Entspannt trotz 60-Stunden-Job? 5 Tipps für mentale Balance

Nach einer Yogastunde in Savasana alles loslassen, völlige Entspannung, sanfte Gedanken – das ist der Moment, der sich für mich wahr und gut und richtig anfühlt.

Mein Alltag sieht anders aus.

Der Büroalltag mit summenden Laptops, wenig Sonnenlicht und angespannter Atmosphäre dank chronisch knapper Deadlines steht dazu in krassem Gegensatz und ist nicht unbedingt leicht zu bewältigen.  

In den letzten sechs Monaten habe ich mich gezwungenermaßen sehr intensiv damit auseinandergesetzt, die Ruhe aus Yoga und Meditation mit in einen Alltag zu nehmen, der dafür so gar nicht geeignet zu sein scheint.

Meine eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse aus Gesprächen mit Kollegen*innen helfen vielleicht auch dir weiter – egal, ob du dich wie ich durch zahlengetriebene Schreibtischtage schlägst oder mit ganz anderen Stressfaktoren zu kämpfen hast.

So bleibst du entspannt und gleichzeitig am Ball:

Entspannt trotz 60-Stunden-Job? 5 Tipps für mentale Balance 5

1. Kenn dein „Warum“

Menschen akzeptieren Umstände viel leichter, wenn sie die Hintergründe verstehen. Die Harvard-Psychologin Ellen Langer fand in einem Experiment heraus, dass Probanden eine 94% Chance hatten, am Kopierer vorgelassen zu werden, wenn sie beim Drängeln einen Grund angaben. Ohne Angabe von Gründen schafften es nur 60% zum Anfang der Schlange.

Wenn ich Sonntags Nachmittags mal wieder vor meinem Laptop sitze und die letzten Stunden des Wochenendes mit Arbeit verbringe, frage ich mich manchmal: „Warum tue ich mir das an?“ – Und meine Laune und Motivation gehen ganz schnell den Bach runter, wenn ich keine gute Antwort parat habe.

Ich habe mir also sehr genau überlegt, warum ich gerade in dieser Phase meines Lebens diese Art von Beruf ausübe – bei mir persönlich hat das mit finanziellen Zielen, Sicherheit und dem Spaß an dieserArbeit zu tun. Deine Gründe sind wahrscheinlich andere. Wichtig ist, dass sie für dich im Moment schlüssig sind.

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2. Denk daran: Es geht vorbei

Alles ist temporär und verändert sich ohnehin ständig. Ich weiß, das klingt jetzt sehr nach Buddha, aber mir hilft es unglaublich zu beobachten, dass auch die Überforderung, der Stress und das Gefühl der Hilflosigkeit vergehen. Nicht nur entspanne ich mich vielleicht Abends bei einem großen Teller Nudeln, ich will auch diesen Beruf nur für eine bestimmte Zeit durchziehen.

Das Konzept funktioniert auch im ganz Kleinen – jeden einzelnen Tag fühle ich mich mehrmals, als ginge es wirklich bald nicht mehr weiter und jedes Mal schlägt das Gefühl auch wieder um – ganz von selbst.

Dieses Muster zu verstehen war für mich ein Durchbruch, denn ich messe meinen unangenehmen Gefühlen und Gedanken nicht mehr so viel Bedeutung zu.

Ein kleines Praxisexperiment

Schreibe penetrante Gedanken während der Arbeit in einem Notizbuch nieder und reflektiere sie Abends in Ruhe. Dann hast du sie tagsüber aus dem Kopf und kannst sie Abends relativieren. Mein Notizbuch liest sich in etwa so:

„Ich bin zu dumm“, „Alles ist doof“, „Ich schaffe das nie“, „Mein Chef ist gemein“, „Meine Kollegen haben viel mehr Glück als ich.“

Ganz in Ruhe betrachtet fällt mir immer schnell auf, wie impulsiv und temporär diese Gedanken sind. Das hilft dabei, sie beim nächsten Mal zwar wahrzunehmen, aber nicht lange daran hängen zu bleiben.

3. Wer plant, gewinnt

Entspannt trotz 60-Stunden-Job? 5 Tipps für mentale BalanceUm bei zu wenig Stunden pro Tag nicht den Kopf zu verlieren, plane ich meinen Tag peinlich genau durch. Anfangs fand ich das richtig schlimm, denn es fühlte sich falsch an, Zeit mit Freund*innen oder sogar Zeit für mich im Kalender zu blockieren.

Der Vorteil: Ich erlaube mir, mich im jeweiligen Moment voll und ganz um das zu kümmern, was ich tue. Bei Verabredungen war ich früher häufig nicht ganz bei der Sache und den Netflix-Abend konnte ich erst recht nicht ohne Schuldgefühle genießen. Wenn ich aber weiß, dass ich diese Zeit schon vorher dafür eingeplant habe, geht es leichter.

Besonders gut funktioniert das, wenn verschiedene Aktivitäten im Kalender farblich unterschiedlich markiert sind. Arbeitszeiten sind bei mir zum Beispiel blau, soziale Termine grün, Zeit alleine oder für Sport ist lila. So wird bei einem Blick auf den Kalender schnell klar, ob alle Bedürfnisse genug Aufmerksamkeit bekommen.

4. Mach es dir schön

In jedem Moment liegt Magie – auch wenn wir sie oft und gerne übersehen. Hier ein paar meiner liebsten Aktivitäten zum Lichten des dichten Nebels im Kopf. Mit einem Lächeln auf den Lippen arbeitet es sich gleich viel leichter.

  • Einen Tee trinken
  • Kurz spazieren gehen
  • „Wofür bin ich jetzt gerade dankbar?“
  • Musik hören
  • Ausmalen (fun fact: wir haben im Büro ein großes Ausmal-Poster. Vielleicht kannst du das deinen Chefs auch vorschlagen!)
  • Eine Blume auf meinen Schreibtisch stellen
  • Den Office-Hund streicheln
  • Einen Keks essen

5. Keep it simple

Ich habe im Büro gefragt, was meinen Kollegen*innen dabei hilft, mit der Arbeit gut fertig zu werden. Die Antworten waren überraschend homogen – Zeit mit Freunden, Zeit für Sport, Zeit für mich.

Eine Bekannte schlug vor, sich jeden Tag abends für drei Dinge zu loben, die man gut gemacht hat – eine sehr schöne Idee. Es fällt uns oft schwer, uns selbst in den Mittelpunkt zu stellen und achtsam mit uns selbst umzugehen. Um nicht völlig den Kopf zu verlieren, scheint das aber vielleicht der einzige Weg zu sein.

Das Allerwichtigste ganz zum Schluss

Durch herausfordernde Zeiten können wir wachsen und Neues lernen.

Mein ganz persönlicher Rat zum Ende: mach das, was sich für dich gut anfühlt und dir gut tut. Lass dir Zeit, deinen Rhythmus zu finden und nimm dir nicht zu viel auf einmal vor. Und wenn gar nichts mehr geht – ab auf die Yogamatte!

Wie gehst du mit Dauerstress um? Welche Tipps hast du für uns? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Alles Liebe,

Helena

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Titelbild © Jordan Whitfield via Unsplash

3 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Cool, der „wer plant, gewinnt“-Teil ist hilfreich für mich. Ich war bisher immer zu bequem einen solchen Plan zu erstellen, aber das bisschen Zeit investieren hilft wirklich! Danke für die Tipps, hat Spaß gemacht zu lesen!

  2. Gute realistische Tipps (y) Nicht wie der meiste High Performer, Produktivitäts Müll, den man sonst so sieht und liest. Ich finde besonders die Tipps mit der Betrachtung, dass alles temporär ist gut und der Tipps mit den Tag durchplanen.
    Zudem bin ich auch ein großer Fan davon Stress und den Stellenwert der Arbeit zu relativieren. Nicht jede Aufgabe auf der Arbeit zu Ernst nehmen und erst Recht nicht die Arbeit selbst. Dadurch erlegt man sich mMn selber zu viel Stress auf.
    Am besten eine gelassenere Haltung gegenüber Arbeit einnehmen. MMn priorisiert der Durchschnittsdeutsche die Arbeit an sich zu hoch ein. Ich bin eher ein Fan von den Familienfreundlichen skandinavischen Kulturen und Ländern.

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