So erkennst du einen guten Yogalehrer

Oft werde ich von Freunden und Bekannten nach Tipps für Yogalehrer gefragt. „Wer ist denn gut?“ heißt es dann meistens. Wenn ich den Menschen persönlich kenne, fällt es mir leicht, einen Tipp abzugeben, wer denn gut passen könnte. Ein wenig schwieriger ist es, wenn mir Leserinnen schreiben. Deshalb habe ich mir Gedanken gemacht, woran du einen guten Yogalehrer erkennst.

Service statt Showtime

Gute Yogalehrer stellen nicht sich selbst, sondern ihre Schüler in den Mittelpunkt des Interesses. Statt einer dicken Make-Up-Schicht, auffälliger Kleidung und ausgeprägten Schauspieler-Qualitäten bringen sie eine ordentliche Portion Demut mit. Sich selbst sehen sie als eine Art Kanal, dessen Aufgabe es ist, die Lehre des Yoga weiterzugeben – und zwar auf eine wohlwollende und freundliche Art.

Die Ansagen sind präzise und genau

Für einen guten Flow im Yoga müssen die Worte der Yogalehrerin eindeutig und klar sein. So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Idealerweise leitet sie stufenweise durch fortgeschrittene Positionen, so dass die Schüler selbst entscheiden können, ob sie die Asana intensivieren möchten oder nicht.

Die Klasse folgt einem roten Faden

Auch Yogaklassen haben einen Spannungsbogen. Ganz egal, ob sich der Unterricht um ein alltägliches Thema dreht, einen spirituellen Fokus hat oder zu einer bestimmten Yogaposition hinführt – nach der Klasse solltest du denken: „Das war eine runde Sache!“ Die Königsdisziplin für Lehrer ist es natürlich, alles unter einen Hut zu bringen.

Es gibt keine Klassenlieblinge

In manchen Yogastudios gibt es sogar eine so genannte „No Hug Policy“. Was zunächst eigenartig erscheint, macht beim näheren Hinsehen viel Sinn: Niemand soll sich fragen, warum manche Yogis mit einer Umarmung, andere aber nur mit einem „Hallo“ begrüßt werden. Der erste Schritt zur Einheit mit allen Lebewesen, ist es eben, niemanden zu bevorzugen. Wenn immer nur die drei Yogis in der ersten Reihe Assists von der Lehrerin bekommen, ist das kein gutes Zeichen.

Authentizität, Baby!

Gute Yogalehrer sind authentisch. Das heißt, sie unterrichten das, was sie selbst fühlen können oder erfahren haben. In körperlicher, psychischer und spiritueller Hinsicht. Wenn der Unterricht vorrangig aus nachgeplapperten Phrasen besteht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei den Übenden etwas passiert, eher gering.

Last but not least, muss ich hier meine Lehrerin Sharon Gannon zitieren. Denn ihre Worte haben nicht nur meinen Yogaweg beeinflusst, sondern auch die Art und Weise, wie ich versuche, andere Menschen (und Tiere) zu sehen.

„Die wichtigste Aufgabe eines Yogalehrers ist es, seine Schüler als heilige Wesen zu sehen.“

Ob das der Fall ist, kannst du zwar nicht unbedingt sehen, aber du spürst es. Und auf das Gefühl kommt es doch an! Denn am Ende geht es nur darum, ob du dich bei der Person vor dir willkommen und gut aufgehoben fühlst. Und zwar vor, während und nach der Klasse.

Deshalb: Hör auf deinen Bauch!

Er wird dir ganz unabhängig von allen harten Faktoren klar und deutlich sagen, ob die Person vor dir der geeignete Mensch ist, um dir Yoga näher zu bringen.

Wenn du gerade erst mit Yoga angefangen hast, lege ich dir meinen Yoga für Anfänger Guide ans Herz. Darin findest du ein paar handfeste Tipps für deinen Yoga-Einstieg.

//Dieser Beitrag erschien erstmalig in leicht abgewandelter Version in der YOGA DEUTSCHLAND.

Photo Credit: Tucker Sherman via Compfight cc

6 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. No hug policy, super.

    Schön fände ich auch wenn manche Schulen eine No chat policy einführten und RUHE ein wichtiger Aspekt in den Stunden würde. Gerade manche Hipster-Yogis treffen sich beim Yoga gerne zum „verbalen Austausch“.

    Nervt! Lassen! …und schweigen.

  2. Das hast du ganz gut erkannt.

    Die Yogaphilosophie besagt, dass Gott in jedem Wesen steckt. Wir können das nur nicht immer sehen. Die Yogapraxis selbst hilft, diesen göttlichen Kern wieder zu entdecken. Ich finde das merkt man immer, wenn man sich nach der Praxis so verbunden, geliebt und glücklich fühlt, dass man die ganze Welt umarmen könnte.

    Ich habe mal ein Montagsmantra zu dem Thema geschrieben, vielleicht hilft dir das weiter: https://www.fuckluckygohappy.de/montagsmantra-ich-sehe-schoenheit-allem-und-jedem/

    Danke für deinen klugen Kommentar.

    Alles Liebe Rebecca

  3. Liebe Rebecca,

    vielen Dank für diesen tollen Artikel. Eine Frage hätte ich noch und zwar gerade zu dem Teil, der von Dir besonders hervorgehoben wurde; alle Schüler als heilige Wesen zu sehen. Ich möchte keine philosophische Diskussion anstreben, aber was heißt das übertragen auf die Praxis nun genau? So in etwa, das Gute in einem Menschen zu sehen? Moritz hat das auch einmal gesagt. Da ich in der Jivamukti Tradition nicht so bewandert bin, wollte ich gerne mal nachfragen. :)

    Viele Grüße
    Mirijam

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