Achtsamkeit to go: 5 Meditations-Apps im Test

Wenn wir an Meditation denken, stellen wir uns oft einen im Schneidersitz in sich ruhende/n Yogi auf einem Kissen vor. Meditation ist nicht nur das. Die Praxis der Achtsamkeit ist nicht an eine bestimmte Sitzhaltung oder an einen Ort gebunden. Im Grunde können wir Meditation überall finden.

Oft treibt uns aber vor allem die Frage um: Wie soll ich anfangen mit dem Meditieren? Wie kann ich eine regelmäßige Praxis zu Hause oder auf Reisen etablieren? Und wie bleibe ich dabei und lasse mich nicht von dreckigem Geschirr, der piependen Waschmaschine oder Bahnhofs-Durchsagen ablenken?

There is an app for that.

Witzigerweise ist es ausgerechnet das Smartphone, das vielen Menschen den Einstieg in die Meditation erleichtert. Verschafft uns das Ablenkungstool schlechthin tatsächlich die so sehr ersehnten Pausen im stressigen Alltag? Wir waren uns da nicht ganz sicher. Und haben es getestet.

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Das sind die besten Meditationsapps

Die von uns ausgewählten Apps sind in ihren Grundfunktionen kostenlos. Bei den meisten kann man kostenpflichtige Kurse oder ein Upgrade auf eine Premium-Mitgliedschaft hinzubuchen.

7Mind: Achtsamkeit im Zeichen der Sieben7mind

Einfach nur Sein. Das schlägt mir die Stimme der 7Mind-App im Intro vor. Dieser Artikel und die Beschäftigung mit Meditation scheint gerade im genau richtigen Moment zu kommen. Ich bin mehr als hibbelig, und es zuckt in meinem Zeigefinger, um auf den Screen zu tippen und direkt einmal das Intro zu überspringen. Dabei dauert eine Meditation nur sieben Minuten!

Ein Kurs besteht aus sieben Meditationen und erstreckt sich idealerweise über die sieben Tage einer Woche. Die Zahl Sieben im Titel ist also Programm. Ein wissenschaftlicher Background und die Zusammenarbeit mit dem Mind-Body-Experten Prof. Dr. Med. Tobias Esch geben den Inhalten fundierten Tiefgang.

Getting Started:  Die Grundlagenmeditation und die Einzelmeditationen zu Schlaf, SOS und Warten sind kostenfrei.
Preise: Alle Kurse & Meditationen einen Monat lang 11,99 €; ein Jahr lang 59,88 €; lebenslang einmalig 149 €. Testen ist nicht ohne Anmeldung möglich.
Tech: iOS & Android
Sprache: Deutsch, Französisch
Extras: Es gibt sogar eine Version für Kinder. Ob Kinder so etwas brauchen, ist eine andere Frage.

The Mindfulness App: Das Sprachwundermindfulness

Entwickelt wurde die Mindfulness-App von den beiden Yoga- und Mindfulness-Enthusiasten Magnus Fridh und Martin Wikfalk. Neben zahlreichen geführten Meditationen punktet hier vor allem eine Sprachauswahl.

Man kann während der geführten Meditation Naturgeräusche dazu schalten und graduell in der Lautstärke über die Stimme regeln. Also beispielsweise ein kräftiges Regengeräusch und eine leisere Meditationsstimme. Außerdem kann man sich eine eigene Meditation – z.B. Intro plus 20 Minuten Stille – zusammenstellen.

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Getting Started: Eine fünftägige Einführung, Naturgeräusche und unterschiedlich lange Sessions sind kostenfrei.
Preise: Die Premiumversion (59,99€ für ein Jahr) bietet mehrtägige Programme und rund 200 Meditationen zu Themen wie Schlaf, Körper, Stressabbau und Fokus.
Tech: iOS, Android
Sprache: viele Sprachen zur Wahl, darunter Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Schwedisch u.a.
Extras: Erinnerungsfunktion, Suchfunktion um Lieblingslehrer*innen oder -thema zu finden.

Stop, Breathe & Think: auf dich zugeschnittene MeditationenStopbreathandthink II

Wie geht’s dir? Körperlich? Mental? Mein iPhone stellt mir diese Frage und sucht die für mich passende Meditation raus. Ich entscheide mich für „Engaging your Senses“. Zur Auswahl steht eine weibliche und eine männliche Stimme. Ich versuche es mit Grecco. Passt. Angenehme Stimme und sinnvolle Aufgabenstellungen.

Dann entdecke ich noch „One Minute to Focus“ und denke: Das ist genau was ich jetzt brauche. Ich soll mich eine Minute lang auf meine Ein- und Ausatmung konzentrieren. Das klingt nicht besonders fancy, aber das Ding ist ja: Diese kurzen Momente des Innehaltens verschwinden so schnell, wenn wir uns nicht bewusst daran erinnern.

Das kann zum Glück jetzt die App für mich erledigen. Ich stelle mir also den Daily Reminder auf 16.00h – die Zeit meines üblichen Nachmittagstiefs. Wer schon erfahren ist und ohne Anleitung meditieren möchte, kann den Breathe- oder Meditation-Timer nutzen und nur die Zeit einstellen.

Die Organisation hinter der App Tools for Peace ist nicht kommerziell und die Einnahmen kommen Partnerprogrammen mit Schulen und Universitäten zu Gute, die Schüler*innen mit Meditation in Kontakt bringen.

Getting Started: Die meisten Meditationen sind kostenlos.
Preise: Das Premium-Upgrade kostet monatlich 11,99 € und 64,99 € pro Jahr und bietet weitere 50 Meditationen, Videos und einen individuellen Meditations-Timer.
Tech: iOS, Android, Browser
Sprache: Englisch
Extras: Benachrichtigungen und extra Atem- und Meditations-Timer.

Headspace: Raum zwischen den Gedankenheadspace

Mehr Raum im Kopf. Das verspricht der Name der App. Das Headspace-Programm Take 10 ist eine kostenlose Einführung in die Meditation. In täglich zehn Minuten führt uns die Stimme des Entwicklers Andy Puddicombe in die Welt der achtsamen Gedankenbeobachtung ein.

Es gibt – nach Abschluss eines Abos – geführte Meditationen zu verschiedenen Themen wie Beziehung, Fokus oder Motivation. Damit die Ruheinsel nicht im Wirbel des alltäglichen Wahnsinns untergeht, kann man Benachrichtigungen einschalten, die einen an die kurze Auszeit erinnern.

Getting Started: Gratis ist nur die Einführung und eine Registrierung ist Pflicht.
Preise: Monatsabo 12,99 €; Jahresabo 71,88 €, Lebenszeitabo 299,99 €
Tech: läuft auf den meisten Geräten
Sprache: Englisch
Extras: Benachrichtigungsoption

Calm: Ruhe durch Soundkulissencalm

Meeresrauschen, Vogelgezwitscher. Noch bevor man sich für ein Programm entschieden hat, baut sich schon eine beruhigende Soundkulisse auf. Die App sagt, ich soll erst einmal einen tiefen Atemzug nehmen. Ich tue wie mir geheißen.

Neben geführten Meditationen gibt sich Calm als eine Art Mindfulness-Spotify. Man kann nämlich auch Musik-Playlists nach Stimmungen wie Relax, Nature oder Focus auswählen oder sich sogar Gute-Nacht-Geschichten verschiedener Genre vorlesen lassen. Oder dem Smartphone das Geschichtenerzählen für die Kinder überlassen, statt selbst vorzulesen.

Getting Started: Kostenlose Sieben-Tages-Meditation. Anmeldung erforderlich.
Preise: Ein umfangreicheres Angebot bieten die Abos für 12,99 $ im Monat, 59,99 $ im Jahr oder 299 $ ohne Laufzeitbegrenzung.
Tech: iOS, Android, Browser
Sprache: Englisch
Extras: Benachrichtigungsoption, Gute-Nacht-Geschichten, Musik

Meditieren mit einer App – Top oder Flop?

Eine geführte Meditation steht und fällt mit dem Sympathiefaktor der Stimme. Und der ist höchst subjektiv. Die Inhalte sind natürlich auch wichtig, aber wenn ich die Stimme nicht mag, ist die App für mich raus.

Ich bin überrascht. Ich hatte Vorurteile. Warum sollte mein Alltags-Chaos-Beschleunigungs-Gadget mich zum Meditieren bringen? Geführte Meditationen, die immer und überall verfügbar sind, helfen mir gerade sehr, um wieder in eine regelmäßige Meditations-Praxis zu finden.

Klar könnten wir das auch ohne. Aber es macht Spaß, dem Affengeist eine Richtung geben zu können und jemanden zu haben, der einem sagt, was man machen soll. Auch wenn ich eigentlich weiß, dass ich einfach nur meinen Atem beobachten könnte.

Wie sind deine Erfahrungen mit solchen Meditations- und Achtsamkeits-Apps? Ich bin gespannt, deine Meinung zu lesen.

Alles Liebe,

deine Jule

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5 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo!

    Ich habe auch schon 2 der 5 aufgelisteten Apps ausprobiert und selbst überlegt darüber einen Artikel zu schreiben. Aber das kann ich mir ja sparen, denn euer Artikel fasst alles super gut zusammen, danke dafür!!

    Liebe Grüße Evelyn

  2. Ich benutze die Head Space App schon seit ein paar Jahren und finde sie super, gerade auch für Meditations-Anfänger.
    Ich stimme Dieter grundsätzlich zu, dass Achtsamkeit und to go nicht wirklich zusammenpassen, aber man kann so eine App ja auch achtsam einsetzen, also sich bewusst Zeit dafür nehmen.

  3. Servus Jule,
    ich habe mir mir als ich zu meditieren anfing auch solche Apps angeschaut. Für mich ist das nix. „Achtsamkeit“ und „to go“ geht für mich gar nicht zusammen. Achtsamkeit kann man nicht so einfach aus dem Regal nehmen; sie ist kein Konsumartikel. Die einzige Meditations-App, die ich noch nutze ist ein Timer mit Klangschalentönen.
    es grüßt herzlich Dieter

    1. Interessant, für mich hat Achtsamkeit bzw. Meditation überhaupt nicht mit daheimsein und sogar nicht mal zwingend mit einer ruhigen Umgebung zutun. Ich liebe es z. B., solche Apps im Zug zu nutzen oder wenn ich im Sommer im Park liege. So verschieden sind Geschmäcker :) Das einzig doofe finde ich, dass die For-free-Versionen doch recht sparsam ausfallen.

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