Wiederkehrende Träume? Welche Fragen du dir stellen solltest

Ich fliehe durch einen Wald. Hinter mir brüllen zwei – nein – drei! riesige Urzeitmonster. Gefräßig versuchen sie, mich mit ihren Klauen zu fassen, doch ich entwische. Dazu muss ich rennen, schnell!

Was sich anhört wie Szenen aus dem letzten Marvel-Film war die Realität meiner Kindheit – im Traum.

In letzter Zeit kommen diese Träume wieder. Und ich stelle mir unweigerlich die Frage: Wollen sie mir etwas sagen? Kein Zweifel, es ist an der Zeit, sich mit Traumdeutung zu beschäftigen!

Eine Bedienungsanleitung für mein Gehirn, bitte!

Für unseren Toaster haben wir eine Bedienungsanleitung, sogar für das Düftöl. Aber leider nicht für unser eigenes Gehirn. Was wir gegen schlechte Gedanken machen können oder was uns unsere Träume sagen – einfach in die Suchmaschine eingeben oder nachschlagen, und es kommt die richtige Deutung heraus. Wäre geil, oder?

Ganz so einfach ist es leider doch nicht. Zwar kann man in Traumsuchmaschinen wie dem Lexikon der Traumdeutung oder Traumdeuter nachschlagen, wofür einzelne Symbole stehen. Diese können aber für jeden etwas anderes bedeuten. Ein Beispiel: Du träumst vom Fliegen. Wenn du gern fliegst, ein toller Traum, aber wenn du Höhenangst hast: eher ein Alptraum.

Es kommt also mehr auf die Gefühle im Traum an als auf die Symbole selbst.

Das sagt auch Carl Gustav Jung: Nach ihm müssen Träume immer im Kontext der Träumenden, also individuell, verstanden werden. Im Traum verarbeitet man Unterbewusstes, das man tagsüber erlebt oder gefühlt hat.  

Ich möchte meine Träume analysieren. So kann ich herausfinden, was mich unterbewusst beschäftigt.

Wenn ich meine Symbole aber nicht im Traumwörterbuch nachschlagen kann, wie mache ich es denn dann? Prof. Michael Schredl hat die Lösung dazu: Er meint, es gibt zwar keine vorgefertigten Interpretationen für Träume, aber jeder Traum gibt Anregungen zu Fragen, über die man nachdenken sollte. Drei Gefühle, die häufig auftreten, habe ich mir für diesen Text genauer angesehen.

1. In meinem Traum habe ich Angst

Eine Prüfung verpassen, nackt sein, gefressen werden… Die Varianten von angsterfüllten Träumen sind endlos. Sie ist eines der häufigsten Gefühle im Traum, und es lohnt sich, ihr auf den Grund zu gehen. Nach Prof. Dr. med Volker Faust kann diese Angst im schlimmsten Fall in eine Panikattacke übergehen, einer Art Notfallreaktion des Körpers bei Überspannung.

Es ist ganz normal, dass du Angst hast. Es ist okay.

In unserer Gesellschaft lernen wir schon von klein auf, dass man kein Angsthase sein soll. Achte mal drauf, was passiert, wenn du zu einer dir nahe stehenden Person gehst, und dieser Person mitteilst, dass du dich vor etwas fürchtest. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass sie sagt: “Hab keine Angst” oder “Du brauchst keine Angst haben”. Indirekt sagt sie damit, dass es unlogisch ist, Angst zu haben und du deine Gefühle bitte ändern sollst.

An alle Angsthasen da draußen: Fürchtet euch!

Gefühle kann man sich allerdings nicht aussuchen. Man kann versuchen, sie zu unterdrücken, zu verstecken oder wegzutrinken, aber das wird nicht helfen. Mein Tipp: einfach zulassen. Denn ich habe auch oft Angst. Und dann hilft es mir, zu hören: “Es ist okay, Angst zu haben. Du bist damit nicht allein.”

Wovor fürchtest du dich?

Suche dir einen ruhigen Ort, an dem du dich voll und ganz wohl fühlst. Schließe die Augen, horche in dich hinein. Und frage dich: Wie gehts mir eigentlich? Gibt es einen Ort, ein Ereignis, eine Person, die mir ein ungutes Gefühl in der Magengegend verursacht? Ja? Dann nicht aufhören! Erforsche dieses Gefühl, lasse es zu, gehe einen Schritt weiter. Frage dich: wieso verursacht dir diese Sache Angst? Fühlst du dich unvorbereitet, unsicher? Was könnte dir helfen, diese Angst ein wenig kleiner zu machen?

„Wenn es Angst macht, ist es eine gute Idee.“

Marina Abramovic

Es muss nicht die menschliche Grenzerfahrung sein, wie sie die Künstlerin Marina Abramovic häufig in ihren Performances sucht. Vielleicht hilft es aber, sich dem gefürchteten Objekt ein klein wenig auszusetzen. Angst vor einer Prüfung und noch nicht angefangen zu lernen? Schau dir doch die Vorlesungen an!

Angst vor dem Treffen mit den neuen Schwiegereltern? Frage deine*n Partner*in über sie aus! Häufig resultiert Angst nämlich aus Ungewissheit oder Unsicherheit. Und siehe da – wenn du die Angst ein paar Mal überwunden hast, ist die Unsicherheit vielleicht gar nicht mehr so schlimm.

2. In meinem Traum spüre ich Sehnsucht

Gibt es etwas, das du dir aus vollem Herzen wünschst? Zum Beispiel, mit einem Schwarm zusammen zu sein? Oder die Yoga-Ausbildung zu machen, endlich eine bestimmte Reise zu planen oder dir einen neuen Job zu suchen? Wie genau fühlt sich das an? Und könntest du das Gefühl auch anders bekommen?

In unserer heutigen Gesellschaft jagen wir immer schneller sofortiger Bedürfnisbefriedigung nach. Bei mir selbst merke ich das auch, sobald ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe (zum Beispiel dass ich sofort Schokolade brauche), kann es gar nicht schnell genug gehen. Nachdem ich die Tafel verputzt habe, gehts mir auch nicht besser. Ich versuche mich daher zu fragen, wieso ich eine gewisse Sache so unbedingt möchte. Welches Gefühl möchte ich damit erreichen? Und ist der aktuelle Weg wirklich der richtige dafür?

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3. In meinem Traum bin ich glücklich

Wahrscheinlich bist du nicht bei diesem Artikel gelandet, weil du besonders schöne Träume voller Glücksgefühle hast. Die meisten Menschen, die aus einem Traum glücklich aufwachen, freuen sich wahrscheinlich und denken nicht weiter darüber nach. Aber auch bei einem Nicht-Alptraum kann es sich lohnen, weiter zu forschen.

Gehe in dich und stelle dir die Frage: Was ist es, das dich so unfassbar glücklich macht? Ist es ein Objekt, ein Umstand, ein Ereignis? Wie ist es zu diesem Glücksgefühl gekommen? Welche Personen stehen damit in Verbindung?

Ich bin der festen Überzeugung, dass nicht nur Leid, sondern auch Glück geteilt werden muss. Vielleicht geht es dir dann wie einer Freundin von mir: Als sie im Fitnessstudio arbeitete, kam einer der Bodybuilder eines morgens mit ernstem Gesicht auf sie zu, drückte sie, und sagte einfach nur “danke”. Er hatte nämlich geträumt, dass sie ihm das Leben gerettet hatte. Und ihr Tag war damit auch gerettet.

Zurück zu meinem Traum des Gefressenwerdens.

Ganz nach Dandapani nehme ich mir Zeit, setze mich in eine ruhige Ecke und stelle mir selbst die Frage, wovor ich eigentlich Angst habe. Und – Überraschung! Ich muss gar nicht lange warten! Sofort schießen mir einige Gedanken durch den Kopf. War es ein Fehler, nach Berlin zu ziehen? Bin ich überhaupt kreativ genug für diese Stadt? Und was ist, wenn es mir so gut gefällt, dass ich hier nie wieder weg will?

Ich nehme mir Zeit und versuche, jeder einzelnen dieser Fragen nachzugehen und das ihr zugrunde liegende Gefühl – Angst zum Beispiel –  zu identifizieren. Da fällt mir ein Spruch von Osho aus seinem Buch „Mut – die Freude, gefährlich zu leben“* ein:

„Sprich nicht von Ungewissheit – nenne es Staunen. Sprich nicht von Unsicherheit – nenne es Freiheit.“

Osho

Osho meint damit, dass wir nur wirklich frei sind, wenn wir in Unsicherheit leben. Die Alternative wäre, irgendwelchen Dogmen blind zu folgen: Dann haben wir zwar Sicherheit, sind jedoch nicht frei. Aus meiner persönlichen Erfahrung weiß ich, wie wahnsinnig toll sich diese Freiheit anfühlt. Die Unsicherheit, welche mir so große Angst macht, finde ich gar nicht mehr so schlimm. Mir geht es gleich ein wenig besser.

Ich bin mir sicher, dass ich heute Abend ruhig einschlafen werde – ohne Alpträume.

Schlaf schön und träum süß!

Deine Pia

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