5 Gründe, warum Yoga eine feministische Praxis ist

Klingt für dich „Feminismus“ nach verstaubten Emma-Magazinen und strickenden Ökomamis, die alle Männer für Monster halten? Sorry, falls ich dein Weltbild zerstören muss, aber ich mag bunten Nagellack und Schminke, bin im Haushalt völlig untalentiert und finde Männer großartig.

Ich bin gerade deshalb überzeugte Feministin.

Warum? Ehrlich gesagt bin ich wütend darüber, dass Frauen immer noch weniger verdienen, mehr Zeit für die Kinderbetreuung aufwenden müssen, von Männern ständig unterbrochen werden („Girls, that’s Mansplaining!“) oder sie immer wieder auf ihren „hübschen Po“ reduziert werden. Geht dir das auch so?

Glückwunsch! Du bist auf dem besten Wege, eine Badass-Feminist*in zu werden.

Im Übrigen bin ich auch überzeugte Yogini.

Und finde, dass Yoga und Feminismus wunderbar zusammenpassen, ja eigentlich nicht voneinander zu trennen sind. Warum will ich dir erklären:

1. Dein Körper ist dein Tempel – egal wie er aussieht!

Wenn ich mich für den einen Grund entscheiden müsste, warum Yoga wirklich für ALLE etwas ist, würde ich wohl sagen: Du lernst, dich in deinem Körper wohl zu fühlen, egal wie er aussieht! Völlig egal, ob du im Spagat meditieren kannst oder noch damit kämpfst auf dem Boden aufrecht sitzen zu können. Die Praxis auf der Matte führt fast magisch zu mehr Verständnis und Akzeptanz mit deiner körperlichen Hülle, die in diesem Leben nun mal dein Tempel ist.

Auch Feminist*innen kämpfen schon seit Jahrzehnten gegen das normierte Schönheitsideal des Westens, das vor allem Frauen in Zweifel, Selbsthass und schädliche Diäten und Krankheiten stürzt. Statt immer mehr Produkte für angeblich mehr Schönheit zu kaufen, dürfen wir unsere Körper für das feiern, was sie sind. Nämlich perfekt! Gerade auch queerfeministische Aktivist*innen sind wunderbare Beispiele für Menschen, die ihr der Körpernorm widersprechendes Aussehen cool in Szene setzen und damit den Erwartungen frech die Zunge ausstrecken. Denn wie Caitlyn Siehl es so wunderbar treffend gesagt hat:

Honey, it is NOT your job to look good!

2. Shiva ist ein Transvestit – Bye, bye, Stereotypes!

Okay, ich begebe mich jetzt auf dünneres Eis. Aber hast du dir die hinduistischen Götterfiguren wie Shiva, Kali oder Krishna mal im Hinblick auf übliche Geschlechterbilder angesehen? Auch wenn wir ihnen oft ein klares Geschlecht zuordnen, vereinen sie in sich doch sehr viele „typisch männliche“ und „typisch weibliche“ Eigenschaften. Die männlichen Figuren werden oft stark geschminkt und geschmückt gezeichnet, auch die weiblichen Göttinnen sind voller Macht und Kraft.

Das ist auch gut so, denn so wird deutlich, dass angeblich männliche oder weibliche Eigenschaften immer von der Kultur, Ort und der Zeit abhängig sind. Das heißt nichts weiter, als dass wir zu Frauen und Männern gemacht werden (Simone de Beauvoir!). In vielen Yogaklassen wird dazu leider oft von männlichen und weiblichen Qualitäten oder Energien gesprochen. Doch die Idee dabei ist eigentlich, dass wir alle diese beiden Qualitäten in uns tragen und Geschlecht damit mehr ein Kontinuum als ein entweder/oder ist. Höchste Zeit also, um eigenes angelerntes „Männer- oder Frauen“-Gehabe zu hinterfragen und im besten Falle ganz neue Dinge auszuprobieren und auszuleben!

3. Yoga bedeutet Einheit – Gleichberechtigung für alle!

Das Ziel von jeder Yogapraxis ist Einheit, Einssein mit allem und ja, damit auch die glückvolle Erleuchtung. Die jahrtausendalten Schriften des Yoga sagen uns klar, was uns dafür im Weg steht: Der Glaube, getrennt und anders zu sein. Das Wort Diskriminierung beschreibt das Problem in seiner Wurzel schon sehr treffend: Wenn ich andere abwerten will, muss ich mich zuerst von ihnen unterscheiden (to discriminate) und eine Abgrenzung in meinem Kopf herstellen. Macht, Hierarchien und Unterdrückung basieren auf den immer gleichen Prinzipien der Unterscheidung und Abwertung. Das gilt nicht nur für Sexismus, sondern auch für Rassismus, Ableismus, Speziezismus, Heteronormativität, usw.

Unsere ganze Welt ist voller Gegensätze und Dualitäten, die immer einen machtvollen und einen machtlosen Pol haben. Das Ziel der Yogapraxis ist nun Verbindung (wieder-)herzustellen und diese Dualitäten zu überwinden, Gemeinsamkeit zu erkennen. Denn um es ganz kurz für alle zu machen: Am Ende bestehen wir doch alle aus dem gleichen Sternenstaub, ne?

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Im Mai unterrichtet Janna bei Peace Yoga Berlin zwei Workshops zum Thema „Yoga for Female Empowerment“

4. Ahimsa – Setz dich für andere ein!

Im Yoga ist ahimsa, also die Gewaltfreiheit, ein zentrales Prinzip. Das heißt aber nicht, dass du nur den ganzen Tag friedlich meditieren sollst, um bloß niemandem Leid zuzufügen. Im Gegenteil, wir müssen aktiv handeln und uns dafür einsetzen, dass es allen gut gehen kann.

Für mich als yogische Feministin heißt das ganz konkret, dass ich Ungerechtigkeiten nicht mit einem gleichmütigen „OM Shanti!“ ignoriere, sondern dass ich mich damit auseinandersetze – egal ob es meine eigene Benachteiligung oder die von anderen betrifft. Ich muss mich fragen: Was kann ich aktiv dafür tun, dass alle gesehen werden, gleiche Chancen haben und frei und glücklich leben können? Warum tun wir anderen verbale, körperliche oder strukturelle Gewalt an, nur weil sie gerade nicht zufällig männlich, weiß und hetero sind?

Lokah Samastah Sukhino Bhavantu. Mögen alle frei und glücklich sein. (Und was kannst du dazu beitragen?)

5. Freiheit  – geh deinen eigenen Weg!

Sowohl als Feministin als auch als Yogini suche ich Freiheit und Selbstbestimmung. Frei von alten und neuen Dogmen und Regeln will ich meinen eigenen für mich guten Weg gehen können. Ohne, dass mir dabei Steine in den Weg gelegt werden, weil ich Frau/Homo/Queer/Schwarz/wasauchimmer bin. Dafür brauche ich Kraft und Unterstützung, die ich auch in meiner Yogapraxis finde. Denn Selbst-Fürsorge und Achtsamkeit müssen immer die Basis sein, aus der heraus ich handeln kann. Damit ich meine eigenen Möglichkeiten und Grenzen kennenlerne.

Auch Yoga ist wie die meisten gesellschaftlich anerkannten Bereiche jahrhundertelang eine Männerdomäne gewesen. Selbst wenn sich in westlichen Yogastudios vor allem Frauen der Erleuchtung entgegenstrecken, darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Regeln und Vorgaben im Yoga von Männern erdacht und verbreitet wurden. Deshalb ist es umso wichtiger, auf den eigenen Körper zu hören und sich nichts von Männern erzählen zu lassen. Kein Kopfstand während der Menstruation? Doch, auf jeden Fall, wenn es DIR gut tut!

Du willst mehr über Yoga und Feminismus erfahren?

Zum Abschluss noch ein paar Lese-Tipps. Und eine Einladung zu meinen Workshops bei Peace Yoga Berlin.

  • Im Mai startet mein Herzensprojekt, eine Workshopreihe mit dem Thema „Yoga for Female Empowerment“. Ganz unter Frauen beschäftigen wir uns am 6. Mai mit Yoga & Feminismus und am 20. Mai mit Yoga und der Periode. Alle Infos bei Peaceyoga auf der Webseite.
  • Laurie Penny’s Artikel über ihre eigene feministische und selbstsorgende Yogapraxis lesen: Die Wohlfühl-Lüge
  • Wenn ihr regelmäßig mit dem heißesten Shit aus der feministischen Szene auf dem Laufenden gehalten werden wollt, solltet ihr den wöchentlichen Newsletter vom Missy Magazine (10€/Jahr) abonnieren. Das mit Abstand coolste feministische Magazin hat auch eine tolle Webseite und bringt 6x im Jahr ein Heft raus.

Peace and LOVE!
Janna

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