Warum du deine Fragen lieben solltest

 

Kennst du diese Fragen, auf die es manchmal ewig keine Antwort gibt?

Meistens sind das Fragen, die wir nicht einmal gerne stellen, weil wir die Antwort scheuen. Fragen, die sich mit existentiellen Dingen beschäftigen. Beziehung, Job, Umzüge, du weißt schon. Die großen Themen im Leben.

Zum Beispiel vor zwei Jahren. Nach sieben Jahren Beziehung kam die fette Krise. Bähm. Alles, was ich dachte, dass sein würde, war plötzlich gar nicht mehr so sicher. Klar, es gab da schon lange dieses diffuse Gefühl, dass die Dinge zwischen uns nicht ganz so rosig waren, wie sie aussahen, aber diese Frage schob ich lieber auf die lange Bank. Doch plötzlich war er da, der Moment, in dem ich mich fragen musste:

Will ich diese Beziehung?

Ich wusste es nicht.

In meinem Kopf war nichts als ein riesengroßes Fragezeichen. Und viele neue Fragen. Wo soll ich wohnen? Wer bekommt die Designercouch? Kann ich mich jemals wieder verlieben? Wie geht Trennung überhaupt? etc.

Neue Fragen, auf die ich auch keine Antwort hatte.

Kennst du diese Situationen? Du suchst verzweifelt nach Antworten und findest keine? Diese Momente, in denen dir nichts anderes übrig bleibt, als abzuwarten?

In diesen Momenten fällt mir immer ein Gedicht von Rainer Maria Rilke ein. Es begleitet mich schon sehr lange und passt immer, wenn es gerade schwierig ist.

Über die Geduld

Man muss den Dingen
die eigene, stille
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und
dann gebären…

Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.

Er kommt doch!

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit…

Man muss Geduld haben

Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.

Quelle – Über die Geduld

 

Das Ungelöste zu leben, ist nicht einfach. Doch es ist der einzige Weg, eine zufrieden stellende Antwort auf seine innersten Fragen zu bekommen. Manchmal müssen wir die Fragen zulassen, sie reichlich durchdenken, uns mögliche Szenarien ausmalen, mit Freundinnen darüber sprechen und die Antworten erst einmal außen vor lassen. Denn nur wenn wir lernen, die Fragen im Herzen zu tragen, sie zuzulassen statt abzuwehren, schaffen wir einen Raum, in dem sich die Antwort entfalten kann. Deshalb:

Lass diese Worte dein Mantra für diese Woche sein:

Ich versuche, die Fragen selbst zu lieben

Mach es dir nett mit deinen Fragen. Stell dir vor, du richtest ihnen einen Aufenthaltsraum ein, in dem es dir auch gefällt. Dann gesell dich zu ihnen und häng eine Weile mit ihnen rum. Und vor allem: Hab Vertrauen. Die Antworten kommen.

Mit meinem Freund bin ich übrigens immer noch zusammen. Mit meinen ungelösten Fragen saß ich allerdings monatelang in der Gegend herum. Sie zu lieben war weiß Gott nicht einfach, aber gelohnt hat es sich. Wir haben beide wahnsinnig viel über uns selbst und den jeweils anderen gelernt und total stolz eine solche Krise gemeistert zu haben.

Auf dass die Antworten kommen mögen!

Happy Monday, deine Rebecca

8 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Ich bin ganz aufgeregt. Ich liebe dieses Buch und habe sogar schon mein liebstes Gedicht zu einem Song umgebaut. Der Panther heißt es. Wie schön, dass auch andere junge Menschen dieses Buch besitzen! Ich freue mich!

  2. ….und da ist er wieder, dieser Text, der mich schon während meiner Yogalehrerausbildung begleitet hat und der einfach alles sagt, was Wesentlich ist – und dann noch mit so wunderbaren Sätzen/Bildern, mehr Yoga geht kaum :-)

  3. Liebe Rebecca, der Montag Morgen sieht bei mir IMMER so aus: Meditieren (weil ich auf keinen Fall lesen will, dass du das gerade gemacht hast und ich wieder geschummelt habe:-), Kaffee vorbereiten, Apfelschnitze aufschneiden, auf die Fensterbank setzen und dann gehts los: Montagsmantrazeit. I LOVE IT! Lieber Gruß von Judith

  4. Liebe Rebecca, genauso wie das Mantra letzter Woche genau auf meine momentane Beziehungssituation passte und mir geholfen hat, weiter zu kommen und die richtigen Fragen zu stellen, ist das Mantra heute eine schöne Weiterführung dessen.
    Vielen Dank dafür.
    Ja und das Gedicht von Rainer Maria Rilke ist ein wunderbarer Lebensbegleiter, danke an die Erinnerung daran.
    Hab eine schöne entspannte Woche
    Joanna

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