The Majesty of Being: Meghan Currie im Interview

Als ich vor ein paar Jahren Meghan Currie im Internet entdeckte, war ich hin und weg. Wie diese Frau sich bewegen konnte – irgendetwas war da. Viele Yogis sind superflexibel und machen die verrücktesten Sachen, aber wenn Meghan sich bewegt, dann ist es, als ob man Wasser dabei zusieht, Formen anzunehmen. Es ist unfassbar schön und irgendwie nicht von dieser Welt. Für mich sieht es so aus, als würde Meghan nicht Muskeln aktivieren, sondern jeden einzelnen Partikel im Energiefeld „Meghan“ mit Liebe bewegen.

Mit Liebe bewegen – das tut sie auch in ihrem Unterricht. Nicht nur mich kickte ihr Majesty of Being Workshop in Berlin im Juni in eine neue Dimension. Sie eröffnete mir neue, innere Welten und ließ mich Felder meines Potenzials entdecken. Das Beste: Meghan ist dabei unglaublich authentisch, sie kann wispern, poetisch, beschwörend sein, dich fast in Trance führen und ein paar Stunden später sehr körperlich praktizieren und dreckige Witze erzählen. Ich schätze, dies ist mehr als ein Interview. Dies ist eine Liebeserklärung an eine unglaubliche Frau.

Liebe Meghan, wir haben das ganze Wochenende nicht nur viel praktiziert, sind tief in uns gegangen, sondern haben auch viel gelacht. Was bringt dich laut zum Lachen?

Oh, ich habe einen wirklich schwarzen Humor. Alles was wirklich kindisch ist, wie etwa der Furz-Song heute beim Workshop.

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Darf ich über den Furz-Song schreiben?

Ja! Über den Furzsong und Gurken zwischen den Beinen.

Also: der Furz-Song war ein Song im Musik-Set von Meghan’s Majesty of Being Workshop in Berlin. Gerade als Meghan das Bein aus Down Dog hochschwang, kamen knarzende Pups-Geräusche aus den Lautsprechern, die nicht aufhören wollten – was zu einem allgemeinen Heiterkeitsausbruch führte, insbesondere bei ihr selbst.

Mit den Gurken hat es folgendes auf sich: Meghan kühlt sich gerne, indem sie Gurkenscheiben zwischen die Knie und auf die Beine legt. Auch bei Geschäftsessen, was durchaus für Verwirrung sorgen kann.

Im Endeffekt ist das meine Philosophie: ‚Keep cool and don‘t hold it in. Don‘t hold back.‘ 

Woher kommt deine Inspiration?

Ich praktiziere, lese und studiere wirklich viel, aber meine Inspiration kommt vor allem, wenn ich unterrichte. Ich erhalte oft Visionen während des Unterrichtens, es kommen Bilder, die zusammengefügt ein großes Ganzes, ein Konzept ergeben. So wie bei diesem Workshop: ich empfing Bilder, Worte über Humanität, unser Universum, unsere Beziehung zu diesem Leben, und ich wusste ich genau das ist es.

Weißt du, wenn ich unterrichte, dann bitte ich zuvor um Führung, ich co-kreiere. 

Daher nehme ich auch meine Klassen auf, denn ich weiß nie, was die Antwort sein wird. Anschließend setze ich mich nach der Klasse hin, höre zu und schreibe auf, bringe es in ein Format. Dieser Workshop The Majesty of Being resoniert so sehr mit mir, vielleicht werde ich ihn noch Jahre unterrichten.

Würdest du sagen, du channelst, wenn du unterrichtest?

Ich mag esoterische Ansätze, aber noch lieber mache ich Konzepte erlebbar. Ich möchte das Unfassbare nahbar, fühlbar und greifbar machen. Deshalb sage ich nicht ‚oh, ich channele‘, sondern versuche einfach jeden in meine Worte einzubeziehen, eine Stimmung zu erzeugen und alles wie einen kunstvollen Wandteppich miteinander zu verweben.

Hast du Momente, in denen du Majesty of Being erfährst?

Ich weiß nicht, ob es einen Moment gibt, wo es am meisten passiert. Meine Praxis entsteht aus der Bewegung, die Bewegung führt mich in die Stille, die Stille in den Raum dahinter. Majesty of Being ist aber für mich nicht nur präsent, wenn wir diese großartigen, offensichtlichen Momente haben, sondern das Majestätische unseres Seins offenbart sich immer, genau jetzt, in diesem Moment. Auch und ganz besonders, wenn das richtige Leben stattfindet, wenn wir uns Herausforderungen stellen müssen.

Eine der stärksten Lehren des Yoga ist, in jedem Moment das Majestätische des Lebens zu erkennen und durchtränkt zu sein von diesem Geschenk – und nicht nur während oder nach der Praxis.

Ich erinnere mich kontinuierlich daran. Zum Beispiel wenn ich aus meiner Mitte falle, weil ich müde bin, weil ich viel reise und unterrichte; dann erinnere ich mich daran wie glücklich ich bin, dass ich dies tun darf. Wenn wir immer in unserer Komfortzone bleiben, sehen wir eindimensionaler, wir sehen grün, blau und gelb, aber wenn wir aus unserer Komfortzone herauskommen, dann ist da dieses unfassbare Spektrum an Licht, Frequenz, Energie, Farben und neuen Dimensionen.

Um es zusammenfassen: Die Antwort auf deine Frage ist eine multidimensionale Antwort. Zum einen ist es das Offensichtliche: wenn wir den Blick erhaschen auf etwas Großes, das Licht, den unendlichen Raum. Und dann ist es die Praxis, wie wir in jeder Situation den Reichtum des Momentums erfahren können, dass wir buchstäblich in dem Moment baden können, egal was gerade passiert, weil wir fasziniert sind von der Diversität der Möglichkeiten unserer menschlichen Erfahrungen.

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Hast du eine Mission oder ein Warum?

Diese Frage kann ich dir nicht beantworten. Denn, wenn ich das tue, dann weiß ich, wohin ich gehe. Und etwas in mir sagt mir, dass das nicht meine Art ist, sondern dass ich spontan leben muss, dass ich dem Leben erlaube muss, mich zu führen und darauf zu vertrauen, dass sich mein Lebenszweck entfalten wird.

Deshalb sage ich nicht, ‚oh, meine Mission ist das‘ oder ‚mein Lebenszweck ist das`. Ich definiere mich auch nicht über das Feedback, das ich bekomme, wie etwa „Du hast mir geholfen, meine Femininität wiederzufinden“ oder „du hast mir geholfen, mich wahrhaft weiterzuentwickeln.“

Wenn ich ein Label drauf packe, würde es mich limitieren.

Was ich tue, ist so voller Dynamik, wenn ich ein Label drauf packe, würde es mich limitieren oder könnte der Grund sein, warum ich enttäuscht bin, weil es Erwartungen mit sich bringt, die sich auch nicht erfüllen könnten.

Du sprichst offen darüber, dass du Depressionen hattest.

Es begann als ich jung war mit einem psychologischen Urknall. Ich fragte mich, warum die Menschen sich so komisch verhalten, als ob alles in Ordnung ist, denn für mich war es das nicht! Mein Bewusstsein ließ mich bis ins Kleinste sehen. Nehmen wir den Tisch: Mein Bewusstsein würde ihn bis ins Detail herunterbrechen, von der Faser, bis zum kleinsten Partikel – aber es ging noch weiter. Es ging weiter bis zu den Schichten, die eigentlich für Menschen nicht existieren.

Mir wurde gezeigt, dass gar nichts stoppt, dass die eigentliche Natur des Universums Unendlichkeit ist. 

Das war zu viel für mich. Ich bin fast verrückt geworden, ich hatte nichts, woran ich mich festhalten konnte, denn es gab kein Ende, keine Orientierung. Es fühlte sich damals an wie die Hölle. Purer Horror. Ich brach nicht nur zusammen, ich fühlte mich fragmentiert, ich wollte nicht mehr leben. Ich entwickelte Paranoia, obsessives Verhalten, Anorexie, weil ich nicht damit umgehen konnte.

Heute bin ich dankbar dafür, nicht nur, dass mir die Tiefen des Universums gezeigt wurden, sondern auch dankbar dafür, dass ich Menschen helfen kann, die Angst haben. Ich hatte so lange Angst, ich weiß genau wie es sich anfühlt und ich kann helfen, aus der Angst wieder zur Liebe zu finden.

Ich kann ihnen helfen, wieder Vertrauen in das Leben zu finden. Was mir diese Ereignisse damals auch gezeigt haben: Ja, es verändert sich alles, alles ist in Bewegung, aber das ist gut, das ist die Natur des Lebens, die in Zyklen kommt.

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Was war dein bester Fehler?

Mein bester Fehler war, einen Burnout zu bekommen und zwar in vielerlei Hinsicht. Weißt du, ich denke, es gibt großartige Fehler oder Gelegenheiten, aus denen wir lernen können, wie kollabierte Beziehungen, aber mein Burnout hat mich in so vielen Bereichen weitergebracht.

Ich habe vorher nicht wahrgenommen, wo meine Grenzen sind, wann meine Kapazitäten vollständig erschöpft sind. Als es dann passierte, habe ich viel gelernt: Wie dieser Zusammenbruch genau aussieht und wer auch dann an meiner Seite bleibt, wenn ich nicht perfekt bin. Ich saß damals in meinem Raum und war dabei meine Sachen zu packen, ich sollte von einem Ort zum anderen Reisen und – bin einfach kollabiert. Ich konnte einfach nicht mehr aufhören zu weinen.

Ich sehe meinen Burnout inzwischen als eine wertvolle Gelegenheit meine Grenzen zu erfahren. Er hat mich gelehrt, mich immer zu hinterfragen und mich um mich zu kümmern.

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Montags ist beispielsweise der Tag, an dem ich entspanne, Kraft schöpfe, an dem ich kaum kommuniziere. Es ist mein Hermit Monday, mein Eremiten-Montag. Wenn ich mir diesen Raum nicht gebe, wenn ich meine Grenzen nicht respektiere, dann leidet meine Sprache darunter, ich werde überemotional und nehme Dinge persönlich, werde frustriert und irrational.

All das kommt, wenn man sich dem Zustand eines Burnouts nähert und wow, das war lehrreich. Ich weiß jetzt sehr genau, wie ich mich um meinen Menschen kümmern kann;  ich mag diesen Ausdruck „taking care of my human“. Ich habe eine klare Care-Vision für mich definiert, so dass ich ein besserer Mensch für mich und für andere Menschen bin.

Danke für das Interview, Meghan!

Fotos © PR Meghan Currie

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