Wie gehen wir mit sexuellen Übergriffen im Yoga um, Marlene Halser?

Triggerwarnung: sexualisierte Gewalt

Von zu intimen Assists und unangebrachten Flirts mit Yogaschüler*innen über fragwürdige Heilsversprechen selbsternannter Gurus durch Sex bis hin zu systematischem, jahrelangem Missbrauch – sexualisierte Gewalt in sämtlichen Ausprägungen gibt es leider auch im Yoga.

Und es wird Zeit, dass wir darüber sprechen.

Wir müssen uns mit dieser Tatsache auseinandersetzen und dürfen nicht die Augen davor verschließen, dass sich in vielen Yoga-Traditionen die Vorwürfe um sexualisierte Gewalt häufen, beziehungsweise stärker ans Licht kommen. Denn überall dort, wo es Hierarchien und ein Machtgefälle gibt, kann diese Macht eben auch missbraucht werden.

Im Frühjahr 2020 wurde beispielsweise bekannt, dass Yogi Bhajan, der Kundalini Yoga in den Westen brachte, Mitarbeiter*innen über Jahre hinweg sexuell genötigt hat.

Journalistin Marlene Halser hat 2020 über ein halbes Jahr innerhalb der Sivananda Yoga Tradition recherchiert, mit mehreren Angehörigen der Tradition über sexuellen Missbrauch durch Gurus gesprochen und darüber, wie die Leitung der Organisation mit den Vorfällen umgegangen ist. Herausgekommen ist ein umfangreicher Artikel, der am 05. November 2020 im SZ-Magazin erschienen ist.

Da uns das Thema in der Redaktion sehr am Herzen liegt und wir schon lange planen, uns nicht nur untereinander auszutauschen, sondern auch öffentlich auf FLGH damit auseinanderzusetzen, hat Rebecca die Veröffentlichung von Marlenes Artikel zum Anlass für diese Folge vom Heiligen Bimbam genommen. Sie ist ein Anfang.

Marlene und Rebecca sprechen über das Guru-Prinzip in vielen Yoga-Traditionen und wie dieses mit sexualisierter Gewalt in Verbindung stehen kann.

Sie gehen auf die Rolle von physischen Assists ein und sprechen über die Frage, ob man wirklich davon ausgehen kann, dass alle im Raum damit einverstanden sind. Es geht auch darum, wie die Leitungen von Yoga-Organisationen mit Fällen sexualisierter Gewalt umgehen sowie um die Individuen innerhalb der Organisation:

Wie gehe ich als Lehrer*in einer Yoga-Tradition mit Missbrauchsvorwürfen innerhalb dieser um?

Kann ich noch vertreten, so zu unterrichten oder ist die gesamte Methode dadurch diskreditiert?

Außerdem überlegen die beiden gemeinsam, wie Yogalehrer*innen und Studios ihre Schüler*innen vor sexuellen Übergriffen schützen können, welche Guidelines zu einer sicheren Praxis beitragen können, wie Schüler*innen in einer Yogaklasse ihr Einverständnis für Assists geben können und welche Grenzen es in der Lehrer*innen-Schüler*innen-Beziehung zu ziehen gilt.

Hört rein!


Triggerwarnung: In dieser Folge geht es um sexualisierte Gewalt in der Yoga-Szene. Wenn euch das Thema zu sehr belastet, bitten wir euch, diese Folge nicht anzuhören. 

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Titelbild © Grit Siwonia

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7 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Das ist gut, dann lassen wir das so stehen.

    Es gib zu Allem unterschiedliche Meinungen. Diese Meiningen auszutauschen und in einen Diskurs zu treten , heisst selbstbestimmt und authentisch zu leben.
    Davon profitieren!! wir alle.
    LG Jan

  2. Ich sehe die Thematik aus einer übergeordneten soziologisch sozialpsychologischen Perspektive.

    Mich beschäftigt die Frage: Wie konnten sexuelle Grenzverletzungen zu einem der drängendsten Probleme in westlichen Gesellschaften aufsteigen?

    Antworten fand ich in einem Artikel der ” Zeit ”

    Die Soziologin und Kriminologin Daniela Klimke schreibt in ” Von Ängsten umzingelt
    Wie die Opfer von Sexualverbrechen zu gesellschaftlichen Favoriten wurden” folgendes:

    “Die Quelle sexueller Gefährdungen scheint unerschöpflich. Seit den neunziger Jahren werden im Prozess fortwährender Problemgewinnung immer neue sexuelle Großrisiken in die aufgeheizte öffentliche Stimmung gestreut. Jede weitere Problemzulieferung inszeniert sich dabei erneut als mutiger Schritt, ein überfälliges Tabu und ein erzwungenes Schweigen zu brechen…………
    Ohne Zweifel ist sexuelle Gewalt ein gesellschaftliches und individuelles Problem. Erstaunlich ist jedoch die grundlegende Umdeutung des Phänomens in nur wenigen Jahrzehnten. Dass Sexualität eine überall lauernde und höchste Gefährdung bedeutet, deren voller Umfang sich kaum erahnen lässt, ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden…………Gegenwärtig kommt dem Kriminalitätsopfer die größte Bedeutung zu, vor allem dem Opfer intimer Gewalt. Die Opferdiskurse unterscheiden sich zum einen danach, ob die Verletzung als gesellschaftlich bedingt angesehen wird, etwa durch systematische Benachteiligung und Verfolgung”….Fazit:”So wichtig die Anerkennung und so folgenreich das Leid sexueller Gewalt ist – die Verallgemeinerung der Opferperspektive erlaubt allein die Artikulation von Leidenserfahrung. Aus dem Bürger, der selbstbewusst Demokratie, Recht und Freiheit fordert, wird so ein Patient, der unter den Schutzschirm des Strafrechts kriecht.

    https://www.zeit.de/2017/08/opfer-sexualverbrechen-debatte/seite-3

    1. Das ist eine Position, die sich oft dadurch auszeichnet, dass die Person, die sie äussert, direkt oder indirekt vom Schweigen der Betroffenen profitiert.

      1. Interessanter Einwand. Die Soziologin und Professorin für Kriminologie Daniela Klimke, also eine Geisteswissenschaftlerin, sollte ein Interesse haben von “Schweigen” Opfer sexueller Gewalt (eines Verbrechens) zu profitieren?! Kennst du da persönliche Hintergründe?

        1. Du hast dich ja entschieden, einen Auszug aus dem Text, an dieser Stelle als Kommentar zu posten. :) Ob was sie schreibt eine Mehrheit in ihrem Fachgebiet hat, müsste man erst mal recherchieren. Ich bin sicher, es gibt Wissenschaftlerinnen, die das anders sehen.

          1. Und for the record: Selbstverständlich können auch Frauen und Wissenschaftlerinnen davon profitieren, den Status Quo nicht in Frage zu stellen und eine Meinung anzubieten, die dieses Ansinnen unterstützt. Opportunismus hat kein Geschlecht.

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