Nur Mut: Wie ich es geschafft habe, ohne Pille & Co. zu verhüten

Rückblickend habe ich keinen blassen Schimmer, was mich geritten hat, an diesem Herbsttag im Jahr 2010. Jahrelang habe ich nicht einen einzigen Gedanken daran verschwendet, und dann plötzlich aus heiterem Himmel, fragte ich mich, wie mein Körper wohl ohne funktionieren würde: ohne Hormone, ohne Pille. Insgesamt neun Jahre hatte ich sie genommen, das erste Mal mit 17. Ich weiß noch, wie ich damals voller Stolz aus der Praxis meiner Frauenärztin spazierte, in der Hand: mein allererstes Pillenrezept. Ich fühlte mich unglaublich erwachsen, so reif und verantwortungsbewusst. An dem Tag aber, als ich beschloss sie abzusetzen, fühlte ich mich alles andere als das. Vielmehr ängstlich.

Was wird passieren? Wie wird es mir und meinem Körper ohne gehen?

Um mir Absolution für meine Entscheidung zu holen, vereinbarte ich einen Termin bei meiner Ärztin und fragte ganz kleinlaut: „Meinen Sie, ich könnte die Pille vielleicht mal absetzen?“ „Klar“, sagte sie, nicht ohne mich direkt zu warnen: „Aber Ihre starken Regelschmerzen werden dann wahrscheinlich wiederkommen!“ Ich schluckte. Bevor ich nämlich die Pille schluckte, hatte ich jeden Monat schreckliche Schmerzen, ein mal kippte ich sogar ohnmächtig vom Stuhl dank ihnen. Völlig verunsichert verließ ich die Praxis. Die Neugierde aber siegte – und ich setzte die Pille schließlich ab. Mit erstaunlichen Folgen:

Ich fühlte mich plötzlich anders.

So befreit, unbeschwert, wie losgelöst. Es kam mir vor, als ob eine riesige Last von mir gefallen war. Eine Last, die ich neun Jahre unmerklich mit mir rumgeschleppt und an die ich mich schon so sehr gewöhnt hatte. Jetzt aber fühlte ich mich einfach richtig gut, als wäre ich endlich wieder Ich selbst. Mein Körper hing dieser Entwicklung leider etwas hinterher, und musste sich erst an den Hormon-Entzug gewöhnen. Prompt reagierte er mit unregelmäßigen Zyklen und unreiner Haut. Beides nicht besonders angenehm, aber mittlerweile wieder fest im Griff. Dass die Pille – obwohl ich schon eine niedrig dosierte einnahm – einen so großen Einfluss auf meinen Körper hatte, wurde mir erst nach dem Absetzen schlagartig bewusst.

Für mich stand daher fest: Keine Hormone mehr, nie wieder.

So viel zur Theorie. Doch dann kam die Praxis – auch bekannt als mein neuer Freund. Wenn kein hormonelles Verhütungsmittel mehr in Frage kommt, und der Gedanke an einen Fremdkörper wie Spirale oder Kupferkette einen schaudern lässt, dann bleibt einem gar nicht viel anderes übrig als … NFP. Der Begriff steht für Natürliche Familienplanung, und ich finde ihn bis heute ganz schrecklich und auch ein bisschen irreführend für all diejenigen, die wie ich noch keine Familie planen. Denn: NFP kann man sowohl nutzen, um gezielt schwanger zu werden als auch um eine Schwangerschaft zu vermeiden. Dafür stehen einem mehrere Methoden zur Verfügung, als sicherste gilt die symptothermale Methode – noch so ein fürchterlicher Begriff.

Überhaupt schien mir NFP oder natürliche Verhütung, wie ich viel lieber sage, ein ziemlich verrücktes Unterfangen zu sein.

Und damit war ich nicht allein: „Du brauchst einen ganz regelmäßigen Zyklus“, „Ist doch total unsicher!“, „Da muss man schon sehr diszipliniert für sein“ – In meinem Freundeskreis wurde ich mit unzähligen Vorurteilen konfrontiert. Das Absurde: Ich selbst kannte und hatte jedes einzelne von ihnen, und dennoch ließ ich mich auf natürliche Verhütung ein. Weil die Zahlen einfach für sich sprachen: 99,7-prozentige Sicherheit, also 3 von 1000 ungewünschten Schwangerschaften innerhalb eines Jahres. Damit konnte ich leben. Und das tue ich heute, 3 Jahre später, immer noch. Ziemlich gut sogar.

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Natürliche Verhütung hat mein Leben ganz schön umgekrempelt, und es auf eine Weise verändert, wie ich es nie erwartet hätte.

Das Freiheitsgefühl, das sich nach dem Pillen-Entzug eingestellt hat, ist noch tausendfach intensiver geworden. Hinzu gekommen ist ein starkes Körpergefühl und Selbstvertrauen: Ich weiß nun, wie mein Zyklus funktioniert, wann mein Eisprung stattfindet, wann ich fruchtbar und wann ich unfruchtbar bin. Ich kann die Zeichen, die mein Körper mir sendet, eigenständig deuten und habe gelernt, ihm und mir zu vertrauen. Das Denken und Wissen rund um meinen Zyklus wurde mir neun lange Jahre durch die Pille abgenommen, Tag für Tag habe ich sie wie ein Roboter geschluckt, mir überhaupt keine Gedanken gemacht. Wir Frauen verlassen uns zum Teil blind auf die Pharmaindustrie, nehmen einen Hormon-Cocktail ein, ohne zu wissen, was die Spätfolgen davon sind.

Wir schalten unser kluges Köpfchen aus und haben vollkommen verlernt, uns mit unserem eigenen Körper auseinanderzusetzen.

Dabei können wir uns ganz auf ihn und Mutter Natur verlassen. Sie hat es nämlich ganz wunderbar eingerichtet und gibt uns klare Anzeichen für unsere Fruchtbarkeit.

Es fehlt uns lediglich an Mut, sie zu nutzen.

Alles Liebe,
Maggie

P.S. In Teil zwei der Mini-Serie erfährst Du, wie genau natürliche Verhütung funktioniert und was Du dafür brauchst. Teil 3 räumt mit Vorurteilen auf und Zweifel aus dem Weg.

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10 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Maggie,

    du schreibst, dass du mit unreiner Haut zu kämpfen hattest. Ich habe die Pille vor ca. 15 Monaten abgesetzt und meine Haut ist förmlich explodiert. Mittlerweile hat es sich wieder normalisiert, aber rein ist sie dennoch nicht wieder. Kannst du ein paar Tipps oder Erfahrungen teilen, was die Haut wieder in Balance bringen kann?

    Herzlichen Dank!

    1. Liebe Lena,

      da dies ein sehr komplexes Thema ist, habe ich dazu einen eGuide geschrieben, den ich Dir gern verlinke: http://wearetheladies.de/pickel-ade/

      Noch in diesem Monat erscheint dieser in einer Neuauflage, in der ich berichte, wie es bei mir nach der Schwangerschaft + Geburt mit meiner Haut weitergegangen ist sowie weitere Tipps von Leserinnen, die ich bekommen habe, vorstelle.

      Alles Liebe
      Maggie

  2. Liebe Maggie
    Vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Am liebsten würde ich auch gerne natürlich verhüten. Ich trau mich aber nicht. Ich möchte nähmlich wirklich wirklich Kinderfrei sein. Viele raten mir nach so einer Aussage das es dann doch besser ist die Pille zu nehmen.
    Wie stehst du dazu? Hast du die Einstellung wenn es dann doch einschlägt nicht sooo tragisch ist?
    Hast du keine ängste, dass doch was passiert ist?
    Ich könnte mir vorstellen das ich jeden Monat meine Tage ersehnen würde, damit ich sicher bin, dass nix passiert ist. Und das ist mir zu stressig.
    Und wie kommt dein Partner damit klar?

    Liebe Grüsse
    Jenny

    1. Hallo liebe Jenny,

      danke für Deine Nachricht. Ich freue mich, dass Du Dich für natürliche Verhütung interessierst. Und kann Deine Bedenken sehr, sehr gut nachvollziehen. Mir ging es, als ich vor über 3 Jahren mit der Methode anfing, nämlich genauso: Ich hatte eine rieeeeesengroße Angst schwanger zu werden! Gleiches galt für meinen Freund. Wir beide wusste überhaupt nicht, worauf wir uns da einlassen und ob es gut geht. Ich habe daher parallel zur Auswertung des Verhütungscomputers ein manuelles Kurvenblatt geführt, um mich doppelt und dreifach abzusichern. Eine Schwangerschaft war damals für uns überhaupt nicht denkbar!

      Doch schon im 2. Zyklus habe ich mich erstaunlicherweise ziemlich sicher gefühlt und nach dem verifizierten Eisprung nicht mehr verhütet. Nach ein paar weiteren Monaten habe ich die Kurvenblätter weggelassen und mich nur noch auf die Auswertung des Computers verlassen, dann bin ich irgendwann auf eine App umgestiegen, der ich auch voll vertraue (wobei ich immer kurz gegenchecke, ob die Auswertung stimmt).

      Meine Erfahrung also ist: Man wächst nach und nach in die Methode rein. Und das Gute an ihr ist: Du hast es selbst in der Hand. Wenn Du Dich nicht sicher genug fühlst, verhütest Du einfach durchgehend weiter. Es wird schon irgendwann der Punkt kommen, an dem Du merkst: Aha, das war also mein Eisprung, er ist nun vorbei und ich kann bedenkenlos „freigeben“.

      Wir sind es nicht gewöhnt, uns in Sachen Verhütung ausschließlich auf unseren Körper zu verlassen und es braucht ein wenig Zeit, ihm zu vertrauen. Keine Methode ist zu 100 Prozent sicher, aber mit natürlicher Verhütung habe ich mich schon nach wenigen Monaten zu 100 Prozent sicher gefühlt! Wichtig ist, sich gut einzulesen, den Zyklus immer aufmerksam mitzuverfolgen und auf Störfaktoren etc. zu achten.

      Mittlerweile habe ich also überhaupt keine Angst mehr, dass ich ungewollt schwanger werde. Im Gegenteil: 3 Jahre lang haben wir erfolgreich natürlich verhütet und als wir beide beschlossen, nun kann ein Kind kommen, bin ich direkt im 1. Zyklus schwanger geworden ;-)

      Solltest Du noch Fragen zur Methode etc. haben, melde Dich gern per Mail.
      Alles Gute für Dich!
      Maggie

  3. Was für ein toller Artikel! Ich habe die Pille vor 6 Jahren abgesetzt und es nie bereut. Auch ich fühle mich viel besser, wenn ich nicht fremdgesteuert bin. Ich hab mir im Frühjahr auch Bücher über NFP bestellt, aber mir scheut es ein wenig vor dem täglichen Aufwand. :-( Es wirkt doch sehr kompliziert.

    1. Hallo Patricia! Vielen Dank für das Lob, freut mich sehr. Auch, dass Du die Pille abgesetzt hast.

      Anfangs kommt einem NFP tatsächlich aufwendig vor, ist ja auch alles neu und ungewöhnlich. Aber nach einiger Zeit verinnerlicht man die Methode und der Aufwand ist dann vergleichbar mit Zähne putzen. Außerdem gibt es viele, tolle Hilfsmittel, die Dich bei natürlicher Verhütung unterstützen, damit reduziert sich der Aufwand erheblich. Einige davon stelle ich im nächsten Artikel und auf meiner Wesbite vor.

      Liebe Grüße!

  4. Liebe Maggie,
    vor circa 1,5 Jahren habe ich auch die Pille abgesetzt. Leider bekomme ich meine Hautprobleme seither nicht in Griff.. Wie hast du das geschafft?
    Danke und liebe Grüße
    Annette

    1. Hallo liebe Annette, erstmal: Super, dass Du den Absprung geschafft hast! Mit der Haut ist es so eine Sache. Je nachdem wie schlimm es ist und wie unwohl Du Dich fühlst, kann ich Dir empfehlen zum Hautarzt zu gehen. Habe ich damals auch getan und eine spezielle Creme hat mir geholfen. Plus die Effaclar-Serie von La Roche-Posay (aus der Apotheke). Momentan stelle ich jedoch komplett auf natürliche Mittel um, was bisher (toi, toi, toi) prima funktioniert. Demnächst erscheint mein erster eGuide zu diesem Thema – wenn Du magst, melde Dich zu meinem Newsletter an, oder schau auf Facebook vorbei, wann es soweit ist. Liebe Grüße, Maggie

  5. Ihr Lieben,

    das finde ich sehr, sehr spannendes Thema! Ich freu mich schon auf die Fortsetzung, habe ich mich doch auch schon mit dem Gedanken auseinandergesetzt, die Pille abzusetzen. Ich vertrage sie sehr gut und habe keinerlei Beschwerden, bin aber „pillenmüde“, wie man so sagt. Ich habe einfach keine Lust mehr, konnte aber bis auf die angesprochene NFP keine gute Alternative für mich finden. Aber so richtig trauen tu ich mich nicht… aber vielleicht ja nach dem nächsten Artikel ;-)

    Liebe Grüße,
    Larissa

    PS: Vielen Dank für euren supertollen Blog! Ich bin eine recht neue Leserin, aber verschlinge jeden neuen (und alten) Artikel heißhungrig und konnte schon viel für mich mitnehmen!

    1. Hallo Larissa! Danke für Deine Nachricht – freut mich sehr, dass Du natürliche Verhütung in Betracht ziehst. Damit ist schon mal der erste, wichtige Schritt getan. Vielleicht gibt Dir der zweite Teil der Mini-Serie ja tatsächlich einen weiteren Stupser. Ich würde mich freuen! Alles Liebe, Maggie

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