Kalari: Die indische Mutter aller Kampfkünste

Kalari begegnete mir bei meiner ersten Indienreise. Ein indischer Freund praktizierte diese uralte Kampfkunst und pries die dem Yoga ähnlichen Effekte. Seither wollte ich mehr über diese Kampfkunst erfahren, die ihren Ursprung in Südindien hat und als Mutter der ostasiatischen Kampfkünste gilt.  

Nun bin ich im Hamburger Yogastudio und bin ein bisschen aufgeregt. Wie immer, wenn man etwas Neues ausprobiere. Ich denke mir: Das kann so schwer nicht sein. Ich bin Yogini. Und Kampfsport habe ich auch lange gemacht. Das ähnelt sich ja doch alles irgendwie. Und dann fordern mich schon die Aufwärmübungen meiner Kalari-Stunde auf eine ganz neue Art und Weise heraus. Nicht, weil ich so viel körperliche Kraft aufbringen muss. Sondern, weil die Bewegungen so neu sind.  

Ich besuche den Workshop von Deva Kamila Ludwig. Sie und ihr Partner Kai Peter Hitzer haben 2006 kalari.org gegründet, um diese alte indische Kunst in Deutschland bekannt zu machen. Deva sagt: „Versuch mal nicht darüber nachzudenken, was du machst, sondern mache mir die Bewegungen einfach so gut es geht nach.“ Okay. So geht es dann eine ganze Stunde lang. Am Ende kann ich nicht mehr genau sagen was ich eigentlich gemacht habe. Ich habe vergessen, wie die Übungen hießen und wie ich mich bewegt habe.

Vieles fühlte sich sehr tierähnlich an. Was ich aber weiß: Ich fühle mich unglaublich gut. Energetisiert und gleichzeitig klar und ruhig.

Um die Wirkung von Kalari zu erfahren, probiert man es am besten aus. Die wichtigsten Informationen zu dieser Kampfkunst habe ich hier für dich zusammengetragen.

Was ist das Besondere am Kalari?

Kalarippayat- kurz: Kalari – gilt als die älteste Kampfkunst der Welt. Es soll 6000 Jahre alt sein. Es gilt als die spirituelle Kampfkunst der alten indischen Krieger und baut auf den Prinzipien des Yoga auf.

Kalari ist eine ganzheitliche Körperpraxis. Sie trainiert sowohl den Körper als auch unsere Psyche und unsere Sinne. Das Training verbindet also Körper, Seele und Geist und reinigt und stimuliert die Energiekanäle im Körper.

Und zwar mit Techniken, die jenseits von Kampfkunst an Disziplinen wie Yoga, Tanz und Mystik erinnern. Es gibt sowohl Formen, die alleine geübt werden, also auch Partnerübungen. Kalari wird über die Grenzen von Herkunft und Religion hinweg praktiziert.

Was ist der Unterschied zwischen Kalari und Yoga?

Der erste Unterschied ist die Art, wie im Kalari der Raum integriert und genutzt wird. Wir beginnen die Kalari Stunde, indem wir in einer klaren und respektvollen Haltung den Raum begrüßen. Diese Begrüßung gilt der Putara, der Kalari Teacher Linie sowie den Waffen und endet in einem mir sehr wichtigen Ritual – der Begrüßung der Teilnehmer*innen. Jede*r begrüßt Jede*n mit einem Kalari Namaste.  

Kalari wird nicht auf Matten praktiziert. Die Bewegungen im Kalari sind dynamisch und fließend. Das menschliche Bewegungspotenzial wird in seiner ganzen Vielfältigkeit genutzt. Unsere innere Welt wird dabei in die äußere projiziert und dort durch komplexe Bewegungen bearbeitet; diesen Prozess nennt man Mapping. Diese Codierung sind die Sequenzen, die männlichen und weiblichen Formen des Kalari. Sie bilden feste Vorgaben, aber innerhalb der Formen findet jeder seinen individuellen Ausdruck, ohne den Bewegungsfluss zu unterbrechen.

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Kalari versteht sich als tantrische Kampfkunst, was bedeutet das?

Beim Kalari geht es darum, das Potenzial des Menschen voll auszuschöpfen und zu allen Anteilen in uns “Ja” zu sagen. Es geht nicht um Entsagung. Kalari nutzt alle Emotionen und Erlebnisse, die unsere mentale sowie körperliche Haltung formen. Ein ganz wichtiger Part im Kalari ist das Laufen von bestimmten Bewegungsabfolgen – Formen.

Dabei wird zwischen männlichen und weiblichen Formen unterschieden. Ziel ist die Heilung und Harmonisierung der Polarität beider Teile in uns. Kalari verbindet auf natürliche Art und Weise archetypisch weibliche und männliche Bewegungsmuster. Seit seiner Entstehung wurde Kalari sowohl von Mädchen als auch von Jungen, Frauen und Männern, jung und alt praktiziert.

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Für wen eignet sich Kalari? Für wen eher nicht?

Jeder kann Kalari praktizieren. Kalari holt dich ab wo du gerade bist, mit all deinen Begrenzungen sowie Stärken. Auch hier spiegelt sich ihr Erbe wieder, da es stets von unterschiedlichsten Menschen jeden Alters praktiziert wurde.

Welche körperlichen Voraussetzungen sollte man mitbringen?  

Da Kalari eine sehr heilende und stärkende Wirkung hat, kann wirklich jeder diese Kampfkunst praktizieren. Wichtig ist es, eventuelle Verletzungen vorher zu erwähnen, damit die Lehrer*innen die passenden Übungen für dich finden können.  

Wieso ist Kalari in Deutschland noch nicht so bekannt?  

Als Kampfkunst ist Kalari uninteressant für die meisten westlichen Geister, da es keine Gurte und Abstufungen gibt. Auch gibt es bislang keine wirkliche Lehrerausbildung jenseits des klassischen Lehrer-Schüler-Verhältnisses. Du praktizierst, bis du irgendwann soweit bist.  

Kalaris tatsächliches Potenzial als ein ganzheitliches Körper- und Geist-Training ist bis jetzt noch nicht wirklich entdeckt worden im Westen. Es gibt jedoch viele neue Bewegungstrends, die von Kalari inspiriert sind wie zum Beispiel Budokon, Animal Movement und viele Elemente, die wir heute in der sogenannten Functional Fitness oder bei den Movern finden.

Falls Du Dich für Kalari interessierst, aber noch unsicher bist: Hier kommen unsere drei guten Gründe, um diese alte indische Kampfkunst einmal selbst auszuprobieren.

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Drei gute Gründe, um Kalari einmal auszuprobieren

  1. Kalari ist eine holistische Bewegungsform, die dich mit offenen Augen und allen Sinnen für den Alltag und dein Leben stärkt. Sie trainiert Körper und Geist gleichermaßen.
  2. Kalari unterstützt dich dabei, deine persönliche Intensität zu (er-)leben und schließlich zu innerem Frieden und Harmonie zu finden.
  3. Kalari ist ein sehr effektives Tool auf dem Weg der Transformation von Emotionen zu purer Energie für unser Leben.

Du hast Lust Kalari selbst einmal auszuprobieren? Anbieter gibt es in folgenden Städten:

 

Fotos © Annegret Hultsch

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Ein Kommentar / Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo,

    Danke für diesen tollen Beitrag.
    Durch dich habe ich auch nach einem Kurs gesucht um Übungen von Zuhause machen können gesucht und bin auf einen tollen Kurs gestoßen den ich mir täglich angucke und muss sagen ich fühl mich seit dem auch viel besser.

    Wenn jemand an diesen Kurs interessiert ist hab ich hier ein Link: http://bit.ly/2IsWkqa

    Danke

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