Vanlife: Wie mein Mann und ich alles verkauften und in einen Bus zogen

Im Mai 2019 haben mein Mann Stefan und ich unseren Besitz halbiert, unseren Berliner Alltag in Kisten verstaut und sind von unserer Wohnung im Wedding in unseren Chevy Van Emil eingezogen. 

Unser beider Kindheit war geprägt von Camping-Urlauben mit dem Bus. 

Das Gefühl von Freiheit, das sich jedes Mal auf der Autobahn gen Süden eingestellt hat, begleitet uns bis heute. Als wir frisch verliebt auf einem Yogaretreat erfahren haben, dass Emil zum Verkauf steht, konnten wir nicht anders. Bei 90 Grad in der Sauna haben wir uns für das gemeinsame Abenteuer entschieden und haben Emil gekauft.

Das wir Fulltime in Emil einziehen würden, war von Anfang an der Traum, den wir uns erst gar nicht zu träumen gewagt haben. Aus drei Monaten wurden sechs, aus sechs Monaten ein Jahr und am Ende wurde doch Vollzeit daraus. Wir haben uns langsam ran getastet.

In unserem ersten Urlaub mit Emil in Dänemark haben wir heimlich geheiratet. 

Das gegenseitige Commitment hat uns auf eine Art und Weise verändert, die wir nie für möglich gehalten hätten. Zum ersten Mal haben wir erfahren, was es bedeutet, sich in einer Beziehung so sicher und geborgen zu fühlen, dass alle Masken fallen dürfen und wir ganz wir selbst sein können. Mehr denn je wollten wir uns von alten Glaubenssätzen, Konditionierungen und Strukturen befreien, um Neues auszuprobieren und so zu leben, wie es uns guttut.

Die Idee, langfristig in den Van zu ziehen, hat sich nach und nach aus dem Wunsch heraus entwickelt, den Berliner Alltagstrott hinter uns zu lassen, um unser Leben nach unseren Wünschen und Bedürfnissen zu gestalten.

Wir sind einem inneren Ruf nach mehr Verbundenheit mit uns selbst, einander und der Natur gefolgt.

Die Entscheidung zum Vanlife ist uns vor allem deshalb leicht gefallen, weil wir das Gefühl hatten, dass wir mehr Zeit in unsere Beziehung investieren möchten. Auf Instagram und YouTube haben wir nicht nur Inspiration, sondern auch Mut gefunden, unseren Traum zu verwirklichen. 

Die größte Herausforderung war, uns von der Sicherheit der eigenen vier Wände zu verabschieden, um ganz neue Wege zu gehen. 

Dabei sind wir nicht nur auf Zuspruch gestoßen, sondern auch auf kritische Fragen und die eigenen Ängste. So waren wir als Paar immer wieder aufgefordert, eine stabile Basis zu schaffen, uns als Individuen weiter zu entwickeln und als Team zusammen zu halten. An diesem Prozess sind wir beide sehr gewachsen.

Stefan ist selbstständiger Berater im Bereich Digitalisierung und Online Marketing und war zu dieser Zeit Head of Marketing für ein Sport-Startup. Er hat sich dort zum ersten Mal wirklich anerkannt und wertgeschätzt gefühlt und die Entscheidung, diesen Teil seiner Identität aufzugeben, hat ihn einiges an Überwindung gekostet. 

Ich war zuletzt für eine Strategie-Beratung im Bereich kulturelle Transformation tätig. In unseren Projekten lag mein Fokus neben dem Projektmanagement vor allem auf der persönlichen Entwicklung der Teilnehmer*innen, Achtsamkeit und Meditation. Die angesehene Karriere für meinen Herzensweg aufzugeben, war nicht leicht.

Ich habe lange im Außen nach der Liebe und Anerkennung gesucht, die ich mir selbst verweigert habe.

Eine liebevolle Beziehung zu mir selbst aufzubauen, hat mein Leben verändert. Parallel zu meinem Job habe ich meine Ausbildungen als Life Coach und Yogalehrerin gemacht, weil ich überzeugt bin, dass die Qualität der Beziehung zu uns selbst die Qualität unseres Lebens bestimmt. Die Weisheit liegt in uns und wir finden Zugang, wenn wir lernen, uns selbst anzunehmen und zu vertrauen. 

Meine Selbstständigkeit in Berlin ist zunächst trotzdem gescheitert, weil mir die innere Klarheit gefehlt hat. Für den Traum vom Vanlife habe ich meine Selbstständigkeit dann hinten angestellt, während Stefan uns finanziell unterstützt hat. Durch diese Erfahrung haben wir viel darüber gelernt, welche Rolle Geld in unserer Gesellschaft und für uns selbst spielt. 

Vanlife erfordert den Willen, Unsicherheit auszuhalten und den Mut, sich selbst zu begegnen.

Seit wir im Van leben, hat unser Alltag sich radikal verändert. Vor unserem Einzug haben wir Emil in drei Tagen mit unseren Familien zum rollenden Zuhause umgebaut. Jetzt spielt sich unser Leben auf kleinstem Raum zwischen Küchenzeile und Sitzbank ab, die sich in unser Bett verwandeln lässt. Wir verbringen viel Zeit in der Natur und folgen unserem eigenen Rhythmus. 

Oft hören wir von anderen, dass wir den Traum leben und es stimmt, dass wir uns unseren persönlichen Traum realisieren. Doch wie jedes andere Leben hat auch das Vanlife Herausforderungen. Unsere Botschaft ist, dass jede*r die Möglichkeit hat, das eigene Leben zu gestalten, wenn wir bei uns selbst anfangen und unsere eigenen Glaubenssätze und Konditionierungen hinterfragen. 

Drei Monate haben wir im Baltikum in wildromantischen Wäldern, kontrastreichen Städten und an wunderschönen Küstenabschnitten verbracht.

Als digitale Nomaden haben wir uns über günstiges und unbegrenztes Datenvolumen und großartigen Empfang in den abgelegensten Winkeln gefreut. Nur zweimal haben wir auf Campingplätzen gestanden, sonst haben wir kostenlose Stellplätze über eine App gefunden und waren dankbar für die Offenheit der Menschen.

Die Frage nach Toilette und Dusche bekommen wir wohl am häufigsten gestellt. Meistens gehen wir in die Natur und haben einen kleinen Spaten für die großen Bedürfnisse. Wir waschen uns im Meer oder in Seen und manchmal einfach mit dem Waschlappen. 

Den Winter werden wir im Süden verbringen. Frankreich, Spanien und Portugal stehen auf unserer Liste. Einen zeitlichen Rahmen haben wir nicht, folgen stattdessen unserer Intuition und würden gerne noch eine ganze Weile durch Europa reisen.

Was als Reise- und Bewusstseinsblog angefangen hat, entwickelt sich mehr und mehr zu einem Herzensbusiness. 

Vanlife ist ein Katalysator für unsere Entwicklung als Menschen und als Paar. Wir brauchen eine starke Basis, um auf kleinstem Raum zu leben, zu lieben und zu arbeiten. Schon seit Beginn unserer Beziehung entdecken wir immer wieder neue Tools und Ansätze, die uns helfen, uns selbst und einander besser zu verstehen, unsere Einzigartigkeit zu feiern und uns im Menschsein anzunehmen.

Unsere Vision ist es, die Art, wie wir leben und lieben zu revolutionieren. Paartherapeutin Esther Perel sagt, zu lieben ist eine Fähigkeit, die wir kultivieren. Der buddhistische Lehrer Chögyam Trungpa schreibt in seinem Buch “Cutting Through Spiritual Materialism”*, dass Liebe nicht nur eine Erfahrung von Schönheit, Romantik und Freude ist, sondern auch Schmerz, Wut und Hässlichkeit hervorruft. Wirklich zu lieben bedeutet, alles anzunehmen was ist. 

Auf We are here We are now eröffnen wir neue Perspektiven, um Menschen zu helfen, erfüllte Beziehungen zu leben, weil wir glauben, dass die Welt mehr Liebe braucht.

In der kommenden Zeit nehme ich euch auf FLGH mit auf unsere Reise. 

Lebst du bereits in Verbundenheit mit dir selbst und/oder deiner*m Partner*in? Was hält dich davon ab, für deine Träume loszugehen?

Ich freue mich auf deine Kommentare!

Deine Josefine

Fotos © Stefan Weichand

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