Warum ich Fuck Lucky Go Happy fast dicht gemacht hätte

Ich war eine Arbeitsmaschine. Morgens stand ich auf und begann zu rennen. Abends fiel ich um und direkt ins Bett. Zwischenrein quetschte ich Social Media Postings, handelte Deals mit Kunden aus, plante mein LA VERA DOLCE VITA Retreat und die Workshops für die zweite Jahres-Hälfte, unterrichtete bei Peace Yoga und sah zu, dass ich es selbst zwischendrin und terminlich passend auf die Matte schaffte. Von wegen entspannte Yoga-Praxis. Auch meine Morgen-Routine, die ich sonst so liebe, litt schwer und wurde immer wieder durch wildes Tippen auf den Handy ersetzt. Ich muss nur kurz diesen einen Post auf Instagram rausschießen!

Die wenig verwunderlich Folge: Mein Körper begann zu rebellieren. Magenschmerzen, Zyklus-Unregelmäßigkeiten und nicht zuletzt allerhand Wehwehchen – Stechen im Handgelenk, verspannte Schultern, und die Schmerzen im unteren Rücken waren auch wieder da.

Lesetipp: Das Rushing-Woman-Syndrom: Was der Dauerstress unserer Gesundheit antut

Es war klar: So geht es nicht weiter.

Anstatt wieder zwischen den Körper-Therapeuten meines Vertrauens hin und her zu rennen, begann ich zu überlegen: Wie kann ich diesen Zustand ändern? Ich hatte keinen Raum mehr für die Dinge, die am liebsten mache: Über Themen, die mich inspirieren gleich zu schreiben anstatt zu warten bis meine tolle Idee in ein weiteres To-do auf meiner Liste verwandelte zum Bespiel. Oder mich in Yoga-Büchern und You-Tube-Videos vergraben, um neue Yoga-Hacks zu lernen, die ich dann in meine Klassen einbauen kann.

Als ich eines Freitag Abends von Kreuzberg nach Mitte zur 20:15 Uhr Yoga-Klasse radelte – früher hatte ich es natürlich nicht geschafft – und all die Leute sah, die Bier trinkend und ausgelassen mit ihren Freund*innen unterwegs waren, hatte ich plötzlich die Lösung parat:

Ich mache Fuck Lucky Go Happy einfach zu.

Wie einfach eigentlich. Der Blog war viel zu groß geworden, um ihn alleine zu rocken. Um ihn aber auf eine one woman show zurückzuschrupfen, ist er viel zu sehr Produkt vieler wunderbaren Menschen. Ich könnte den Blog aber einfach dicht machen, mich voll und ganz aufs Unterrichten konzentrieren und ab und zu auf meiner eigenen Seite schreiben. Vielleicht einen Newsletter machen. Auf diese Weise hätte ich dann bestimmt viel Zeit und könnte Freitag Abends auch durch die Straßen flanieren und mit meinen Freund*innen Bier trinken.

Doch das erleichterte Gefühl, das man bekommt, wenn man eine gute Lösung gefunden hat, blieb aus.

Hatte ich mir mein untrügliches Bauchgefühl etwa durch stressbedingte Verdauungs-Störungen kaputt gemacht? Nicht ganz. Fast hätte ich das Kaffee-Date mit einer Freundin abgesagt, das mir den Kopf wieder in die richtige Richtung drehte. Irgendetwas in mir wusste aber, dass dieses Treffen wichtig wäre. Besagte Freundin hat einen sehr guten Draht zum Universum, ist astrologisch unheimlich bewandert und ist unheimlich weise.

Kaum saß sie mir gegenüber brach es aus mir heraus. Ich klagte ihr in epischer Breite mein Leid. Sie hörte sich alles geduldig an, lächelte milde und sagte: „Du hast eine so eine geile Community aufgebaut. Alles steht in voller Blüte und jetzt willst du alles hinschmeißen? Ich glaube das nicht.“ Bäm. Das saß. Sie hatte so recht.

Natürlich wollte ich mein Baby nicht einfach killen, ich wollte aber die Situation, wie sie im Moment war, nicht mehr ertragen.

Mein Impuls, einfach alles hinzuschmeißen, war eine meiner Widder-typischen Übersprungs-Handlungen. Es war an der Zeit, der anderen Option, die ich schon lange im stillen Kämmerlein ausgebrütet, aber immer wieder weggeschoben hatte, eine zweite Chance zu geben. Nicht Fuck Lucky Go Happy war das Problem, sondern meine Arbeitsbelastung und wie das Team organisiert war.

Es war Zeit für den nächsten Schritt.

Einen Schritt, der mir Angst machte: Mitarbeiter einstellen. Ich beweise gerne allen und jedem (und vor allem mir selbst), dass ich alles alleine kann, tue mich schwer, Kontrolle abzugeben und habe irre Schiss, vor noch mehr Verantwortung oder es finanziell dann doch nicht zu schaffen. Als ich mir diese Zweifel einstehen konnte, fühlte es sich plötzlich ganz leicht an.

Ich ging nach Hause und stellte zwei Job-Anzeigen Online. Heute, drei Monate später, fangen zwei wunderbare Frauen an für Fuck Lucky Go Happy zu arbeiten.

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Die schöne Frau links ist Ulrike Schäfer a.k.a. „The Uliverse“. Rechts ist Jule Wieland, die mindestens so hell strahlt wie die Wand, vor der Ulrike sitzt.

Meine hoch-geschätzte Autorin, Wortakrobatin und Yoga-Sister Ulrike Schäfer wird ab sofort die Redaktionsleitung übernehmen und mich in all things business unterstützen. Jule Wieland wird uns mit ihren Social Media Skills, kritischen Gedanken und klugen Texten bereichern.

Lesetipp: Alle Texte, die Ulrike schon für Fuck Lucky Go Happy geschrieben hat

Und ich? Ich nehme die neue Herausforderung an und versuche, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem der ganze Mensch Platz hat. Einen Ort, wo es nicht nur um Leistung geht, sondern wo sich alle gemäß ihrer Kompetenzen einbringen und ganzheitlich weiter entwickeln können. Außerdem habe ich mir fest hinter die Ohren geschrieben, die gewonnene Zeit nicht gleich mit neuen Aufgaben zu füllen, sondern mich auf die Idee zu konzentrieren, die ich schon lange im Herzen trage.

Gemeinsam werden wir an meiner Vision arbeiten, Fuck Lucky Go Happy zum Bad Ass Guide für die hiesige Yoga- und New-Age-Szene zu machen.

Ab morgen werden wir im Büro sitzen und beginnen, Pläne zu schmieden. Ich bin stolz wie Bolle – ich meine, ich habe echt Mitarbeiterinnen, krass – und meiner Freundin unendlich dankbar, mir die Augen geöffnet zu haben. Ich mit dieser Entscheidung eine Entwicklung angestoßen, von der ich noch nicht absehen kann, wohin sie mich führen wird. Ich weiß aber, dass es jetzt für den Moment, genau das Richtige war. Und worauf kommt es denn an, wenn nicht auf den Mut, weitere Schritte zu wagen und gelegentlich ins kalte Wasser zu springen?

Manchmal lohnt es sich, tiefer zu graben.

Solltest du auch zu der Sorte Mensch gehören, die eher überstürzte Entscheidungen trifft, dann ist dieses Monatsmantra vielleicht für dich. Immer dann, wenn wir starke Abneigung gegenüber einer Situation verspüren, ist es ein Zeichen, genauer hinzuschauen. Hass und Liebe liegen eben näher beisammen, als man denkt.

Ein sicheres Zeichen, dass es sich nicht um deine Intuition handelt, sondern um eine Vermeidungs-Strategie, ist, wenn sich die Alternative auch ungut anfühlt. In meinem Fall: Den Blog dich zu machen, war irgendwie auch keine Option. Es war eher die Flucht nach vorn als vermeintlicher Ausweg aus meinem Stress-Dilemma. Wenn du dich hier wieder erkennst, dann nimm dir Zeit und das August-Mantra zu Herzen:

Dein Monatsmantra: Alles muss reifen, um geboren zu werden.

Viel Liebe,
Deine Rebecca

Titel: Grit Siwonia

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26 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Ich bin so froh und dankbar, dass dieses wunderbare Blog (eigentlich schon eher Magazin, finde ich) mein Leben weiterhin bereichern wird. Es gibt Blogs, deren Wegfall eine Lücke hinterlässt, die sich nicht schließen lässt und dieses Blog würde definitiv dazugehören. Na mal gut, dass du eine sehr viel bessere Lösung gefunden hast, die gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlägt… ähem…. oder besser: mehrere Menschen glücklich macht. ;))

    Alles Liebe,
    Anna

  2. Liebe Rebecca,

    ich habe diesen Beitrag schon lange gesehen, ihn aber erst heute gelesen. Warum? Weil ich die Situation kenne, alles hinschmeissen zu wollen und ich oft nicht weiß, wie ich damit umgehen soll. In der einen Zeit packt man alles an und ist vor lauter Inspiration komplett unter Strom und am anderen Tag denkt man sich – wo ist die Leichtigkeit hin? Du inspirierst viele Menschen und deine Ehrlichkeit geht tief. Dieser Blog ist -purely authentic- und deswegen lieben die Menschen ihn.

    Liebe Grüße aus Bali,

    Jasmin

  3. Liebe Rebeca,
    ich freue mich sehr dass es Fuck Lucky Go Happy weiterhin gibt und ich kann sowohl Deine Gründe dafür nachvollziehen dass Du kurz davor warst hinzuwerfen wie auch dass es Dir schwer gefallen ist Dir Angestellte ins Boot zu holen. Aber ich glaube dass das in mehrerlei Hinsicht gut und eine Bereicherung ist und ich bin gespannt wie sich Dein Blog dadurch entwickeln wird. Auf jeden Fall wünsche ich Dir und Deinen beiden Verstärkungen dass ihr euch gut zusammen eingroovt und ganz viel Freude habt!
    Alles Liebe!
    Kristin

  4. Liebe Rebecca,

    auch ich freue mich sehr, dass Fuck Lucky Go Happy weiterhin bestehen und uns inspirieren wird! Kann deine inneren Bewegungen gut nachempfinden und finde, du hast eine tolle, erfrischende Lösung gefunden. Klasse!
    Sehr wertvoll finde ich auch deinen Impuls, dass wir wahrscheinlich auf der falschen Fährte sind, wenn sich die Alternative auch ungut anfühlt. Da ist sicher was Wahres dran. Ich danke dir.

    Nun wünsche ich dir & uns Lesern alles erdenklich Gute,
    Carolin

  5. Liebe Rebecca,
    ich bin so froh, dass du deinen Blog nicht geschlossen hast. Ich lese in diesem seit mehreren Jahren und du bereicherst mein Leben so ungemein mit deinen Beiträgen. Ich schaue mehrere Mal die Woche nach, ob es etwas Neues gibt und ich fühle mich immer wieder angesprochen von deiner unkomplizierten Art. Vielen Dank für deine gute Ratschläge!
    Herzliche Grüße, Vera

  6. Liebe Rebecca,
    toll, dass du weiter machst. Vielen lieben Dank! Ich lese so gern euer Mantra und es hilft vielen Menschen einfach weiter; auch mir.
    Viel Erfolg und Glück euch 3 Mädels.
    Liebe Grüsse Kerstin

  7. Liebe Rebecca,
    wie immer ein so toller Beitrag von Dir! Wenn Dir mal wieder alles zuviel wird, denk immer dran das Deine Leser Dir nie böse sind wenn einfach auch mal eine zeitlang gar nichts kommt. Umso mehr freuen wir uns dann, wenn wieder inspirierende, liebevolle und frische Wörter unseren Tag beflügeln und uns immer ein Lächeln ins Gesicht zaubern!
    DANKE dafür! Alles Liebe, Nadine

    1. dem schließe ich mich gerne an. Ich denke es schadet keinem von uns einen Artikel ein zweites Mal zu lesen und wirken zu lassen. Bei diesen Themen braucht es ja eh Zeit und Raum. Zu viel Input auf einmal könnte man vielleicht gar nicht wirkungsvoll prüfen und evtl integrieren. (spiri-stress ;) )

      Viel Spaß Euch..

  8. Ich habe vor kurzem den Satz gelesen, man soll keine Entscheidungen treffen, wenn man unglücklich oder traurig ist. Ich müsste suchen, von wem er war, aber ich bin diesem Menschen sehr dankbar dafür. Und ich freue mich, dass du die Geduld hattest, den Zustand des Unglücklichseins auszuhalten und erst dann eine Entscheidung zu treffen, als du dazu bereit warst und diese Entscheidung sich richtig angefühlt hat. Gut für dich, gut für deine neuen Mitarbeiterinnen (Glückwunsch!) und gut für uns, deine Community. Schön, dass wir auch weiterhin hier vorbeigucken dürfen! :)

  9. Bin ich froh, dass Du Dich mit Deiner Freundin getroffen hast und Dich auf’s Augenöffnen eingelassen hast. Ich bin begeisterte Fuck Lucky Go Happy Leserin und wäre wirklich sehr traurig über den Verlust gewesen.
    Die Anzeige vor drei Monaten habe ich gelesen und mir gewünscht, dass ich gut schreiben kann um Teil dieses tollen Blogs werden zu können. Naja, so bin ich der Leserteil 😉
    Ich wünsche Euch viel Spaß und Erfolg beim Ideensammeln und -umsetzen. Bin schon ganz gespannt was dabei raus kommt.
    Alles Liebe,
    Carla

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