#montagsmantra: Ich sehe Schönheit in allem und jedem

Letzte Woche fiel mir durch Zufall mein Poesiealbum aus der Grundschule in die Hände. Es gab diesen großen Hype damals, erinnerst du dich?  Jeder besaß ein fein säuberlich gepflegtes Büchlein, in das sich Freunde und Klassenkameraden mit einem netten Sprüchlein eintragen konnten. Ich blätterte durch und wie schon so oft vor vielen, vielen Jahren blieb ich an dem Spruch hängen, den meine Religionslehrerin Frau Schwarz reingeschrieben hatte.

Kein Kaktus ist so dicht mit Stacheln besetzt, dass nicht noch Platz für eine Blüte wäre.

Ich erinnerte mich sofort daran, wie ich mir damals viel über diesen Spruch nachdachte und mir von meiner Mutter am Beispiel unseres griesgrämigen Nachbarn erklären ließ, wie das denn mit der Blüte nun genau gemeint war. Schon als Achtjährige habe ich mir offensichtlich den Kopf über einen der wichtigsten Gedanken der Yoga-Philosophie zerbrochen.

Ich sehe Schönheit in allem und jedem

Die Idee, dass ein Teil des Göttlichen (nenne das gerne ‚höhere Kraft‘, wenn dir ‚Gott‘ zu sehr religiös besetzt ist) begleitet mich seit meinem Jivamukti Teacher Training jeden Tag. Everybody is a holy being.

Welche Kraft in diesem Satz liegt, wurde mir erst nach und nach klar. Denn ‘everybody’ heißt halt ‘jeder’. Ohne Ausnahme.

Im Laufe des letzten Jahres habe ich oft ganz aktiv versucht, diesen göttlichen Funken in den Menschen wahrzunehmen. Leichter gesagt als getan. Beim Anblick eines neugeborenen Babys geht einem schnell das Herz auf, bei dem betrunkenen Punk, der Leute anpöbelt oder der Frau, die in der U-Bahn über Ausländer herzieht, wird diese scheinbar simple Angelegenheit schnell zur Herausforderung.

Jedenfalls kann ich jedem empfehlen, diese Woche mal zu üben, den Fokus auf das Schöne zu legen und auszuprobieren, was passiert.

Tipps für deine holy week

Unterwegs: Schau jeden Menschen, der dir entgegenkommt an, lächle etwas, und versuche durch den Körper hindurchzuschauen. Sag dir leise für dich, dass dieser Mensch perfekt ist, genauso wie er ist. Ohne, dass du irgendetwas über ihn weißt. Klappt mit Tieren im Übrigen auch. Wenn es besonders schwierig ist, hilft es, den Blick unscharf zu stellen. Mag sein, dass es an meiner Kurzsichtigkeit liegt, aber dann sehen alle ganz schnell aus wie unschuldige Kinder.

Beim Yoga: Widme deine Yogapraxis gedanklich einem anderen Wesen. Mir fällt es immer sehr leicht die Praxis meinem Freund, Franziska oder einem meiner Lehrer zu widmen, etwas herausfordernder ist es, jemanden zu wählen, der dich ärgert. Doofer Chef, Schwiegermutter oder die Nachbarn, die immer so laut Hard Core Musik hören. Doch du weißt schon: Everybody, das ist der Zauber.

In der Meditation: Ich liebe diese Meditation! Sie funktioniert wie jede andere Mantramediation. Finde einen bequemen Sitz, sei ganz still und fokussiere dann auf deinen Atem. Verbinde diesen dann mit der Atmung und sag dir mit der Einatmung „Ich sehe ( _______ ) “ und bei der Ausatmung „als heiliges Wesen“. Setze einfach wahllos Namen ein. Du wirst erstaunt sein, wer dir so alles in den Sinn kommt.

Je öfter du das übst, desto leichter wird es, bei anderen hinter die Fassade zu blicken. Dann zeigt sich meistens, dass auch hinter doofem Verhalten und bösen Worten, Wesen stecken, die vielleicht einfach nur in Not sind und in diesem Moment nicht anders können. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Gedanken anderen gegenüber einen echten Unterschied machen können, vorausgesetzt natürlich, sie sind wirklich so gemeint.

Und, was hältst du von der Idee? Berichte unbedingt, wie es dir ergeht. Ich bin gespannt, welche Erfahrungen du machst!

Bis dahin: Spread the good vibes, holy being!

Rebecca

Photo Credit: Luminis Kanto via Compfight cc, Schrift und transparten Kreis nachträglich hinzugefügt, Format verändert

5 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. welch ZAUBERhaftes Bild .. welch wunderschöne Metapher, der Kaktus ..

    und der Impuls zur Meditation ist mir wahrlich MAGIE
    Danke. Ich sehe dich.

    Mit einem Gruß aus den Tiroler Bergen,
    Daniela

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