Unser Geschmack liegt auf der Zunge, um genauer zu sein an verschiedenen Rezeptoren oder Geschmacksknospen. Im Westen kannte man bisher nur fünf Geschmacksrichtungen: Süß, sauer, salzig, bitter und umami (herzhaft). Mittlerweile plädiert die Forschung allerdings für einen weiteren Sinn und zwar den für Fett (oleogustas). Wie sehr süß und fettig unsere Stimmung beeinflussen können, macht vor allem das Beispiel Schokolade deutlich, denn diese Kombination aktiviert unser Belohnungszentrum im Gehirn – Freude pur.
Im Ayurveda kennt man seit jeher sechs Geschmacksrichtungen (Rasa), die verschiedene Einflüsse auf den Körper haben und sogar unterschiedlichste emotionale Zustände bewirken können. Die Geschmacksknospen nehmen die einzelnen Geschmäcke auf der Zunge wahr und senden ein entsprechendes Signal zum Gehirn welches unsere Verdauung und auch die Doshas beeinflusst. Damit wirkt sich die jeweilige Geschmacksrichtung auch auf deine individuelle Konstitution aus.
Die 6 Rasas und ihre Wirkung
Die sechs Geschmacksrichtungen im Ayurveda sind etwas abweichend von denen die wir im Westen kennen. Sie lauten wie folgt:
- Madhura (süß)
- Amla (sauer)
- Lavana (salzig)
- Katu (scharf)
- Tikta (bitter)
- Kashaya (herb)
Sie werden in ihren Eigenschaften den fünf Elementen Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde zugeordnet und haben somit wiederum eine verstärkende oder besänftigende Wirkung auf die Doshas Vata, Pitta und Kapha. Das heißt: Durch die Wahl des jeweiligen Geschmacks in unserer Nahrung können wir Einfluss auf das Gleichgewicht unserer Doshas nehmen und somit unser körperliches und mentales Befinden beeinflussen.
Süß (Madhura) – Erde und Wasser
Die Lebensmittel, die reich an Kohlenhydraten sind werden von dem süßen Geschmack dominiert und sind
Sauer – Erde und Feuer
Saurer Geschmack regt den Appetit an, kurbelt die Speichelproduktion an und fördert so unsere
Salzig – Wasser und Feuer
Salz ist erhitzend, schwer und ölig. Es vermehrt Kapha und Pitta, verringert Vata. Es wirkt bei 
Scharf – Feuer und Luft
Der scharfe Geschmack ist vom Element Feuer dominiert und heizt unserem Verdauungsfeuer so richtig 
Bitter – Luft und Raum
Bitter ist der Geschmack, der in der westlichen Ernährung weitgehend fehlt. Die Bitterstoffe werden aus 
Herb/zusammenziehend/adstringierend – Luft und Erde
Der herbe Geschmack kommt in Pflanzen mit einem hohen Anteil an Gerbstoffen (z.B. Tannine) vor, in Kichererbsen, grünen Bohnen, Granatäpfeln oder unreifen Bananen. Er wirkt kühlend, trocknend und schwer, beruhigt Pitta und Kapha, verstärkt aber stark Vata. Im richtigen Maß unterstützt er die Heilung von Geschwüren, im Übermaß verursacht er Trockenheit im Mund, Verstopfungen und Blähungen, sowie Auszehrung.
Über Geschmack lässt sich streiten
Eine Mahlzeit sollte idealerweise alle sechs Geschmacksrichtungen enthalten um ausgleichend und nährend auf unseren Körper zu wirken. Dennoch ist auch hier Individualität gefragt: Besonders gut für Vata-Typen sind süß, sauer und salzig; Pitta-Typen sollten süß, bitter und zusammenziehend bevorzugen, während der Kapha-Typ von scharfem, bitterem und zusammenziehendem Geschmack profitiert. Wenn die individuelle Konstitution ausgeglichen ist, bevorzugt jeder Dosha-Typ auch überwiegend diese Geschmäcke – sind wir schon in einem Ungleichgewicht neigen wir leider oft dazu auch noch zum verstärkenden zu greifen.
Die Biochemie des Geschmacks: Der Nachgeschmack
Der Geschmack hat also einen wichtigen Einfluss auf unsere Verdauung und die Versorgung unserer Körpergewebe (Dhatus). Dabei spielt sich der Geschmack im ersten Schritt auf unserer Zunge ab, die Geschmacksrezeptoren senden ein Signal zum Gehirn, welches wiederum den Verdauungsorganen meldet was als nächstes so da unten ankommt. Daher ist das Schmecken von bitteren Heilkräutern auf der Zunge auch ein wichtiger Faktor ihrer Wirkung und sollte nicht über eine Tablettenform die schnell runter geschluckt wird umgangen werden. Der zweite Schritt ist die Umwandlung oder auch Biochemie des Geschmacks – denn außer dem Geschmack auf der Zunge, kennt der Ayurveda auch noch einen „Geschmack nach der Verdauung“ (Vipaka). Das heißt, das Nahrungsmittel nicht nur einen individuellen „Zungengeschmack“ sondern auch einen spezifischen „Nachgeschmack“ haben, wovon es nur drei gibt nämlich süß, sauer und scharf. Dieser Geschmack kann nicht unmittelbar wahrgenommen werden, denn er beschreibt, wie das Nahrungsmittel nach der Verdauung auf die Gewebe des Körpers wirkt – und das kann oft auch anders sein als der vordergründige Zungengeschmack. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Banane, die zwar süß auf der Zunge schmeckt, deren Vipaka aber sauer ist.
Don´t judge a food by its cover
Die Ernährungswissenschaft ist immer schnell dabei Lebensmittel in gut und schlecht einzuteilen. Sie bewertet dabei allein nach isolierten Inhaltsstoffen, die im Tier- oder Zellversuch den Wirkmechanismus XY hervorgerufen haben. Ayurveda wertet nicht nach gut oder schlecht. Es beschreibt regelrecht eine Wirkung, die für unterschiedliche Individuen oder Zustände zu veschiedenen Zeitpunkten jeweils förderlich oder aber negativ verstärkend ist. Hier zwei meiner Lieblingsbeispiele um den Unterschied zu verdeutlichen: Nehmen wir die ernährungswissenschaftliche Annahmen, dass Carob viel gesünder ist als Kakao. Carob enthält weniger Fett, dafür jedoch einen hohen Anteil an Ballaststoffen, sowie Mineralstoffe wie Calcium und Eisen. Anders als Kakao ist Carob frei von anregenden Substanzen wie Theobromin und Koffein. Klingt ja super, denkt man sich. Schauen wir uns das ganze aber aus ayurvedischer Perspektive an, so wirken sowohl Carob als auch Kakao durch ihre bittere und erhitzende Eigenschaft erhöhend auf Vata und Pitta, während sie Kapha mindern – demnach wirken sie aus dieser Sicht gleich.
Das nächste Beispiel ist der heiß umstrittene Kaffee. Ayurveda sagt, jedes Mittel kann ein Heilmittel sein und daran glaube ich persönlich auch. Während Kaffee Vata und Pitta verstärkt, mindert er Kapha. Diabetes Mellitus II zum Beispiel kommt häufig durch ein Übermaß an Kapha zustande und so ist es nicht verwunderlich, das eine epidemiologische Studie ein gewisses Maß an Kaffeekonsum mit einem niedrigen Risiko an Diabetes zu erkranken assozieren konnte. Auch als Vata-Pitta Typ kann es vorkommen, dass bei mir mal Kapha Phasen angesagt sind, vor allem im Winter und Frühjahr. Ein bewusst eingesetzter Kaffee kann dann manchmal Wunder wirken gegen Müdigkeit und einen trägen Stoffwechsel. Er ist aber kein Mittel um uns über den Tag zu retten bei einer Müdigkeit, die durch ein erschöpftes Vata Dosha oder ein ausgebranntes Pitta Dosha zustande kommt. Er sollte auch kein Gegenstand der täglichen Routine sein, den ich mir schnell zum Wachwerden runterkippe, statt mir die Zeit für eine aufweckende Morgenroutine zu nehmen.
Wenn du also in dich hinein hörst, weißt du oft genau wann es Zeit für welchen Geschmack ist. Wann die Zeit für eine scharfe, erhitzende Suppe ist, für einen bitteren, kühlenden Salat oder auch einen Kaffee. Wir sollten uns die Dinge in jedem Fall wieder mehr auf der Zunge zergehen lassen.
Wenn du nach Rezepten für deinen Dosha Typ suchst, besuche mich gerne auf meinem Blog daniaschumann.com.
Alles Liebe,
Dania


2 Kommentare
Liebe Liz,
vielen Dank, das freut mich, dass es dir gefällt! Kurkuma ist in Maßen für alle Doshas gut, und wirkt vor allem antibakteriell. Du könntest es bei einer akuten Erkältung auch einmal mit Tulsi-Tee versuchen.
Alles Liebe,
Dania
Hi Dania,
ich finde immer alles super interessant was du über Ernährung schreibst. Ich bin auch der Meinung, dass es kein Allheilmittel für jeden gibt. Nun meine Frage dazu: weil ich mich schon seit dem Herbst immer wieder mit einer Erkältung herumplage probiere ich gerade die goldene Milch aus, die ja wahre Wunder vollbringen soll. Ich bin aber ein typischer Vata-Mensch. Ist Kurkuma für mich überhaupt das Richtige? Falls du das liest und ein Momentchen hast wäre ich dir für eine Antwort sehr dankbar.
Liebe Grüße
Liz
Kommentare sind geschlossen