Du hast Angst, dich beim Yoga zu blamieren? Das hilft

Wie ich in einem früheren Artikel schon einmal geschrieben habe, begegnen mir sehr häufig Menschen, die nicht zum Yoga  gehen, weil sie meinen, sie wären nicht gut genug. Ich sage ihnen immer wieder: Alles Quatsch.

Dieser Text ist für alle Menschen, die Angst haben, sich auf der Matte zu blamieren.

Ich habe mich früher nie für sportlich gehalten und kenne diese Angst, nicht zu performen, sehr gut. Ob mir das von irgendwem in der Kindheit eingeredet wurde oder nicht, sei dahingestellt. Es ist einfach so: Ich habe keine Lust auf Mannschaftssport; ich mag nicht die sein, die den Ball nicht fangen kann und Garantin fürs Verlieren ist. Deshalb gehe ich zum Beispiel auch nicht hin, wenn meine Freunde oder Kollegen mich zum Beachvolleyball einladen.

Aber Yoga war für mich schon immer davon ausgenommen.

Mit Yoga habe ich angefangen, weil ich dachte: „Ich bin hier auf meiner Matte für mich allein zuständig und was ich mache, kann den anderen herzlich egal sein.“ Inzwischen habe ich verstanden, dass das falsch ist.

Ich glaube an Energie der Gruppe und daran, dass Yogis in einem Studio während der Klasse miteinander in Verbindung treten. Dass sich Fokus und Flow steigern, wenn alle gemeinsam Ujjayi atmen (eine Atemtechnik, übersetzt heißt sie “siegreicher Atem”). Es ist also sehr wohl wichtig, sich als Teil einer Gruppe zu verstehen. Ob du dabei frei im Kopfstand stehen kannst oder nicht, spielt echt keine Rolle.

Hier ein paar Merksätze für alle, die Angst haben, im Yogastudio nicht zu performen:

Mach sie dir bewusst, such dir vielleicht sogar einen als Mantra aus und geh damit in die nächste Stunde.

  • Die anderen haben auch mal angefangen
  • Dass sie jetzt so “gut darin sind”, liegt daran, dass sie – ob du es glaubst oder nicht – lange geübt haben
  • Bewusst Atmen ist alles
  • Das Einzige was du können musst, um Yoga zu üben, ist atmen. Kannst du das? Wusste ich doch
  • Dein Potenzial ist riesig
  • Je weniger du bisher Yoga geübt hast, desto mehr kannst du schnell dazulernen
  • Yoga ist kein Sport. Und deshalb gibt es auch keinen Wettbewerb. Und gäbe es Wertungsrichter, würden sie dir alle Bestnoten geben, denn: du praktizierst.
  • Es ist total natürlich, im Durchschnitt zu liegen.
  • Es gibt immer jemanden, der mehr Erfahrung hat als du und jemanden, der weniger hat. Das macht niemanden als Menschen besser oder schlechter und gilt übrigens im ganzen Leben.
  • Yoga Üben ist eben genau das: Üben.
  • Fortschritte kommen nicht von ungefähr, aber sie werden sicher kommen – wenn du übst.
  • Bleib fokussiert und geh mit dem Flow

Egal, was passiert. Das ist das einzige, was deine Mityogis von dir brauchen, um eine energiegeladene, erfüllende Praxis zu erleben.
Aktiv sein und zum eigenen Üben stehen ist sexy. Es macht viel mehr Spaß, den Schwung in den Unterarmstand FAST zu schaffen, als verschüchtert im Fersensitz zu bleiben und im Raum herum zu gucken. Versprochen.

Wir leben doch schon in einer Gesellschaft, in der alles und jeder permanent eingeordnet, bewertet und verglichen wird. Wer leistet mehr in der Schule, im Studium, im Job? Wer kommt schneller, höher, weiter? Wer kennt die coolsten Leute, wer hat die meisten Länder bereist, die krassesten Partys erlebt, den aufregendsten Sex? Es ist kein Wunder, dass wir solche Gedanken auch mit auf die Yogamatte nehmen. Aber eigentlich sind wir das doch alle leid. Ich zumindest.

Ich nehme mir vor, authentisch zu bleiben und zu meinen vermeintlichen Schwächen zu stehen. Und deshalb gehe ich auch zum nächsten Beachvolleyball-Abend und werde mir beim Versuch, einen Ball zu erhaschen, die Knie aufschlagen, Sand in der Unterhose haben und herzlich über mich selber lachen. Hoffentlich.

Wo hast du Angst vor einer Blamage? Hast du schon einmal derartige negative Erfahrungen in einem Yogastudio gemacht, die dich von einer Rückkehr abhalten? Was machst du gegen Performance-Angst (auch jenseits der Matte)?  Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

Deine Uli

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3 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Ich glaube, dass es wichtig ist, eines vor Augen zu führen: Das Ziel ist es, Körper, Geist und Seele zur Einheit zu führen. Dafür muss man auf sich hören. Und wenn man das macht, dann hat man gar keine Zeit, darüber nachzudenken, was die anderen Yogis denken könnten ;-)

  2. Hallo Uli ,

    Vielen Dank für Ihre schönen, amüsanten Artikel. Ich nehme manchmal Angst zusammen mit dem Yoga-Kurs; Ich denke zu viel und zu schwer. aber es wird immer besser. Ich komme in der Strömung. Und in der Zwischenzeit meine Asanas werden immer besser und mehr Spaß zu tun.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Amalia

  3. ich bin beim kopfstand vorn über gefallen, mit richtigem krach und schwung, auf den rücken geknallt. danach war es mir erst mal zu peinlich wieder hin zu gehen. bin erst nach zwei monaten wieder hin. das war eine blamage. jetzt traue ich mich noch nicht wieder an den kopfstand ran….. :-)

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