Bewusstseins-Booster: So lernst du dich noch besser kennen

Als ich in meinem Lieblings-Lunch-Laden in Berlin-Mitte an der Kasse stand, um mein Essen zu bezahlen, bediente mich eine zierliche dunkelhaarige Frau. Während sie mein Geld entgegen nahm, war sie mit ihren Gedanken noch bei der letzten Bestellung. Kurz vorher eilte ihre Kollegin herbei, um ihr auszurichten, dass sie zum Ärger der Kundin ein falsches Gericht boniert hatte. Als sie mir schließlich mein Restgeld herausgab, schielte sie unkonzentriert zwischen den Scheinen und dem erbosten Gast hin und her. Sie gab mir merklich zu viel Geld heraus.

Als ich sie darauf hinwies, entgegnete sie mir angespannt, dass ihre Kollegin und die Kundin sie völlig durcheinander gebracht hätten.

Dieser Satz erinnerte mich an etwas sehr Wichtiges:

Wir selbst entscheiden, ob wir Opfer sein wollen oder ob wir Verantwortung für unser Leben übernehmen. Die Bedienung im Café entschied sich dazu, in die Opfer-Haltung zu gehen, indem sie ihre Kollegin für ihre eigene Unkonzentriertheit verantwortlich machte.

Ich selbst spiele auch manchmal das Opfer. Besonders gern, wenn ich zu spät bin. Dann ist der Feierabendverkehr schuld oder ich finde einen anderen Sündenbock. Weitere beliebte „Opfertiere“ sind Vorgesetzte, Partner und auf Platz Nummer Eins unsere Eltern. Schließlich sind sie per se an allem Schuld. An unseren Beziehungsmustern, Misserfolgen, Ängsten und unserem miserablen Selbstwert. „Meine Eltern haben mich schließlich nie gelobt,“ sagt das Opder-Ich.

Ein Leben in dieser Haltung ist zwar leidvoll aber auch äußerst bequem. Denn wir müssen nichts ändern. Und so lange die anderen Schuld haben, können wir auch nichts ändern. Aussicht auf Besserung unserer Situation bestünde nur, wenn sich im Außen etwas änderte. Das ist die Wahrnehmung des Opfer-Ichs ohne ein höheres Bewusstsein.

Um dieses höhere Bewusstsein anzuknipsen, musst du aus der Täter-Opfer-Wahrnehmung austreten.

Und das geht so: Für die Kellnerin im Beispiel oben würde die Abwesenheit von Täter und Opfer bedeuten, dass die Kollegin keine Schuld an ihrer Unkonzentriertheit hat. Ihr würde bewusst sein, dass sie diese Situation vorfindet, weil sie müde und gestresst ist und sie empfänglich für jede kleine Ablenkung ist. Sie würde sich eingestehen, dass sie dringend Feierabend braucht oder sogar Urlaub nehmen müsste oder generell an ihrem Stress-Thema arbeiten müsste. Sie würde vielleicht mit Atemübungen beginnen, die ihr Stresslevel minimieren. Sie wäre ganz bei sich und wüsste, dass sich das Außen nur ändert, wenn sie etwas ändert. Sie würde Verantwortung für sich übernehmen. Sie würde in ihrem höheren Bewusstsein fernab von Schuld- und Tätergedanken sein.

Und genau hier entsteht die Schwierigkeit. Wenn wir selbst die Verantwortung für uns übernehmen, müssen wir im Zweifel handeln. Wir müssen etwas in unserem Leben ändern, damit es uns wieder besser geht. Wir müssen uns eingestehen, dass wir erschöpft sind, weil wir uns selbst im Stich gelassen haben. Wir erkennen, dass wir den nächsten Schritt nicht gehen können, weil wir Angst haben und so weiter und sofort. Es gibt keine Entschuldigungen mehr im Außen. Autsch!

Ein Leben in diesem höheren Bewusstsein bringt meistens Konflikte mit sich, wie zum Beispiel eine Auseinandersetzung mit dem Chef, dem Partner oder den Eltern. UNANGENEHM, ich weiß!

Und glaub mir, mein Leben ist nicht einfacher geworden, seitdem ich mein Opfer-Ich aufgegeben habe. Ständig muss ich für mich sprechen, meine Grenzen klar machen, nein sagen, die Wahrheit sagen oder über meinen Schatten springen oder eingestehen, dass ich ungerecht war.

Aber ich verspreche dir, dass sich dieser Weg lohnt. Denn auf diese Weise gewinnst du mehr Bewusstsein darüber, was eigentlich wirklich los ist. Was vorher schon in dir war, das dich in diese Situation geführt hat. Dein inneres Kind wird vor Freude darüber, dass du endlich da bist,  im Dreieck springen.

Deshalb nimm dir für diese Woche vor, niemanden außer dich selbst für deine Situation verantwortlich zu machen. Wenn du merkst, dass du jemandem anderes die Schuld zuweisen möchtest, beiß dir auf die Zunge oder um es liebevoller umzusetzen: halte dir sanft die Hand vor den Mund.

Dein Montagsmantra hilft dir dabei. Wiederhole es in Situationen, in denen du die Schuld auf andere schieben möchtest:

Ich allein bin verantwortlich für meine Gefühle in dieser Situation. Ich entlasse alle anderen Personen und wende mich mir selbst zu.

Hier noch ein paar Tipps zur Umsetzung:

  • Fange mit der Übung bei kleinen Alltagssituationen an, zum Beispiel wenn du dem Taxifahrer für dein Zuspätkommen verantwortlich machen willst. Sag dir dein Mantra und wende dich deinem eigentlichen Thema zu, wie zum Beispiel „Ich spüre Stress, weil ich spät dran bin“.
  • Wenn du deinem eigentlichen Thema auf die Schliche gekommen bist, frage dich was du brauchst. Bei dem Taxibeispiel könnte es dir vielleicht helfen, ruhig und lang zu atmen und zu akzeptieren, dass du zu spät kommen wirst.
  • Steigere dich über die Woche zu den größeren Herausforderungen, wie zum Beispiel deinem Partner oder Eltern.
  • Lass deine Gefühle zu. Wenn du zum Beispiel feststellst, dass dein Partner einen Knopf bei dir drückt und dein Thema „Misstrauen“ weckt, weil er später Heim kommt als geplant, wende dich dir selbst zu. Schließe die Augen und lass die Gefühle da sein. Wie alt sind sie? Woher kennst du diese Gefühle ? Was wollen sie dich lehren?

Ich bin gespannt, was du in dieser Woche über dich lernst und wie sich dieser Bewusstseins-Boost für dich anfühlt. Teile deine Erfahrungen unbedingt unten in den Kommentaren mit mir.

IMG_9608-croppedSo leicht ist es in deinem Fall nicht? Du steckst in einer Situation fest und weißt nicht, welcher der richtige Schritt sein könnte oder ob du überhaupt etwas tun kannst, um es zu ändern? Dann kannst du eine private Soul Session mit mir buchen und der Sache auf den Grund gehen – in Berlin oder per Skype. Alle Infos hier.

In diesem Sinn, booste dein Bewusstsein und shine bright,

deine Franziska

 

 

PS: Du kennst jemanden, der dieses Montagsmantra lesen sollte? Dann schick der Person diesen Link mit dem Mantra https://www.fuckluckygohappy.de/?p=5849.

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13 Kommentare / Schreibe einen Kommentar

  1. Oh ja, wieviele Situationen mir hier sofort einfallen, die auch nicht nur einmalig sind, sondern sich ständig wiederholen und auch immer wieder wiederholen werden, wenn ich nicht anders denke. Gut, dass ihr das in mein Bewusstsein ruft. Und hier kommt mein aber: was ist, wenn mich diese ganze Situationen, in denen ich ab jetzt mich selbst dafür verantwortlich mache, stressen? Also ich erlebe es jetzt schon, dass ich mich für das eine oder andere selbst an die Nase fasse und das greift mich ganz schön an. Natürlich heißt es hier, Ruhe, atmen, mich der Situation bewusst werden. Gerne würde ich das umsetzen, wenn nicht die Angst vor der ‚ Selbstzerstörung‘ wäre. Klingt dramatisch …

    1. Liebe Sabrina, es geht nicht darum aus der Opferrolle hinauszugehen, um in die Täterrolle hineinzugehen, sondern diese Wahrnehmung komplett aufzuheben. In deinem Fall könnte das bedeuten, dass du immer wieder in Situationen gerätst, in denen du dich verantwortlich fühlst / dir an die eigene Nase fasst. Aus dieser Wahrnehmung kannst du austreten, indem du dich fragst „Was kann ich hier lernen“? Das könnte zum Beispiel sein, ein Problem offen anzusprechen oder die Verantwortung für einen Vorfall bei der Person zu lassen, wo sie hingehört und so weiter. Hilft dir das? Falls du ein konkretes Problem hast, dass dich belastet, kannst du mich auch jederzeit für eine Soul Session aufsuchen. Alles Liebe in deine Richtung und schau mal, was das Leben dir beibringen will in diesen schwierigen Situationen. Deine Franziska

      1. Hallo Franziska, das war natürlich überspitzt ausgedrückt, aber es gibt ja so Tage…. Ja, hat mir geholfen. Vor allem auch die Frage, inwieweit ich selbst für etwas verantwortlich bin. Oder doch jemand oder etwas anderes. Danke für die Gedankenanstösse!

  2. Schöner Artikel,

    ich stimme Stefan zu. Die wirkliche Schwierigkeit beseht darin, seine Vorsätze auch in den entscheidenden Situationen anzuwenden. Daran arbeite ich jeden Tag aufs neue. Einige Tage klappt es besser, andere schlechter. Wichtig ist nur, sich von eventuellen Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen, sondern jeden morgen sich vorzunehmen, heute sein bestes zu versuchen.

    Liebe Grüße, Jule

  3. Hallo Franziska
    jeden Montag lese ich Dein Mantra und wie so oft (fast jedes Mal) berührt mich das jeweilige Thema und bringt mich zum Nachdenken. Gerade hat jemand meinen “ Knopf“ gedrückt. Zu erkennen, dass ein altbekanntes Thema (Vertrauen) dahintersteht hilft mir gelassener zu bleiben. Es liegt einzig und allein bei uns wie wir damit umgehen! Ich Danke Dir sehr für Deine inspirierenden Montagsmantras!!!
    Namaste

  4. Liebe Franziska,

    als ich Dein Artikel las, wurde mir mal wieder klar wie schwer es doch ist, diese Bewusstheit im Alltag zu leben. In der Yoga Stunde oder zu Hause in der Meditation ist es leicht sehr bewusst präsent zu sein. Doch dies im Alltag umzusetzen ist doch die eigentliche spirituelle Übung. In jeder einzelnen Situation sich zu erinnern und sich seiner Gefühle beuwsst zu werden und vorallem sich bewusst zu sein, in welchem Raum diese Gefühle auftauchen und dass man jederzeit Abstand dazu finden kann.

    Insofern vielen Dank für diesen in den Alltag geholten „reminder“ :)

    Liebe Grüße Stefan

  5. Ein großartiges Mantra, mit welchen ich mich auch sehr oft außeinandersetze. Lange habe auch ich in der Opfer-Haltung gelebt. Bis es mir bewusst wurde und ich nun versuche selbstbestimmt durchs Leben zu gehen und Verantwortung zu übernehmen. Lebt sich so auch viel besser und irgendwie auch glücklicher. Es ist viel schöner mit dem Gefühl durch das Leben zu gehen, dass ich selbst etwas ändern kann, wenn ich unzufrieden bin oder mal etwas nicht so läuft. Das würde nicht gehen, wenn ich jegliche Verantwortung von mir abweise. Dann müsste ich nur trübsal blasen, denn ich kann ja nichts machen und alles wäre Schicksal.

    Auch deine Tipps finde ich toll, liebe Franzisake :)

    Ganz liebe Grüße,
    Julia
    http://www.derjogblog.com

    1. Lieber Christoph, es freut mich, dass dir das Montagsmantra hilft. Ich empfehle dir, dich genauer mit Mobbing-Mechanismen und der Täter-Opfer-Sache auseinanderzusetzten. Ich wurde in der Grundschule auch gemobbt. Mein Learning: Mund aufmachen, den Mobber konfrontieren, für sich einstehen. Weiß nicht, ob das so einfach zu pauschalisieren ist, deshalb schau mal, was für deine Situation stimmig und hilfreich ist. Wichtig ist, das System zu verstehen und gut für sich zu sorgen. Alles Gute, Franziska!

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