Bookspiration: Diese aktuellen feministischen Bücher solltest du kennen

“Schau, diese Bücher haben wir damals gelesen. Das sind DIE Standardwerke der Frauenbewegung der 70er. Das sind teilweise sogar Erstauflagen!” Freudestrahlend überreicht mir meine Freundin einen großen Karton mit einem Batzen Bücher darin. 

Um meinen Wissensdurst Feminismus und  Entstehung der Frauenbewegung in den 1970er Jahren zu stillen, kam sie mir als Erste in den Sinn. Die damalige Soziologie-Studentin ist Teil dieser Generation und engagierte sich selbt in der damals entstehenden Frauenbewegung.

Ganz schön ausgelesen und mit vielen Notizen am Textrand – so sehen ihre Lieblingsbücher aus. Beeindruckend, aber auch leicht überfordernd für mich, denn ich beschäftige mich erst seit kurzem mit feministischen Themen. Mich gleich an Simone de Beauvoirs “Das Andere Geschlecht”* zu setzen, kam mir bei 941 Seiten ziemlich illusionistisch vor.

Vielleicht sollte ich es erstmal mit etwas zeitgemäßem versuchen, das leichter geschrieben ist. Ich habe recherchiert und bin auf diese feministischen Bücher gestoßen, die mich inspiriert und mir den Einstieg in die Thematik erleichtert haben: 

Nina Brochmann, Ellen Stokken Dahl, Viva la Vagina! Alles über das weibliche Geschlecht.*

Dieses Buch war eins meiner ersten feministischen Bücher, die ich verschlungen habe. Dabei ist es nicht mal unbedingt ein typisch feministisches Literaturwerk, sondern ein ziemlich witzig geschriebenes Sachbuch über den weiblichen Körper, Sexualität und Gesundheit. 

Warum wissen wir so wenig über die Vulva?

Das fragten sich die beiden Autorinnen Ellen und Nina, während sie in ihrem Studium feststellten, wie wenig Wissen sie selbst über dieses sensible Organ hatten und wie viel Irrglauben zur weiblichen Sexualität herrschte.

Auf ihrem Blog Underlivet wollten sie ohne medizinische Fachsimpeleien Mythen über das weibliche Geschlecht aufdecken. Er sollte keine weitere Sexkolumne werden, sondern viel eher eine Plattform für junge Frauen, ihre Fragen rund um den weiblichen Körper zu stellen.

Mit 1,4 Millionen Klicks wurde der Blog zum vollen Erfolg und es entstand dieses wunderbare Buch.

Unverschämt, die Dinge beim Namen nennen?

Die unverblümte, offene Sprache war es, was mich an diesem Buch so faszinierte. Die beiden Autorinnen sprechen jedes Thema so unaufgeregt und klar an: Von Tipps zum perfekten Orgamus bis hin zur Aufklärung über Krankheiten wie Vulvodynie oder Polyzystisches Ovar-Syndrom.

Hast du noch nie von gehört?

Tja, wenn es um den weiblichen Körper geht, werden leider immer noch viele Dinge in unserer Gesellschaft einfach totgeschwiegen. Dabei sollte es doch ganz natürlich sein, offen über Menstruation sprechen zu können, ohne dabei schief angeschaut zu werden oder rot anzulaufen.

Das Buch ist ein Plädoyer dafür, sich endlich von diesem Schamgefühl zu befreien, welches wir jahrelang mit uns herumgetragen haben. Denn unser Körper ist gut so, wie er ist und wir sollten offen zu ihm stehen!

Margarete Stokowski, Untenrum frei.*

Nicht als Prinzessin geboren. So heißt das erste Kapitel in Margarete Stokowskis Buch Untenrum frei. Mit witzig beschrieben Anekdoten, wie solchen über ihre piepsige Stimme im Kindergarten oder Schmink-Eskapaden im Badezimmer beschreibt sie ihre Kindheit und Jugend in der Nachwendezeit Deutschlands.

Doch die “normalen” alltäglichen Situationen, die im ersten Moment belustigend wirken, hallen nach: Denn Stokowskis Erinnerungen sind alles andere als nur harmlose Kindereien. Sie erzählen auch sexueller Belästigung, Vergewaltigung und das daraus folgende Schweigen und Schamgefühl.

“Wir können untenrum nicht frei sein, wenn wir obenrum nicht frei sind. Und andersrum.” – Margarete Stokowski

Ziemlich flapsig beschrieben, doch genau mit dieser These bringt es Margarete Stokowski auf den Punkt. Zurückhaltung, Schweigen und sexuelle Unterdrückung von Frauen beginnt schon systematisch im Kindesalter und zieht sich weiterhin durch die Gesellschaft. 

Ihre Aussagen sitzen wie Seitenhiebe: Stokowski ist witzig und polemisch zugleich wütend und herausfordernd. Die Erkenntnisse rütteln wach und stiften an zum Tatendrang. Mich hat dieses Buch sehr bewegt, weil ich mich mit vielen Situationen identifizieren konnte. Und ich bin mir sicher, es geht nicht nur mir so.

Sophie Passmann, Alte weiße Männer. Ein Schlichtungsversuch.*

Feindbild Nummer Eins der heutigen Feminismus-Generation ist ganz klar: Schuld ist der alte weiße Mann! Mit diesem Klischee will sich die junge Feministin, Autorin und Radio Moderatorin Sophie Passmann nicht zufrieden geben.

Was soll das überhaupt sein? Ein alter, weißer Mann? Und wie wird man(n) zum alten weißen Mann?

Um der Frage auf den Grund zu gehen, begibt sich Sophie Passmann in das vermeintlich Feindesterrain. Einen ganzen Sommer trifft sie sich mit einflussreichen Männern aus Politik, Fernsehen, Medien und Journalismus auf der Suche nach dem Ursprung des berüchtigten, alten weißen Mannes.

Neben Margarete Stokowski gehört Sophie Passmann zu den wichtigsten Stimmen der heutigen, deutschsprachigen, feministischen Generation. Die Interviews sind nicht nur witzig geschrieben, sondern laden dazu ein, Themen der Gleichberechtigung und Feminismus aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Raus aus der vermeintlichen Blase, um sich offen auch mit Gegenpositionen auseinanderzusetzen.

Was aber nicht bedeutet, nicht trotzdem mal auf besonders bescheuerte Aussagen zu treffen, denen Passmann geschickt den Wind aus den Segeln nimmt.

Die teilweise komischen Situationen lassen sich nicht nur gut lesen, sondern eignen sich auch perfekt als Hörbuch für unterwegs – Der Lachflash in der U-Bahn ist dabei vorprogrammiert.

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Liv Strömquist, Der Ursprung der Welt.*

Eins meiner persönlichen Lieblingsbücher ist der Ursprung der Welt von Liv Strömquist. Sie schafft es, die historisch weitreichende Geschichte der Vulva mit lustig gemalten Bildern, humorvollen und zugleich provokanten Texten in dem Format Graphic Novel abzubilden. 

Dabei ist die Darstellung nie lächerlich oder schmälert die extrem wichtige Geschichte. 

Dass wir in Bio wenig über die Vulva gelernt haben, ist symptomatisch für die Verdrängung des Weiblichen aus dem kollektiven Denken.

Schamgefühl und unterbewusste Verdrängung der Menstruation, der Klitoris und Vulvalippen (ja, ich verzichte hier bewusst auf den Begriff Schamlippen!!!) haben eine kulturgeschichtliche Vergangenheit, die sich über Jahrhunderte hinweg immer wieder verändert hat.

Liv Stömquists Comic soll aber nicht nur ein weiteres, geschichtliches Aufklärungsbuch sein, aus dem wir lernen, welch hohen Stellenwert die Frau in der Antike hatte, während das Christentum – dank biblischer Überlieferungen, wie dem Sündenfall durch Eva – der Frau den Status des Sündenbocks verlieh und ihre Weiblichkeit als unrein angesehen wurde.

Es soll uns auch zeigen, dass die geschichtliche Entwicklung der Weiblichkeit vor allem eins ist: Eine kulturgeschichtliche und menschengemachte Konstruktion, die sich immer wieder verändern lässt und niemals festgeschrieben ist.

Du bist neugierig geworden? Eine kostenlose Leseprobe findest du hier

Julia Korbik, Oh Simone! Warum wir Beauvoir wiederentdecken sollen.*

Dieses Buch habe ich von einer anderen Freundin in die Hand gedrückt bekommen, nachdem ich ihr mein Dilemma mit dem dicken Wälzer von Simone de Beauvoir erzählt habe. Wie unglaublich dankbar ich ihr doch bin, denn ich hatte einen heiden Respekt vor diesen dicken Wälzer. Während ich es las, wurde mir klar:

De Beauvoirs Lebensgeschichte hat mehr zu bieten als den Status als Lebensgefährtin vom berühmten Philosophen Jean-Paul Sartre.

Mit ihrem Buch Oh Simone! beschreibt Julia Korbik den beeindruckenden Lebensweg von Simone de Beauvoir, die nicht nur Feministin und Aktivistin, sondern auch Philosophin und Schriftstellerin zahlreicher Romane war. Dabei unterteilt sie das Buch unterschiedliche Kapitel, die sich dem vielschichtigen Charakter Simone de Beauvoir widmen

Das Buch basiert auf ihren Blog, den die Autorin 2016 ins Leben rief, um nicht nur ihre persönliche Leidenschaft Simone de Beauvoir zum Ausdruck zu bringen. Es ist der Versuch, jungen Frauen, die Frau mit dem Turban und dem einschüchternden Blick näherzubringen. Denn ihre Ideen und Thesen sind umfassender als ihr berühmtes Zitat:

“Man wird nicht als Frau geboren, man wird es!” – Simone de Beauvoir

Ihre philosophischen Ideen rund um ein authentisches Leben lassen sich gut auf unsere eigenen Lebensansprüche anwenden und sind damit aktueller denn je!

Welche Bücher haben dich beeindruckt und dürfen auf der Liste der feministischen Einstiegsliteratur nicht fehlen?

Ich freu mich über deinen Kommentar. Alles Liebe

Valerie

Titelbild © Arai Moleri

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2 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für die Liste, einige Bücher kenne ich schon. Ich kann noch Die letzten Tage des Patriarchats von Margerete Stokowski, Vagina: Die Enthüllung des weiblichen Geschlechts von Mithu M. Sanyal und die Bücher von Laurie Penny empfehlen.

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