assoziierst du mit dem Begriff „Liebe“?

Spür in dich hinein und überlege dir im nächsten Schritt, welche alltäglichen Handlungen und Verhaltensweisen dir genau dieses Gefühl vermitteln ohne dich dabei auf die Liebe von anderen zu berufen. Du wirst sehen: Je mehr du dich deiner Selbstliebe-Praxis widmest, desto positiver wirkt sich dies auf deine Beziehung zu deinem Körper aus.

2. Positive Self-Talk: Auf die innere Haltung kommt es an!

Unsere Gedanken haben großen Einfluss darauf, wie wir uns fühlen. Wie gut also, dass wir unserer Gedankenwelt nicht hilflos ausgeliefert sind, sondern auswählen können, welchem Teil davon wir Raum gewähren.

Nimm deine inneren Monologe bewusst wahr und beobachte, wie und was sie dich fühlen lassen. Welche Gedanken dominieren? Begegnest du dir selbst respektvoll und positiv oder eher negativ und abwertend? Für ein langanhaltendes Wohlgefühl gilt:

Sprich mit dir selbst als seist du dein*e beste*r Freund*in.

Und sollte es dir doch mal schwer fallen, dich in einem liebevollen Umgang mit dir selbst zu üben, dann:

3. Act, don’t react: Liebevolle Akzeptanz deiner Schattenseiten

Seinem eigenen Körper gegenüber positiv eingestellt zu sein, bedeutet nicht, ihn 24/7 zwanghaft in den Himmel loben zu müssen. Gerade wer eine eher schwierige Beziehung zum eigenen äußeren Erscheinungsbild hat, wird feststellen, dass sich destruktive, negative Gedanken immer mal wieder zu Wort melden. Es wird ab und zu sogar Phasen geben, in denen es dir absolut unmöglich vorkommen mag, dich von deinem Mindset zu lösen.

Ist dies der Fall, dann tritt einen Schritt zurück und beobachte, wo deine Gedanken herkommen. Integriere deine “Schattenseite” als Teil deiner Selbstliebe-Praxis, statt dich krampfhaft dagegen zu wehren. Akzeptiere bewusst, dass du dich im Moment nicht von deinem Gedankenchaos lösen möchtest oder kannst. Und du wirst sehen, dass du dadurch bereits den Grundstein für positive Veränderungen legst.

4. Dein Kleiderschrank ist Spiegel dessen, wie du dich wirklich siehst

Kennst du diese Momente, in denen du vor deinem Kleiderschrank stehst und partout keine Ahnung hast, was du anziehen sollst? 80% deiner Kleidung sehen zwar super aus, passen dir aber schon seit Jahren nicht mehr. Und deine Wahl fällt somit stets auf die restlichen 20%, die eher an einen Kartoffelsack erinnern?

Wenn dies zutrifft, dann brauchst du dich nicht zu wundern, dass jeder Gang zum Kleiderschrank für Frustration und Ärger sorgt. Genau genommen spiegelt dir deine Garderobe nämlich jeden Tag wieder, nicht genug zu sein. Gönn dir ein, zwei neue Teile, die dir perfekt passen und freu dich daran.

Dabei kannst du dieser täglichen Frustration wunderbar vorbeugen: Sortier rigoros alles aus, was dir nicht passt und verbanne deine alten Klamotten in den Keller. Oder besser noch: Spende sie für einen guten Zweck, denn wer möchte schon in Hosen passen, die nur zu Zeiten strikter Diäten zugingen? Faustregel:

Dein Kleiderschrank sollte zu 100% zu deinem jetzigen Körper passen und dich jeden Tag daran erinnern, dass du gut genug bist, genauso wie du bist.

5. Schau dir in die Augen, Baby

Gehörst du auch zu denjenigen, die beim Anblick ihres Spiegelbildes zunächst all die Körperteile fokussieren, die sie am meisten kritisieren? Dann geht es dir wie den meisten Menschen, denn interessanterweise beäugen wir tatsächlich nur allzu gerne unsere Schwachstellen, statt uns auf die schönen Dinge zu konzentrieren. Was zur Folge hat, dass der regelmäßige Blick in den Spiegel für Selbstzweifel und Scham sorgt.

Wirke dieser emotionalen Abwärtsspirale bewusst entgegen: Richte deinen ersten Blick direkt auf deine Augen, denn sie gelten als das Tor zu unserer Seele. Und gewähren wir uns selbst zunächst einen Einblick in unser tiefstes Inneres, ist die Wahrscheinlichkeit, dass direkt Selbstkritik aufkommt, geringer. Betrachte danach all die Körperstellen, die du selbst schön findest und lass die Empfindungen, die du damit assoziierst, den Gesamteindruck deines Körpers dominieren.

Dir fallen noch weitere Tipps ein, die dir dabei geholfen haben, einen liebevollen Umgang mit dir selbst zu erlernen? Dann teile sie in den Kommentaren. Ich freu mich darauf.

xoxoxo

Franzi

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4 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Franzi,

    danke für den Artikel. Ich werde als nächstes meinen Kleiderschrank (weiter) aussortieren. <3

    Liebe Grüße aus dem sonnigen Köln,
    Diana

  2. Toller Artikel! Besonders dem Punkt mit dem Kleiderschrank kann ich zustimmen. Nachdem ich alles aussortiert habe was mir nicht passt oder steht, fühle ich mich viel besser, auch wenn ich ganz “normal“ und “unstylish“ angezogen bin.
    Liebe Grüße,
    Jana

    1. Hallo liebe Jana,

      wahnsinn, was es für einen Unterscheid macht, den Kleiderschrank mal so richtig auszusortieren, nicht wahr? Ich war selbst so positiv überrascht, dass dieser Tipp in dem Artikel einfach nicht fehlen durfte.

      xoxoxo
      Franzi

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